Die Teich- oder Seerosen sind spärlich vertreten; ebenso die

Aristolochien, von denen _A. bracteata_ gegen die Wunden vergifteter

Pfeile angewandt wird. Reichlich auftretend bilden die _Nadelhölzer_ den

Stolz der abessinischen Wälder; in den nördlichen Hochlanden gedeiht die

Cederfichte, während weiter landeinwärts schöne _Ded-_ oder

_Wachholderbäume_ (_Juniperus excelsa_) die Kirchen und Friedhöfe mit

ihren düstern, aber hochaufstrebenden Kronen beschatten. Kaum einem

Gotteshaus im ganzen Lande fehlt der Schmuck dieser bis zu 100 Fuß hohen

Bäume, deren Stamm am Fußende vier bis fünf Schuh im Durchmesser erreicht.

Fast in der Form einer Pyramide wachsend, wirft dieser Baum stets die

unteren Aeste ab, die im rechten Winkel vom Stamme ausgehen, sodaß etwa

zwei Drittel desselben des grünen Schmuckes beraubt sind; die Krone ist

immer pyramidenförmig, wenn auch nie dicht. Das Holz, wenn auch keineswegs

gut und dauerhaft, wird doch zu Balken bei Kirchenbauten und in

Ermangelung anderer Holzarten als Brennholz gebraucht. Das Harz wird nicht

benutzt; mit den Zweigen schmückt man jedoch die Leichen, bevor sie in die

Gruft gesenkt werden.

Die niedrige, in den Hochgebirgslandschaften herrschende Temperatur

verhindert keineswegs die kräftige Entwicklung der _Feigenarten_, die in

ihrem ganzen Habitus den strengsten Gegensatz zu den Nadelhölzern bilden.

Der _Schoala_, eine Art von Banyane mit breiten, eiförmigen, zugespitzten

und gesägten Blättern, mit Fruchttrauben, die nur am Stamme und den

Hauptästen sitzen, erreicht oft einen Durchmesser von sieben Fuß, bei

einer Höhe von 40 Fuß. Seine Wurzeln ragen über den Boden empor; doch

fehlen ihm alle Zweigwurzeln. Da er bei seiner Ausdehnung keinen geringen

Raum einnimmt, steht er gewöhnlich allein oder am Rande der Wälder, in

seinem tiefen Schatten alle andern Gewächse erdrückend. Die braunen,

taubeneigroßen Früchte werden vom Volke in Zeiten der Noth gegessen.

Unter den polypetalen Gymnoblasten, in welchen das Pflanzenreich in

Gestalt und Farbe den höchsten Grad seiner Vollkommenheit erreicht hat,

fehlen gerade einige der wichtigsten Familien in der abessinischen Flora.

Aepfel, Birnen, Mandeln – überhaupt die Pomaceen und Amygdaleen sind so

schwach vertreten, daß man in der That einen höchst auffallenden Mangel an

Fruchtbäumen, wilden und kultivirten, dort empfindet. Die Berberitze

liefert gelben Farbstoff zu Trauerkleidern; das Hirtentäschchen (_Thlaspi

bursa pastoris_), dieses kosmopolitische Unkraut, folgt der Agrikultur in

Abessinien so gut wie in Europa; der schwarze Senf wächst wild und dient

als Zusatz zu den ohnehin scharfen Pfeffersaucen; Kürbisse, welche

Flaschen liefern, afrikanische Gurken und Koloquinten wachsen an dürren

Stellen, letztere namentlich in der Samhara und der heißen Küstenzone. Die

Samen der _Phytolacca abessinica_ (Septe oder Endott) dienen statt der

Seife, und die getrockneten Blätter der _Callanchoë verna_ werden von

Schwindsüchtigen statt des Tabaks geraucht.

Wir fügen hier die Citronen an, die in den königlichen Fruchtgärten gebaut

werden oder in den tieferen Lagen wild wachsen; die Brombeeren (_Rubus

pinnatus_), welche die besten aller wildwachsenden Früchte liefern, und

die gleichfalls als Nahrung dienende Hagebutte (_Rosa abessinica_).

Während der schwarze Pfeffer, die unentbehrliche Zuthat zu allen

abessinischen Speisen, eingeführt und theuer bezahlt wird, kultivirt man

den allerdings botanisch ihm fernstehenden rothen Pfeffer (_Capsicum

frutescens_) in den Tieflanden sehr sorgfältig. Von den übrigen Solaneen

wird der Tabak eingeführt; vom Umboistrauch (_Solanum marginatum_) benutzt

man die Samen, um damit die Fische zu betäuben, welche nichtsdestoweniger

eßbar bleiben; der rothe Saft einer Tollkirsche (_Atropa arborea_) dient

zum Färben der Nägel bei den abessinischen Damen, und die narkotischen

Eigenschaften des Stechapfels (_Datura __Strammonium_) sind den Zauberern

und Diebsentdeckern wohlbekannt, da sie durch Verbrennen des Laubes die

Leute betäuben. Gefährlich für kleine Thiere ist eine giftige Asclepiadee

(_Kannahia laniflora_), die an den Ufern der meisten abessinischen

Gewässer vorkommt, nur mit dem Unterschiede, daß sie, je nach den

verschiedenen Distrikten, in ganz entgegengesetzter Jahreszeit blüht. In

den Küstenthälern unfern Massaua findet die Entwicklungsperiode ihrer

vortrefflich duftenden Blume im Mai statt; bei Gondar dagegen blüht die

Pflanze im Oktober. Merkwürdig ist die tödtlich-betäubende Eigenschaft,

welche ihr verführerischer Geruch oder süßer Nektarsaft auf verschiedene

Insekten ausübt; denn nur ihm kann man es zuschreiben, daß in dem Kelche

der meisten Blüten sich todte Wespen, Käfer u. s. w. finden.

Durch zahlreiche Repräsentanten sind die Familien der Kontorten, Rubiaceen

und Ligustrineen vertreten. Am hervorragendsten sind eine Aasblume

(_Stapelia pulvinata_) und _Calotropis gigantea_. Die erstere hat einen

fleischigen, viereckigen und zwei Fuß hohen Stengel, dem man, wenn er

seine Blüten entfaltet, wegen des üblen Geruches jedoch nicht zu nahen

vermag; die letztere liefert gute Kohle zu Schießpulver.

_Die Deka_ nimmt ihrer Ausdehnung nach den größten Theil Abessiniens ein.

Sie reicht von 7500 Fuß bis zur Vegetationsgrenze bei 13,000 Fuß. Bis zu

12,000 Fuß Höhe gedeihen noch mehrere Getreidearten und bis 11,000 Fuß

findet man den _Kussobaum_ (_Brayera anthelmintica_), der als Wahrzeichen

des Landes gelten kann. Wegen der Schönheit seines Wuchses und seiner

Brauchbarkeit wird er allgemein geschätzt; denn infolge des rohen

Fleischgenusses sind die Abessinier sehr stark von Eingeweidewürmern

(_Taenia_ und _Strongilus_) geplagt, gegen welche sie sich regelmäßig und

zwar meist allmonatlich einer Abkochung der Kussoblüten bedienen. Drei

Loth der getrockneten Blüten mit Wasser gekocht und getrunken, reinigen

den Körper auf eine merkwürdig schnelle und sichere Weise von den

gefräßigen Schmarotzern; indessen ist die dadurch bewirkte Befreiung nur

eine vorübergehende und keine Heilung des Uebels. Der Kussobaum erreicht

eine Höhe von fünfzig bis sechzig Fuß und verleiht mit seinen

weitausgedehnten und dichtbelaubten Zweigen dem Wanderer kühlen Schatten;

jedoch soll es gefährlich sein, zur Blütezeit unter ihm zu schlafen; so

berichtet wenigstens Isenberg.

In Schoa wird unter Kusso die _Hagenia abessinica_ verstanden, die

gleichfalls wurmtreibend wirkt. Als eine abessinische Charakterpflanze

verdient die _stachelige Kugeldistel_ (_Echinops horridus_), die bis zu

zehn Fuß Höhe erreicht, hervorgehoben zu werden. Es ist eine stattliche

Staude mit straff aufstehenden Stengeln, dornig gezähnten Blättern und

runden Blütenköpfen, aus denen Dornen hervorragen. Neben ihr finden wir

eine andere nicht minder auffällige Art, die riesige Kugeldistel

(_Echinops giganteus_), deren kopfgroße Blüten auf 15 Fuß hohem Stengel

stehen; beide Arten steigen bis zu 13,000 Fuß an.

Wir sind nun allmälig hinaufgelangt in die höchsten Regionen der Deka. Die

Hochbäume erscheinen immer spärlicher und finden sich vorzüglich noch

längs den Ufern der Wildbäche und Schluchten, die dornigen Akazien und

Pterolobien sind verschwunden. Vor uns liegen Alpenmatten mit tausenden

von kleinen, schön blühenden Alpenpflanzen bedeckt, unter denen sich

blaublühende Salbeiarten besonders auszeichnen. Daneben stehen Senecionen

und der fiebervertreibende _Celastrus obscurus_, die _Primula semiensis_.

Ueber diesen erheben sich Sträucher, besonders Hypericum und Cytisus. Den

europäischen Eindruck, welchen diese Pflanzen etwa hervorbringen können,

vertreiben die _baumartigen Eriken_ oder Zachdi (_Erica arborea_), die bis

zu 30 Fuß heranwachsen und einen 1½ Fuß im Durchmesser haltenden Stamm

besitzen, dessen Holz eine vorzügliche Schmiedekohle liefert, während die

reiche weiße Blütenfülle den süßesten Honigseim den Bienen darbietet.

