Nachdem wir in drei Einzelbildern die Decke von Kreidegesteinen, den
Syenit und das Rotliegende gekennzeichnet haben, wollen wir versuchen,
in kurzen Zügen eine zusammenfassende Entwickelungsgeschichte unserer
Heimat zu zeichnen. Wir müssen dabei freilich unseren Blick auch über
die Grenzen unseres Gebietes hinausschweifen lassen. Denn wir können
unsere engere Heimat nur dann richtig verstehen, wenn wir sie als einen
Teil eines größeren Ganzen betrachten.
[Illustration: Abb. 15. =Backofenfelsen bei Hainsberg=]
Vom Kambrium bis zur Mitte der Karbonzeit war Mitteleuropa vom Meere
bedeckt. Auf dem Boden dieses Meeres bildeten sich Ablagerungen von
Tonschlamm und Sand, zu denen sich kieselige und kalkige Ausscheidungen
organischer Herkunft gesellten. Aus den ursprünglich losen Absätzen
sind feste Gesteine geworden, die wir jetzt als Tonschiefer,
Grauwacken, Kieselschiefer und Kalksteine kennen. Mit diesen
Meeresgesteinen zusammen finden wir, besonders im Devon, vulkanische
Aschen und Laven, die man Diabastuff und Diabas nennt.
Gegen Mitte der Karbonzeit erfolgte eine allgemeine Hebung, das Meer
wich zurück, und die genannten Absätze wurden zum Festland. Durch
gewaltige seitliche Schubkräfte wurden die ursprünglich »schwebend« (d.
h. wagerecht) abgelagerten Gesteinsschichten zu einem hohen Gebirge
zusammengefaltet. Von unten nachdrängende Schmelzmassen wurden zum
Teil mit in die Faltung hineingezogen und samt ihren Nachbargesteinen
durch den hohen einseitigen Druck umgeprägt zu Gneisen. Spätere
Nachschübe von Schmelzmassen, die auch noch im Laufe der Karbonzeit
empordrangen, fraßen sich durch Einschmelzen ihren Platz in die
steilgestellten Schiefer hinein und erstarrten als Granit und Syenit.
Durch den Syenit wurden die Schiefergesteine in ihrer gefalteten
Stellung in kontaktmetamorphem Zustande festgehalten. Das Faltengebirge
der Karbonzeit verlief von Mittelfrankreich nach Nordosten quer durch
Deutschland und bog in Sachsen in die südöstliche Richtung um.
[Illustration: