Abb. 10. =Lamporphyrgang im Syenit gegenüber der alten Pulvermühle=]

An anderen Orten, z. B. am Windberg, bei Schweinsdorf, in einem

Einschnitt der Possendorfer Bahn bei Zschiedge, finden wir ein anderes

Gestein, das aus lauter _Brocken_ von Porphyr und Porphyrit besteht,

die in einem feinkörnigen Grus derselben Art eingebettet sind. Alle

Feldspatkörnchen sind vollständig in Kaolin verwandelt. Bisweilen

fehlen auch hier die großen Stücke gänzlich, und das Gestein wird zu

einem tonreichen _Sandstein_ oder zu einem völlig dichten _Tonstein_.

Alle drei Arten sind als vulkanische Erzeugnisse, als Aschenmassen mit

größeren Auswürflingen, anzusprechen und werden in der geologischen

Karte als _Brekzientuffe_ bezeichnet. Sie sind durch wiederholte

Wechsellagerung mit den zuvor genannten Konglomeraten und Schiefertonen

so innig verbunden, daß eine scharfe Abgrenzung gar nicht überall

möglich ist.

[Illustration: Abb. 11. =Aplitgang im Syenit bei der neuen Haltestelle

Plauen=]

Bezeichnend ist für alle diese Gesteine, Konglomerate und

Brekzientuffe, das starke Hervortreten einer roten Färbung, die durch

winzige Flimmerchen von Eisenoxyd (~Fe~₂ ~O~₃) bedingt ist. Dadurch,

daß besonders in den Brekzientuffen und Schiefertonen mit den roten

Gesteinslagen solche von grauer, grünlichgrauer, violetter und

lavendelblauer Farbe wechseln, erhält das Gestein oftmals ein geradezu

buntscheckiges Aussehen.

[Illustration: Abb. 12. =Wollsackbildung im Syenit bei der

König-Friedrich-August-Hütte=]

Braunrote Farbtöne, allerdings mehr ins Grauviolette hinüberspielend,

herrschen auch in einem anderen Gesteine, das wir in ein paar großen

Steinbrüchen am Eichberg und bei der Friedrich-August-Hütte in

Potschappel antreffen und das man als _Porphyrit_ bezeichnet. Nachdem

wir bereits festgestellt haben, daß vulkanische Aschenablagerungen

vorhanden sind, werden wir keineswegs überrascht sein, in dem Porphyrit

eine erstarrte Lava zu finden. Das Gestein zeigt – ähnlich wie der

Syenit – keine Schichtung, aber eine sehr starke, unregelmäßige

Zerklüftung. Betrachtet man ein Stück davon näher, so erkennt man

einzelne Nadeln eines schwarzen Minerals und glasglänzende Täfelchen

eines farblosen oder weißlichen Gemengteils. Die schwarzen Leisten

sind Hornblendekristalle, und die weißen Körner bestehen aus

Kalknatronfeldspat. Beide haben einige Millimeter Durchmesser und

ruhen in einer völlig dicht erscheinenden Grundmasse. Diese erweist

sich bei der Untersuchung unter dem Mikroskop als ein außerordentlich

feinkörniges Gemenge, das ebenfalls aus Hornblende und Feldspat

besteht. Ein solches Gesteinsgefüge, dessen Wesenszüge also große

Einsprenglinge und dichte Grundmasse sind, bezeichnet man als

_porphyrische Struktur_.

Wie mag dieses Gestein mit der porphyrischen Struktur wohl

entstanden sein? Die Einsprenglinge sind groß und haben eigene

äußere Kristallform. Sie haben also sehr langsam in der Erdtiefe

und freischwebend in einer Schmelzflüssigkeit wachsen können.

Die Grundmasse dagegen besteht aus sehr vielen, winzig kleinen

Kriställchen. Das deutet auf rasche Erstarrung, also auf schnelle

Abkühlung hin. Diese letztere Bedingung wäre erfüllt, wenn wir eine

auf der Erdoberfläche ausgebreitete Lava annehmen, der zum Festwerden

nur eine kurze Zeit zur Verfügung steht. Die porphyrische Struktur

lehrt uns also folgenden Entstehungsvorgang: Ein Schmelzfluß in der

Tiefe begann infolge langsamer Abkühlung einzelne wohl ausgebildete,

große Kristalle von Hornblende und Feldspat auszuscheiden. Als ein

Brei von Schmelze mit einzelnen festen Mineralkörnern kam die Lava

zum Ausbruch und ergoß sich als Decke über die Erdoberfläche. Bei der

folgenden schnellen Erkaltung bildete sich die dichte Grundmasse. Die

weitere Abkühlung, nachdem die Erstarrung beendet war, hat zu einer

Volumenverminderung geführt, wobei die schon erwähnten Risse und Klüfte

entstanden sein dürften. Für einen Teil der Sprünge können wir aber

auch – genau wie beim Syenit – gebirgsbildende Kräfte verantwortlich

machen.

