Die $katholischen Arbeitervereine$ der Erzdiözese Köln stehen schon
seit längerer Zeit untereinander in einer näheren Verbindung;
insbesondere haben sie bereits 4 Vertretertage abgehalten, nämlich
1895 in Düsseldorf, 1896 in Krefeld, 1897 in Köln und am 12. Juli 1898
in Essen. Auf dem letztgedachten Vertretertage wurde eine dauernde
Organisation unter dem Namen »$Verband der katholischen Arbeitervereine
in der Erzdiözese Köln$« begründet. Organe sind 1. das Diözesankomitee,
2. die Generalversammlung der Präsides, 3. der jährliche Vertretertag
der Arbeiter. Das Diözesankomitee besteht aus dem Diözesenpräses
und den Bezirkspräsides. Es giebt 7 solche Bezirke, nämlich Köln,
Aachen, M.-Gladbach, Krefeld, Düsseldorf, Essen und Elberfeld; in
ihnen finden Bezirkskonferenzen statt. Auf dem Vertretertage in Essen
wurde in einer Resolution die Bildung von Arbeiterberufsvereinen auf
christlicher (interkonfessioneller) Grundlage für dringend notwendig
erklärt zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter
wie auch zur Sicherung eines dauernden friedlichen Verhältnisses und
Verkehrs zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wo die Bildung von
Berufsvereinen noch nicht möglich ist, soll versucht werden, durch
Fachabteilungen, Unterrichtskurse, Arbeiterschutzkommissionen u. s. w.
ihre Thätigkeit vorläufig zu ersetzen.
[349] Anschluß an S. 390.
Diözesenpräses ist Dr. $Pieper$ in M.-Gladbach, dem seit 1. April 1899
ein Arbeiter als Arbeitersekretär beigegeben ist. Der Verband zählte am
1. April 1899 133 Arbeitervereine mit 32816 Mitgliedern.
Der »$Verband der katholischen Arbeitervereine Süddeutschlands$« hat am
26. August 1899 in Nürnberg einen Vertretertag abgehalten, auf dem man
sich gegen die Zuchthausvorlage und für Arbeitskammern erklärte; den
Schwerpunkt der Verhandlungen bildete die Arbeiterwohnungsfrage.