Jürgen hob die Schulter. Seine Augen suchten. „Ich habe keinen Bruder.“

Aber solch einen Streich könne sein Gedächtnis ihm doch nicht spielen;

er sei ja jahrelang mit einem Mitschüler Kolbenreiher in dem selben

Klassenzimmer gesessen. „Ich sehe ihn heute noch leibhaftig vor mir. Ein

schwärmerischer Jüngling, höchst eigenartig! Ein liebenswerter, ein sehr

gefährdeter Mensch, dachte ich noch oft in späteren Jahren ... Er war

also nicht Ihr Bruder? Offenbar eine Namensgleichheit!“

Die glänzenden Toiletten, der Kronleuchter, Streichquartett,

Champagnertischchen schwankten. Jürgens Gesicht fiel ein, war grau

geworden. „Habe ich mich denn so verändert, so furchtbar verändert, daß

Sie in mir ... in mir jenen gar nicht mehr zu erkennen vermögen?“

„Also Sie selbst!“ rief, freudig erstaunt, der Engländer. „Das hätte

ich, das allerdings hätte ich nie vermutet. Ich gratuliere, gratuliere

wirklich von Herzen ... Wie man sich irren kann! Ich habe nämlich

gedacht – in den Kolonien ist unsereiner ja recht einsam und denkt viel

an die Jugendzeit zurück – habe oft gedacht, dieser Mensch wird entweder

ein ganz abseitiges Leben führen, vielleicht auch irgendeine große Tat

vollbringen, wenn die Situation das zuläßt – im Krieg und so – oder er

wird zugrunde gehen. Und nun – wie ich mich freue! ... Übrigens nur ein

Beweis mehr dafür, wie sehr die Menschen, alle Menschen, sich mit den

Jahren verändern, sich innerlich sozusagen festigen!“

An diesem Abend betrank Jürgen sich so, daß er in das Fremdenzimmer des

Herrn Hommes gebracht werden und Elisabeth allein nachhause fahren

mußte. Nach einer mehrwöchigen Reise, ziellos in Europa umher, saß er

wieder im Direktionsbureau. Im Nebenraum unterhielten sich zwei

Bankbeamte.

Vor einem Jahre sei er an den Alimenten noch unverhofft vorbeigekommen.

Das Kind sei gestorben. Aber kürzlich sei sein Mädchen wieder Mutter

geworden.

Auch Elisabeth war schwanger. Jürgen freute sich auf das Kind, stellte

sich vor, wie es aussehen, ob es ihm oder ihr gleichen werde. Blauäugig?

Oder braun? dachte er. Und horchte auf die Worte des Beamten, der seinem

Kollegen genau vorrechnete, wie wenig ihm von seinem Gehalte bleiben

werde, nach Abzug der Alimente. „Das halte ich nicht aus.“

Gewandt schlüpfte der Beamte in sein elegantes Mäntelchen. „Heute feiere

ich Abschied von der Jugend. Ich heirate. Sie hat nichts, ich habe

nichts. Sechs versilberte Kaffeelöffel sind der Grundstein unseres

Glückes.“

Er steckte ein Veilchensträußchen ins Knopfloch. „Extra für heute

gekauft. Leichtsinnig, was? ... Vor diesem Glück habe ich jetzt schon

Angst. Du schläfst Nacht für Nacht neben und mit deiner Frau. Immer mit

der selben! Du siehst sie halb angezogen, unfrisiert, im Schlafrock –

wenn sie einen hat –, ißt mit ihr, sprichst mit ihr. Und nicht nur von

Veilchen und Tanz, mein Lieber! Das Prickelnde ist bald dahin. In jeder

Ehe! Man gewöhnt sich. Dann liebt man eben außerhalb herum, wie? ...

Aber kann denn ich mir das leisten, bei meinem Gehalt? Du mußt Blumen

kaufen, die Zeche bezahlen. Am Ende bestellt sie sich auch noch etwas zu

essen. Das kostet dann ein Heidengeld ... Unserem Chef natürlich, dem

jungen Chef mit der gespickten Brieftasche und dem Scheckbuch, dem kann

die Gewohnheit nichts anhaben. Der kann sich jede kaufen. Unsereiner

aber muß, wenn er heiratet, glatt Abschied nehmen von der Jugend.“

Mir also, meint er, kann die Gewohnheit nichts anhaben, dachte Jürgen

noch in der Straßenbahn, suchte zuhause Elisabeth in allen Räumen und

fand sie endlich im Schlafzimmer, wo sie erblaßt auf dem Bettrand saß.

Ihr Leib stand stark vor.

Tagelang schrie Elisabeth in Schmerzen, schrie die lange Nacht durch, in

den trüben Morgen hinein, bis der Arzt sie von einer toten Frühgeburt

entbunden hatte.

Die blutigen Messer und Geburtszangen lagen noch auf dem Tisch. Der

schweißtriefende. Arzt wollte ein letztes Mittel anwenden, die

Entbundene zu retten, da stieß sie ihn weg von ihrem zerrissenen Leib.

Ein neuer Blutstrom schoß ins Bett. Der Arzt breitete ein Tuch über die

verwüstete Tote und ließ die Arme sinken, ging hinaus in den

herbstlichen Garten zu Jürgen. Der Himmel hing voll Regen. Der Garten

war naß, die Luft kalt.

Einige Tage später – Elisabeth war schon begraben, Jürgen umwickelte

Rosenstämmchen mit Stroh – sagte er leise vor sich hin: „Das Geld ist

mir doch sicher ganz gleichgültig. Wie kam ich nur auf diesen

abscheulichen Gedanken?“

Der Gedanke war, flüchtiger als ein Vogel, der den Blick schneidet,

gleichzeitig mit anderen Gedanken aufgetaucht und wieder verschwunden.

‚Da das Kind tot ist, fällt die Mitgift mir zu.‘

‚Ein böser Gedanke. Enthält aber eine juristisch einwandfreie Tatsache

... Kein Mensch hat die Macht, das Entstehen eines Gedankens zu

erzwingen oder zu verhindern.‘ Er sah empor zur beschädigten Dachrinne,

von der dicke Tropfen schnell hintereinander herunterfielen, immer auf

die selbe Stelle, wie damals im Rattenhof. Hing die Bastfäden über einen

Ast und rief Phinchen zu, sie müsse den Spengler holen. „Die Dachrinne

ist leck. Siehst du, dort oben.“

Jahrelang trug Jürgen sich mit dem Gedanken, wieder zu heiraten. Auch

der Schwiegervater redete ihm zu, nannte sogar einige Töchter vornehmer

Familien. Er solle endlich das Palais kaufen, hübsch einrichten.

Repräsentieren.

„Ich finde aber“, sagte Jürgen lachend zu Phinchen, „faktisch nicht die

Zeit, eine Frau zu lieben.“ Kundenkreis und Finanzaktionen des

Bankhauses Wagner und Kolbenreiher vermehrten und vergrößerten sich in

immer schneller werdendem Tempo.

Jürgen verkehrte in Familien, wo nur von Geld gesprochen wurde. Und in

Familien, die so reich geworden waren, daß es schon wieder für unvornehm

galt, von Geld zu sprechen, anstatt von Humanität und Wohltätigkeit,

Kunst, Mystik, Kultur und Goethe. Hohe Räume, stilvoll, von erlesenstem

Geschmacke. Wertvolle Gemälde, märchenhafte Bedienung. Junge Künstler,

die unterstützt wurden. Geistvolle Gespräche. Und Beklemmung für die

Gäste, die noch nicht so reich waren.

Zu diesen gehörte der Berliner Bankier Leo Seidel nicht; seine Worte

wurden an dem Herrenabend, den Jürgen zu Ehren seines für wenige Tage in

die Heimatstadt zurückgekehrten früheren Mitschülers gab, von den

Börsianern ebenso vorsichtig gewogen und auf Fallen untersucht, wie die

des reichen, leberkranken Hütten- und Walzwerkbesitzers auf Jürgens

Hochzeit gewendet und gewogen worden waren.

Der noch nicht vierzigjährige Seidel, tadellos unauffällig gekleidet,

sah viel älter aus, und als könne er von nun an nicht mehr älter werden.

Es schien, als sei das winzige sommersprossige Dreieck mit dem

erreichten Ziele von nun an stationär.

Seidel, im Ziele sitzend, sichtlich uninteressiert an den Meinungen

dieser von ihm weit überholten Fabrikanten und Bankleute, die einzuholen

vor zwanzig Jahren sein größter Ehrgeiz gewesen war, zeigte nicht, daß

diese Stunden für ihn nur ein Opfer an Zeit bedeuteten, und sprach

dennoch nicht einen Satz mehr, als die Höflichkeit gebot.