Jetzt aber entwickelt sich vor unsern erstaunten Blicken in der Höhe von

12,000 Fuß ein neues, überraschendes Bild, eine Pflanze tritt auf, die für

den Charakter ihres Bereichs bestimmend ist, die _Dschibarra_

(_Rhynchopetalum montanum_). Diese Lobeliacee überrascht den Wanderer in

den kalten Hochgebirgen an der äußersten Grenze der Vegetation mit einer

dort gewiß von ihm nicht gesuchten Form: nämlich der der Palme. Auf einem

hohlen, etwa acht bis zehn Fuß hohen benarbten und armdicken Markstengel

mit einer Krone von großen, überhängenden, lanzettförmigen Blättern erhebt

sich eine fünf Fuß lange Blütenähre, deren einzelne bläuliche Knospen der

Blüte des Löwenmauls ähneln. Für Feuerung oder sonstigen technischen

Gebrauch untauglich, dient der lange hohle Markstengel der Jugend zur

Anfertigung von Schalmeien. Sobald die Dschibarra abgeblüht hat, knickt

der Stengel um und die Pflanze stirbt. Auf ihren Blütenschossen wiegt sich

paarweise die einzige Glanzdrossel (_Oligomydrus tenuirostris_), die in

diesen Gegenden lebt und die feinen Dschibarrasamen allen übrigen

vorzuziehen scheint. Drei bis vier Stunden Marsch führen uns aus dem

tropischen Walde auf diese mit Dschibarra bewachsenen Alpenflächen, über

denen nur noch wenige kahle Felsgipfel auf etwa 1000 Fuß relative Höhe in

die Wolken ragen; drunten haust die flüchtige Gazelle, Meerkatzen necken

sich in den Hochbäumen; hier aber setzt kühn der Springbock (_Oreotragus

saltatrix_) über die Felsen, grast friedlich der Steinbock (_Ibex Walia_)

und warnt durch einen gellenden Ruf seine Herde vor der herannahenden

Gefahr; Alpenkrähen umschwärmen geschwätzig und in rauschendem Fluge die

höchsten Felsen und drüber schwebt in weiten Kreisen der König der Alpen,

der Lämmergeier. Auch die gefleckte Hyäne steigt bis in diese Höhen,

seltener der Leopard und ein Fuchs (_Canis semiensis_), der ausschließlich

von den äußerst zahlreich hier hausenden Ratten und Mäusen lebt. Auch

Tauben (_Columba albitorques_) schwärmen in großen Flügen in diesen

höchsten abessinischen Alpengegenden umher.

_Die Fauna Abessiniens._ Fast noch reicheren Stoff als die Pflanzenwelt

bietet dem Beobachter die _Thierwelt_ Abessiniens dar. Nicht genügend

erforscht sind die niederen Thierklassen, unter denen auch wenige

Mitglieder ein allgemeines Interesse in Anspruch nehmen. Von der Plage der

Eingeweidewürmer und ihrer Vertreibung durch Kusso war bereits die Rede;

die höher stehenden Insekten treten im Hochlande nur in der wärmeren

Jahreszeit in großen Mengen auf, werden aber durch die kalten Regen wieder

in die tiefer liegenden Gegenden getrieben. Die _Heuschrecken_, amharisch

Anbasa, richten oft großen Schaden an, wie in den andern Nilländern auch.

[Illustration: Die riesige Kugeldistel. Originalzeichnung von E.

Zander.]

Ihr plötzliches Verschwinden wird in der Regel der gnädigen Fürsprache der

Heiligen zugeschrieben und diesen daher ein Dankopfer gebracht. Die

Wanderheuschrecke dehnt ihre Züge bis hoch in die Gebirgsgegenden aus.

Rüppell fand das Land am Takazzié von Myriaden dieser Thiere geradezu

abgefressen. Der Boden der ganzen Gegend war buchstäblich von ihnen

bedeckt. Er fügt hinzu: „Wenn übrigens manche Reisende von einer

Verdunkelung des Sonnenglanzes durch Heuschreckenzüge reden, so ist diese

Erscheinung lediglich auf die gleichzeitige dunstige und staubige

Atmosphäre zu beziehen und nicht der vermeintlich so ungeheuren Menge von

Heuschrecken zuzuschreiben, deren Wandern allein durch schwülen südlichen

Luftzug veranlaßt wird. Der ganze Boden schien mit diesen Thieren

überdeckt zu sein, bei genauem Zählen aber fanden sich nur etwa 12 bis 30

Heuschrecken in dem Raume eines Quadratfußes“. Die christlichen Abessinier

essen die Heuschrecken nicht; sie betrachten sie als verbotene Speise und

unter den Muhamedanern bequemen sich nur arme Leute zu dieser Nahrung. Ein

nützliches, allgemein gepflegtes und in Bienenkörben gezüchtetes Insekt

ist die _ägyptische Honigbiene_, von der große Mengen des süßen Seims

gewonnen und zu dem landesüblichen Meth benutzt werden. Es giebt auch eine

kleinere wilde Biene, die in Erdlöchern ihre Baue aufschlägt und einen

Dasma genannten Honig liefert, der als Medikament sehr geschätzt ist.

Diese Dasma wirkt leicht abführend, hat eine röthlichere Farbe als

gewöhnlicher Honig und einen bittern Nachgeschmack. In Gegenden, wo die

Bienen viel Honig von Kronleuchtereuphorbien und andern giftigen Pflanzen

sammeln, wirkt derselbe selbst im Meth sehr nachtheilig auf die

Gesundheit, er erzeugt Schwindel, Kopfschmerzen, Erbrechen und andere

Symptome einer leichten Vergiftung. Fliegen und Moskitos kommen wol in den

kühlern Hochlanden vor, werden jedoch nicht zur Landplage, in der Weise

wie die Flöhe. Die schwarze Ameise, welche sich wasserdichte Wohnungen

gegen den Regen baut, wird dem Menschen oft lästig, während die Termiten

nur selten in die Häuser dringen und meist unter losen Steinen ihre

kleinen Kolonien anlegen. _Käfer_, amharisch Densissa, sind in großer

Menge vorhanden, besonders die Koth- und Pillenkäfer, die man auch in

Aegypten antrifft. _Spinnen_ und _Skorpione_ werden als unrein gemieden

und vernichtet.

_Fische_ sind im Hochlande Abessiniens nicht allzu häufig, um genügende

Fastenspeise liefern zu können. Der Takazzié allein ist besonders reich an

großschuppigen, olivengrauen Karpfenarten mit lebhaft wachsgelben Flossen

und enthält einen Heterobranchus von enormer Größe, welcher mit der Angel

gefangen oder mit abessinischem Fischgift betäubt wird. In Atbara kommt

ein Wels vor, der schöne Hausenblase liefert, welche jedoch nicht

eingesammelt wird.

Die _Amphibien_ sind Gegenstände des Abscheus und des Aberglaubens. Die

Schlangen der Hochlande sind klein und nicht giftig, doch sehr gefürchtet;

in der Kola, sowie in den Küstengegenden fehlen jedoch große Pythonarten

und giftige Exemplare keineswegs. In den Niederungen werden auch

Schildkröten gefunden, unter denen die große _Geochelone senegalensis_

hervorragt; im Anseba-Gebiet und in Schoa kommt eine Cinixys in vielen

Sümpfen und Bächen vor, und die _Pentonyx Gehafie_ steigt überall aus dem

Tieflande bis zu 8000 Fuß empor. Neben diesen gepanzerten Amphibien sind

die Krokodile (Aso) namentlich in der Kola sehr häufig; im Setit, Atbara

und Mareb werden sie von den Eingeborenen harpunirt und ihr

moschusduftendes Fleisch verzehrt. Fälschlich jedoch hat man ihr Vorkommen

im Tanasee behauptet. Sonst sind unter den Sauriern noch zu nennen der

Skink (_Scincus officinalis_), das Chamäleon, der Gekko und _Stellio

cyanogaster_ als Gesellschafter der Klippdachse. Die Warneidechse

(_Varanus niloticus_) ist auch in Abessinien häufig und hat hier ihren

einheimischen Namen, Angoba, auf viele Flüsse übertragen.

Schwer hält es, bei dem großen Reichthum der verschiedenen Arten

abessinischer _Vögel_, welche sich dem Auge des Forschers zeigen, einen

Ueberblick nur der wichtigsten zu geben und eine Auswahl aus der Menge

dieser prachtvoll gefärbten, eigenthümlich gestalteten und hinsichtlich

ihrer Lebensweise merkwürdigen Geschöpfe zu treffen. Aber gerade auf dem

Gebiete der Ornithologie Abessiniens ist von Rüppell, Heuglin, Brehm

Vorzügliches geleistet worden, sodaß man wohl behaupten darf, besser als

das Pflanzenreich und die übrigen Klassen des Thierreichs sei die

Vogelwelt der „afrikanischen Schweiz“ durchforscht.

[Illustration: Wanderheuschrecke.]

Es giebt wol kein zweites Land, das so reich an _Tag-Raubvögeln_ ist wie

Abessinien. Vermöge der höhern Lage der Plateaux bieten sich in den

Felspartien günstige Lebensbedingungen für Adler, Geier und Falken, die

hier ihre Horst- und Zufluchtsstätten finden. Die Vegetation prangt in

außerordentlicher Fülle; in allen Thälern und Schluchten sprudeln

Gebirgswasser; im dichten Gestrüpp und in den Gräsern hausen Reptilien in

Menge, von der Pythonschlange und Naja bis zur kleinsten Baumschlange

herab; Schildkröten weiden gemüthlich an Hecken und Teichen; an

Säugethieren von der Größe der Feldmaus aufwärts ist Ueberfluß vorhanden,

während schattige, fast undurchdringliche Waldpartien, abgelegene

Schluchten, die selten eines Menschen Fuß betritt, und fast unersteigliche

Felsen und kolossale Hochbäume den Raubvögeln jeden Schutz und Schirm

gewähren. Da horstet denn der mächtige _Gyps Rüppellii_, der gemeine

ostabessinische Mönchsgeier (_Neophron pileatus_), der Schmuzgeier (_N.

