_Anna_
Hast du nicht ein Minütchen Zeit für mich?
_Lang_
(ein bißchen ungeduldig)
Sag nur, was du willst. Ich bin ja beschäftigt, wie du
siehst.
_Anna_
(schweigt, entfernt sich seufzend).
_Lang_
(schreibt)
Na sag's nur, aber geschwind.
_Anna_
Manche Dinge kann man nicht geschwind sagen.
_Lang_
Dann sind's gewiß überflüssige Dinge.
_Anna_
(nähert sich von neuem, neigt sich über ihn; mit einem
Versuch zur Koketterie)
Weißt, von wem ich den Flieder hab'?
_Lang_
(stockt; kleine Pause, scheinbar gleichgültig)
Von wem ... vom Leutnant Schlözer natürlich.
_Anna_
Falsch geraten. Nein, richtig geraten. Ist's nicht nett von
ihm? Er weiß, daß mich Blumen ganz toll machen vor Freude.
(Naiv.) Aber das blaue Seidenkleid, das du mir vom Baron
Imhoff aus Paris hast bringen lassen, ist wunderschön.
_Lang_
(schreibt wieder)
Sollst es tragen, wenn der Fürst kommt.
_Anna_
Das dauert bis zum Herbst.
_Lang_
Bis dahin wird's nicht altmodisch.
_Anna_
Ob ich aber dann noch lebe ...
_Lang_
(kehrt sich rasch um)
Anna!
_Anna_
Flieder, der verwelkt von heut auf morgen. Der ist für den
Augenblick. So ein Kleid, das soll täuschen über den
Augenblick.
_Lang_
Du quälst dich mit Hirngespinsten und mich nicht minder.
_Anna_
Hirngespinste? Das Hirn spinnt, was das Herz bewegt.
_Lang_
(steht auf)
Du darfst mir nicht den Boden unter den Füßen wegziehen,
Anneli. Gegen Menschen kann ich streiten, gegen Schatten
nicht.
_Anna_
(verzagt, sieht ihn groß an)
Mir ist so bang.
_Lang_
Weshalb denn, Anna?
_Anna_
Um dich, um mich, um uns beide ist mir bang. Ich seh dich
oft gar nicht. Du bist so fern, auch jetzt, wo du vor mir
stehst. Und ich weiß, du siehst mich auch nicht. Mir ist,
als ob wir zwei Blinde wären, die vergeblich mit den Händen
nacheinander greifen. Du bist so tüchtig, so fest, so klug,
aber es ist was in dir, was mich schreckt. Ganz, ganz nahe
möcht ich oft zu dir und kann nicht, wie wenn einem das
eigene Haus zugesperrt wär'.
_Lang_
(kopfschüttelnd, doch heimlich erleichtert)
Schau, schau, was für eine kleine Schwärmerin du bist!
_Anna_
(verletzt)
Nein, Karl Heinrich, wirf's nicht mit einem Wort von dir.
Bist doch sonst ein Feind von denen, die sich's bequem
machen. Mich sollst du dir auch nicht bequem machen.
_Lang_
(ablehnend)
Ich versteh dich nicht, Kind. Mir ist das alles Spiel, was
du vorbringst. Zum Spielen ist mir der Tag zu wert. (Will
sich wieder zur Arbeit setzen.)
_Anna_
(schmiegt sich an ihn, mit einem jähen Entschluß, bittend)
Schenk mir den Turm, Karl Heinrich!
_Lang_
(verwundert)
Den Turm? Was für einen Turm?
_Anna_
Den Turm in Frommetsfelden.
_Lang_
Was soll das heißen? -- Der Turm ist ja eingestürzt.
_Anna_
(leidenschaftlich schmeichelnd)
So bau ihn wieder auf! Bau ihn! Für mich!
_Lang_
(ruhig)
Solchen Unsinn kannst du von mir im Ernst nicht verlangen.
_Anna_
(beteuernd)
Im tiefen, heiligen Ernst. Ist kein Unsinn, Karl Heinrich;
ist ein Wunsch, nur ein Wunsch.
_Lang_
Den ich unmöglich erfüllen kann; oder ich würde mich zum
Windbeutel machen. Denk doch nach --
_Anna_
Denk ich nach, kann ich den Wunsch nicht mehr so spüren.