Er entsann sich, daß er vor zehn Jahren, erst auf dem Wege zum Ziel,

erfüllt von altem Hasse gegen diese vornehmen Bürgerfamilien, noch

Befriedigung gefunden hatte in der Vorstellung, daß er, der gedemütigte

Briefträgerssohn, sich eine dieser Töchter seiner Heimatstadt zur Frau

wählen werde.

Mit dem Erreichen des Zieles war dieser Haß vergangen und

Interesselosigkeit entstanden. Außerdem hatte er, wie Jürgen, längst die

Erfahrung gemacht, daß jede verheiratete Frau dieser Kreise zu gewinnen

war, wenn auch nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt.

In Pensionen ging auch Jürgen, obwohl er seit Jahren verwitwet war,

nicht mehr. „Diese Mädchen sind entweder arme Tierchen, nur auf Geld

aus, also erotisch an uns völlig uninteressiert, folglich langweilig;

oder sentimentale Unschuldslämmer, verglichen mit unseren Damen der

Gesellschaft, die voller Nervenraffinements und zu allem imstande sind“,

hatte er auf Adolf Sinsheimers wiederholte Bitte, wieder einmal mit in

den orientalischen Salon zu gehen, geantwortet.

Nach dem Mahle standen Jürgen und Seidel, in der Hand die Mokkatassen,

abseits, zwischen sich die hohe Standuhr, deren Ticken das Gespräch für

die noch an der langen Tafel sitzenden Börsianer unverständlich machte,

und Seidel nannte kurz den Grund seines Hierseins. Er sei gezwungen, den

schon eingeleiteten Zusammenschluß einiger großer Bankinstitute zu

paralysieren: seinerseits einen großen Finanzkonzern zu organisieren.

Jürgen hatte einige Male genickt. „Ich selbst erwäge schon seit geraumer

Zeit diesen Plan, habe auch schon vorgearbeitet. Ein nicht

unbeträchtlicher Teil der betreffenden Werte ist schon in meinen

Händen.“ Er sah seine Gäste an, sah Leo Seidel an. „Man wird reicher und

reicher ... Wozu?“

„Man muß die Urprodukte, die Erdschätze, in die Hand bekommen. Die

Kohle! Wer sie hat, kontrolliert schließlich die ganze Produktion.“

„Sag mal“, begann nach einer Pause Jürgen entschlossenen Tones, zuckend

mit der Schulter, als habe er sich selbst versichert, daß es ihm gleich

sei, was Seidel über ihn wegen des folgenden denken werde, „weshalb

eigentlich ist es nun dein Ziel, die Urprodukte, die Kontrolle über die

ganze Wirtschaft in die Hand zu bekommen, oder, mit andern Worten, der

mächtigste Mann des Landes zu werden? Welche Idee – hinaus über den

Wunsch, persönliche Begierden jeglicher Art stillen zu können, was zu

tun du ja schon längst imstande bist – verfolgest du dabei?“

Seidel blickte nachdenklich vor sich hin.

„Macht um der Macht selbst willen? Oder die Erkenntnis, daß geschluckt

wird, wer nicht selbst schluckt? Oder um deiner Kinder willen, wenn du

welche hast? Das alles hat doch mit einer positiven Idee nichts zu tun.“

„Aber auch zur Erlangung der Kontrolle über Kohle, Brennstoffe, Erze

wäre der geplante Zusammenschluß eine wesentliche Voraussetzung.“

„Und das Sichabfinden damit, daß infolge der Konkurrenzjagd von Zeit zu

Zeit ein Krieg und der Tod einiger Hunderttausend oder Millionen eben

naturnotwendig, die Schattenseite sei, der aber die moderne Zivilisation

als Plus gegenüberstehe, ist doch ebenfalls keine tragfähige Grundlage

für eine Idee, für eine Lebensordnung, mit der auf die Dauer der Mensch

sich abfinden könnte, sondern, scheint mir, nicht mehr als eine

peinliche Mischung von Fatalismus und Zynismus.“

Seidel, der gar nicht mehr zugehört hatte, zeigte ein flüchtiges

Höflichkeitslächeln und schrieb etwas in sein Notizbuch.

