Nach einer Zeichnung von A. Estler]

Im Gegensatz zu der uralten Mühlenindustrie beginnt die _Holzflößerei_

durch den Plauenschen Grund nach der Anordnung Herzogs Georg des

Bärtigen erst 1521. Ein Floßgraben, von der Weißeritz zwischen Plauen

und Dresden abgezweigt, führte alljährlich bis zu fünfzehntausend

Klaftern Holz, die aus den Altenberger, Bärenfelser und Grillenburger

Revieren in das Frühjahrshochwasser der Weißeritz geworfen wurden,

auf die Floßplätze der Stadt Dresden, das letztemal im April 1875.

Reste des Floßrechens sind heute noch etwas oberhalb der Bienertschen

Hofmühle erkennbar (Schrifttum Nr. 17).

Früher als anderwärts begann im Plauenschen Grunde der Wettstreit der

Heizkraft des Holzes mit der _Steinkohle_. Schon im Jahre 1542 erhält

der Münzmeister Hans Biener das Mutungs- und Abbaurecht für Steinkohlen

zwischen Plauen und Tharandt, und bald darauf schließen die Gewerken

einen Abbauvertrag mit zwei Brüdern von Zeutzsch auf Burgk für deren

Gemarkung. Aber es dauerte noch lange, ehe man das »schwarze Gold«,

die kostbarste Mitgift des Plauenschen Grundes, in seinem wahren Wert

erkannte (Seite 110).

Weniger als andere an den großen Heerstraßen gelegene Gegenden Sachsens

haben die Bauern, Müller und Bergknappen des Plauenschen Grundes unter

den Verwüstungen des Hussitenkrieges und des Dreißigjährigen Krieges

gelitten. Es war für kleinere Abteilungen und Marodeure gefährlich,

durch dieses teils enge, teils von Sümpfen und Wasserläufen durchzogene

Felsental zu marschieren, und größere Heere mieden ohnehin solche

Défilés. Mag hie und da einmal ein Dorf in jenen Zeiten zur Wüstung

geworden sein, wie das obengenannte Weitzschen, oder eine Kirche in

Flammen aufgegangen sein, wie die des Dorfes Plauen im Hussitenkriege

(1429), im allgemeinen konnte sich hier die Wirtschaft und Kultur wegen

der Art der Landschaft und der Nähe der starken Festung Dresden ruhig

und ungestört entwickeln.

[Illustration: Abb. 14. =Flur und Treppe in der Roten Mühle=]

Erst kurz vor Beginn des achtzehnten Jahrhunderts tritt der Plauensche

Grund mehr und mehr aus seiner Stille und Abgeschiedenheit hinaus

in das Gesichtsfeld der großen Welt und zwar zunächst durch die

sächsischen Fürsten, die ihm eine ganz bestimmte Rolle in ihren

Veranstaltungen zuwiesen und dann auch durch die Geschmacksrichtung der

Gebildeten überhaupt.

[Illustration: Abb. 15. =Malerei der Holzverkleidung in einer Stube der

Roten Mühle=]

Im Jahre 1698 veranstaltete August der Starke zu Ehren des Zaren Peter

von Rußland in der Nähe der Buschmühle im Plauenschen Grunde einen

Festzug sächsischer Bergknappen. Dieser Gedanke wurde in weit größerem

Stile wieder aufgenommen, als 1719 die Vermählung des Kurprinzen mit

der Kaisertochter Marie Josepha von Österreich durch ein Saturnfest im

Plauenschen Grunde gefeiert wurde, das durch seine Eigenart und Pracht

das größte Aufsehen erregte. Der Kurfürst wünschte, den fürstlichen

Hochzeitsgästen einen möglichst imposanten Begriff von dem Reichtum

seines Landes an Bodenschätzen zu geben. Das eigentliche Erzgebirge war

zu weit, um es in das Fest mit hineinzuziehen, aber seine Schätze und

Kräfte zog der Fürst herbei, und der Gott Saturnus mußte unmittelbar

vor den Toren von Dresden die kostbarsten Saturnalien veranstalten, um

das hohe Brautpaar und die fürstlichen Gäste zu vergnügen. Noch führte

keine Straße durch den Grund, noch standen die grotesken Schluchten

und Felswände in ihrer unberührten Schönheit und Großartigkeit da.

Konnte es einen wirksameren Hintergrund geben für das eigenartige

Schauspiel, das der große Zaubermeister mit erlesenem Geschmack

und fast unerschöpflichen Mitteln hier entfaltete? Wir sehen den

geheimnisvollen Saturntempel eng an die Felswand geschmiegt, als ob

er den Eingang bilde zu den Schatzgewölben, die der Kurfürst-König im

Inneren der Berge besaß. Der Fluß ist zu einem anmutigen Wasserbecken

angestaut, über das man auf zierlichen Booten zum Tempel hinüberfährt.

In seinem Inneren waltet der Münzmeister Cupido und läßt vor den Augen

der Gäste goldene und silberne Münzen prägen, die unter die Gäste

verteilt werden. Draußen ist Nacht. Aber sie wird erhellt durch die von

den Felsen flammenden Feuer und durch die Fackeln von sechzehnhundert

Bergleuten, die mit ihren Steigern, Schichtmeistern und Offizieren in

schmucken Uniformen, Erzstufen und Kristalle tragend, aus allen Teilen

des Erzgebirges herbeigeeilt sind, die Hochzeit des Fürstensohnes zu

verherrlichen (Abb. 16). Eingeleitet wurde das Fest durch eine große

Treibjagd, in deren Verlauf sich Hirsche und Rehe und auch ein Bär

nach der grausamen Sitte der Zeit von den Felsen des Hohen Steins

herunterstürzen mußten, und durch eine italienische Komödie (Abb. 17).

Auch 1727 bei Anwesenheit der Kaiserinwitwe Amalie »am 1. September

ward hinter Plauen im Grunde ein großes Jagen und Ausschießen gehalten

und etliche hundert Stück Wild, Rehe, Hirsche und Hasen, die einige

Tage vorher zusammengetrieben worden, gefällt«.

[Illustration: Abb. 16. =Das Saturnusfest im Plauenschen Grunde=]