_Lang_
Nun also!
_Anna_
Wünschen ist stärker als denken. Du nennst's vielleicht eine
Laune.
_Lang_
Eine üble noch dazu.
_Anna_
(ruhiger)
Schau, der Turm war mir immer was Ehrwürdiges, das zum
Himmel lockt. So stolz und wacker ist er gestanden, so fest
und alt ins Firmament hineingegossen, und so unvergänglich,
weißt du, als stünd' er von Anbeginn der Welt bis zum Ende.
Wenn ich als Kind nachts vom Schlaf erwacht bin, hab ich die
Glocke gehört; dumpf und schwer und mächtig langsam und so
wohllautend wie des Herrgotts Stimme selber. Wie Zeit und
Ewigkeit hat's da zusammengeklungen, zwischen Schlag und
Schlag war ein ganzes Leben, gute Träume, böse Träume, und
die Nacht ist so groß geworden, und der Tag so fern ...
Aber wär's nur darum, so wär's am Ende wirklich Laune. Darum
ist's aber nicht.
_Lang_
So erklär dich deutlicher.
_Anna_
Ach, daß du's nicht begreifst, daß du's nicht ahndest!
_Lang_
Und daß auch _du_ mir's noch schwer machst, Anna, auch du!
Bin ich denn nicht wie der böse Feind dahier geachtet? Jede
Handlung, die dem gemeinen Wesen zugute kommen soll, braucht
zwanzig Schreibereien. Wohin du blickst, die ärgsten
Mißbräuche, Zehrungen und Unterschleife. Was an Steuern dem
armen Volk erpreßt wird, geht für die Zeche der Herren auf.
Meinst du, ich könnte nicht gleichfalls so ein Diätenfresser
sein? Und sparte mir die Galle dabei. Was für Zustände,
Anna! Davon hast du ja keinen Begriff! Im Alumneninstitut
des Gymnasiums lauter feuchte, ungeheizte Stuben, wo die
schamlos vernachlässigten Schüler öffentlichen und
heimlichen Sünden frönen. Dabei muß man alljährlich das Geld
aufborgen, um nur den Kostwirt bezahlen zu können. Im
Waisenhaus sind den Kindern vor lauter Krätze und englischer
Krankheit Hände und Füße gebogen und die Köpfe
aufgeschwollen. In der elenden Baracke, genannt Seelhaus und
Lazarett, liegen scheußliche Gestalten halbnackt auf
muffigem Stroh. Fragt man: wo ist das Geld? Es ist nicht da.
Es ist aber doch dafür bestimmt worden --? Ja, es ist aber
nicht da. Keiner hält stand, keinen kannst du beim
Schlafittich packen; alle, die davon fett werden, daß nichts
geschieht, spritzen dir ihr Gift ins Gesicht, bei jeder
nützlichen Anordnung setzen sich die Magistrate selbst
entgegen; hinter denen stecken wieder die Verwalter, die
Advokaten, die Gutsbesitzer, die Latifundienräuber, die
Bevollmächtigten der Regierung, und so geschieht's, daß ich
im ganzen Land als unbarmherziger Mann verschrien bin, und
daß man mich durch Appelle und Eingaben und Rekurse und
Beschwerden und Ränke und Quertreibereien ermüden und
zurückhalten will. Und nun kommst du auch noch und nagst an
mir.
_Anna_
Ich seh's wohl ein; Grund und Recht sind auf deiner Seite,
und als gute Frau dürft ich nicht zuwiderstimmen. Mein Grund
ist unaussprechlich und liegt vielleicht nur in meinen
Augen; nur in meinem Blick, wenn er deinem begegnet. Sieh
mich an, Karl Heinrich! Ist's Lüge, dann ist alles Lüge, was
mich zu dir treibt. Denk, es ist ein Gebet. Oder denk, es
ist eine Krankheit in dir, die du selber nicht kennst, und
du mußt sie durch einen bittern Trunk heilen.
_Lang_
Ich kann dir nicht helfen, Anna. Der Frommetsfelder Turm
darf mir nicht gebaut werden, so lang ich hier im Amt bin.