„Willst du mir nicht antworten? Oder weißt du keine Antwort auf meine

Frage?“

Rückwärts an der langen Tafel war es plötzlich still geworden. „Ein

Straßenmädchen ging mit einem Juden ...“

„Das Nähtischchen deiner Mutter steht noch in meinem Bodenraum.

Erinnerst du dich? Das sind jetzt zwanzig Jahre her.“

„Ich erwarte dich also morgen im Hotel oder bringe dir die Unterlagen in

die Bank.“

Das Lachen des Herrn Hommes platzte wie das dunkle Brüllen einer

Autohupe in die Stille. „Kenn ihn schon! Aber erzählen Sie nur weiter.“

„Auch einen großen Teil der Produktion chemischer Artikel würden wir

kontrollieren, falls die Fusion zustande käme.“ Seidel nannte die

Fabrik, Gesamtzahl und Kursstand der Aktien, von denen die in Frage

stehenden Banken nach der Fusion die Mehrheit haben würden.

Jürgen blickte nach rückwärts auf die acht grauweißen Hinterköpfe, denen

gegenüber acht weinrote Gesichter im Zigarrenqualm hingen. „Ja, wir

könnten für viele chemische Artikel, Farben und vor allem für die

wichtigsten Arzneimittel die Preise bestimmen ... Gewiß keine

Kleinigkeit!“

Herr Wagner ergriff den Arm des Herrn Hommes, deutete mit dem Daumen

über die Schulter zurück auf Seidel: „Er hat verdient.“

„Ich weiß eine andere Fassung: Der selbe Jude kommt in ein Bordell ...“

„Kenn ich!“ rief Herr Hommes und brüllte los.

Seidel erwähnte die Krankheit, von der die Arbeiter dieser chemischen

Fabrik befallen wurden. Es sei sehr schwer, Leute zu bekommen. Nur durch

hohe Gefahrprämien seien sie an die Siedkessel heranzubringen. Diese

Geschichte habe sogar schon auf den Kurs gedrückt.

„Ich hörte davon. Die Leute werden gelb. Es ist aber keine Gelbsucht.

Auch alle Schleimhäute entzünden sich. Schwere Augenkrankheiten! Die

Arbeiterinnen bekommen keine Kinder mehr, werden vollkommen steril.“

„Und eines Tages war die Pleite da“, schloß der Fabrikant, der die Villa

voll gotischer Holzplastiken besaß. „Eben eine zu gewagte Spekulation!“

„No, was sag ich!“

„Es sind ja Erfindungen gemacht worden“, sagte Seidel und schrieb und

las dabei weiter in seinem Notizbuch. „Die Fabrikleitung hat diese

Erfindungen auch erworben. Aber die Konstruktion und Erhaltung dieser

Schutzapparatur würde riesige Summen verschlingen. Auch wertvolle

Nebenprodukte und Abgase würden durch die Einschaltung dieser

Schutzapparate verlorengehen.“

„Nein, nein, uns fehlt nichts“, antwortete Herr Wagner beruhigend auf

Jürgens Frage. Und zu Herrn Hommes: „Womit? Das mußt du dir von ihm

selber verraten lassen. Ich sag nur: er hat verdient.“

„Daß die Leute diese unheimliche Krankheit bekommen, weil Schutzapparate

nicht in Betrieb gesetzt werden, ist ein bißchen drückend für

denjenigen, der die Aktien besitzt und die Dividenden bezieht.“

Seidel zeigte sein flüchtiges Lächeln. „Möchtest du zusammen mit mir

wieder einen Bund der Empörer gründen? ... Noch eine Sekunde!“ bat er

und zog Jürgen wieder neben die Standuhr. „Weshalb ich außerdem

hierhergekommen bin. Kannst mir vielleicht einen Rat geben. Ich möchte –

es leben ja auch noch viele Leute hier, die meine Eltern gekannt haben;

aber auch sonst! – ich möchte eine Stiftung machen. Säuglingsheim,

Krankenhaus oder ein Kunstmuseum. Meiner Heimatstadt, weißt du!“

Jürgen griff sofort mit beiden Händen rückwärts nach dem Rauchtischchen;