percnopterus_), der Bartgeier (_Gypaëtos meridionalis_) und Schlangenadler

(_Gypogeranus serpentarius_), die viele Schlangen verzehren und mäßig

starke Wüstenschildkröten mit einem Schlag ihrer starken Fänge

zerschmettern. Zahlreiche Weihen, Milane, Falken und Sperber machen den

Beschluß der Tagraubvögel. Der unreinliche Mensch giebt den Schmuzgeiern

tagtäglich neue Nahrung und damit neue Beschäftigung; deshalb vermißt man

diese wohlthätigen Vögel an keinem Orte. Sie folgen den Herden wie den

Handelszügen, umschweben die Dörfer und Schlachtplätze und räumen schnell

allen Unrath auf. Der große, von Brehm zuerst genau beschriebene

Rüppell’sche Aasgeier erscheint erst dann, wenn irgend ein Aas ihn

heranlockt. In ungemessenen Höhen, wohin ihm des Menschen Auge nicht zu

folgen vermag, zieht er dahin; aber sein Auge beherrscht ein weites Gebiet

und die mächtigen Schwingen tragen ihn schnell nach dem Orte, wo ein Stück

Wild verendet oder einem Schaf die Kehle durchschnitten wird. Kaum fließt

das Blut, so ist auch der Aasgeier da; reiche Beute aber wird ihm zu

Theil, wenn das Land weit und breit mit Menschenleichen übersäet ist, wenn

die grausamen Bürgerkriege wüthen und den Zug der Heere gefallene Rinder

und Schafe bezeichnen. Wo er erscheint, da fehlen auch selten seine

kleineren Verwandten, der Schopf- und der Ohrengeier (_Vultur occipitalis_

und _V. auricularis_). Unter den Adlern begleitet der Augur, ein naher

Verwandter unsers Bussards, den Zug der Reisenden, während der

„_Himmelsaffe_“ oder Gaukler (_Helotarsus ecaudatus_) sowol durch die

Kühnheit seines Fluges, als durch die Schönheit seines Gefieders jeden

Beschauer in Entzücken versetzt. Unter allen Raubvögeln ist er der

stolzeste Flieger: er jagt förmlich durch die Luft. Nur während des Fluges

zeigt er seine volle Schönheit. Sitzend bläht er die Federn auf, sträubt

Kopffedern und Halskrause und gestaltet sich in einen Federklumpen um.

Eine der häufigsten Erscheinungen ist der Schmarotzer-Milan (_Milvus

parasiticus_), dessen scharfem Auge nichts entgeht und der durch seine

Allgegenwart an den Schlachtplätzen, wo kein Stückchen Fleisch vor ihm

sicher ist, sich lästig macht oder durch die größte Frechheit, mit welcher

er dem Menschen das Fleisch fast unter den Händen wegzieht, diese in

Erstaunen versetzt. Auch der Singhabicht (_Melierax polyzonus_) kommt

südlich vom 17. Grade in allen Steppenwaldungen häufig vor; er verweilt am

liebsten auf einzelnstehenden Bäumen, hat jedoch keinen besonders schönen

Flug und giebt ein langgezogenes, eintöniges Pfeifen, keineswegs aber

einen melodischen Gesang von sich. Seine Hauptnahrung besteht in Insekten,

vorzugsweise aber in Heuschrecken, an denen Abessinien eben nicht arm ist.

Unsere Weihen vertritt der in Nordostafrika häufige Steppenweih (_Circus

pallidus_); er meidet jedoch das Gebirge und zieht die breiten Niederungen

mit kurzem Gestrüpp vor, aus welchem er auf kluge Weise das kleine

Geflügel aufscheucht.

Unter den _Eulen_ finden wir unsere Schleiereule und den Kauz, die

kurzöhrige Eule (_Otus brachyotus_) und die Zwergohreule (_Ephialtes

Scops_). Im Gebirge haust ein Uhu (_Bubo cinerascens_), der zu den

gemeinsten Eulen gehört. Dieser Uhu horstet am liebsten auf Bäumen und

wird nicht wie unsere europäische Art von kleinern Vögeln verfolgt. In den

Steppen wie im Gebirge trifft man auf die Ziegenmelker (Caprimulgusarten),

jene unheimlichen Vögel mit leisem Fluge und eigenthümlichem Nachtgesange.

Gleich großen Nachtfaltern umschweben sie die Wipfel der Bäume und die

Dächer der Häuser, um ihrer Kerbthierjagd nachzugehen.

Reich vertreten sind die _schwalbenartigen Vögel_ (_Hirundo_, _Cypselus_).

Die meisten derselben sind auch hier Zugvögel und kommen vor Beginn der

Regenzeit, im Mai und Juni, um zu brüten.

[Illustration: Abessinische Vögel. Originalzeichnung von Robert

Kretschmer.

Hornvogel. Ohrengeier. Webervögel.

Schmuzgeier. Eisvogel.

Hornrabe. Schlangenadler. Schattenvogel.]

Die Hausschwalbe ist _Hirundo_ oder _Cecrops rufifrons_; sie erscheint

kurz vor den Sommerregen und beginnt, sobald diese letzteren die Erde

etwas erweicht haben, aus Lehm ein sehr solides, rundes Nest zu bauen, das

sie mit der Basis auf Dachsparren aufsetzt, nicht seitwärts anklebt wie

unsere Schwalbe. Sie macht zwei bis drei Bruten und verläßt die Höhen erst

im Dezember. – Durch schönen Flug zeichnet sich der abessinische Segler

(_Cypselus abessinicus_) aus, der in den Bäumen nistet; er ist ein

ausgezeichneter Flieger, wie alle seines Geschlechtes. An manchen Stellen

vertritt ihn die Felsenschwalbe (_Cotyle obsoleta_), die ihr Nest in den

Ritzen und Spalten der Felsen baut, doch nur an solchen Orten, wo die

räuberischen Affen nicht hingelangen können.

Prächtig gefärbte Bewohner Abessiniens sind neben der Mandelkrähe

(_Coracias abessinicus_) und dem Eisvogel (_Ispidina cyanotis_) vor allen

andern die _Bienenfresser_ (_Merops Lafrenayi_) und die Narina (_Trogon

Narina_), die lautlos über den Mimosenbüschen dahinschwebt, die

Schmetterlinge oder andere Insekten fängt und durch ihr glänzendes

Gefieder das Auge des Beobachters erfreut. Ihnen schließt sich der

Wiedehopf (_Upupa_) an, der neben den Aasgeiern fleißig allen Unrath

wegräumt und mit Recht in keinem guten Geruche steht. Seine Verwandten

sind die Baumwiedehopfe (_Promerops erythrorhynchus_), die in

Gesellschaften gleich Spechten auf den Bäumen umherklettern, die Ameisen

aufsuchen und von dieser Nahrung einen durchdringenden Geruch annehmen.

Den Kolibri vertreten in Abessinien die metallglänzenden _Honigsauger_

(_Nectarinia metallica_, _abessinica_, _affinis_), welche von den Arabern

„Abu Risch“, Federträger, genannt werden und als die ersten Tropenvögel in

Nordostafrika auftreten, auf welche man, aus kälteren Gegenden kommend,

stößt. Die reizenden Vögelchen leben meist paarweise auf den Mimosen und

ziehen im brennenden Sonnenstrahle von Blüte zu Blüte, um dort Insekten zu

fangen, zu singen, die Federn zu sträuben, den Schwanz zu heben und das

glänzende Gefieder im Sonnenlichte glänzen zu lassen.

Keineswegs fehlt es Abessinien an Sang und Klang in der Vogelwelt; neben

dem glänzenden Gefieder findet auch der melodische Schmelz der Töne seine

Vertretung. Im Rohre schmettert fröhlich der Buschschlüpfer (_Drymoica

rufifrons_) oder die Caricola (_C. cisticola_), an welche sich die

abessinische Baumnachtigall (_Aedon minor_) anschließt, die schon dem

Wanderer entgegenschlägt, wenn er, vom Rothen Meere kommend, bei Massaua

seinen Fuß ans Gestade setzt. An Steinschmätzern (Saxicola-Arten),

Vertretern unserer Drosseln (_Thamnolaea_), Bachstelzen (_Motacilla alba_

und _flava_) ist kein Mangel. Zu letztern, uns aus der Heimat bekannten

Arten gesellen sich die verwandten Schafstelzen (_Budytes_), niedliche

Vögel, welche in großer Zahl den Herden folgen, deren treueste Begleiter

sind und diesen das Ungeziefer ablesen. Im Hochgebirge, namentlich in

Semién, lebt eine Drossel (_Turdus simensis_), welche unsrer Singdrossel

sehr ähnelt, neben der als regelmäßige Wintergäste die Steindrosseln

(_Petrocincla saxatilis_) erscheinen. Als guter Sänger wird der von

Lichtenstein entdeckte Droßling (_Picnonotus Arsinoë_) bald der Liebling

aller Reisenden, vor denen er sich durchaus nicht scheut. Anschließend

hieran erwähnen wir aus der Familie der Fliegenfänger den Paradiesfänger

(_Tchitrea melanogastra_), den Würgerschnäpper (_Dicrourus_), die

zahlreich vertretenen Würger (_Lanius_) und unsre Nebelkrähe, die als

Wintergast nach Abessinien kommt. Diese trifft als Verwandte hier den

Wüstenraben (_Corax umbrinus_), ein Mittelglied zwischen Rabe und Krähe,

der aber nicht blos in der Wüste vorkommt, sondern auch die Flecken und

Dörfer besucht, wo er den Hunden und Geiern das Aas streitig macht,

während er draußen nach Früchten, am Strande nach Muscheln sucht und eben

Alles verschlingt, was sich ihm darbietet. Ein echter Gebirgsvogel ist der

kurzschwänzige Rabe (_Corvus affinis_), der bis zu 11,000 Fuß aufsteigt

und dort in großen Scharen weilt. Durch seinen kurzen Schwanz macht er

sich vor allen Verwandten leicht kenntlich; er vertritt in Abessinien

unsern Kolkraben, lebt nur paarweise und bedeckt Abends, wenn er zur Rast

geht, oft große Felsblöcke. Die Staare sind durch mehrere Geschlechter,

die dohlenartigen Felsenstaare (_Ptilonorhynchus_), Glanzdrosseln

(_Lamprocolius_) und Glanzelstern (_Lamprotornis_) vertreten. Bei Weitem

der interessanteste Vogel aus dieser Familie ist aber der afrikanische

_Madenhacker_ (_Buphaga erythrorhyncha_), der von der Südspitze Afrika’s

an bis nach Abessinien hinein vorkommt und der treueste Begleiter der

Herden ist, sodaß es scheint, als könnten Rinder, Kameele, Pferde kaum

ohne ihn leben. Da wo diese wunde Stellen haben, in welche die Fliegen

ihre Eier legen, aus denen die Maden entstehen, erscheint auch die

Buphaga, klettert an dem Thiere herum, wie ein Specht am Baume und sucht

ihm die Maden ab. Das Thier kennt seinen Wohlthäter recht gut, aber die

Abessinier hassen den Madenhacker, weil sie glauben, daß er durch sein

Picken die aufgeriebenen Stellen reize.

Die _finkenartigen Vögel_ kommen gleichfalls in großer Menge vor.

Reichlich treffen wir vorzüglich Amadina, Vidua, Estrelda, Serinus, alles

gute Sänger, während der _Weber_ (_Textor alecto_) nur einen

drosselartigen Ruf und unschönes Gezwitscher ertönen läßt. Dafür baut er

aber ein zusammenhängendes Nest, in dem ganze Gesellschaften brüten. Es

besteht aus dürrem Reisig, von dem eine große Masse, oft von 5 bis 8 Fuß

Länge und 3 bis 5 Fuß Breite und Höhe, zwischen tauglichen Astgabeln der

Baobab-Bäume aufgehäuft wird. In einem solchen sind 3 bis 8 Nester tief im

Innern angelegt und diese mit feinem Gras und Federn ausgefüttert. Die

Farbe der Eier wechselt zwischen rein weiß, roth, grün, braun mit allen

möglichen Zeichnungen, sodaß man glaubt, Eier verschiedener Arten vor sich

zu haben. Der Eingang zu dem unordentlichen Neste ist im Anfange so groß,

daß man bequem mit der Faust eindringen kann, verengert sich aber und geht

in einen Kanal über, gerade für den Vogel passend. Durch prachtvollen

Federschmuck sind die Witwen (_Viduae_) ausgezeichnet, und leicht

unterscheidet man das Männchen durch seine langen, am Fluge hindernden

Schwanzfedern von dem Weibchen. Hat es aber im Winter das prächtige

Gefieder abgelegt, dann fliegt es leicht dahin, ähnlich wie unsere Ammern.

Als Haussperling tritt, unserm Spatz das Recht streitig machend, in

Nordostafrika der rothrückige Sperling (_Passer rufidorsalis_) auf, dessen

Sitten und Lebensweise ganz die unseres Haussperlings sind, nur ist er

schöner gefärbt. Gemein, wie bei uns, ist auch in Abessinien die

Haubenlerche (_Galerita abessinica_), welcher sich als Verwandte die

seltenere Wüstenammerlerche (_Ammomanes deserti_) anschließt.

Haben wir bisher viele, unsern europäischen Arten verwandte Vögel

gefunden, so treffen wir in der folgenden Familie, jener der

Pisangfresser, durchaus auf fremdartige Gestalten. Da sind zunächst die

Mäusevögel (_Colius_), die in dichten Büschen leben, durch die schmalsten

Oeffnungen der Verzweigungen sich zwängen und im Klettern eine große

Geschicklichkeit entwickeln. Der von Rüppell entdeckte Helmvogel

(_Corythaix leucotis_) tritt erst da auf, wo die Kronleuchter-Euphorbie

beginnt; er ist ein prächtiger, rastloser, unsern Hehern im Betragen

ähnlicher Geselle, der die Sykomoren, Tamarinden und Aloëpflanzen gern

besucht und auf diesen sich in großer Anzahl sammelt. Der eigentliche

Pisangfresser (_Schizorhis zonurus_), der sich durch ein affenartiges

Geschrei auszeichnet, hat Vieles mit seinen Verwandten, den Nashornvögeln

überein, von denen mehrere kleine Arten (_Tockus erythrorhynchus_ und

_nasutus_) häufige Bewohner der Steppen und des Urwaldes sind. Je mehr man

in das Gebirge kommt, desto häufiger werden sie, desto öfter vernimmt man

ihren charakteristischen Ruf. Weit größer als die nur anderthalb Fuß

langen Nashornvögel, aber auch seltener sind die kräftigen, fast 4 Fuß

langen, sehr scheuen Hornraben (_Bucorax abessinicus_).

Wenig ist aus der Ordnung der Klettervögel zu berichten. Die Papageien

finden im abessinischen Gebirge keineswegs, wie in ganz Afrika, ergiebigen

Boden, obgleich einige Arten von ihnen vorkommen. So liebt der

Zwergpapagei (_Psittacula Tarantae_) die Kolkwal-Euphorbie, auf welcher er

häufig anzutreffen ist, der Halsbandpapagei (_Palaeornis torquatus_) aber

dichte Wälder, in welchen er in großen Familien und Flügen gewöhnlich mit

den Affen zusammen erscheint. Die Bartvögel (_Pogonias Saltii_) kommen nur

einzeln im dichtesten Gebüsche vor und sind still, bis auf den Perlvogel

(_Trachyphonus margaritatus_), welcher im Verein mit dem Weibchen einen

lustigen Gesang vorträgt und die Gärten der Dörfer belebt. Die Spechte

treten nur als kleine Baumspechte (_Dendropicus Hemprichii_) auf.

Unter den _Kukuksarten_ spielt der _Honigvogel_ eine große Rolle in der

Ornithologie der Abessinier; obgleich selten vorkommend, kennt ihn

Jedermann, und schon die ältesten Nachrichten über das Land (so Ludolf in

seiner „_Historia aethiopica_“) erwähnen der Eigenschaft dieses

unscheinbaren Thierchens, den Menschen zu den Bienenstöcken zu führen. Die

Honigvögel (_Indicator_) halten sich vorzüglich an baumreichen Bachufern

auf, flattern von einem Baume zum andern und lassen dabei ihre starke,

wohlklingende Stimme hören. Daß sie so rufend häufig zu Bienenschwärmen

führen, weiß jeder Eingeborene Afrika’s vom Kap bis zum Senegal und von

der Westküste bis nach Abessinien herüber, doch führt der Indicator den

ihm folgenden Menschen ebenso häufig auf gefallene Thiere, die voller

Insektenlarven sind; er verfolgt mit seinem Geschrei den Löwen und

Leoparden, kurz Alles, was ihm auffällt; auch ist er dem Menschen

gegenüber nichts weniger als scheu und trotz der unscheinbaren Größe und

Färbung sind alle Arten an der eigenthümlichen Weise des Flugs leicht zu

erkennen. In Nordostafrika giebt es vier Arten von Honigvögeln, von denen

jedoch nur zwei (_Indicator minor_ und _albirostris_) in Abessinien

vorkommen.

Ueberall wo man in Abessinien Vögel findet, wird man auch _Tauben_

wahrnehmen in den verschiedenartigsten schön gestalteten und gefärbten

Formen. Die abessinische Taube (_Treron abessinica_) bewohnt in kleinen

Familien die tieferen Gebirgsthäler, wo sie die Mimosen, Kizelien und

Sykomoren sich zum schattigen Ruhesitz aussuchen, um ihre Liebesspiele zu

treiben und gleich dem Papagei durch das Laub zu klettern. Unsere

Felsentaube vertritt die blaurückige Taube (_Columba glauconotos_), als

eigentliche Waldtaube tritt die Guineataube (_Stictoenas guinea_) auf;

auch die Turteltaube (_Turtur auritus_), die Lachtaube (_T. risorius_)

finden sich; eigenthümlich ist aber die Erscheinung der Erdtaube

(_Chalcopelia afra_), die nicht über den 16. Grad nördlicher Breite

hinaufgeht und friedlich das dichtverschlungenste Gebüsch an der Erde

bewohnt, auf welcher sie auch, ihren Verwandten unähnlich, ihr Nest baut.

Von Hühnern tritt in zahlloser Menge das lautschreiende Perlhuhn (_Numida

ptilorhyncha_), die Wachtel als Wintergast und an Stelle unserer Rebhühner

die verschiedenen, schön gezeichneten und in Einweibigkeit lebenden

Frankoline (_Francolinus rubricollis_, _Erkelii_ u. s. w.) auf; auch die

Flughühner (_Pterocles_) sind vertreten und die Laufvögel beginnen mit der

in den Steppen häufigen Trappe (_Otis arabs_), die nicht die Größe unserer

großen Trappe erreicht, aber weniger scheu ist und besonders von Insekten

lebt. Kommt der _Strauß_ (_Struthio Camelus_) auch nirgends im

abessinischen Hochland vor, so umzieht er dasselbe doch ringsum in den

Steppen und Wüsten.

Unter den Regenpfeifern und Kiebitzen fällt nur der Dickfuß (_Oedicnemus

affinis_) wegen seiner nächtlichen, eulenartigen Lebensweise auf; an

feuchten, fischreichen Stellen wimmelt es oft von Reihern, Storcharten,

Schattenvögeln und Störchen und an den Küsten des Rothen Meeres sind

Möven, Pelikane, Seeschwalben und Tölpel im Ueberfluß vorhanden. Reich an

Wassergeflügel ist auch der Tanasee, dessen breite, mit Inseln durchzogene

Fläche demselben einen günstigen Aufenthaltsort gewährt. Dort wimmelt es

von Seeschwalben, Enten (_Anas clypeata_, _sparsa_ u. s. w.),

Strandläufern, Kiebitzen, Regenpfeifern; da stehen unbeweglich der

Riesenreiher und der schwarzkehlige Fischreiher (_Ardea Goliath_ und _A.

atricollis_), auf Reptilien lauernd, da plätschern Wasserhühner, Gänse und

Spornschwäne in der Flut.

Weil mehr mit dem Menschen im Verkehr und ihn als Raub-, Jagd- oder

Hausthier meist näher angehend, fesselt auch das Reich der Säugethiere

mehr unser Interesse als jenes der Vögel.

Abessinien mit seinen Grenzländern kennt etwa sechs bis acht _Affenarten_.

Ruhig und gemüthlich verfließt das Leben der graugrünen _Meerkatze_

(_Cercopithecus griseo-viridis_), eines echten Baumaffen, der in starken

Banden gesellig zusammenlebt und von der Höhe seines Aufenthaltes selten

auf den Boden herabkommt, gleichviel ob er dort in Dornen der Mimosen oder

im Laub der Sykomore sitzt. Seine Behendigkeit ist unglaublich groß und

mit Hülfe des steuernden Schwanzes führt er die kühnsten Sprünge aus. Als

unumschränkter Herr und Gebieter steht der lustigen Herde ein altes,

geprüftes Männchen vor, das alle jungen Nebenbuhler von den seiner Obhut

unterstehenden Damen fernhält. Diese zeigen gegen ihre häßlichen

Sprößlinge eine außerordentliche Mutterliebe, welche sie durch

fortwährendes Reinigen und Liebkosen des Kindchens bethätigen. Nur

nebenbei verzehrt diese Meerkatze Heuschrecken und andere Insekten;

Früchte, Knospen und Getreide sind ihre Lieblingsgerichte und wehe dem

Durrah- oder Maisfelde, in das die verschmitzte Bande lüstern eindringt!

Das Wenigste wird nur verzehrt, das Meiste unbarmherzig verwüstet und dann

auf der Stätte des Diebstahls ein Tummelplatz freudiger Spiele für Alt und

Jung bereitet. Vor Menschen weniger, wohl aber vor Hunden, Schlangen,

Fröschen und ihrem besondern Feinde, dem Habichtsadler, fürchtet sich die

Meerkatze sehr. Weit würdevoller als die Meerkatzen treten die Paviane

auf, unter denen der _Silberpavian_ oder _Hamadryas_ (_Cynocephalus

Hamadryas_) der häufigste ist. Dieses merkwürdige Geschöpf, dem schon die

alten Aegypter Achtung zollten und das man auf ihren Denkmalen abgebildet

findet, lebt zwischen 1000 und 7000 Fuß Meereshöhe und findet sich um so

häufiger, je pflanzenreicher das Gebirge ist. Jede Bande behauptet im

Gebirge ein bestimmtes Gebiet und zählt etwa fünfzehn bis zwanzig

erwachsene und kampftüchtige Männchen, wahre Ungeheuer mit einem Gebiß,

welches fast mit dem eines Löwen wetteifern kann, dasjenige des Leoparden

jedoch übertrifft. Schon von Weitem unterscheidet man die Männchen an

ihrem langen graugrünlichen Mantel und der hervorragenden Gestalt von den

bräunlicher gefärbten Weibchen, die vollauf mit ihren übermüthigen Jungen

zu thun haben. Greift auch der Pavian so leicht einen Mann nicht an, so

ist er doch den Frauen ein Gegenstand des Entsetzens, von welchen eine

größere Anzahl von Pavianen als von Löwen und Leoparden umgebracht wird.

Der ärgste Feind des Silberpavians ist der Leopard, der ihm Tag und Nacht

nachschleicht und sich ebenso listig wie kühn auf jedes von der Herde

isolirte Thier stürzt.

Auch mit ihren Verwandten leben diese Paviane nicht immer auf gutem Fuße,

namentlich mit den _Tscheladas_ (_Cercopithecus Gelada_), gegen welche sie

in Semién oft förmliche Schlachten liefern. Letzterer Mantelpavian bewohnt

einen Höhengürtel von 7–11,000 Fuß über dem Meere, während der Hamadryas

mehr die Tiefen-Gegenden liebt; jedoch steigen die Tscheladas von ihren

Bergen herab, um die unten liegenden Felder zu plündern, wobei dann die

Schlachten mit den Silberpavianen stattfinden.

Der _schwarze Pavian_ (_Cercopithecus obscurus_) wurde erst 1862 von

Heuglin entdeckt. Dieser stattliche Affe lebt in großen Rudeln auf 6 bis

10,000 Fuß Höhe meist an felsigen Schluchten. Man sieht ihn selten auf

Bäumen, gewöhnlich auf Weideplätzen oder Felsen, von denen herab er nicht

selten gegen seine Verfolger Steine schleudert. Die Nacht verbringt er in

Gesellschaft in Klüften und Höhlen, steigt in der Morgensonne auf Hügel,

wo er zusammengekauert sich erwärmt und zieht dann in die Thäler nach

Nahrung, die aus Blättern zu bestehen scheint. Gewöhnlich führen zwei bis

sechs alte Männchen gravitätischen Schrittes eine Herde von 20 bis 30

Weibchen und Jungen an, welche theils spielend um den Trupp sich tummeln,

theils von den Müttern getragen und zuweilen tüchtig geohrfeigt werden.

Naht Gefahr, so flüchtet auf ein leises Bellen des Warners die ganze

Gesellschaft in Felsenschluchten. Der schönste Affe Abessiniens ist der

von Rüppell entdeckte _Colobus Gueraza_, dessen durch den starken Kontrast

von schwarz und weiß ausgezeichnetes Fell ein beliebtes Pelzwerk und eine

Zierath für die Kriegsschilder liefert. Er lebt in der Waldregion der Kola

auf den höchsten Bäumen.

Während Afrika im Allgemeinen reich an Flatterthieren ist, kommen

dieselben in dem hier in Rede stehenden Gebiete weniger vor. Die Ursache

davon hat Heuglin ergründet. Namentlich in den nördlichen Grenzländern

Abessiniens, in Bogos u. s. w. wird starke Viehzucht getrieben, und die

Herden kommen, wenn in ferneren Gegenden bessere Weide und mehr

Trinkwasser sich finden, oft monatelang nicht zu den Wohnungen der

Besitzer zurück. Die Rinder sind gewöhnlich mit Myriaden Fliegen bedeckt,

die ihnen nachfolgen und wiederum die _Fledermäuse_, welche von letzteren

leben, veranlassen, gleichfalls eine Wanderung zu unternehmen. Mit der

letzten Rinderherde verschwinden auch die Fledermäuse spurlos, um mit dem

Einrücken derselben in ihre alten Standquartiere auch wieder zu

erscheinen. Die gemeinste Art der in Ostabessinien, namentlich um Massaua

vorkommenden Fledermäuse ist der kleine von Rüppell entdeckte _Nyctinomus

pumilus_. Auch häßliche Glattnasen (Phyllorina-Arten) kommen vor, die

nicht nur in der Dämmerzeit, sondern die ganze Nacht hindurch fliegen. Der

große _Pteropus schoensis_ zeigt sich auch am Tage und lebt von den

Früchten der Feigen und Bananen.

Abessinien beherbergt mehrere Mitglieder der Katzenfamilie: die

kleinpfotige Katze, welche von Einigen für die Stammutter unsrer Hauskatze

gehalten wird, den _Gepard_ (_Cynailurus guttatus_), den _Leoparden_

(_Felis Leopardus_) und den _Löwen_ (_Felis Leo_), doch verdienen nur die

beiden letzteren hier eingehendere Beachtung. Gehen sie auch in die

Berglandschaften hinauf, so ist doch ihr Lieblingsaufenthalt in den

tieferen Gegenden, in der Kola, den nördlichen Grenzländern, der Samhara.

Der Löwe (amharisch Anbasa) ist gerade nicht selten, der Leopard geradezu

gemein und oft genug hört man des Nachts die Stimme des Königs der Thiere

erschallen. Doch fürchtet man ihn verhältnißmäßig wenig, denn sein

Jagdgebiet ist so reich, daß ihn nur selten der Hunger treibt, sich am

Menschen zu vergreifen. Es kommt häufig vor, daß junge, noch säugende

Löwen von den Abessiniern gefangen und aufgezogen werden; doch verkaufen

und verschenken diese die allmälig kostspielig werdenden Thiere bald an

reiche Leute, und aus solcher Quelle stammen auch die berühmten Löwen des

Königs Theodoros. Das Fell eines erlegten Löwen gehört dem Könige, der

tapfere Krieger wird mit einem breiten Streifen davon beschenkt, der

seinen Schild ziert. Weit häufiger und auch gefährlicher als der Löwe ist

der _Leopard_ (Nemr auf amharisch), den man nächst der Hyäne und dem

Schakal als das gemeinste Raubthier Abessiniens ansehen kann. Von der

Ebene an bis hoch in das Gebirge hinein, bei Tag und bei Nacht, überall

ist dieser freche Raubmörder zu finden. Er scheut den Menschen gar nicht

und kaum das allen Raubthieren so entsetzliche Feuer; frech dringt er in

die Hütten der Eingeborenen, raubt ein Kind und zieht sich mit seiner

Beute in das Dickicht zurück. Von der Antilope bis zur Maus bewältigt er

alle Säugethiere. Brehm erzählt, daß im Dorfe Mensa ein einziger Leopard

während eines Vierteljahrs nicht weniger als 8 Kinder, ungefähr 20 Ziegen

und 4 Hunde wegschleppte. In ganz Abessinien kann man Hunde und Hühner

kaum vor ihm sichern. Mit dem Feuergewehr jagen die Abessinier das ihnen

so verhaßte Raubthier ebenso wenig wie den Löwen; bei Weitem die meisten

Leoparden, welche man erlegt, werden erst in Fallen gelockt und in diesen

gewöhnlich durch Lanzenstiche getödtet. Diese Fallen sind ganz nach dem

Grundsatze starker Mausefallen gebaut, d. h. sie bestehen aus einem

Pfahlgitterwerk mit Fallthür; ein lebendiges Thier, ein Stück Fleisch sind

der Köder, mit dem der Leopard angelockt wird; häufig bringt man auch eine

lebende, kläglich meckernde Ziege in die Falle. Mit großer Vorsicht umgeht

der Räuber oft zwei oder drei Nächte lang den Käfig, bis er endlich sich

hineinwagt und gefangen ist. Von der Meeresküste geht dieser kühne Räuber

bis zu 12,000 Fuß Höhe an die Eisgrenze hinauf. Der _Gepard_ findet sich

ausschließlich in der Samhara und nicht im Gebirge; er ist ein Tagräuber

und keine gemeine Katze; denn er ist nicht blutgierig und raubt niemals

mehr als er zu seinem Unterhalte bedarf. Draußen in der freien Steppe

betreibt er seine Jagd auf Antilopen, Hasen, Mäuse, Perlhühner. Gegen den

Menschen vertheidigt er sich nicht, doch macht dieser meist auf ihn Jagd,

um das bunte Fell zu verwerthen, das nur selten im Handel vorkommt. Aber

zur Jagd wird er in Abessinien nicht abgerichtet, wenn auch einzelne

gezähmte Thiere hier und da gehalten werden.

Bis zu den höchsten Spitzen der Berge Semiéns in die Region der Dschibarra

streift der _Walgie_ (_Canis simensis_), um den Ratten nachzustellen. Er

ist eine häufige Erscheinung unter den hundeartigen Raubthieren; dagegen

ist der _Wolfshund_ (_Canis Anthus_) ziemlich selten, desto gemeiner aber

wieder der _Schakal_ (_Canis mesomelas_), der nicht mit dem weiter

nördlich vorkommenden eigentlichen Schakal verwechselt werden darf. Der

abessinische, schwarzrückige Schakal ist etwas größer als sein Verwandter

und in der Samhara wie im Gebirge in jedem größeren Dickicht anzutreffen.

Seine eigentliche Jagdzeit auf Hasen, Hühner, Perlhühner, Ziegen, ja

selbst Mäuse und Heuschrecken ist in der Nacht; dann ist er ein frecher,

regelmäßiger Gast in den Dörfern oder am Lagerplatz der Karawane, welcher

er ohne Scheu, selbst wenn das Feuer hell lodert, sich nähert. Auch wo

gefallene Thiere liegen, stellt er sich heulend ein und an solchen Plätzen

trifft er mit der _gefleckten Hyäne_ (_Hyaena crocuta_, amharisch Dschib)

zusammen, einem der gemeinsten Raubthiere Abessiniens. Durch langgezogene

Klagetöne kündigt sie ihren Wunsch nach irgendwelcher Nahrung an, um den

ewig verlangenden Magen zu befriedigen. Auch sie wird von den Eingeborenen

arg gehaßt, obgleich sie ihnen nicht gerade erheblichen Schaden zufügt,

sondern als Landreiniger, Aas- und Auswurfvertilgerin eher nützlich wird.

Die Eingeborenen fangen die Hyäne in Gruben, die in einem von Dorngebüsch

umgebenen Gange ausgegraben werden, an dessen Ende ein blöckendes Zicklein

angebracht wird. Die heißhungerige Bestie bricht, indem sie auf ihre Beute

zueilt, in die mit Reisig und Sand sorgfältig überdeckte Grube ein, in

welcher man sie möglichst bald tödten muß, weil sie sonst sich einen

Ausweg wühlt. Es gelingt nicht leicht, in derselben Grube mehr als eine

Hyäne zu fangen, da die Thiere durch ihr feines Geruchsorgan die Gefahr

erkennen. Neben ihr kommt noch ein anderes hyänenartiges Raubthier, der

„_gemalte Hund_“ (_Lycaon pictus_) truppweise vor; er überfällt die Herden

und richtet unter ihnen große Verheerungen an. Die Steppenlandschaften

sind die eigentliche Heimat dieses geselligen, rauf- und mordlustigen

Geschöpfes, das niemals allein jagt. Seinen Namen führt es von den großen,

dunkeln, auf dem hellen Felle stehenden Flecken, an denen es schon weithin

leicht zu unterscheiden ist.

[Illustration: Gemalter Hund (_Lycaon pictus_).]

Von kleineren Raubthieren beherbergt Abessinien die _gestreifte Manguste_,

einen weit verbreiteten, schlanken Mörder, der kleinen Säugethieren und

Vögeln nachstellt, und den _Honigdachs_ oder das _Ratel_ (_Ratelus

capensis_), ein in jeder Hinsicht merkwürdiges Thier, welches die

Bienenstände plündert, Aas liebt und der kleinen Jagd mit Eifer obliegt,

unangegriffen ruhig seine Straße zieht, angegriffen aber aus seinen

Stinkdrüsen einen ekelhaften knoblauchartigen Gestank verbreitet, der weit

und breit die Luft verpestet. Das Thier bewohnt Baue, welche es sich mit

seinen gewaltigen Klauen leicht gräbt und in denen es den Tag über

verborgen liegt, um Abends seiner Beute nachzugehen.

Die nordöstlich vom Tanasee gelegene Stadt Emfras, in welcher der König

einen sogenannten Palast besitzt, ist nicht nur als Hauptsklavenmarkt,

sondern auch wegen der Zucht von _Zibethkatzen_ (_Viverra Civetta_)

berühmt. Poncet berichtet, daß dort von diesen Thieren eine so große Menge

vorhanden ist, daß manche Kaufleute deren mehr als 300 im Hause halten.

Die Thiere werfen einen nicht geringen Nutzen ab. Die Zibethkatze bekommt

als Futter dreimal in der Woche rohes Rindfleisch und viermal einen

Milchbrei; sie wird dann und wann mit Wohlgerüchen beräuchert und in jeder

Woche kratzt man ihr mit hölzernen Löffeln einmal eine salbenartige

Materie ab, das Zibeth, welches in wohlverwahrte Ochsenhörner gethan wird

und einen einträglichen Handelsartikel bildet. Ihr heimischer Name ist

Dering. Ein dem Hausgeflügel, den Mäusen und Ratten sehr gefährliches

Raubthier ist die _Genettkatze_ (_Viverra abessinica_), ein schlankes,

elegantes Thier mit langem Ringelschwanz. Sowol anatomisch, als durch den

Mangel der Rückenmähne und andere Schwanzzeichnung unterscheidet sie sich

von der vorigen, mit der sie sonst viel Aehnlichkeit hat. Auch ein

_Fischotter_ (_Lutra inunguis_) kommt, wiewol selten, in den abessinischen

Gewässern vor. Derselbe ist so groß wie unsere Art und schön kaffeebraun.

Unter den Nagethieren ist zunächst zu erwähnen das _bunte Eichhorn_

(_Sciurus multicolor_), ein keineswegs munteres Thierchen, vielmehr ein

langweiliges scheues Geschöpf, das sich einzeln versteckt in den hohen

Baumwipfeln aufhält und niemals kühne Sprünge wagt, sondern immer an den

Aesten klebt. Viel häßlicher, aber anziehender und unterhaltender ist sein

Verwandter, das _rothe Erdhörnchen_ (_Xerus rutilus_), das Schillu der

Abessinier. Leicht und beweglich treibt es sich nur auf der Erde, nie auf

Bäumen umher, bald hier, bald da aus seiner Höhle hervorschauend, oder

sich possirlich auf die Spitze eines Hügels setzend. Unter allen

Nagethieren ist keines, selbst der Hamster nicht ausgenommen, welches im

Verhältniß zu seiner Größe solchen Muth entwickelte, ja es wehrt sich

sogar knurrend und fauchend gegen Hunde. Gleich ihm lebt auch das _Filfil_

(_Bathyergus splendens_), das zu den Ratten gerechnet wird, in

maulwurfsähnlichen Erdhöhlen, die es im dichten Gebüsch anlegt, während

die Baue des _Stachelschweins_ (_Hystrix cristata_), das bis zu 6000 Fuß

Höhe hinaufgeht, meist in sandigen Ebenen stehen. Bei Tage verläßt das

Stachelschwein seine Höhle nie, Abends jedoch zieht es in die Waldungen

und Felder. Jedenfalls verdient unter den Nagethieren der _abessinische

Hase_ (_Lepus aethiopicus_) die meiste Beachtung, da er sich von unserm

gewöhnlichen Hasen vielfach unterscheidet und im Hochgebirge wie in der

Niederung zu den gewöhnlichsten Erscheinungen gehört.

Da der christliche Abessinier so gut wie der Muhamedaner ihn wegen der

gespaltenen Klauen zu den unreinen Thieren rechnet, so wird er nicht

verfolgt, und da er dieses weiß, so fällt es ihm gar nicht ein, vor dem

Menschen zu flüchten, wie unser Lampe, von dem ihn schon das dunklere,

schwarz, weiß, grau und ockerfarbig gefleckte Fell unterscheidet.

[Illustration: Erdferkel. Nach Wood.]

Aus der Ordnung der zahnlosen Thiere ist das _Erdferkel_ (_Orycteropus

aethiopicus_) zu erwähnen, das vom Tiefland bis in die Woina-Deka

vorkommt. Das scheue Thier, mit seinem Geruch und Gehör, haust in

selbstgegrabenen Höhlen, zeichnet sich durch lebhafte Sprünge und eine

känguruartige Stellung aus, wobei es durch den kräftigen Schwanz

unterstützt wird. Es geht häufig nur auf den Hinterfüßen und beschnuppert

mit der langen, in steter Bewegung befindlichen, einem Schweinerüssel

gleichenden Nase die Erde, um nach Ameisen zu suchen. Hat es eine solche

Stelle entdeckt, so beginnt es sehr gewandt und kräftig mit den

Vorderfüßen zu graben und die aufgewühlte Erde mit den Hinterfüßen

zurückzustoßen. Ist der Ameisenbau erbrochen, so geht es hastig an die

Mahlzeit; nach v. Heuglin fängt es die Ameisen mit den Lippen und diese

fallen in Menge über den Ruhestörer her, dessen dicke Haut keineswegs vor

den Bissen schützt. Für Urin und Mist gräbt das Erdferkel eine kleine

Grube, die dann wieder sorgfältig verdeckt wird. Im Bau selbst schläft es

zusammengerollt auf der Seite liegend. Verfolgt eilt es in raschen Sätzen

davon und gräbt sich rasch ein, die Röhre hinter sich schließend. Das

Fleisch ist fein, weiß und saftig.

Ueber Pferde, Maulthiere und Esel Abessiniens berichten wir später. Das

_Kameel_, in den Küstengegenden reichlich als Lastthier vertreten, spielt

im Hochgebirge eine traurige, unnütze Rolle, da sein Wirkungskreis die

Wüste ist. Ebenso ist die _Giraffe_ nur Bewohnerin der Tieflandsteppen,

dort aber, in den Niederungen zwischen Setit und Atbara, auch in großer

Menge vertreten und wegen des saftigen Fleisches der jungen Thiere als

edles Wildpret hoch angesehen.