_Anna_
(wendet sich weg, läßt die Arme schlaff fallen und den Kopf
tief sinken).
_Lang_
Ist mir leid um dich, Anneli, denn in deinem Begehren ist
was, das mir wie freventlicher Übermut erscheint. Zart bist
du beschaffen, aber es ist was Verwegenes in dir, und wollt
ich mich dem fügen, so wär' ich geliefert für alle Zeit. Ihr
Weiber habt oft so eine spindeldürre Phantastik in euerm
Kopf; wenn man sich davon einfangen läßt, geht's einem wie
Simson, dem Propheten.
_Anna_
(geht langsam gegen die Türe links, zögert noch vor der
Schwelle, dann ab).
_Lang_
(wandert unruhig hin und her)
Ist ein feines Geschöpflein, und kann sich nicht abfinden
mit ihrem begehrlichen Gemüt. Nährst du's, frißt's dich
auf. Mußt es ziehen lassen, als ob's ne Wolke wär'. Die eine
Wolke könnt ich ja vertragen, wird nicht gleich Blitz und
Donnerwetter geben. Eheweisheit ist ein ander Ding denn
Amtsweisheit. (Schaut auf die Uhr.) Die Zeit ist mir schon
wieder davongelaufen. (Wie er zur Tür will, klopft es.)
Herein!
_Leutnant Amandus Schlözer_
(tritt von rechts an. Er ist einundzwanzig Jahre alt, sehr
schlank, mit einem gut markierten, charaktervollen Gesicht
und Augen, in denen sich der Romantiker verrät. Sein Betragen
schwankt zwischen Schüchternheit und soldatischer Offenheit
und Kürze. Er trägt die preußische Infanterieuniform)
Verzeihung, Herr Domänenrat, wenn ich Sie störe -- (Verbeugt
sich, grüßt militärisch.)
_Lang_
(flüchtig)
Guten Morgen, Herr Leutnant. Ich weiß nicht, ob meine Frau
Sie empfangen kann ...
_Schlözer_
Ich möchte, Herr Domänenrat, wenn ich Sie nicht von
dringenden Geschäften zurückhalte, ein paar Worte mit Ihnen
allein --
_Lang_
(stirnrunzelnd)
Ich habe allerdings ... ich werde beim Präsidenten erwartet
... Womit kann ich Ihnen dienen, Herr Leutnant? Wollen Sie
Platz nehmen?
_Schlözer_
Merci. (Bleibt stehen.) Ich wollte Ihnen nur sagen, Herr
Domänenrat ... es ist etwas in mir, was mich zwingt, Ihnen
diese Mitteilung zu machen, ... daß ich abzureisen genötigt
bin.
_Lang_
(leichthin, jedoch etwas aufmerksamer)
Wirklich, Herr Leutnant? Sind es Gründe privater Natur, die
einen so raschen Entschluß hervorgerufen haben?
_Schlözer_
(gepreßt)
Ja. Gründe von der dringendsten Beschaffenheit. Mein
Urlaubsgesuch ist bereits bewilligt. Die Postpferde sind
bestellt.
_Lang_
(konventionell)
Es tut mir leid, Herr Leutnant. Wir hatten gehofft, Sie
länger hier halten zu können. Freilich, -- die Provinz.
_Schlözer_
(mit festem Blick)
Dies ist es nicht, Herr Domänenrat. Es ist schwer zu sagen
... doch kam ich deshalb her ... und so sei es gesagt: Herr
Domänenrat, ich liebe Ihre Frau.
_Lang_
(sieht ihn schweigend an; dann mit starker Überwindung)
Das nennt man ohne Umstände deutlich sein. (Kalt.) Ich
beklage diese Fatalität, Herr Leutnant, doch überschätzen
Sie vielleicht ihre Tragweite für mich, -- wenn Sie
_des_wegen Postpferde bestellt haben.
_Schlözer_
(ohne sich zu regen)
Würden Sie mir eine solche Antwort auch geben, wenn Ihre
Frau meine Abreise nicht ganz so teilnahmslos betrachten
würde?
_Lang_
(brüsk)
Herr Leutnant, meine Frau ist über jede Insinuation erhaben.
