Abb. 2. =Riß des Näuen Glück Topff Stollns vom Jahre 1679=

¼ der natürlichen Größe]

Mehrfach wird das Bergwerk _Gersteners_ im Plauischen Grunde, die

_Grüne Hoffnung_, erwähnt[11]. Es lag zwischen Pesterwitz und

Potschappel in der Nähe des alten Eisenhammers, jedoch ist die genaue

Lage nicht bekannt. Einer dieser Stölln soll früher das Silberloch

genannt worden sein. Hasches Magazin enthält ein unbedeutendes Gedicht

auf diese mit viel Hoffnung in Betrieb genommene Grüne Hoffnung; v.

Weingart berichtet, daß Proben der Erze im Zentner 12 bis 18 Loth

Silber und 20 Pfund Kupfer ergaben und daß die Kuxe in den Jahren 1748

und 1749 mit dreißig und sechzig Thalern bewertet wurden. Der Betrieb

wurde aber bald wieder eingestellt.

Im übrigen finden wir nur spärliche Nachrichten. In dem unweit des

alten Kupferhammers gelegenen Jungfernsprung genannten Felsen auf der

linken Talseite ist auf einer Kluft ein Stolln getrieben worden[12].

Ein heute noch erhaltenes Stollnmundloch, dessen Herkunft und Zweck

unbekannt ist, befindet sich am linken Ufer der Weißeritz unterhalb

der Brücke nahe der alten Haltestelle Plauen. Es wird von Becker, 2.

Teil, Seite 13, erwähnt. Auch ein Betrieb des Freiherrn von Burgk auf

Kupfererze wird erwähnt[13], doch wurde er bald wegen Verarmung der

Erze eingestellt. Im dortigen Archive sind Nachrichten darüber nicht zu

finden. – Nach alledem sind lediglich recht unbedeutende Ansätze zum

Erzbergbau zu verzeichnen.

[Illustration: Abb. 3. =Zerstückelung des Hauptflözes im Ostfelde der

Burgker Steinkohlenwerke durch die staffelförmige Verwerfung des Roten

Ochsen.= Nach den Werksrissen]

Dagegen ist der _Steinkohlenbergbau_[14] nicht nur für den Plauenschen

Grund, sondern auch für die weitere Umgebung von der weittragendsten

Bedeutung geworden.

Wenn wir von Kohlsdorf im Nordwesten der Karte über Niederhermsdorf,

dann weiter östlich von Saalhausen und Oberdöhlen über Deuben, am

Windberg vorbei durch das Poisental bis nach Hänichen (östlich

vom Marien- und Glückaufschacht gelegen), dann nordwestlich

über Cunnersdorf und Nieder-Pesterwitz zurück bis Kohlsdorf

wandern, haben wir etwa die Grenzen des Kohlenbeckens verfolgt.

Durch Porphyrdurchbrüche und die mit diesen in Zusammenhang

stehende Hauptverwerfung des Roten Ochsen[15] – staffelförmig,

dreihundertfünfzig Meter Gesamtsprunghöhe (Abb. 3) – wird von der

südwestlichen Hauptmulde die nordwestliche Seitenmulde von Kohlsdorf,

Nieder-Pesterwitz und Birkigt abgetrennt. Hier hat an den nördlichen

Ausstrichen bei Kohlsdorf und Nieder-Pesterwitz der Kohlenabbau im

Kleinbetriebe begonnen (vgl. die Karte Seite 114).

Außerdem zerstückeln noch zwei weitere Hauptverwerfungen das

Kohlenfeld, nämlich die Beckerschachter Verwerfung – mit bis neunzig

Meter Sprunghöhe –, die sich im südlichen Feldteile in zwei Zweige

teilt, und die Carolaschachter Verwerfung mit bis siebzig Meter

Sprunghöhe.

Die Kohlenflöze des Plauenschen Grundes, auch _Döhlener Becken_[16]

genannt, gehören dem unteren Rotliegenden an, sie sind in eine bis zu

zwanzig Meter mächtige Stufe von Kohlensandsteinen und Schiefertonen

eingelagert. Man unterscheidet ein _Hauptflöz_ und zwei bis drei

schwache, größtenteils nicht abbauwürdige untere Flöze.

