5. Ein geologisches Entwicklungsbild.

Nachdem wir in drei Einzelbildern die Decke von Kreidegesteinen, den

Syenit und das Rotliegende gekennzeichnet haben, wollen wir versuchen,

in kurzen Zügen eine zusammenfassende Entwickelungsgeschichte unserer

Heimat zu zeichnen. Wir müssen dabei freilich unseren Blick auch über

die Grenzen unseres Gebietes hinausschweifen lassen. Denn wir können

unsere engere Heimat nur dann richtig verstehen, wenn wir sie als einen

Teil eines größeren Ganzen betrachten.

[Illustration: Abb. 15. =Backofenfelsen bei Hainsberg=]

Vom Kambrium bis zur Mitte der Karbonzeit war Mitteleuropa vom Meere

bedeckt. Auf dem Boden dieses Meeres bildeten sich Ablagerungen von

Tonschlamm und Sand, zu denen sich kieselige und kalkige Ausscheidungen

organischer Herkunft gesellten. Aus den ursprünglich losen Absätzen

sind feste Gesteine geworden, die wir jetzt als Tonschiefer,

Grauwacken, Kieselschiefer und Kalksteine kennen. Mit diesen

Meeresgesteinen zusammen finden wir, besonders im Devon, vulkanische

Aschen und Laven, die man Diabastuff und Diabas nennt.

Gegen Mitte der Karbonzeit erfolgte eine allgemeine Hebung, das Meer

wich zurück, und die genannten Absätze wurden zum Festland. Durch

gewaltige seitliche Schubkräfte wurden die ursprünglich »schwebend« (d.

h. wagerecht) abgelagerten Gesteinsschichten zu einem hohen Gebirge

zusammengefaltet. Von unten nachdrängende Schmelzmassen wurden zum

Teil mit in die Faltung hineingezogen und samt ihren Nachbargesteinen

durch den hohen einseitigen Druck umgeprägt zu Gneisen. Spätere

Nachschübe von Schmelzmassen, die auch noch im Laufe der Karbonzeit

empordrangen, fraßen sich durch Einschmelzen ihren Platz in die

steilgestellten Schiefer hinein und erstarrten als Granit und Syenit.

Durch den Syenit wurden die Schiefergesteine in ihrer gefalteten

Stellung in kontaktmetamorphem Zustande festgehalten. Das Faltengebirge

der Karbonzeit verlief von Mittelfrankreich nach Nordosten quer durch

Deutschland und bog in Sachsen in die südöstliche Richtung um.

[Illustration:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 21 / 99 题