Aber verhältnismäßig früh (1733) nahm der Tod dem königlichen Regisseur

solcher Feerien den Zauberstab aus der Hand. Unter seinem Sohne hat

der Plauensche Grund nie wieder eine solche Rolle gespielt; dessen

allmächtiger Minister Graf Brühl war ein Sohn der Ebene, ohne Neigung

für die felsigen Berge; er begnügte sich damit, seinem Herrn 1745 zur

Befriedigung seiner Jagdlust eine bequeme Fahrstraße durch den Grund

zunächst von Plauen bis Döhlen bauen zu lassen, die später bis nach

Tharandt fortgesetzt wurde. Aber der Schauplatz war doch eröffnet

und wurde nicht wieder leer von Schaulustigen aller Art. An einer

Stelle, wo schon 1591 auf Plauenscher Flur längs der Weißeritz im

Anschluß an ein größeres Gut eine bemerkenswerte Gartenanlage bestanden

hatte (siehe Koch, Seite 20), legte der Bergdirektor Wratislaw von

Reisewitz (1702 bis 1709 Besitzer) den nach ihm benannten, durch

alten Baumbestand und Wasserkünste hervorragenden »Reisewitzer

Garten« an (Abb. 18), in dem Kurfürst Johann Georg IV. für seine

Geliebte Sibylle von Neitzschütz um 1692 das »Wasserpalais« erbaut

hatte (Abb. 19). Später (seit 1843) gehörte dieses so anmutig an dem

von einer Steinbrücke überspannten Wehr der Weißeritz gelegene Haus

der Gräfin Kielmannsegge, einer geborenen von Schönberg, von der

das Volk erzählt, sie habe, eines Giftmordes verdächtig, zeitlebens

eine schwarze Seidenschnur um den Hals tragen müssen und sei eine

Geliebte Napoleons I. gewesen. Sicher ist es, daß sie ihm als

diplomatische Agentin diente und daß die schöne und hochbegabte Frau,

durch den Glanz des fremden Eroberers und durch sein eindrucksvolles

Auftreten geblendet, allmählich zu einer heimatfremden Spionin

und Verräterin am eigenen Volke herabsank. Gemieden von allen,

mit denen sie einst verkehrt hatte, ist sie hochbetagt (1863) in

quälender Unrast verstorben. Die »Memoiren«, die sie der Nachwelt

hinterlassen hat (Schrifttum Nr. 80) sind für den Urteilsfähigen ein

durchsichtiges Gewebe von Vorurteilen, Lüge und Verstellung und sind

als Geschichtsquelle ebenso niedrig zu bewerten wie die ihres Meisters

Napoleon. Leider ist ihr eindrucksvolles Haus bis auf eine hohe Pappel,

die seinen Standort bezeichnet, und mit ihm der Reisewitzer Park, der

viele Jahrzehnte lang ein beliebter Ausflugsort der Dresdner war, um

1890, bei der Erbauung der Schokoladenfabrik von Petzold und Aulhorn,

abgebrochen worden. Auch Bauwerke, die ursprünglich der Erhaltung

der »Wildbahn« dienten, sind allmählich zu Erholungsorten für das

Volk geworden. So hatte August der Starke ungefähr an der Stelle, wo

er mit Peter dem Großen die Bergknappen gemustert hatte, 1722 das

Hegereiter-Haus erbaut, in dem gelegentlich auch die fürstlichen

Herrschaften von der Jagd zu rasten pflegten. Später erhielt der

Hegereiter die Schankgerechtigkeit, die namentlich zur Zeit der

Baumblüte von den Dresdnern ausgiebig benutzt wurde. Jetzt dient das

»alte Plauensche Forsthaus« (am Westende des Bienertschen Gartens

gelegen) nur noch für Wohnzwecke.

[Illustration: Abb. 17. =Das Theater zur italienischen Komödie=]

Gegen die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts beginnt als Gegenwirkung

gegen die höfische und großstädtische Überfeinerung der gesamten

Kultur eine Sehnsucht nach den einfachen und natürlichen Formen des

Landlebens. Die Träger der Rokokokultur jener Zeit wollen im Gegensatz

zu der Überfeinerung und Unnatur des Daseins, unter der sie leiden, das

allgemein Menschliche, was unter der Schminke doch immerhin noch in

ihnen steckt, wenigstens spielend zum Ausdruck bringen und betätigen

(Konrad Lange, Das Wesen der Kunst, 1891). Daher das Bedürfnis,

wenigstens dann und wann ins Landleben zu flüchten und den Schäfer

und die Schäferin zu spielen. Diese Lebensrichtung mußte den Wert des

Plauenschen Grundes für die Dresdner Gesellschaft nur noch erhöhen. Der

wichtigste Träger dieser idyllischen Richtung ist Carl von Nimptsch,

sächsisch-polnischer Kammerherr und Kammerrat, Erb- und Lehnsherr

auf Dölzschen und Roßthal. Er errichtete auf einer Felskuppe nahe am

Dorfe, von der aus man ebenso die fernen Höhen des Elbtals, wie die

Schluchten, Gründe und Felsen des oberen Weißeritztales erblickte, ein

hölzernes Lusthaus, die »Karlsburg«, das bald von den Naturfreunden der

Gegend eifrig besucht wurde.

[Illustration: Abb. 18. =Eingang zu Reisewitzens Garten.= Im

Hintergrunde das Dorf Plauen Sammlung Geheimrat Bienert]

In die Literatur wird die Karlsburg eingeführt durch das Schriftchen:

»Flüchtige Gedanken, entworfen auf dem angenehmen Nimptschischen

Lust-Altan auf denen steilen Felsen in der Gegend des Plauenschen

Grundes bey Dölzschen, als sich zwey gute Freunde des werthen

Nimptschischen Hauses daselbst an einem schönen Morgen und Abend

in stillen Vergnügen belustigten d. 14. August anno 1742, Johann

Wilhelm Prinz zu Sachsen Coburg und Carl Dietrich von Bölau«.

Dieses Schriftchen findet sich in einem Sammelbande der Sächsischen

Landesbibliothek unter dem Titel »Pesterwitz«, in dem unter anderem

auch ein »Einladungsschreiben an seinen Freund zum angenehmen

Landleben« von Pastor Müller in Pesterwitz (1739) enthalten ist. Später

hat auch Carl von Nimptsch selbst in dieser Sache das Wort ergriffen in

seiner »Poetischen Beschreibung des vergnügten Landlebens, auf denen

Ritter- und Erb-Güthern auch Dörfern Roßthal, Pesterwitz und Döltschen,

mitgeteilt von dem Besitzer dererselben den 31. Octbr. 1769 an seinem

erlebten Drey und Siebenzigsten Geburts-Tage«. (Schrifttum Nr. 8.)

[Illustration: Abb. 19. =Das Wasserpalais (Kielmannseggschlößchen) im

Reisewitzer Park=

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 41 / 99 题