[Illustration: Abb. 4. =Profil des Hauptflözes nach Hausse=. ~K.~

Kämme, ~b.~ Bergschuß, ~R.~ Rücken]

Das Hauptflöz wird durch sechs gut gekennzeichnete Lettenzwischenmittel

in mehrere Bänke gegliedert (Abb. 4). Die Kohle ist vorwiegend

Pech- und Glanzkohle, nur untergeordnet tritt Faser- oder Rußkohle

auf. Durch dünnschichtige Wechsellagerung dieser Kohlenarten wird

die Schieferkohle gebildet. Durch Einmengung von Tonschlamm, durch

Verkieselung, zum Teil auch durch Einschaltung feiner Lamellen von

Schieferton zwischen die Lagen der reinen Kohle entstehen unreine

Kohlen, die als _Kohlenschiefer_ oder _Brandschiefer_, und wegen ihrer

Verwendung zur Dampfkesselfeuerung auch _Maschinenkohle_ genannt

werden. Stärker verunreinigte Kohle wird zum Kalkbrennen benutzt und

daher _Kalkkohle_ genannt.

Ferner beeinträchtigen linsenförmige, der Schichtung des Flözes

parallel eingeschaltete Gesteinsmassen, _Bergschüsse_ genannt, und

noch häufiger gangförmig das Flöz durchsetzende Massen, von denen die

schmäleren _Kämme_, die breiteren _Rücken_ genannt werden, die Güte

der Kohle und stören die Regelmäßigkeit des Abbaues (Abb. 4). Die

Kohle dürfte sich zunächst in einem moorigen Zustande befunden haben,

bei der Austrocknung bildeten sich Schwindklüfte, diese wurden durch

Einspülung von Ton und Sand ausgefüllt und bildeten die Kämme, während

die Rücken Ausspülungen durch länger dauernde Einwirkung fließender

Gewässer sein dürften, die später ebenfalls vollgeschlämmt wurden.

Die _Mächtigkeit_ des Hauptflözes schwankt im größten Teile des

Revieres zwischen zweieinhalb und vier Meter; in der nordwestlichen

Hälfte des Pesterwitzer Nebenrevieres, in dem jetzt kein Betrieb mehr

stattfindet, betrug sie bei Kohlsdorf bis zu fünf und neun Meter. An

den Flözrändern tritt häufig mit der Verminderung der Flözmächtigkeit

auch eine Beeinträchtigung der Güte der Kohle ein. Aber auch die

bessere Rohkohle ist mit bis zu zwölf Prozent Asche immer noch

verhältnismäßig aschenreich. Durch Waschen kann der Aschengehalt

erheblich herabgesetzt werden. Übrigens ist das Verhalten des Flözes

auch in Hinsicht des Gasgehaltes recht verschieden. Während auf dem

linken Ufer der Weißeritz Schlagwetter kaum vorkommen, ist hier,

namentlich im Felde der Carolaschächte, Kohlensäureentwickelung häufig.

Dagegen treten auf dem rechten Weißeritzufer, dort, wo Gaskohle

vorwaltet, zuweilen Schlagwetter auf, die leider einige schwere

Unglücksfälle veranlaßt haben (vgl. Seite 119).

An fremden Mineralien werden auf Klüften im Flöz und in den Kämmen

gelegentlich, jedoch immer nur in kleinen Mengen, als spätere Bildungen

Schwefelkies, Bleiglanz und Zinkblende, auch Kalkspat, Gips und

Schwerspat, zum Teil in schönen Kristallen gefunden. Im südlichen Teile

des Revieres kommt auch das sonst seltene Mineral _Whewellit_ (sprich

Juellit) vor. Es besteht aus wasserhaltigem oxalsaurem Kalk und tritt

in schönen, durchsichtigen, stark glänzenden Kristallen, meistens

nur bis zu etwa zehn Millimeter Größe auf. Die Abbildung 5 zeigt

eine schöne Stufe aus der Sammlung der Bergakademie, die Abbildung 6

stellt die häufigsten Formen der Zwillingskristalle dar[17]. Weisbach

beschrieb einen ausnahmsweis großen Kristall von dreiunddreißig

Millimeter Länge[18]. Noch gegenwärtig bilden sich in alten Grubenbauen

durch Zersetzung des Schwefelkieses Eisenvitriol und Keramohalit, die

an den Streckenstößen als haarförmiger Überzug ausblühen.

_Geschichtliches._ Der Sage nach sollen die Steinkohlen von einem

Hirten entdeckt worden sein, der bei dem heutigen Kohlsdorf auf dem

Felde Feuer anmachte. Die erste Urkunde ist die Konzession, die Herzog

Moritz im Jahre 1542 dem Münzmeister Hans Bienert in Plauen erteilte,

vom Dorf Plauen bis nach Tharandt eine Meile lang und breit nach

Steinkohlen zu bauen unter der Bedingung, den Grundbesitzern alle

Schäden zu ersetzen. Trotzdem gruben später andere auf ihrem Grund und

Boden unter Abgabe des Zehnten an den Landesherren nach Kohlen.