dennoch fiel er, beinschwach geworden vor eruptivem Lachen, in den

Sessel. Er hielt die Hand hoch, Zeigefinger und Daumen zusammengepreßt,

als ob er ein Ungeziefer gefangen hätte. „Ein Krankenhaus für ... für

die Heimatstadt!“

Hände an die Seitenlehnen angeklammert, Oberkörper zurückgeworfen,

starrte er, durchschüttert von Lachen, atembenommen Leo Seidel an,

dessen Gesicht so weiß geworden war, daß die alten Sommersprossen

stärker hervortraten, wie damals, da er Jürgen das Nähtischchen seiner

Mutter zum Aufbewahren übergeben und gesagt hatte: „Zweifellos wird die

ganze Bande auf den Jahrmarkt kommen, um mich als Schiffschaukeladjunkt

zu sehen.“

„Und obendrein ist das auch die Antwort. Das ganze Systemchen ist steril

geworden. Wie die Arbeiterinnen, die nicht mehr gebären können ... Für

die Heimatstadt!“ Des Lachenden zuckende Schulter stieß an die Standuhr,

die metallisch tönte.

An der Tafel erklang vielstimmiges, speckiges Gemecker. Sechzehn rote

Gesichter drehten sich den beiden zu. Sechzehn Paar Augen fragten. Und

Herr Hommes rief: „Wir wollen ihn auch hören.“

„Gut, du stiftest ein Säuglingsheim für die Kinder, die von den

Arbeiterinnen nicht geboren werden können, ich ein Krankenhaus für

diejenigen, die gestorben sind, weil sie die teueren Arzneimittel nicht

bezahlen konnten, und zusammen stiften wir ein Kunstmuseum, von wegen

der Kultur.“

Seine linke Gesichtshälfte lachte noch. Er hakte ein, zog ihn zur Tafel.

Dort legte er die Hand auf Seidels Schulter. „Soeben sagte mir Herr Leo

Seidel, der bekanntlich ein Kind unserer Stadt ist, daß er seiner

Heimatgemeinde ein mit allen hygienischen Errungenschaften

eingerichtetes Säuglingsheim in beliebiger Größe stiften wird ... Aus

... aus Anhänglichkeit.“

Er leerte sein Glas. Füllte und leerte. Begann wieder zu lachen. Trank.

‚Dieser harte, mächtige Mann – ein kleines Schuftchen, ein winziges

Ungeziefer, das in seiner Heimatstadt noch ganz besonders geachtet

werden will ... als Wohltäter!‘

Herr Hommes bedeckte Mund und Nase mit der Hand, warf den Kopf in den

Nacken und dann tief zur Tischplatte, als müsse er niesen, nieste nicht;

er sagte zu Herrn Wagner: „Da muß er aber groß verdient haben.“

„No, was sag ich!“

‚Entzündete Augen, entzündete Schleimhäute, Eierstöcke, Knochen, Lungen,

entzündete Maschinengewehre und Schwergeschütze, entzündete Seelen,

eiternde Seelen – und ein Krankenhaus für alle, finanziert mit Kapital,

das entstanden ist durch das Systemchen, welches diese planetare

Entzündung verursachte. Das ist die Antwort. Hoppla, das ist sie ... Und

die Fusion wird zustande kommen. Und die Kontrolle über die wichtigsten

Arzneimittel. Und ich werde noch mächtiger werden. Und das ist nicht zu

ändern. Es gibt keinen Ausweg. Mir kann nichts passieren – denn ich bin

schwerlich zu entlausen, denkt mit Recht die Laus.‘

Er saß abseits rittlings auf dem Stuhle und glotzte vergnügt. Stellte

das geleerte Glas auf den Fußboden. ‚Eiternde Seelen‘, begann er wieder,

diesmal von rückwärts, und zählte an den Fingern her, wie der

Metallarbeiter mit der verstümmelten Hand. Sah plötzlich eine

Riesenebene, auf der Millionen Menschen reglos blickten. Die Gesichter

derer, die am allerweitesten, die kilometerweit zurückstanden, waren

größer als die der Nächststehenden. Alle Gesichter waren gelb.

„Gelb! Gelb! Gelb! ... Bin ich denn in China? ... Wollte ja Dolmetscher

in China werden.“

Er stürzte vom Stuhle. In seinem Hinterkopfe klopfte dunkel ein Hammer

aus Gummi.

Der Bürger · 第 17 / 40 题