Sebnitz

herauf, wohin wir durch eine, an den +Buchberg+ sich lehnende

Gasse hinab steigen. Die Stadt, 3 Stunden von Schandau entfernt,

ist sorbischen Ursprungs der größte Ort im Amte Hohnstein mit 2500

Einwohnern, und eine der bedeutendsten Fabrikstädte des Landes, wo

verschiedene leinene und halbseidene, oder halbbaumwollene, zum Theil

auch gedruckte Gewebe, die sogenannten Sebnitzer Zeuge, verfertigt

werden. In den günstigsten Handelszeiten, als gegen 900 Stühle im Gange

waren, schickte die Stadt ihre Waaren unmittelbar ins Ausland, selbst

nach Amerika, in den neusten Zeiten aber hat sich der Gewerbfleiß,

besonders durch die Thätigkeit des Fabrikeigenthümers Hesse, der mit

glücklichem Erfolge manche neue Gewebe versuchte, wieder sehr gehoben.

Der Fahrweg von +Sebnitz+ nach +Neustadt+ geht über +Schönbach+ und

+Crumhermsdorf+, der weit nähere und angenehmere Fußweg aber läuft

zwischen dem +Finkenberg+ und +Hasenberg+ über die hohen +Ruhebänke+,

eine Hochebene, 1524 Par. Fuß über dem Meere, die uns einen sehr

günstigen Standpunkt zur Uebersicht des südlichen Elbufers darbietet.

Wir lassen den +Unger+, dessen Rücken wir bei dem Gränzdorfe

+Rugiswalde+ nahe sind, seitwärts liegen, und kommen auf einem kurzen

Wege, den der Blick in die nahen Thäler Böhmens erheitert, nach

Neustadt,

einem Städtchen mit ungefähr 2000 Einwohnern, das unter dem

+Hochwalde+, in einem anmuthigen Thale am +Polenzbache+, 4 Meilen von

Dresden und vierthalb Stunden von Schandau entfernt, an der Straße nach

+Schluckenau+ liegt. Die Stadt ist sehr alt, und wurde wahrscheinlich

von dem Rittergeschlecht Berk von Duba, dessen Wappen, zwei kreuzweise

gelegte Eichenäste, sie noch führt, vielleicht im 13ten Jahrhundert

erbaut. Vor dem dreißigjährigen Kriege, der ihr sehr verderblich

wurde, war sie der größte und volkreichste Ort des Amtes Hohnstein.

Leinweberei ist der Haupterwerbzweig des Ortes. Man verfertigt hier

und in der Umgegend ungefähr dieselben Gewebe, die +Sebnitz+ liefert,

und macht davon beträchtlichen Absatz ins Ausland. Der Waarenzug von

+Pirna+ über +Stolpen+ nach +Rumburg+ und der Schleichhandel mit Böhmen

erhöhen die Gewerbsamkeit. Wir haben von hier bis zum

Falkenberg,

einem der höchsten Berge des meißnischen Kreises, an der Gränze

der Lausitz, ungefähr 1 Meile zu wandern. Der Fahrweg geht über

+Berthelsdorf+, +Nieder-Ottendorf+ und das Försterhaus im +Klunker+;

der Fußpfad hingegen läuft seitwärts des erstgenannten Dorfes, längs

dem +Schönbachsberge+. In einem am Wege sich hinab senkenden kleinen

Thale wird Granit gebrochen, und in Säulen, Portalen und ähnlichem

Gebrauche nach dem Winkel bearbeitet und sehr fein geglättet. Die

beßten Arbeiten liefert eine vorzüglich harte, aus bläulich weißem

Feldspath, weißem Quarz und braunschwarzem Glimmer bestehende Art.

Wir setzen den Weg zum Försterhause im +Klunker+ fort, wo wir

Bewirthung und einen Führer finden, und kommen durch einen Theil des

+Putzkauer+ Waldes, in 3 Viertelstunden auf den Gipfel des Berges,

der 1808 Par. Fuß über dem Meere liegt. Der ganze Wald, durch welchen

wir wandern, ist mit Granitblöcken besäet, die zuweilen mit großen

Kuppen und Klippen abwechseln, und hier und da Höhlen bilden, worunter

die Wolfshöhle die größte ist. Gegen den Gipfel ansteigend, findet

man viel Flötzgrünstein, und Grünsteinporphir, der zuweilen die

Magnetnadel in Bewegung setzt. Merkwürdig ist, am westlichen Abhange,

ein durch den Granit setzender, 9 Zoll breiter Gang von basaltischem

+Grünstein+, der in Basalt übergeht. Die Aussicht vom Gipfel ist

unermeßlich. Wir übersehen das weite Gebiet vom +Riesengebirge+ bis zum

+Kolmberge+. Wenden wir uns auf der Abendseite zu einigen Bänken unter

Granittrümmern, so fliegt unser Blick über eine schöne Landschaft in

die Gegend von +Dresden+ bis zum +Kolmberge+, während in Nordwesten

die Berge unter +Königsbrück+ und +Hoyerswerda+ den Gesichtskreis

schließen. Auf der nördlichen Seite sehen wir über eine Waldblöße einen

großen Theil der Oberlausitz von +Camenz+ bis gegen die schlesische

Gränze; am Fuße des Berges liegt das lange Dorf +Neukirch+ in einem

schönen Thale, und +Bauzen+, von zahllosen Dörfern umgeben, breitet

sich in der Ferne aus, welche die Gebirge von +Arnsdorf+ und +Wilthen+

schließen.