[Illustration: Abb. 5. =Whewellitstufe=]

Durch kurfürstlichen Befehl vom 16. September 1577 wurden aber

alle Kohlen zwischen Freiberg und Dresden für den Landesherren

in Anspruch genommen und noch in demselben Jahre bei Döhlen ein

kurfürstliches Werk errichtet. Das mußte zu Auseinandersetzungen mit

den Grundbesitzern führen und schließlich kaufte Ende 1578 der Kurfürst

vier Potschappeler Kohlenwerksbesitzern ihre Kohlenfelder ab. Das Werk

nahm einen gewissen Aufschwung, im Jahre 1586 wurden über siebentausend

Scheffel Kohlen gefördert. Trotzdem hat der Betrieb nicht lange

gedauert.

[Illustration: Abb. 6. =Zwillingskristalle von Whewellit, herzförmiger

und stengliger Zwilling=]

Daneben bauten aber Ende des sechzehnten Jahrhunderts wieder mehrere

Grundbesitzer auf ihrem Grund und Boden Kohlen ab. Auch einige Vitriol-

und Alaunsiedereien entstanden seit 1582, die schwefelkiesreichen

Kohlenschiefer verarbeiteten. Ja, eine dieser Anlagen war so bedeutend,

daß das Dörfchen Schurfenberg seit 1604 die Siedige oder Schiedige

genannt wurde, woraus dann der heutige Name Zschiedge entstanden

ist[19]. Zwischen Potschappel und dem Windberge sind in Abbrandhalden

mehrere schlanke, tulpenförmige, etwa vierzig Zentimeter hohe Tongefäße

gefunden worden, die in diesen Betrieben als Kolben und Vorlagen

Verwendung fanden[20].

Auch _Albinus_[21] erwähnt die Steinkohlen des Grundes und die mit

ihnen auftretenden Alaunsteine.

Die Unsicherheit in der rechtlichen Stellung des Steinkohlenbergbaues

dauerte auch im siebzehnten Jahrhundert an, denn obgleich der

Freiberger Berg-Schöppenstuhl[22] auf Erfordern des Churfürsten Johann

Georg dessen Frage, ob die Steinkohlen zu den Regalien gehörig seien,

im Jahre 1612 verneinte, verfügten die Berghauptleute Georg und

Wolf von Schönberg im Jahre 1629, daß alle Abbauberechtigungen auf

Steinkohlen beim Bergamte einzuholen seien. Auch der Dreißigjährige

Krieg störte den Bergbau. Trotz mehrfacher Versuche der Freiberger

Hütten, die Steinkohlen zu verwenden, fehlte bis gegen Ende des

siebzehnten Jahrhunderts größerer Absatz.

Erst im Beginn des _achtzehnten Jahrhunderts_ änderte sich das. Die

erschwerte Wasserhaltung der Gruben nötigte zur Anlage von Stölln,

die zunächst im Wiederitztale angesetzt wurden, und zu den ersten

Versuchen mit Kunstgezeugen. Da die Stölln eine größere Anzahl Gruben

entwässerten, kam es dann aber wieder zu Streitigkeiten zwischen den

einzelnen Besitzern über ihren Anteil an den Kosten des Stollnbetriebes.

Entscheidend für die weitere Entwickelung des Kohlenbergbaues war

es, daß Frau Magdalena Isabella von Polenz, geborene von Schönberg,

im Jahre 1718 die Rittergüter Zauckeroda und Döhlen käuflich erwarb

und 1741 mit den dortigen Werksbesitzern Verträge schloß, die ihr

das alleinige Abbaurecht unter ihrem Grund und Boden sicherten.

1745 gründete sie dann die _Döhlische Steinkohlengewerkschaft_, um

über größere Betriebsmittel zu verfügen. Inzwischen war auch das

Kohlenmandat vom 19. August 1743 erschienen, das die Zugehörigkeit der

Kohlen zum Grundbesitz anerkannte, aber auch jedermann gestattete, auf

fremdem Grund und Boden Kohlen aufzusuchen und abzubauen, falls der

Grundbesitzer selbst dies innerhalb Jahresfrist nicht tat. Allerdings

mußte der Fremde dem Besitzer den Zehnten gewähren.

Als wichtigeres Unternehmen ist noch zu nennen, daß der rührige

Besitzer des Freigutes Kohlsdorf Burckhardt zur Entwässerung des

Steinkohlengebietes von Wurgwitz, Potschappel, Zauckerode und

Niederhermsdorf im Jahre 1747 einen Stolln am linken Wiederitzufer

ansetzte und bis 1772 auf sechshundertachtundvierzig Lachter =

eintausendzweihundertsechsundneunzig Meter Länge, forttrieb. Auch

erwarb er im Jahre 1763 die allerhöchste Konzession[23], einundzwanzig

Lachter auf jeder Seite des Stollns, als ein Gevierdt Feld, die

Kohlen abzubauen, während die außerhalb dieses Feldes liegenden

Kohlen als freies Feld angesehen wurden. Der Siebenjährige Krieg und

Streitigkeiten mit den anderen Kohlenwerksbesitzern hinderten aber auch

hier die Entwickelung, daher verkaufte Burckhardt im Jahre 1773 den

Stolln an den damaligen Besitzer der Rittergüter Döhlen und Zauckeroda

Alexander Christoph von Schönberg, der damit den größten Teil der

auf dem linken Weißeritzufer liegenden Kohlenfelder in seiner Hand

vereinigte.

Zu gleicher Zeit begann der Kohlenbergbau auch auf dem rechten

Weißeritzufer und zwar an den im Kohlgraben, am Fuße des Eichberges

gelegenen Flözausstrichen. Zu größerer Bedeutung gelangte dieser

Bergbau durch den Besitzer des Gutes Burgk, den Sekretär Carl Gottlieb

Dathe und seine Besitznachfolger seit 1767. Außerdem hatte auch der

Besitzer des Potschappeler Rittergutes, Graf von Hagen, den Kohlenabbau

nachdrücklicher betrieben.

Dadurch, daß der Absatz der Kohlen sich immer mehr erweiterte, indem

die Freiberger Schmelzhütten anfingen, sie zu verwenden und auch auf

der Elbe Kohlen nach Preußen versandt wurden, war auch die staatliche

Verwaltung auf den Kohlenbergbau im Grunde aufmerksam geworden, sie

erwarb den von den Gebrüdern Hermsdorf im Jahre 1786 in Niederhermsdorf

begonnenen Leopold-Erbstolln, zu dessen Betrieb das Freiberger Bergamt

Mittel aus der Gnadengroschenkasse bereitgestellt hatte, im Jahre 1799.

Der Kohlenabsatz hatte sich allmählich derart gesteigert, daß im Jahre

1805 vierhundertneun Mann auf den Werken des Plauenschen Grundes

beschäftigt wurden. Der Scheffel Kohlen wurde damals mit zwölf Groschen

bezahlt.

Trotzdem hat die Einführung des Steinkohlenbrandes in die

Häuslichkeiten noch sehr erhebliche Schwierigkeiten gemacht, wie recht

deutlich aus den beiden im Anhange wiedergegebenen obrigkeitlichen

Verfügungen hervorgeht.

[Illustration: Abb. 7 =Ausschnitt aus der Ingenieurkarte.= Maßstab 1 :

12000]

Über die Ausbreitung des Steinkohlenbergbaues gegen Ende des

achtzehnten und am Beginne des neunzehnten Jahrhunderts gibt uns

die _Ingenieur-Karte_ zuverlässige Auskunft. Blatt XXIII umfaßt den

Plauenschen Grund, es ist im Jahre 1785 aufgenommen und im Jahre

1826 in Schwarz gezeichnet[24]. Auf dem im Oberbergamte Freiberg

befindlichen Stücke sind Nachträge bis etwa 1860 in roter Farbe

vorhanden. Die alten, kleinen Schachtanlagen liegen gruppenweise

am Ausstrich der Nebenmulde und zwar bei Kohlsdorf elf und weiter

östlich zwischen Pesterwitz und Burckartsberg[25] sechs; dann von

Kohlsdorf südlich nach Zauckeroda zu dreizehn und weiter, dem Ausstrich

der Hauptmulde entlang östlich von Zauckeroda am Westhange des

Burckartsberges zwölf. Bei Birkigt im östlichen Teile der Nebenmulde

fehlen Schachtanlagen. Das wären also zweiundvierzig Schachtanlagen,

die man als am Ausstriche gelegen bezeichnen kann. An tieferen

Schächten sind fünf eingetragen und zwar drei östlich von Zauckeroda

und südlich von der nach Potschappel führenden Kohlenstraße, hiervon

ist einer in der Nähe des Wiederitzbaches als Kunstschacht bezeichnet,

und je einer westlich und östlich von Burgk.

Das an der Straße nach Dresden gelegene Gasthaus »Der Steiger«, ist

auf der Karte bereits mit diesem Namen bezeichnet. In dem Grundstück

befindet sich übrigens das Mundloch des »_Tiefen Weißeritz-Stollns_«.