_Schlözer_
(verbeugt sich)
Ich weiß es.
_Lang_
Warum gleich Postpferde bestellen, Herr Leutnant? Und wenn
Postpferde bestellt sind, warum sie zur Parade tanzen
lassen? Soll ich das Almosen einer Entsagung mit Dank
quittieren? Soll ich bewundern, wo ich kaum bedauern kann?
(Ernst und mit Bedeutung.) Der ehrt sich selbst und seine
Freunde, der durch Schweigen unerfüllbare Wünsche
beschwichtigt.
_Schlözer_
Ich glaubte Ihnen, in dessen Haus ich Gastfreundschaft
genossen habe, eine Erklärung schuldig zu sein.
_Lang_
Sie verpflichtet mich zu keinem Dank. Wenn Sie für sich
fürchten, Herr Leutnant, Sie für Ihre Person und Ihre Ehre
sage ich, dann nehmen Sie Postpferde.
_Schlözer_
(mit zu Boden gekehrtem Blick)
Ich reise, Herr Domänenrat.
_Lang_
So wünsch ich glückliche Fahrt. -- Vermutlich werden Sie sich
von meiner Frau verabschieden wollen. (Auf eine Bewegung
Schlözers.) Bitte, Herr Leutnant, meine Frau wäre gewiß
verletzt, wenn Sie ohne Gruß von ihr scheiden würden. Ich
werde draußen sagen lassen, daß Sie hier warten. Ich selbst
muß Sie leider verlassen. (Mit stummem Gruß nach rechts ab.)
_Schlözer_
(blickt düster vor sich hin. Er gewahrt den Fliederstrauß,
eilt hin, nimmt ihn in die Hand und drückt seine Lippen in
die Blumen. Dann läßt er das Bukett fallen, wie von einem
hoffnungslosen Gedanken erstarrt)
Er schickt sie zu mir! Kein Zweifel ist in ihm, kein
Zweifel!
_Anna_
(von links)
Guten Morgen, Amandus. War nicht Lang eben hier?
_Schlözer_
(zu ihr, küßt ihr die Hand)
Teure Anna, wie blaß Sie heute aussehen ...
_Anna_
(abweisend)
Dies Betragen lieb ich nicht an Ihnen, Amandus. Sie wissen
es. Mein Mann ist fortgegangen?
_Schlözer_
Er sagte, er wolle Ihnen Nachricht geben, daß ich warte.
_Anna_
(mit verlorenem Blick)
Und ist fortgegangen. (Rafft sich zusammen.) Ich habe Sie
doch gebeten, Amandus, daß Sie am Vormittag nicht kommen
möchten. (Sie setzt sich, Schlözer nimmt ihr gegenüber
Platz.)
_Schlözer_
Es ist das letzte Mal, Anna. Ich kann den Gedanken, daß Sie
in meiner Nähe weilen, nicht länger ertragen. Ich kann nicht
länger in den Nächten liegen und mit lebendig-offenen Augen
träumen, was mir das Herz verbrennt. Ich kann's nicht
länger, und ich komme nun, um Ihnen Lebewohl zu sagen.
_Anna_
(versonnen)
Ich hatt' es erwartet. Sie reisen also. Und wohin reisen
Sie?
_Schlözer_
Die Erde dreht sich, und ich fühle mich so schwunglos;
heruntergestürzt und in den Boden gewühlt wie in ein Grab. --
Wohin ich reise? Es gibt bald Krieg, Anna. Wenn mein König
keine Verwendung für mich hat, wird Bonaparte wissen, wie
ein Mann zu brauchen ist, dem das Leben nichts mehr gilt.
_Anna_
(aufschreckend)
Haben Sie mit Lang gesprochen?
_Schlözer_
War es mein Schmerz oder war es das Bedürfnis, daß es
zwischen mir und ihm zum Ausgleich kommt; daß er es wissen
möge, daß er Sie hüten möge, Anna, wie das kostbarste
Kleinod der Welt, -- ich weiß nicht mehr warum, nennen Sie
es eine Verfinsterung meines Herzens, -- ich habe ihm gesagt,
wie es um mich beschaffen ist und weshalb ich gehe.
_Anna_
(grüblerisch)
Das haben Sie ihm gesagt? Wie seltsam! Und er?