Auf der Nordseite des Berges ist altes Gemäuer zu sehen, und auch auf

dem nahen +Ruprechtsberge+ sieht man Trümmer. Die Geschichte weiß zwar

nichts von Burgen auf diesen Höhen, die Sage aber erzählt, von zwei

Brüdern, Valentin und Ruprecht, die einst nach der Theilung ihres

Erbes, des Rittersitzes Neukirch, auf jenen beiden Bergen Schlösser

gebaut, aber bald sich entzweit hätten, worauf nun in einer blutigen

Fehde die Burg auf dem +Falkenberg+ wäre zerstört worden.

Wer von +Bauzen+ in die sächsische Schweiz reiset, wird uns hier

begegnen, wenn er über +Neukirch+ auf den +Falkenberg+ und weiter über

+Neustadt+ und +Hohnstein+ oder über +Sebnitz+ nach +Schandau+ geht.

Wir wenden uns wieder nach +Neustadt+, um den Rückweg anzutreten.

Nehmen wir den Weg über +Hohnstein+, das dritthalb Stunden von hier

entfernt ist, so besteigen wir den +Polenzer-+ oder +Richtersberg+,

der nicht weit von der Stadt rechts an der Straße nach +Hohnstein+

liegt, und freuen uns einer reichen Aussicht über das reizende Thal

von +Neustadt+ und den Felsenzug von +Hinterhermsdorf+ bis zu dem

+Schrammstein+, über welchen die hohen Kuppen des +Rosenbergs+, und

+Winterbergs+ und der +Königstein+ sich erheben, und in der Ferne die

böhmischen Gränzgebirge nach dem Erzgebirge sich ziehen. Haben wir Zeit

uns in +Neustadt+ aufzuhalten, und unsre Reiselinie zu verlängern,

so würde eine Abschweifung in das nahe böhmische Gränzgebiet eine

ungemein belohnende Wanderung sein. Wir kommen durch +Langburkersdorf+,

und wenn wir in 1 Stunde die böhmische Gränze überschritten haben,

besteigen wir den +Raubeberg+, auf dessen Gipfel wir das anmuthige

Thal, durch welches unser Weg gegangen ist, und die heitre Landschaft,

die sich weit ins Gränzland ausbreitet, überschauen. Eine Viertelstunde

weiter südöstlich bei +Neudörfel+, erhebt sich der +Spitzberg+,

auf dessen Kuppe, die ein eisernes Kreuz bezeichnet, der Basalt

säulenförmig zu Tage ausgeht. Bei +Lobendau+, dem ersten Gränzdorfe,

liegt eine Kapelle, die an manchen Festtagen von vielen Wallfahrern

besucht wird. Der Weg zu dem schönen gewerbsamen Dorfe +Hainsbach+, mit

einem Schlosse des Grafen von Salm, zieht sich durch das freundliche

Thal und wir erreichen bald den Porzen, einen mächtigen Basaltberg,

an dessen Fuße der Weg zu dem Städtchen +Schluckenau+ läuft. Wollen

wir die Wanderung durch den einspringenden Winkel Böhmens nach der

Lausitz fortsetzen, so kommen wir über das gewerbfleißige +Rumburg+

und +Ruppersdorf+ nach +Herrnhut+, oder über das schöne +Warnsdorf+

nach +Großschönau+ und +Zittau+, oder über +Georgenthal+ zu den

Trümmern der Burg +Tollenstein+. Die nächste bequeme Straße von

+Schluckenau+ aber nach +Herrnhut+ geht entweder über +Friedersdorf+,

+Kotmanndorf+ und +Strahwalde+, oder auf einem noch geradern, und

mannigfaltig anziehenden Wege über das freundliche böhmische Gränzdorf

+Georgswalde+, in dessen Nähe bei dem sächsischen +Gersdorf+ wir

die Quelle der Spree, den +Spreebrunnen+, besuchen und über das

ansehnliche Weberdorf +Eybau+, eines der größten Dörfer Sachsens.

Es genügt uns, diese weite Abschweifung, wenn auch nur für wenige

Reisende, angedeutet zu haben, und wir kehren nach +Schluckenau+

zurück, um von hier entweder über +Nixdorf+ durch ein anmuthiges Thal

nach +Sebnitz+ zu wandern, oder über +Einsiedel+ oder +Neudörfel+ nach

+Rugiswalde+ zu gehen, wo der

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 25 / 44 题