15. Gutenberg, allgemeiner Buchdruckereiarbeiter-Unterstützungsverein
für Rumänien.
[194] Die Herstellung der Berichte für 1897 und 1898 ist nach einer
Mitteilung des Sekretärs $Siebenmann$ wegen dessen langdauernder
Krankheit bisher verzögert und wird erst im November 1899
erfolgen.
Im Jahre 1897 sind noch die serbischen und die kroatischen Vereine
beigetreten.
Dagegen ist es dem Sekretariate nicht gelungen, die Londoner
Setzergesellschaft oder den englischen Verband zum Anschlusse zu
bewegen. Der englische Vereinssekretär $Bowermann$ erklärte, daß er mit
den Bestrebungen des Sekretariates sympathisiere, daß aber ein Anschluß
der englischen Vereine erst dann erfolgen könne, wenn dieselben unter
sich fest verbunden seien.
Im Juni 1895 richtete der schwedische Verband die Anfrage wegen seines
Beitrittes an das Sekretariat. Dies führte jedoch zu einem Proteste der
typographischen Vereinigung Kopenhagen, die verlangte, daß Schweden
zunächst dem skandinavischen Reservefonds und der Reisekasse, aus
denen es ausgetreten war, wieder beitreten müsse. Das Sekretariat wies
diesen Anspruch zurück. Auf dem Kongresse des schwedischen Verbandes
wurde dann ein Vermittelungsantrag dahin angenommen, eine Kommission
einzusetzen, welche den Anschluß an den skandinavischen Verband prüfen
solle, doch ist die Angelegenheit noch nicht zum Abschlusse gebracht.
Bei der Unsicherheit seiner Existenz hat das Sekretariat, abgesehen von
einem Schreiben nach Südrußland, auf welches keine Antwort erfolgte,
keine weiteren Versuche zur Gewinnung von Beitrittserklärungen gemacht.
Dagegen wurden die Berichte und Mitteilungen auch den dem Sekretariate
nicht angehörenden Verbänden und Vereinen übermittelt, um dadurch eine
Verbindung herzustellen. Es ist dies auch teilweise gelungen, indem
der spanische Verband sowie die beiden amerikanischen Verbände, die
_International typographical Union_ und die deutsch-amerikanische
»Typographia« dem Sekretariate ihre Vereinsorgane zur Verfügung
stellen. Seitens der englischen Vereine, des schwedischen Verbandes
und der russischen Vereine ist dies bisher nicht zu erlangen gewesen.
Auch der französische Verband ist noch nicht wieder beigetreten; wie
das Sekretariat meint, spielt dabei der Haß gegen Deutschland eine
erhebliche Rolle. Doch steht der französische ebenso wie der spanische
Verband mit dem Sekretariate in regelmäßiger Verbindung. Das Statut
der Widerstandskasse ist nach dem Berichte des Sekretariates als
gescheitert anzusehen, indem viele Verbände gar nicht dazu zu bewegen
gewesen sind, es der vorbehaltenen Urabstimmung zu unterwerfen. Das
Sekretariat hat dann einen anderen Plan ausgearbeitet, in dem auf
feste Jahresbeiträge verzichtet und nur die Ansammlung eines festen
Fonds von 30000 Frcs. vorgesehen ist, der durch einmalige Beiträge von
70 Cts. für jedes Mitglied geschaffen und in Fällen der Verminderung
durch Umlagen wieder ergänzt werden soll. Eine Beschlußfassung hierüber
ist noch nicht erfolgt.
Hinsichtlich der Aufsichtskommission, deren Bestellung zunächst den
beiden schweizerischen Verbänden übertragen war, wurde im Interesse
der Vereinfachung der Geschäftsführung und der Kostenersparnis die
Aenderung getroffen, daß die Sektion Bern mit der Bestellung betraut
wurde. Als dann der Genfer Kongreß die Leitung dem Typographenbunde
allein übertragen hatte, übernahm das Zentralkomitee dieses Verbandes
die Oberleitung, während der Aufsichtskommission mehr die Rolle
eines beigeordneten Rates zu teil wurde, über dessen Thätigkeit ein
genaues Reglement ausgearbeitet wurde. Zum Sekretär wurde an Stelle
von $Reimann$, der am 30. April 1896 sein Amt niedergelegt hatte,
$Siebenmann$ gewählt, der sein Amt mit dem 5. November 1896 antrat.
Der Schweizerische Typographenbund hat angeregt, ein Verzeichnis der
blockierten Druckereien anzulegen, doch ist dies bis zum Schlusse des
Berichtes noch nicht gelungen, da die erforderlichen Mitteilungen von
den einzelnen Verbänden nicht zu erlangen waren.
Vielfach ist das Sekretariat in Anspruch genommen bei Beschwerden eines
Verbandes gegen den anderen wegen Behandlung des Viatikums. Daß gegen
Italien und Spanien wegen beharrlicher Nichterfüllung ihrer Pflichten
die Sperre verhängt werden mußte, ist bereits oben erwähnt. Aber auch
in den übrigen Ländern ist man von einer einheitlichen Durchführung der
gefaßten Beschlüsse noch weit entfernt. Der niederländische Verband
führte Klage gegen den deutschen, daß seine Mitglieder in Deutschland
kein Viatikum erhielten, worauf aber Deutschland erwiderte, daß es an
der notwendigen Gegenseitigkeit fehle. Als dann Deutschland seinerseits
den gleichen Vorwurf gegen Dänemark erhob, berief sich dieses darauf,
daß nach dem Rücktritte Schwedens von der skandinavischen Kasse diese
nicht mehr imstande sei, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.
Bei Behandlung der Streiks hat, wie schon in den Verhandlungen des
Kongresses erwähnt wurde, die Bestimmung, daß eine Unterstützung nur
unter Zustimmung von zwei Dritteln der Verbände erfolgen solle, zu
großen Erschwerungen geführt. Aber auch sonst haben die Verbände bei
Ausbrüchen von Streiks ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, insbesondere
solche ins Leben treten lassen, ohne sich mit dem Sekretariate
überhaupt in Verbindung zu setzen, dann aber doch Unterstützung
beansprucht und geltend gemacht, daß die Streiklust nicht zu bezähmen
gewesen sei. So ist das Sekretariat nur zweimal in die Lage gekommen,
Ausstände nach eingeholter Zustimmung der Verbände zu unterstützen,
nämlich den dänischen Streik von 1895 und den italienischen von
1896. Beide sind im ganzen erfolgreich verlaufen. Bei dem dänischen
Streik betrug die ausgeschriebene und aufgebrachte Summe 2520 Fr.
Ein Streik des niederländischen Verbandes konnte, da die Mitteilung
zur Ermöglichung der Abstimmung nicht rechtzeitig erfolgt war, nicht
in formeller Weise unterstützt werden, doch wurde zu freiwilligen
Unterstützungen aufgefordert, wobei insgesamt 6524 fl. zusammen
kamen. Auch dieser Streik war erfolgreich. Dagegen ging ein von den
ungarischen Buchdruckern im November 1895 aufgenommener Streik, bei dem
es sich im wesentlichen um Erringung des Achtstundentages handelte,
völlig verloren, da die eingeleitete Umfrage eine fast einstimmige
Ablehnung der Unterstützung ergab, indem man geltend machte, daß die
aufgestellten Forderungen unangemessen seien und es insbesondere nicht
als gerechtfertigt anerkannt werden könne, in einem Lande bereits
den Achtstundentag zu fordern, solange in anderen noch nicht einmal
der neunstündige durchgesetzt sei. Der deutsche Verband hat, als er
zur Durchführung des mit dem Prinzipalverein getroffenen Abkommens
gegenüber den rheinisch-westfälischen Druckereibesitzern zum Streik
schreiten mußte, erklärt, diesen aus eigenen Kräften durchführen zu
wollen. Infolge davon ist der Verband von Beitragsleistung bei dem
gleichzeitig durchgeführten italienischen Streik befreit.
Der internationale Sekretär hat an den Kongressen des deutschen,
des französischen und des belgischen Verbandes teil genommen und
insbesondere bei dem letzteren durch seinen Einfluß zu dem gefaßten
Beschlusse beigetragen, daß der Verband bei dem Sekretariate verbleibt.
Der gleiche Beschluß war auf dem französischen Kongresse gefaßt, ist
aber, wie oben erwähnt, durch Urabstimmung verworfen.
Auf Beschluß der Aufsichtskommission hat das Sekretariat eine
umfassende Lohn- und Arbeitsstatistik in Angriff genommen, doch ist
derselbe noch nicht zur Ausführung gelangt.