von der Mehrheit abgelehnt und statt dessen folgender Beschluß
angenommen:
»In Erwägung, daß es Sache des Verbandes ist, Vorschläge über
Herstellung des Friedens unter den Buchdruckern zu machen, weil der
Verband durch die vielen Ausschlüsse die Spaltung verschuldet hat,
geht der Kongreß über die vorgeschlagenen Friedensbedingungen zur
Tagesordnung über.«
Auch der von der Preßkommission gestellte fernere Antrag, die
»Buchdrucker-Wacht« mit Rücksicht auf das bei ihr zu Tage getretene
Defizit von 220 Mk. künftig nur einmal wöchentlich erscheinen zu
lassen, wurde abgelehnt und dagegen wurde der Vorschlag des »Bundes
der Lithographen« in Stuttgart, die Buchdrucker-Wacht als sein Organ
zu benutzen, angenommen. Der genannte Verein ist eine wenig Mitglieder
zählende Abzweigung von dem »Verbande der graphischen Arbeiter«, dem
wegen Streitigkeiten die Benutzung des Verbandsorgans, die »Graphische
Presse«, untersagt ist.
An diesen Kongreß schloß sich am folgenden Tage die $erste
Generalversammlung$ der neu gegründeten »$Gewerkschaft der Buchdrucker,
Schriftgießer und verwandter Berufsgenossen$«, die ebenfalls in $Halle$
tagte und auf der nach den Berichten 220 Mitglieder durch 9 Abgeordnete
vertreten waren.
Ueber den finanziellen Stand der Gewerkschaft gab der Kassierer
folgende Abrechnung: Einnahme der Gewerkschaft 2287,20 Mk.,
des Unterstützungsfonds der Minderjährigen 246,45 Mk., des
Witwenunterstützungsfonds 192 Mk., Summa 2725,65 Mk. Ausgabe der
Gewerkschaft 1069,70 Mk., des Unterstützungsfonds der Minderjährigen
42,75 Mk., des Witwenunterstützungsfonds --,--Mk., bleibt Bestand
1613,20 Mk. Die Ausgaben der Gewerkschaft verteilten sich auf
Arbeitslosenunterstützung mit 272,50 Mk., Krankenunterstützung
180,60 Mk., Agitation 348,50 Mk., Druckkosten 62 Mk., Abonnement der
»Buchdrucker-Wacht« 45 Mk., Porti 38,15 Mk., Utensilien 29,15 Mk.,
Unkosten-Conto 58,80 Mk., Diverse 35 Mk. Mitgliederzahl 196.
In der Diskussion wurde das Verhalten des »Vorwärts« gegenüber der
neuen Gewerkschaft getadelt. Der »Buchdrucker-Wacht« wurden 200 Mk.
zur Deckung des Defizits überwiesen. Der Sitz der Gewerkschaft bleibt
in Leipzig, es wurden sieben Personen in das Zentralkomitee gewählt.
Außerdem wurden fünf Kontrolleure, die an verschiedenen Orten wohnen,
eingesetzt.
Die Generalkommission wurde gleichfalls wegen ihrer Stellungnahme zur
Gewerkschaft scharf verurteilt, aber beschlossen, daß diese an die
Generalkommission angeschlossen werden soll.
Die angenommene Resolution lautet: »Die Gewerkschaft der Buchdrucker
ist daselbst anzumelden und der Generalkommission schriftlich wegen
ihrer Stellungnahme zur Gewerkschaft der Tadel auszudrücken, event.
auch dahin zu wirken, daß die Generalkommission durch andere Personen
ersetzt wird.«
Es wurde dann noch eine Protestresolution gegen das Rundschreiben
des Staatssekretärs Grafen v. Posadowsky angenommen und ein Referat
gehalten über die Bestrebungen der bürgerlichen Sozialpolitiker, durch
die Gewerkschaftsbewegung als »staatserhaltenden Faktor« einen Keil in
die allgemeine Arbeiterbewegung zu treiben und diese zu zerstückeln.
Der alte Buchdruckervorstand verfahre nach diesen Tendenzen und die
Generalkommission habe auch die Exklusivität der Berufsorganisationen
anerkannt, eine Selbständigkeit der einzelnen Berufe, die die Gegner
dem einheitlichen Vorgehen der Sozialdemokratie entgegensetzen wollen.
Der Kongreß schließt sich dem Wunsche an, daß die Arbeiterschaft ein
scharfes Auge auf die Quertreibereien werfen solle.
Die Generalkommission hat sich diesen Tadel nicht sehr zu Herzen
genommen und sogar den beantragten Anschluß mit Berufung darauf, daß
bei ihr nicht zwei Organisationen desselben Gewerbes vertreten sein
könnten, abgelehnt. Sie faßt im »Correspondenzblatt«[110] ihr Urteil
dahin zusammen: »Ein kleines Häuflein mit revolutionären Phrasen um
sich werfender Leute bemüht sich heute in dem Berufe, in welchem eine
völlige Einmütigkeit in der Organisation noch nicht erreicht ist,
die Zersplitterungsversuche fortzusetzen. Noch kurze Zeit ruhiger
Entwickelung, und auch sie werden einsehen, daß die Arbeiter Besseres
zu thun haben, als sich zum eigenen Schaden zum Nutzen der Ausbeuter zu
bekämpfen.«
[110] Nr. 46 vom 15. November 1897.
