Ein Zimmer der Villa Gentz in Weinhaus bei Wien. Kostbare
Empiremöbel, Nippsachen, Kunstwerke, geblümte Tapeten. Auf
einer Kommode stehen zwei Glasglocken mit eingemachten
Früchten zum Naschen. Vom Kamin leuchtet eine goldene
Stehuhr. Im Hintergrund zwei Fenster, zwischen ihnen eine
hohe Glastüre in den Garten. Links Türe zum Vorzimmer,
rechts in das Ankleidezimmer des Hofrats; diese Tür ist
offen.
Hinter der Türe links wird lebhaft gesprochen. Gleich darauf
_Jean_, livrierter Diener, von links durch das Zimmer nach
rechts ab. Die Türe links wird geöffnet, und ein dicker Jude
will herein, _Martin_, ein zweiter livrierter Diener, der im
Zimmer damit beschäftigt ist, frisches Wasser in
blumengefüllte Vasen zu gießen, eilt hin und schlägt dem
Eindringling die Tür vor der Nase zu. Protestierende Rufe
von draußen. _Martin_ steht Wache.
_Gentzens Stimme_
(von rechts)
Was erfrecht Er sich? Ich zahle nicht. Übermorgen. Die
Schufte sollen Geduld haben.
_Jean_
(eilig wieder von rechts nach links ab).
_Gentzens Stimme_
Die geblümte Weste! Die geblümte!
_Lebhafte Stimmen_
(hinter der Türe links).
_Jean_
(kommt abermals mit verzweifelter Miene nach rechts).
_Martin_
(hält die Türklinke).
_Stimme Jeans_
Der Weinlieferant und der Parfümeur wollen partout mit dem
Herrn Hofrat selber sprechen.
_Gentzens Stimme_
Ach was, Er Esel, Er hat ja gar keine Schneid. -- Die Ringe,
Franz. Jetzt lauf Er zum Gärtner wegen frischer Blumen.
_Franz_
(ein alter Diener, durch die Mitte ab in den Garten.)
(Gleich darauf)
_Gentz_
(Mann von fünfundsechzig Jahren. Hohe schlanke Gestalt. Er
hat einen müden, etwas gebückten Gang. Sein Gesicht ist
höchst geistreich, die ganze Physiognomie hat einen feinen,
lebhaften und verführerischen Ausdruck, und der Blick ist
von intensiver Kraft. Kinn und Unterkiefer sind etwas
schwer, um den Feinschmeckermund liegt bisweilen ein
trauriger, bisweilen ein zynischer Zug. Er ist nach der
letzten Mode gekleidet: brauner, langer Rock, gestickte
Weste, Vatermörder, schwarze Binde)
War schon jemand vom Fürsten Metternich da?
_Martin_
Niemand, Herr Hofrat.
_Gentz_
(nach links ab, die Türe bleibt halb offen).
_Stimmen der Lieferanten_
Küß die Hand, Herr Hofrat! -- Wünsch guten Morgen, Herr
Hofrat! -- Küß die Hand, Euer Gnaden.
_Gentzens Stimme_
Also, was soll's -- Was belästigt ihr mich?
_Stimme des Parfümeurs_
Halten zu Gnaden, Herr Hofrat, hab für siebenundachtzig
Gulden Kölnisch Wasser geliefert.
_Stimme des Weinhändlers_
Ich für dreihundertzwanzig Gulden Sekt.
_Gentzens Stimme_
Geduld, ihr Leute. Morgen schick ich zum Rothschild hin. Der
Rothschild zahlt alles, das wißt ihr doch. Jetzt schert euch
friedlich nach Hause. (Er tritt ins Zimmer zurück, der dicke
Jude folgt ihm.)
_Jude_
Euer Exzellenz, der Wechsel ist schon emal prolongiert.
_Gentz_
Fort, fort, fort!
_Der Schneider_
(hat sich schüchtern nachgedrängt)
Ich freu mich, daß der Herr Hofrat so gut ausschaut.
_Gentz_
Keine Konfidenzen! Ich hab' gern, wenn Lieferanten was
liefern. Konfidenzen sind mir verhaßt. -- Hat der Gärtner
schon was wegen der Rosen gemeldet?
_Martin_
Nein, Herr Hofrat.
_Gentz_
Ich will mal selber mit ihm reden. Wenn er frische Rosen
hat, ist es besser, sie erst am Stock zu sehen. (Durch die
Mitte ab.)
_Der Schneider_