Das im Jahre 1806 mit Benutzung des Weißeritzgefälles der Roten Mühle

erbaute Kunstrad und das zugehörige vierhundertvierundzwanzig Meter

lange Feldgestänge[26], welches die Wasserhebung in einem neuen

vierundvierzig Meter tiefen Kunstschachte vermittelte, ist in schwarzer

Farbe, aber ersichtlich von fremder Hand später nachgetragen. Die

Abb. 8 zeigt diese Anlage nach einem älteren Stiche, den ich der

Freundlichkeit des Herrn G. Petzsch in Pesterwitz verdanke. Die Anlage

war bis 1883 im Betriebe. Nördlich von Burg und südlich von Zschietge

ist das Vitriolwerk vermerkt (vgl. Seite 111).

[Illustration: Abb. 8]

Das _neunzehnte Jahrhundert_ brachte den Gipfelpunkt der Entwickelung

des Steinkohlenbergbaues. Der sächsische Staat übernahm im Jahre

1806 den gesamten von Schönbergschen Besitz, der 1810 durch den

Ankauf des Potschappeler Rittergutes noch vergrößert wurde. Der

Betrieb des 1800 begonnenen Tiefen Weißeritzstollns wurde von 1806

ab unter Zuhilfenahme von acht Lichtlöchern wesentlich beschleunigt

und im Jahre 1817 der tiefste mögliche Stolln vom Elbtale bei Cotta

aus in Angriff genommen. Im November 1836 wurde er vollendet. Der

Hauptstolln bis zum Zauckerodaer Kunstschachte hat eine Länge

von sechstausendvierundvierzig Metern und ist noch heute für die

Wasserhaltung von großer Wichtigkeit (Abb. 9).

Das Burgker Werk erlangte größere Bedeutung, nachdem im Jahre 1819

der tatkräftige Carl Friedrich August Freiherr von Burgk den Besitz

angetreten hatte, den fortzuführen ihm bis 1872 vergönnt war.

Neben diesen beiden großen Werken treten die übrigen Unternehmungen

zurück. Als die wichtigeren seien gleich hier genannt: der

Potschappeler Aktienverein 1836 bis 1876, der Gitterseer

Aktienbauverein 1836 bis 1859 und der Hänichener Steinkohlenbauverein

1849 bis 1906. Das Kohlenfeld des letzteren liegt schon außerhalb des

Plauenschen Grundes.

Inzwischen war erneut durch das Mandat vom 10. September 1822 die

Zugehörigkeit der Kohle zum Grundbesitz ausgesprochen und dadurch jeder

Zweifel an der rechtlichen Stellung des Kohlenbergbaus beseitigt worden.

Die beiden großen Werke, das Königliche und das Burgker, wetteiferten

in der Vervollkommnung der Betriebsmittel. Schon im Jahre 1820 wurde

beim neuen Zauckerodaer Kunstschachte die erste Dampfmaschine beim

sächsischen Steinkohlenbergbau überhaupt in Betrieb gesetzt, 1821

folgte eine zweite beim Burgker Wilhelminenschachte. Dort wurde auch

im Jahre 1828 eine Gasanstalt errichtet, übrigens die zweite in

Deutschland; die erste hatte der Freiberger Professor Lampadius im

Jahre 1816 auf dem Amalgamierwerk der Freiberger Hütten zu Halsbrücke

in Betrieb gesetzt. Der Freiherr v. Burgk betrieb in den Jahren 1828

bis 1862 auch in der Nebenmulde auf dem linken Weißeritzufer unter den

Fluren Pesterwitz und Kohlsdorf Kohlenbergbau.

Eine wesentliche Erleichterung für den Absatz der Kohlen brachte der

im Jahre 1854 begonnene Bau der Albertbahn von Dresden nach Tharandt

und die schon im Jahre 1856 vollendete Herstellung von Anschlußgleisen

für die wichtigsten Kohlenschächte. Die auf dem rechten Ufer der

Weißeritz mit großen Steigungen erbaute Windbergbahn mußte damals als

ein Meisterwerk der Technik gelten. 1869 folgte die Eröffnung der

Bahnstrecke Tharandt–Freiberg (Abb. S. 195).

Von späteren Neuerungen beim Steinkohlenbergbau sei die Anlage von

Kohlenwäschen und das Verkoken und Brikettieren der Kohlen erwähnt.

