Ochelgrund

bringt. Bald umfängt uns ein erweitertes anmuthiges Thal, dessen heitre

Wiesenmatten von prächtigen Felsenwänden umschlossen sind, die wie

Trümmer empor ragen. Das Thal verengt sich wieder, und in reizender

Abwechselung erheben sich die Felsen. Von einer glatten Wand, die wir

rechts am Wege bemerken, stürzte vor mehren Jahren ein Felsenblock in

den Bach herab, und hemmte dessen Lauf mit solcher Gewalt, daß Wasser

und Fische an die jenseitige Wand geschleudert wurden. Zwischen hohen

Felsenwänden hinauf wandernd, die aus einem gelblichen, zu Bausteinen

untauglichen weichen Sandsteine bestehen, kommen wir zum +schwarzen

Loch+ im +Mordgrunde+, wo wir in eine weite Höhle blicken. Der Bach

rauscht zwischen üppigen Wiesen fort, und bald öffnet sich links

der, von schönen Felsenwänden eingeschlossene +Kohlgraben+, durch

welchen der Weg nach +Gosdorf+ läuft. Nicht weit von hier erblicken

wir die +Kohlmühle+, wo wir an die, von +Waizdorf+ und +Hohnstein+

herabfallende Gränze zwischen dem Granit und Sandstein kommen, jenseit

welcher wir, statt nackter Felsen, meist grüne Höhen finden, an deren

Fuße schöne Wiesen sich zum Bache hinab senken.

Wir steigen die Anhöhe links hinan, und erreichen bald den

+Hankenhübel+, der aus einer, in Basalt übergehenden Wacke besteht, die

bald säulenförmig und bald tafelförmig in viele kleine Stücke zerfällt,

womit auch die umliegenden Felder besäet sind. Große Basalthaufen

bezeichnen den Weg zu dem nahen +Gosdorf+, wo wir im Lehngerichte

Bewirthung und einen Führer finden, mit welchem wir das

alte Schloß

besuchen. Der Weg führt über Feldfluren und Waldboden auf eine

schmale Erdzunge, welche, auf beiden Seiten dicht bewaldet, in tiefe

Schluchten abstürzt. Wir kommen bald an eine Vertiefung, wo nach der

Ueberlieferung die erste Zugbrücke gewesen ist, und weiter zeigt

man uns die Stellen der zweiten und dritten Brücke, bis endlich

der Bergrücken am Ende der schmalen Erdzunge, um deren Fuß der

+Schwarzbach+ dem +Sebnitzbache+ zuströmt, zu einer weitern Rundung

wird. Hier erblicken wir die Trümmer, die in dickem Gemäuer, Oeffnungen

tiefer Gewölbe bestehen, und einen in den Granit gearbeiteten Brunnen.

Man hat hier alte Pfeile und Spornen ausgegraben. Am Abhange des

steilen Berges findet man wieder Ueberreste von Mauern, so wie auch

unten auf der Wiese, die noch den Nahmen der Schloßwiese führt. Alles,

was man von dieser Burg erzählt, beruht bloß auf Ueberlieferung, da die

beglaubigte Geschichte durchaus keine Nachricht davon aufbewahrt.

Wir kehren über die Wiesen am +Schwarzbach+ nach +Gosdorf+ zurück, und

besuchen zuerst den

Waizdorfer Berg,

wohin uns durch das Gebüsche der Weg führt, den eine seltsam

verkrüppelte Fichte, der Ziegenstrauch genannt, bezeichnet. Linden

krönen den Gipfel des Granitberges, der sich über dem Dörfchen

+Waizdorf+ erhebt, wo es keine Sperlinge geben soll. Die Aussicht,

die sich hier vor unserm entzückten Blicke öffnet, gehört zu den

reizendsten und reichsten, die wir von irgend einem Standpunkte des

Berglandes genießen. Alle Felsenthäler von +Liebethal+ bis +Hohnstein+,

selbst der nahe +tiefe Grund+, der +Ochelgrund+ und das Elbthal sind

von dunkeln Waldwipfeln verhüllt, aus welchen hier und da weiße

Felsenspitzen hervor schauen. Von dem +Weifberge+ bei Hinterhermsdorf

zieht sich über den +großen Winterberg+, den +Schrammstein+ und

+Falkenstein+ bis zu den +Bärsteinen+ ein mächtiger Felsenbogen,

über welchen der +Zschirnstein+ und am westlichen Gränzpunkt der

+Königstein+ hervor ragt, von welchem nach +Dresden+ hin eine heitre

Landschaft sich ausbreitet. Der +Kaltenberg+ mit den Trümmern des

Schlosses +Chemnitz+, der +Rosenberg+, der Rücken des +Schneebergs+,

der +Sattelberg+ und +Geiersberg+ mit dem benachbarten +Schönwalde+,

der +Kahlenberg+ und +Geiersberg+ bei Altenberg und der von hier nach

+Dippoldiswalde+ laufende Bergzug, der +Luchberg+ und +Hirschberg+

bilden den Hintergrund. Wenden wir uns gegen Abend und Mitternacht,

so erblicken wir den +Augustusberg+ bei Königsbrück, die +Pulsnitzer+

Gebirge, näher den +Unger+ und gegen Morgen endlich Böhmens Gebirge.

Oestlich von hier, unweit +Losdorf+, erhebt sich der

Kikelsberg,

welcher, wie der mit ihm zusammenhangende +Hankenhübel+, ein Basaltberg

ist. Er steigt ziemlich steil empor, und ist überall mit Basaltstücken

bedeckt. Am Abhange auf der Morgenseite ist ein offener Bruch, wo man

sehr starke Säulen sieht. Dieser, dem Granit aufgelagerte Basalt ist

von schwarzgrauer, ins Blaue spielender Farbe, von dichtem und unebenem

Bruche und zuweilen ist Olivin, Augit, Hornblende und Zeolith sparsam

eingemengt. Er findet sich theils in unregelmäßigen Stücken, theils in

Säulen von 3, 4 und 5 Seiten, oder größern und kleinern Tafeln, oder

auch kegelförmig. Die Aussicht von dem Gipfel ist nicht so reich, als

wir sie auf dem +Waizdorfer Berg+ gefunden haben, nur ist sie offener

und freier nach den Gegenden von +Neustadt+, +Sebnitz+ und +Hohnstein+.

Sind wir auf der Hinreise durch den +tiefen Grund+ gegangen, so

wandern wir auf dem nächsten Wege durch den +Kohlgraben+ und den

+Ochelgrund+ nach +Schandau+ zurück, und wenn wir auf dem +Birkicht+

oder +Adamsberg+ bei Altendorf, einem runden Hügel, über welchen unser

Weg geht, einer reizenden Aussicht uns erfreut haben, gehen wir im

Angesichte immer wechselnder Landschaftbilder, am Ufer der +Kirnitsch+

hinab. Wollen wir die beschriebene Wanderung zu einer Tagereise

ausdehnen, so können wir vom +Kikelsberg+ über +Ulbersdorf+ erst auf

den +Unger+ steigen und über +Lichtenhain+ zurückkehren.

Vergißmeinnicht Ein Taschenbuch für den Besuch der sächsischen Schweiz und der angränzenden Theile Böhmens · 第 22 / 44 题