_Gentz_
Komm noch einmal ...
_Fanny_
Morgen komm ich wieder.
_Gentz_
Und übermorgen ...
_Fanny_
Übermorgen auch.
_Gentz_
Wie ein gehorsames Kind!
_Fanny_
Wie eine Tochter, ja.
_Gentz_
(zu dem Kupfergefäß, nimmt Rosen und gibt sie ihr)
Hier, die Rosen, Fanny; nimm sie mit auf den Weg.
_Fanny_
Dank dir.
_Gentz_
Und sei glücklich.
_Fanny_
Dank dir schön.
_Gentz_
Und noch etwas: geh nicht direkt die Straße entlang, -- geh
am Gartentor mit ihm vorbei, damit ich euch sehe. Es ist nur
ein kleiner Umweg.
_Fanny_
Ist recht, Gentz. (Sie beugt sich schnell, küßt seine Hand;
ab.)
_Gentz_
(lauscht; dann auf und ab. Er geht zur Gartentür, schaut
angestrengt nach rechts hinüber)
Da gehen sie hin, -- die jungen Leute! (Er zieht sein Lorgnon
heraus und verfolgt die sich Entfernenden mit den Blicken,
bis sie verschwunden sind, dann wendet er sich ab und läßt
sich in den Fauteuil sinken. In seinem Gesicht erlischt
gleichsam ein Feuer, und der Ausdruck wird völlig
greisenhaft.) Da gehen sie hin. Die jungen Leute. Als ob sie
einen Sarg in die Erde gesenkt hätten. Wozu die Trauer? Wozu
Opfer, wozu Treue, wozu Müh und Sorge? Das Leben schwindet,
das Krüglein ist geleert. Kein Wort mehr, Gentz, den letzten
Traum hast du dir verdient und bezahlt. Genug, genug. (Er
erhebt sich, greift nach der Handglocke.) Wie noch alles
hier nach ihrer Jugend riecht! Wie die Luft noch von jungem
Lachen klingt ... Kein Wort, kein Wort mehr, Gentz. (Er
läutet.)
_Jean_
(kommt)
Herr Hofrat befehlen?
_Gentz_
Geh Er zum Fürsten Metternich und richt Er aus, daß ich zum
Diner heut abend nicht kommen kann.
_Jean_
Sehr wohl.
_Gentz_
Bring Er mir meinen Schlafrock, den türkischen und mach Er
Feuer im Ofen. 's ist kalt.
_Jean_
Sehr wohl.
_Gentz_
Sag Er den andern draußen, daß ich für niemand zu Hause bin.
Für niemand, hört Er?
_Jean_
Sehr wohl.
_Gentz_
Vor allem mach Er Feuer an.
_Jean_