Beim Grubenbetriebe wurde 1875 die Preßluft unter Tage verwendet, 1882

lief beim Oppelschachte des königlichen Werkes die erste unterirdische,

elektrische Lokomotive. Die Kohlengewinnung mittels Bohr- und

Schrämmaschinen, ferner mit Abbauhämmern, verdrängt immer mehr die

Handarbeit.

[Illustration: Abb. 9. =Mundloch des Elbstollns.= Nach einem alten

Stiche]

Das Gesetz über das staatliche Kohlenbergbaurecht vom 14. Juni

1918 hat auf den Bergbau des Grundes keinen Einfluß gehabt, da das

überhaupt noch in Frage kommende Kohlenunterirdische sich im Besitz

der beiden zurzeit noch in Förderung stehenden Werke des staatlichen

Steinkohlenwerkes und des Burgker Werkes befindet. Das erstere ist seit

März 1924 der Aktien-Gesellschaft der Sächsischen Werke angegliedert,

es fördert jetzt noch aus den Anlagen Oppelschacht und Carolaschächte

(Abb. 10), der König-Georg-Schacht ist seit dem Frühjahr 1925 vorläufig

stillgelegt. Bei den Burgker Werken sind noch der Glückaufschacht und

der Marienschacht (Abb. 11) in Betrieb.

Auch auf die Bestrebungen für die Arbeiterwohlfahrt sei hingewiesen.

Schon 1808 wurde beim Königlichen Werke die erste Knappschaftskasse

mit Werksbeihilfe ins Leben gerufen. Arbeiterwohnungen wurden von

den beiden großen Werken gebaut, Badeanstalten (zuerst 1843 beim

Oppelschachte) und Werkskrankenhäuser wurden errichtet. Seit 1896

besteht beim Oppelschachte ein Dampf- und Heißluftbad nebst Massageraum

für Arbeiter.

+------+-------+------------------------+----------+------------+

| | Zahl | _Förderung_ | Wert | Im |

| Jahr | der +-----------+------------+ je Tonne | Betriebe |

| | Werke | in Tonnen | Wert in M. | in Mark |Beschäftigte|

+------+-------+------------------------+----------+------------+

| 1853 | 7 | 366635 | 2435718 | 6,64 | 3636 |

| 1854 | 7 | 403496 | 2634822 | 6,53 | 3725 |

| 1855 | 7 | 419044 | 2769807 | 6,61 | 3955 |

| 1856 | 8 | 444637 | 2999250 | 6,75 | 4358 |

| 1857 | 8 | 467230 | 3204702 | 6,86 | 4426 |

| 1858 | 7 | 491576 | 3703304 | 7,59 | 4340 |

| 1859 | 6 | 455958 | 3265536 | 7,16 | 4237 |

| 1860 | 8 | 452933 | 3181239 | 7,02 | 4398 |

| 1861 | 7 | 488877 | 3368982 | 6,82 | 4413 |

| 1862 | 7 | 479529 | 3319830 | 6,92 | 4554 |

| 1863 | 7 | 515130 | 3367197 | 6,53 | 4509 |

| 1864 | 9 | 544113 | 3799068 | 6,98 | 4460 |

| 1865 | 9 | 566255 | 4110426 | 7,26 | 4254 |

| 1866 | 12 | 553643 | 4205970 | 7,59 | 4321 |

| 1867 | 12 | 571446 | 4335532 | 7,59 | 4354 |

| 1868 | 10 | 586893 | 4754664 | 8,10 | 4275 |

| 1869 | 12 | 506545 | 4099302 | 8,09 | 3804 |

| 1870 | 8 | 532322 | 4523343 | 8,50 | 3539 |

| 1871 | 9 | 606321 | 6584949 | 10,86 | 3850 |

| 1872 | 8 | 614143 | 7018404 | 11,43 | 3757 |

| 1873 | 8 | 605380 | 7415799 | 12,25 | 3608 |

| 1874 | 9 | 640765 | 8125032 | 12,68 | 3710 |

| 1875 | 10 | 597688 | 6854448 | 11,47 | 3490 |

| 1876 | 10 | 568917 | 6034143 | 10,61 | 3440 |

| 1877 | 10 | 543363 | 5168500 | 9,51 | 3277 |

| 1878 | 10 | 544394 | 4801864 | 8,82 | 3216 |

| 1879 | 10 | 539812 | 4571002 | 8,47 | 3073 |

| 1880 | 10 | 594519 | 4941163 | 8,31 | 3268 |

| 1881 | 8 | 541999 | 4791722 | 8,84 | 3152 |

| 1882 | 9 | 551400 | 4462236 | 8,09 | 3140 |

| 1883 | 8 | 568862 | 4202327 | 7,39 | 3002 |

| 1884 | 6 | 558308 | 4248228 | 7,61 | 2996 |

| 1885 | 6 | 560317 | 4183239 | 7,47 | 2868 |

| 1886 | 6 | 583716 | 4608842 | 7,90 | 2866 |

| 1887 | 5 | 602974 | 5084541 | 8,43 | 2939 |

| 1888 | 4 | 582953 | 5134359 | 8,81 | 2767 |

| 1889 | 4 | 592706 | 5246943 | 8,86 | 2880 |

| 1890 | 4 | 593485 | 5778239 | 9,75 | 2906 |

| 1891 | 4 | 609567 | 6007900 | 10,12 | 2907 |

| 1892 | 4 | 586367 | 5614491 | 9,89 | 2825 |

| 1893 | 4 | 548921 | 5353324 | 9,75 | 2701 |

| 1894 | 4 | 526389 | 4982644 | 9,47 | 2638 |

| 1895 | 4 | 544736 | 5173510 | 9,52 | 2819 |

| 1896 | 4 | 550489 | 5290932 | 9,61 | 2803 |

| 1897 | 4 | 551153 | 5285553 | 9,59 | 2775 |

| 1898 | 4 | 551347 | 5441493 | 9,69 | 2755 |

| 1899 | 4 | 553027 | 5578907 | 10,10 | 2802 |

| 1900 | 4 | 660972 | 7675250 | 11,44 | 2968 |

| 1901 | 3 | 616378 | 7546158 | 12,24 | 2994 |

| 1902 | 3 | 550899 | 6368594 | 11,56 | 2831 |

| 1903 | 3 | 533002 | 5784799 | 10,04 | 2705 |

| 1904 | 3 | 519864 | 5380787 | 9,57 | 2624 |

| 1905 | 3 | 513190 | 5012191 | 9,50 | 2526 |

| 1906 | 3 | 533740 | 5563204 | 9,92 | 2470 |

| 1907 | 2 | 543293 | 6285723 | 10,08 | 2417 |

| 1908 | 2 | 543718 | 6646410 | 12,23 | 2482 |

| 1909 | 2 | 533753 | 6313297 | 11,83 | 2436 |

| 1910 | 2 | 494778 | 5613987 | 11,35 | 2374 |

| 1911 | 2 | 505759 | 5518548 | 10,91 | 2302 |

| 1912 | 2 | 537767 | 6063082 | 11,27 | 2277 |

| 1913 | 2 | 536386 | 6387758 | 11,91 | 2324 |

| 1914 | 2 | 462327 | 5435043 | 11,76 | 2092 |

| 1915 | 2 | 391425 | 5177211 | 13,23 | 1663 |

| 1916 | 2 | 387337 | 5871024 | 15,16 | 1590 |

| 1917 | 2 | 449403 | 8624817 | 19,19 | 1917 |

| 1918 | 2 | 414003 | 10230558 | 24,71 | 2062 |

| 1919 | 2 | 381256 | 19431736 | 50,97 | 2296 |

| 1920 | 2 | 378742 | 67324281 | 177,76 | 2451 |

| 1921 | 2 | 406859 | 95107996 | 233,76 | 2497 |

| 1922 | 2 | 391844 | 1277220 | 3260,– | 2523 |

| | | | |Reichsmark| |

| 1923 | 2 | 346909 | 7272629 | 20,96 | 2589 |

| 1924 | 2 | 325039 | 5490708 | 16,89 | 2485 |

| 1925 | 2 | 321729 | 5356652 | 16,65 | 1965 |

+------+-------+------------------------+----------+------------+

Die _Zahlentafel_ wurde nach _Bähr_ für die Jahre 1853 bis 1914

zusammengestellt. Jedoch wurde die von Bähr für die Jahre 1853 bis 1870

in Scheffeln angegebene Förderung in Tonnen umgerechnet (1 Scheffel =

89,3 Kilogramm) und der durchschnittliche Wert der Tonne ermittelt.

Die Zahlen für 1914 bis 1925 wurden nach dem Sächsischen Jahrbuche

eingesetzt.

Außerdem wurde aber die jährliche Förderung in 1000 Tonnen und der

Wert je Tonne durch _Schaulinien_ (Abb. 12 und 13) dargestellt, weil

hierdurch deutlicher als durch die Zahlenreihen die Schwankungen

zuzeiten guten und schlechten Geschäftsganges hervortreten. Die Jahre

1858, 1871 bis 1875, 1890 bis 1893, dann 1900 bis 1903 treten als

Spitzen besonders deutlich hervor. Die Schaulinie für die Förderung

zeigt überdies klar die allmähliche Zunahme in den Jahren bis 1874

und dann das Fallen von 1900 ab. Auf die Darstellung des Wertes je

Tonne von 1916 ab mußte wegen der außerordentlich großen Schwankungen

verzichtet werden.