Am meisten Interesse unter den abessinischen Thieren flößen uns die

Wiederkäuer ein. Antilopen, Ziegen, Schafe, Rinder sind da vertreten und

alle in ihren schönsten Repräsentanten, namentlich sind die Antilopen

herrliche Thiere, bei denen man nicht weiß, welcher man den Preis der

Schönheit und Zierlichkeit zuerkennen soll. Die _Tedal-Antilope_

(_Antilope Sömmeringii_) lebt namentlich in den breiten Niederungen und in

der Samhara, kommt von da wol noch ins Hügelland, nie aber ins Hochgebirge

hinauf. Nur am Tage zieht sie in kleinen Trupps umher, ruht des Mittags

wiederkäuend im Schatten und ist gegen den Menschen sehr mißtrauisch. –

Die Art, wie sie in der Samhara eingefangen werden, wird von Rüppell

folgendermaßen geschildert. In der Mitte der Ebene, in einem Bezirk, wo

diese Thiere regelmäßig gegen Sonnenuntergang ihren Wechsel haben, legen

die Jäger viele an Pfähle befestigte Schlingen. Sobald nun die Antilopen

kommen, laufen von verschiedenen Verstecken her einzelne Leute herbei, von

denen Jeder eine Menge kleiner, mit einem Büschel Straußenfedern

versehener Stöcke hat; diese werden mit großer Schnelligkeit so in die

Erde gesteckt, daß sie lange nach der Gegend der Schlingen gerichtete

Linien bilden; der Antilopen ganze Aufmerksamkeit wird von den im Winde

wehenden Federn in Anspruch genommen, die sie mit scheuem Blick fixiren.

Nun beginnt das Treibjagen; das Wild sieht zum Entkommen keine freie

Strecke, als die Gegend, wo die Fallstricke liegen, und eilt dahin;

gewöhnlich bleiben mehrere darin hängen und hier schlagen ihnen die Jäger

mit Knüppeln die Beine entzwei, um sie dann zu schlachten. Auf dieselbe

Weise werden auch die Strauße gejagt. Noch häufiger als der Tedal ist die

_Gazelle_ (_Antilope Dorcas_), die da, wo Mimosen stehen, von denen sie

äst, fast nie in der Samhara fehlt. Sehr oft einzeln, meist aber in Trupps

von drei bis acht Stück beieinander zieht sie nur am Tage in der Ebene,

wie im Gebirge umher. Zur Tränke geht die Gazelle nicht, denn ihr genügt

der Nachtthau auf den Blättern der Bäume, die sie alle Morgen eifrig

ableckt, und diese Genügsamkeit macht sie zum echten Wüstenthier. Als die

lebhafteste, behendeste und anmuthigste der Antilopen vermag sie Sätze von

vier bis sechs Fuß Höhe auszuführen und ein flüchtiges Rudel gewährt einen

wahrhaft prachtvollen Anblick.

Während die Gazelle alle dicht bewaldeten Stellen ängstlich meidet, sucht

das „Judenkind“ oder die _Zwerg-Antilope_ (_A. Hemprichiana_) gerade die

verschlungensten und undurchdringlichsten Gebüsche zu ihrem Wohnsitze auf.

Nur paarweise in zärtlicher Ehe und nicht wie die übrigen Antilopen es den

Türken oder Mormonen gleich thuend, findet man die Zwerg-Antilope von der

Küste bis zu 2000 Fuß Höhe im Gebirge sehr häufig.

[Illustration: Agaseen- oder Kudu-Antilopen.]

Die Färbung des weichen schönen Haars stimmt mit dem Blätterdunkel des

niedern Gebüsches so vollkommen überein, daß es schwer hält, die zarte,

kleine Gestalt inmitten des Gebüsches wahrzunehmen. Beim geringsten

verdächtigen Geräusch erhebt sich der Bock vom Boden, stellt sich, nach

der verdächtigen Gegend hin gerichtet, starr wie eine Bildsäule auf,

wendet die Ohren vorwärts und lauscht nun regungslos. Der Lauf, welcher

erhoben wurde, bleibt erhoben, Auge und Ohr haften an derselben Stelle und

nur der Haarschopf zwischen den Hörnern deutet durch sein Senken oder

Heben an, daß in dem Geschöpf Leben wohnt. Das Wildpret der Zwerg-Antilope

ist nicht besonders zu empfehlen; es hat immer einen moschusartigen

Geschmack und ist außerdem sehr zähe.

Sind Sömmerings-Antilope und Gazelle echte Wüstenthiere, so sucht der

_Klippspringer_ oder _Sassa_ (_Oreotragus saltatrix_) nur felsige Gegenden

auf. (Abbildung siehe S. 25.) Rüppell war der erste, der nachwies, daß

diese vom Kap schon lange bekannte Antilope auch in Abessinien in den

buschigen, felsigen Bergen lebe. Wie eine Gemse steht das schöne Thier mit

zusammengehaltenen Hufen auf einem steilen Felsgrat, oft stundenlang in

das Land hineinschauend. Auch der Klippspringer lebt paarweise, am

gewöhnlichsten in einer Meereshöhe von 2000 bis zu 12,000 Fuß. Bei

heiterem Wetter zieht er mehr in die Berge; bei Regen, Nebel, Kälte steigt

er in die Thäler hinab. Die Bezeichnung „afrikanische Gemse“ ist für ihn

gut gewählt, denn an den steilsten Felswänden entlang, neben Abgründen

vorüber, welche jeden Fehltritt mit dem Tode bezahlen würden, eilt er mit

Leichtigkeit und Zierlichkeit dahin, als ginge er auf ebenem Boden. Die

geringste Unebenheit genügt ihm, um festen Fuß zu fassen; jeder Sprung

schnellt ihn hoch in die Luft; bald zeigt er sich ganz frei den Blicken,

bald ist er im Gebüsch verschwunden, und wenige Minuten genügen, ihn allen

Verfolgungen zu entziehen. Die stolzeste und größte Antilope Abessiniens

ist der _Agaseen_ (_Antilope strepsiceros_), welcher die Gebirge in einer

Höhe von 2000 bis 7000 Fuß bewohnt. Dieses stattliche, an unsern

Edelhirsch erinnernde Thier, welches durch ein Paar 3 Fuß lange, prächtig

gewundene Hörner ausgezeichnet ist, gehört einem großen Theil Mittel- und

Südafrika’s an und ist am Kap unter dem Namen Kudu bekannt. Es lebt

einzeln oder in kleinen Trupps, die, ungestört, majestätisch und langsam

an den Bergwänden hinschreiten, aufgescheucht aber, unter Schnauben und

Blöken davoneilen. Die Araber in den Steppen nördlich von Abessinien

hetzen den Agaseen mit Pferden und tödten ihn mit Lanzenstichen, während

er im Hochlande nur von denen verfolgt wird, die Flinten besitzen. Sein

Fleisch ist vorzüglich, dem des Hirsches im Geschmack ähnlich und aus den

großen gewundenen Hörnern verfertigen die Eingeborenen Füllhörner zum

Aufbewahren des Salzes und Honigs. Auch die in Südafrika häufigere

_Oryx-Antilope_ (_Antilope Beisa_) findet sich in den das Land umgebenden

Steppen und Niederungen. Stets trägt sie ihre schnurgeraden Hörner

aufrecht, die von der Seite gesehen wegen ihres nahen Beieinanderstehens

wie ein einziges aussehen und zu der Sage vom Einhorn Veranlassung gegeben

haben können. Es würde uns zu weit führen, wollten wir alle Antilopen hier

aufzählen, die in den Hochlanden oder den diese umgebenden Steppen leben.

Nur noch zu erwähnen sind die große Marif-Antilope (_Hippotragus Bakeri_),

die Defassa (_Antilope defassa_), der Bohor (_A. redunca_), _Bubalis

mauritanica_, _Antilope montana_, _madoqua_, _decula_, _leptoceros_

u. s. w. Die meisten dieser Thiere gehen bis zu 9000 Fuß Höhe in die

Gebirge.

Das ist der Reichthum Abessiniens an Antilopen; weniger zahlreich sind die

Ziegen vertreten, aber unter ihnen finden wir im Hochgebirge zunächst den

stolzen _Steinbock_ (_Ibex Walia_). Rüppell entdeckte dieses Thier auf den

höchsten Bergen Semiéns, nachdem ihm die Eingeborenen eine wunderbare

Geschichte über dasselbe aufgetischt hatten. Dieser Walié, so erzählten

sie, ist im höchsten Grade scheu, hat sehr lange und krumme Hörner und

einen Bart am Kinn, stellt sich oft auf zwei Beine und ist wegen der

Erziehungsweise seiner Jungen sehr merkwürdig. Die Mutter hat nämlich, so

fabeln die Abessinier, unter dem Bauch einen nach hinten zu geöffneten

Sack, in welchem das Junge eine Zeit lang lebt und sich dadurch nährt, daß

es von Zeit zu Zeit den Kopf aus dem Beutel heraussteckt und auf der Erde

grast; doch ist es sehr scheu und zieht sich bei dem geringsten Geräusch

in seinen Behälter zurück. So lebt es wochenlang, bis es zu groß geworden

und in seinem lebendigen Kerker keinen Platz mehr findet; es springt

heraus, läuft davon und sieht seine Mutter nie wieder. Europäische

Reisende haben gefunden, daß der abessinische Steinbock in Lebensweise und

Körperbildung nicht im mindesten von dem allgemeinen Charakter der Gattung

abweicht. Von der Ziege (_Hircus aethiopicus_) wird in dem Abschnitte über

die Viehzucht die Rede sein. Sie ist kleiner als unsere Ziege und

kennzeichnet sich durch kurze Beine, lange, rückwärts niedergedrückte

Hörner und sehr langen Bart. Ziegenherden sind durch das ganze Land in

großer Zahl verbreitet und namentlich in der Steppe begegnet man ihnen an

allen Brunnen. In Bezug auf Behendigkeit und Schnelligkeit steht die

abessinische Ziege kaum der Gazelle nach. Von _Schafen_ werden

verschiedene Arten gezüchtet. An den Küsten und in den heißen Steppen

findet man das arabische _Fettschwanzschaf_, mit schwarzem Kopf,

ausgezeichnet durch den Mangel der Hörner und Wolle und einen dicken

Fettklumpen statt des Schwanzes; das gemeine Schaf der Hochlande (Beg) hat

bräunliche oder schwarze Wolle; die Galla züchten eine mit langen weißen

Haaren versehene Art, deren schwarzgefärbte Felle eine Lieblingskleidung

ihrer Häuptlinge ausmachen. Das Rind Abessiniens ist der _afrikanische

Buckelochse_ (_Bos africanus_), ausgezeichnet durch schlanken Bau und den

kleinen Höcker. Der Berié, wie er in Amhara heißt, ist ein äußerst

geschicktes, gewandtes und bewegliches, dabei gutmüthiges und lenksames

Thier; er bildet den Reichthum des Hirten, dient als Pack- oder Reitthier,

zieht den einfachen Pflug, drischt durch Austreten das Getreide und wird

zum Danke für alle Liebesdienste schließlich oft bei lebendigem Leibe

verzehrt, worüber weiter unten mehr gesagt wird. In einigen südlichen

Provinzen lebt der _Sanga_, eine besondere Art, die sich durch gewaltige,

weit geschwungene Hörner auszeichnet, aber von nur wenigen Reisenden

beobachtet wurde. Die Hörner kommen in den Handel und gelten auch als

schätzbares Geschenk. Salt erhielt drei dieser Thiere geschenkt, allein

sie waren so wild, daß er sie erschießen lassen mußte. Das längste Horn

hatte beinahe 4 Fuß und sein Umfang an der Basis betrug 21 Zoll. Stier und

Kuh, beide tragen diesen Schmuck, sind aber trotz des kolossalen Gehörns

nicht größer als anderes Rindvieh. In der Kolla haust der _wilde Büffel_

(_Bos Pegasus_ und _Caffer_), der Gosch der Abessinier, ein unzähmbarer,

gefürchteter Geselle, dessen Jagd zu den gefährlichsten Beschäftigungen

der Eingeborenen zählt. Seine Haut wird blos zur Bereitung von Schildern

benutzt; ist das Thier bereits ausgewachsen und seine Haut durch Speere

nicht sehr zerfetzt, so können aus einer Haut vier Schilde gemacht werden,

welche einen Preis von je zwei bis drei Thalern haben. Aus den enormen

Hörnern dieses Büffels verfertigt man Trinkbecher.

Aus der Ordnung der Dickhäuter oder Vielhufer haben wir ein _Rhinozeros_

(_Rh. africanus_), das Worsisa, anzuführen, welches die Eigenschaften der

asiatischen und afrikanischen Art, die Platten und Falten des ersteren mit

den zwei Hörnern des letzteren vereinigt und aus den Sümpfen der Kolla bis

in die Berge 8000 Fuß hoch aufsteigt. Der _Hippopotamus_ fehlt weder in

den Seen, noch in den größeren Flüssen des Landes. Im Allgemeinen meiden

die Abessinier dieses für unrein gehaltene Thier, nur die am Tanasee

angesiedelten heidnischen Waito beschäftigen sich mit der Jagd dieses

„Gomari“, indem sie die Thiere mit hölzernen Lanzen zu verwunden suchen,

deren Spitzen mit einem Pflanzengift bestrichen sind, durch welches jene

gewöhnlich nach zwölf Stunden sterben. Das Fleisch trocknen sie

großentheils, um es aufzubewahren, und aus der Haut verfertigen sie kleine

Reitpeitschen. Eine wahre Landplage ist in Abessinien das häßliche, mit

großen Hauern versehene _Warzenschwein_ (_Phacochoerus africanus_), das

die mit Gebüsch und Gras bewachsenen Ebenen bewohnt, kommt aber auch bis

zu 9000 Fuß im Gebirge vor. Es lebt ähnlich wie unser europäisches

Schwarzwild und geht seiner Nahrung erst nach Sonnenuntergang nach. Die

Eingeborenen halten es natürlich für unrein und geben sich nicht mit der

Jagd des Thieres ab, dessen Fleisch einen vortrefflichen Geschmack hat.

Abessinien beherbergt auch ein eigenthümliches _Nachtschwein_

(_Nyctochoerus Hassama_), das nach Aussage der Eingeborenen sich

vorzüglich gern von Aas nährt. Es hat die Größe unsrer Wildschweine, ist

aber gedrungener von Figur, lebt in dichtem Gebüsch und Felsen in einem

großen Theile des Landes von 4000 bis 9000 Fuß Meereshöhe, ist scheu, soll

sich angegriffen wüthend zur Wehre setzen, ruht den Tag über in

undurchdringlichen Verstecken und fällt Nachts verheerend in die Felder

ein.

Jedenfalls ist unter den Vielhufern der kleinste der interessanteste,

nämlich der _Klippschliefer_ oder Klippdachs (_Hyrax abessinicus_). Schon

Bruce erwähnt, daß dieser Aschkoko unmittelbar in der Nähe der Städte

geeignete Felswände bewohnt und vor den Augen der Menschen sein

possirliches, an Kaninchen und Murmelthiere erinnerndes Wesen treibt.

Seine Bewegungen sind ungemein mannichfaltig und graziös; er versteht

ausgezeichnet zu klettern, mit dem Kopfe nach oben und unten. Große

Sanftmuth und Aengstlichkeit zeichnen ihn aus, und seine Feinde sind nur

im Thierreich zu suchen, da er vom Menschen, der ihn gleichfalls für

unrein hält, nicht verfolgt wird. Sie selbst sind sehr gefräßig und nähren

sich von Gräsern, Kräutern und Tamarindenzweigen. Wahrscheinlich kommen

zwei verschiedene Arten vor, die vom Tiefland bis zu 12,000 Fuß Meereshöhe

aufsteigen.

Heuglin war der erste, welcher die Bemerkung machte, daß der

Klippschliefer in bestem Einvernehmen mit einer Ichneumon-Art (_Herpestes

Zebra_) und einer Eidechse (_Stellio cyanogaster_) auf seinen Felsen

zusammen lebt. Nähert man sich einem solchen Felsen, so erblickt man

zuerst einzeln oder gruppenweise vertheilt die munteren und possirlichen

Klippschliefer auf Spitzen und Absätzen sich gemüthlich sonnend oder mit

den zierlichen Pfötchen den Bart kratzend; dazwischen sitzt oder läuft ein

behender Ichneumon und am steilen Gestein klettern oft fußlange

Stellionen. Wird ein Feind der Gesellschaft von dem auf dem erhabensten

Punkte des Felsbaues als Schildwache aufgestellten Klippdachs bemerkt, so

richtet sich dieser auf und verwendet keinen Blick mehr von dem fremden

Gegenstand, aller Augen richten sich nach und nach dahin, dann erfolgt

plötzlich ein gellender Pfiff der Wache, und im Nu ist die ganze

Gesellschaft in den Spalten des Gesteins verschwunden. Untersucht man

letzteres genauer, so findet man Klippschliefer und Eidechsen vollständig

in die tiefsten Ritzen zurückgezogen, der Ichneumon dagegen setzt sich in

Vertheidigungszustand und kläfft zornig den Feind an. Hat dieser sich

entfernt, so rekognoszirt zunächst die Eidechse das Terrain, ob Alles

sicher sei, dann erscheint der Ichneumon und zuletzt, vorsichtig den Kopf

hervorstreckend, der Klippschliefer. Der Ichneumon, obgleich ein arger

Räuber, verkehrt mit ihm in der größten Eintracht; dagegen ist der Leopard

sein Hauptfeind, der trotz aller Vorsicht dann und wann einen

Klippschliefer fängt und mit Ausnahme von Wolle und Magen verspeist.

Uebrigens werden diese Thiere durch Raben gewarnt, die unablässig

schreiend auf den Leoparden stoßen, sobald sie seiner ansichtig werden.

[Illustration: Klippschliefer (_Hyrax abessinicus_).]

Den Beschluß unter den Säugethieren macht der Riese unter denselben, der

_Elephant_ (amharisch Sochen). Aus den heißfeuchten Niederungen steigt er

auf seinen Wanderungen regelmäßig bis hoch ins Gebirge hinauf; Steilungen,

welche einem Pferde unersteiglich sind, werden von ihm ohne Mühe

überwunden; denn wie ein berechnender Straßenbaumeister geht er zu Werke,

bedächtig und verständig wählt er den Weg. Vor allem in den nördlichen

Grenzländern, in Kunama, Bogos, Mensa ist er häufig; dort jagt ihn der

wilde Schankalla, indem er ihm die Flechsen der Hinterbeine durchsäbelt;

aber Bogos und Mensa, welche das Feuergewehr noch nicht besitzen, lassen

ihn ungestört seine Wanderungen machen. Die reiche Natur bietet ihm Alles,

was er bedarf, in Fülle, und wenn oben in der Höhe die Nahrung knapp wird,

wenn die Wasser sich unter der Thalsohle bergen und der zweimal im Jahre

eintretende Frühling, d. h. die Regenzeit, noch fern ist, zieht sich das

gewaltige Thier nach den wasserreichen Niederungen zurück. Wie der

Elephant in Nordabessinien häufig den Feldern schädlich wird, so verwüstet

er im Süden die Zuckerrohrpflanzungen; da er selten gejagt wird, so steht

seiner Vermehrung nichts im Wege und der Handel Abessiniens mit Elfenbein

ist gering.

Nach von Heuglin lebt im Tanasee auch ein manatiartiges Thier, über das

wir jedoch noch keine nähere Kunde haben.

[Illustration: Afrikanische Büffel.]

[Illustration: Landschaft in der Provinz Wochni (Westabessinien). Nach

v. Heuglin.]

Abessinien, das Alpenland unter den Tropen und seine Grenzländer · 第 9 / 22 题