_Schlözer_
Er! Er war kalt und überlegen.
_Anna_
(wie oben)
Und er sagte, er wolle mir Nachricht geben lassen, daß Sie
warten. Wie seltsam ...
_Schlözer_
Als ob keine Faser in Ihnen wäre, die ohne seinen Willen
sich regte.
_Anna_
(wie oben)
Vielleicht vertraut er mir so.
_Schlözer_
Und dies Vertrauen sollte Sie nicht ein wenig kränken, teure
Anna? Ist denn Liebe etwas so Unzweifelbares, daß sie einmal
beschworen, jedem Feuer stand hält? Ist denn das noch Liebe,
die so ruhig, so stumm, so satt werden darf?
_Anna_
Wie würden Sie gehandelt haben, Amandus, wenn ein Mann Ihnen
ein solches Geständnis gemacht hätte?
_Schlözer_
Wie ich gehandelt hätte, weiß ich nicht. Vielleicht hätte
ich den Mann erdolcht. Vielleicht hätte ich ihn in die Arme
geschlossen. Wer aber darf so übermenschlich sich gebärden,
daß er nichts wissen will von den Gewalten, die seiner
Sicherheit ein Ziel setzen könnten? Ach, Anna, wenn! -- wenn!
Ich würde hinschmelzen unter jedem Blick und jedem Lächeln.
_Anna_
(kopfschüttelnd)
Nein, Amandus, das Hinschmelzen, das ist das Wichtige nicht.
Wichtig ist, daß man nie einander vergißt. Daß man immer
geborgen ist im andern, daß er die Gedanken hält und kennt,
daß er die Wünsche weiß und jeden recht versteht, denn es
ist eine Qual, zu reden, wenn man wünscht. Daß man nicht ein
Opfer wird von einer Stunde, wo aufs Ungefähr das Blut
stürmt und man dann zur schalen Erinnerung wird in den
Geschäften des Lebens. Da wird alles kalt in einem.
_Schlözer_
Alles ist fremd ohne Zärtlichkeit, fremd und zufällig.
_Anna_
Ja, Zärtlichkeit, das ist es. Ohne Zärtlichkeit wird Liebe
sündhaft. Zärtlichkeit ist wie ein treuer Hund am Herd, der
nie den Herrn verkennt.
_Schlözer_
Ich weiß es seit langem, Anna, daß Sie nicht glücklich sind.
_Anna_
Glücklich! Ich bin noch vor dem Glück vielleicht und hab
Angst, daß es vorübergeht, ohne daß ich weiß, was es ist.
Ich möcht' es ausgraben wo und kenn' den Ort nicht, wo es
liegt. -- Wenn Sie mein Mann wären, Amandus, und Lang käm'
ins Haus, so wie Sie kommen, und Sie würden dazu schweigen
und ich wüßte nicht, schweigen Sie aus Großmut oder aus
Nachlässigkeit, die Unruh' würde mir das Herz abdrücken. Und
schwiegen Sie aus Nachlässigkeit, und ich wüßt' es, so wär
alles vorbei. Aber auch wenn Sie eifersüchtig wären und es
zeigten, wär alles vorbei, denn ist ein Mann eifersüchtig,
so achtet er sich selbst nicht oder die Frau nicht. -- Wir
müssen uns jetzt trennen, Amandus. (Sie steht auf.)
_Schlözer_
(zu ihr)
So gilt's denn. Es wird Nacht in meinem Leben.
_Anna_
(verloren und wie zu sich selbst; schmerzlich)
Der Turm, Amandus, wird nicht gebaut. Mein Turm wird nicht
gebaut.
_Schlözer_
Der Turm --?
_Anna_
Ach, wundern Sie sich nicht. Ich schwatze wohl zu viel. -- Zu
welcher Stunde wollen Sie denn fort?
_Schlözer_
Zwischen zwölf und ein Uhr denk' ich.
_Anna_
Und wohin?
_Schlözer_
Gen Würzburg geht die Fahrt.
_Anna_
(wie aus einem Traum)
Wenn ich mitginge ... wenn ich mitginge ...
_Schlözer_
(leidenschaftlich, packt ihre Hände)