Ganz oben auf der Höhe bei Obernaundorf und bei Kleinnaundorf liegt

abermals eine Decke von Lavagestein. Die porphyrische Struktur entsteht

hier dadurch, daß wenige kleine Quarzkristalle in einer dichten, grauen

oder hellrötlichen Grundmasse schwimmen. Das Gestein führt seinem

Mineralbestand – Kalifeldspat, Quarz, Glimmer – zufolge den Namen

_Quarzporphyr_. Die gleiche Struktur deutet auf die gleiche Entstehung

wie beim Porphyrit.

Bei Schweinsdorf und Niederhäslich, die jetzt beide zu Freital gehören,

war früher auch ein _Kalkstein_ aufgeschlossen, der oberirdisch und

unterirdisch abgebaut und zur Herstellung von hydraulischem Mörtel

verwendet wurde. (Im Profil, Abb. 16 mit ~K~ bezeichnet.) Es ist ein

körnigkristallines Gestein, das deutlich feine hell- und dunkelgraue

Lagen aufweist und zwei weithin verfolgbare Bänke von je etwa einem

Meter Mächtigkeit bildet. Diese Kalksteinflöze liegen als gleichmäßige

Schichten zwischen Schiefertonen und Sandsteinen. Für uns sind sie

von besonderem Interesse, weil in ihnen (meist in dem unteren Lager)

zahlreiche Reste von den ältesten vierfüßigen, landbewohnenden

Wirbeltieren gefunden worden sind. Nicht weniger als vierzehn

verschiedene Arten von diesen Lurchen hat man bestimmen und zum Teil

mit ziemlicher Sicherheit aus den Resten rekonstruieren können (vgl.

K. Wanderer, die vorgeschichtliche Entwicklung der Stadt Freital und

Umgebung. Deutschlands Städtebau, Freital. Schrifttum Nr. 75). Diese

Tierwelt gehört der ersten Hälfte der Permzeit an, die man auch das

Rotliegende nennt. Die mit dem Kalkstein vergesellschafteten roten

Konglomerate, Brekzientuffe, Sandsteine und Schiefertone, rechnet man

gleichfalls dem Rotliegenden zu. Der Zusammenhang des Namens mit der

Rotfärbung der Gesteine ist klar.

Die allerbesten Aufschlüsse im Rotliegenden, wenn sie auch der

Allgemeinheit nicht zugänglich sind, hat uns der Steinkohlenbergbau

gebracht. Durch eine große Zahl von Schächten, die bis zu

vierhundertsiebzig Meter Tiefe erreichen und an einigen Punkten auch

die Unterlage des Rotliegenden angetroffen haben, besitzen wir genaue

Kenntnis von der Beschaffenheit und der Lagerung der Gesteine, die in

ihrer Gesamtheit das Rotliegende bilden (Abb. 16). Wir haben von diesen

Gesteinen nur eins noch nicht erwähnt, die _Steinkohle_. Auf eine

eingehende Darstellung der geologischen Verhältnisse der Steinkohle

kann an dieser Stelle verzichtet werden, da der Steinkohlenbergbau in

einem besonderen Aufsatz aus berufener Feder behandelt wird. (Vgl.

Seite 103.)

[Illustration: Abb. 13. =Schiefertone und Konglomerate an der Straße

Tharandt–Hainsberg=]

Fassen wir die angedeuteten Beobachtungen zusammen, so können wir

sagen, daß zu Beginn der Rotliegendzeit eine flache Mulde vorhanden

war, deren Längsachse von Kreischa bis Wilsdruff reichte. Krachend mag

die Erdkruste geborsten sein, glühendflüssige Lavamassen ergossen sich

in die Mulde, bedeckten einen großen Teil ihres Bodens und erstarrten

zu Porphyrit. Von allen Seiten trugen die fließenden Wässer Gerölle

und feinen Schutt in die flache Vertiefung. Bei der durchgreifenden

Verwitterung der losen Massen, bei den reichlich fließenden

Wassermengen und bei dem feuchtwarmen Klima konnten üppige Wälder

von riesigen Farnbäumen, Schachtelhalmen und Nadelhölzern gedeihen.

Bei Überschwemmungen wurden sie zu Boden geworfen, unter Schutt und

Wasser begraben und vor Verwesung geschützt, so daß die Steinkohlen

daraus entstehen konnten. Vorübergehend dürfte die ganze Vertiefung

von einem Süßwassersee erfüllt gewesen sein, auf dessen Grunde,

durch Organismen gebildet, eine Schicht von Kalkstein abgelagert

wurde. Neue Schuttmassen von Gebirgsbächen kamen, dazu Bomben und

Aschenregen aus feuerspeienden Bergen oder Schlünden, abermals Gerölle

und Sande, noch eine Decke glutiger Lava, und die anfängliche Mulde

war völlig zugeschüttet, zu einem »Becken« geworden, das von den

Geologen das »Döhlener Rotliegendbecken« genannt wird. In späterer

Zeit, aber noch vor der Ablagerung der Kreideschichten, die ja eine

eingeebnete Landoberfläche vorfanden, ist die ursprünglich einheitliche

Beckenlagerung durch die großen Verwerfungsspaltenzüge zerstückelt

worden. (Abb. S. 108.)

[Illustration: Abb. 14. =Konglomerate an der Straße Tharandt–Hainsberg=]

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 20 / 99 题