[Illustration: Abb. 10. =Förderanlage auf Carolaschacht II=]

Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten! Wer sich mit dem

Kohlenbergbau des Plauenschen Grundes beschäftigt, der darf an den

Unfällen, die ihn betroffen haben, nicht achtlos vorübergehen. Das

größte Unglück, das den sächsischen Steinkohlenbergbau überhaupt

betroffen hat, ereignete sich am Montag, den 2. August 1869 auf

dem Windberg und Hoffnungsschachte der Freiherrlich von Burgker

Steinkohlenwerke[27].

Zur Frühschicht waren zweihunderteinundachtzig Mann angefahren,

von ihnen konnten sich nur fünf retten, die übrigen

zweihundertsechsundsiebzig, darunter zwei Obersteiger und vier

Untersteiger, wurden das Opfer einer schweren Schlagwetterexplosion,

deren verheerende Wirkung durch die Entzündung von Kohlenstaub noch

verstärkt wurde. Ein großer Teil der Leute wurde durch die weithin

durch die Strecken fortgetragene Explosionsflamme getötet, viele

wurden durch zusammenbrechende Grubenbaue verschüttet, der größte

Teil erstickte in den unatembaren giftigen Nachschwaden. Trotzdem

schnell Hilfe zur Stelle war, gelang ein Eindringen in die Grubenbaue

erst, nachdem der Tod seine Ernte gehalten hatte. Welche Verwüstungen

die Explosion angerichtet hatte, geht am besten daraus hervor, daß,

obgleich täglich bis zweihundert Mann an der Aufgewältigung der

Grubenbaue arbeiteten, die letzten Leichen doch erst nach vier Wochen

geborgen werden konnten.

[Illustration: Abb. 11. =Marienschacht der Freiherrlich von Burgker

Steinkohlenwerke=]

Sofort nach dem Unglück setzte ein Hilfswerk zur Linderung der Not der

etwa zwölfhundert Hinterbliebenen ein. Nachdem sogleich Geldbeträge

verteilt worden waren, konnten der Altersrentenbank zur laufenden

Unterstützung nahezu vierhunderttausend Taler überwiesen werden. Der

Freiherr von Burgk ehrte überdies das Andenken seiner verunglückten

Beamten und Arbeiter, indem er über der gemeinsamen Ruhestätte des

größten Teiles derselben in der Nähe des Segen-Gottes-Schachtes ein

eindrucksvolles Denkmal errichten ließ, auf dem die sämtlichen Namen

verzeichnet sind (Abb. 14).

[Illustration: Abb. 12. =Jährliche Förderung in 1000 Tonnen=]

Besonders erfreulich ist es, daß die behördlichen Erörterungen[28]

ergeben haben, daß an dem schweren Unglücke niemand ein Verschulden

trifft.

Auch heute, nachdem eine große Zahl neuer Hilfsmittel zur Bekämpfung

der Schlagwettergefahr ersonnen worden sind, fordert dieser grimme

Feind des Bergbaus leider von Zeit zu Zeit immer noch seine Opfer.

Doch ein Rückblick auf die Entwickelung des Plauenschen Grundes zeigt,

wieviel Segen der Kohlenbergbau verbreitet hat, auch für die weitere

Umgebung. Die alte Sage, daß die Kohlen sich in Gold verwandelt

hätten, die ein Berggeist dem Rotkopf Görge schenkte, nachdem er in dem

Schlosse im Windberge zum Tanze aufgespielt hatte, ist, wenngleich in

anderer Weise, wahr geworden. Die blühende Industrie des Grundes ist

der beste Beweis hierfür. Eine Gruppe im Park des Schlosses zu Burgk

hat diese Sage verkörpert (Abbildung 15).

[Illustration: Abb. 13. =Wert je Tonne Förderung in Mark=]

Der Schatz an Kohlen, der dem Grunde geschenkt wurde, wird aber in etwa

zwanzig Jahren völlig gehoben sein! Was dann? An ihre Stelle wird eine

noch vollkommenere Ausnutzung der Wasserkräfte des Weißeritzgebietes

treten, und in elektrischen Strom verwandelt, werden sie reichlich

Energie spenden als Licht und Kraft und vielleicht auch als Wärme!

[Illustration: Abb. 14. =Denkmal am Segen-Gottes-Schacht=]

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 27 / 99 题