Nach einer privaten Mitteilung des Verbandsvorstandes belief sich die
Mitgliederzahl der neuen Gewerkschaft im September 1898 auf 270 und
ist anzunehmen, daß die leitenden Personen nur beabsichtigen, dieselbe
noch bis zu der 1899 stattfindenden Generalversammlung des Verbandes
über Wasser zu halten, in der Hoffnung, daß dieser den Abtrünnigen den
Wiederanschluß gestatten werde, eine Hoffnung, auf deren Erfüllung kaum
zu rechnen sei.
Auch in den letzten Jahren hat in diesem Kampfe zwischen dem Verbande
und der Opposition die sozialdemokratische Presse überwiegend
gegen den Verband Partei genommen. Daß dieser nicht gewillt ist,
sich dies gefallen zu lassen, ergiebt eine Reihe von Artikeln des
»Korrespondent«, die in dessen Nummern vom November 1898 erschienen
sind und eine sehr deutliche Sprache reden. So heißt es: »Selbst
wenn die Auffassung der Mehrheit der sozialdemokratischen Blätter
richtig wäre, daß der größte Teil der Buchdrucker nichts von der
Sozialdemokratie wissen wollte, so könnten wir uns keine verkehrtere
Taktik denken, als mit wüsten und blöden Schimpfereien die Buchdrucker
zu Sozialdemokraten »erziehen« zu wollen. Und dann noch eine Frage:
Wie kommt es, daß fast ausschließlich in sozialdemokratischen
Druckereien jene Kollegen zu finden sind, welche mit allen Mitteln
die Organisation der Buchdruckergehilfen zu vernichten und die
übrigen Arbeiter gegen dieselbe aufzuhetzen bemüht sind, wie kommt
es, daß sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, Redakteure,
Gewerkschaftsvorsitzende und ähnliche Arbeiterführer ihr Mandat
mißbraucht haben und noch mißbrauchen, um durch Verdächtigungen
unseres Verbandes, dessen Leitung wie seines Organs, und Förderung
einer Gegenorganisation den Verband lahmzulegen oder den Unternehmern
gegenüber zu schwächen und dann die Folgen dieser demoralisierenden
Thätigkeit aufs Konto der Tarifgemeinschaft zusetzen? Wir sind
jederzeit objektiv genug gewesen, nicht die Partei als solche für die
Dinge verantwortlich zu machen, wenn es aber in derselben schon so
weit gekommen sein sollte, daß jeder von persönlichen Leidenschaften
oder Gehässigkeiten erfüllte Mensch namens der Partei die Bekämpfung
von Arbeitern oder deren Organisationen zum »Prinzip« erklären kann,
wenn eine Abwehr persönlicher Angriffe und Gehässigkeiten mit dem
Ausschluß aus der Partei geahndet und damit zur Parteisache gemacht
wird, dann verzweifeln wir an dem Glauben, in der sozialdemokratischen
Partei die Vertreterin unserer Interessen zu erblicken«. »Wir müßten
ja geradezu feige Hunde sein, wenn wir uns auf die Dauer eine solche
Behandlung gefallen ließen.« Es könnte hiernach kaum unerwartet kommen,
wenn der Buchdruckerverband demnächst sich in offnem Gegensatz zur
Sozialdemokratie setzen sollte. --
Die Entwickelung des Buchdruckerverbandes hinsichtlich seines äußeren
Umfanges und seiner inneren Wirksamkeit zeigt folgende Tabelle:
==================================================================
| | Unterstützung z. | Arbeitslosen-
Jahr | Mitgliederzahl | Aufrechterhalt. | unterstützung
| im Jahres- | des Tarifs |
| mittel | Mk. |
===========+================+==================+==================
1867 | 3192 | -- | --
1868 | 5000 | 8751 | --
1869 | 6589 | 2529 | --
1870 | ? | 7952 | --
1871 | 6227 | 1042 | --
1872 | 7471 | 21946 | --
1873 | 7030 | 124746 | --
1874 | 7325 | 43090 | --
1875 | 7276 | 45082 | --
1876 | 6386 | 5617 | --
1877 | 5511 | 66711 | --
1878 | 5696 | 6963 | --
1879 | 5724 | 1038 | --
1880 | 6278 | 9590 | 16806
1881 | 8762 | 1605 | 14156
1882 | 9021 | 9035 | 24619
1883 | 10116 | 22024 | 28532
1884 | 10648 | 34252 | 34832
1885 | 11423 | 18355 | 35763
1886 | 12824 | 21874 | 56448
1887 | 11856 | 266344 | 130861
1888 | 11643 | 26282 | 76687
1889 | 12792 | 17664 | 56512
1890 | 15377 | 39514 | 56394
1891 | 16921 | 835679[111] | 51333
1892 | 15188 | 218042[111] | 235528[111]
1893 | 15749 | 9143 | 92906
1894 | 17334 | 16920 | 101562
1895 | 19188 | 22782 | 97702
1896 | 21437 | 74689 | 127342[113]
1897 | 22854 | 63044 | 132779
1898 | 24942[114] | 49154 | 141688
=================================================================
| Reise- | Invaliden- | Krankenunter-
Jahr | unterstützung | unterstützung |stützung einschl.
| | | Sterbegeld
| Mk. | Mk. | Mk.
===========+=================+================+==================
1867 | -- | -- | --
1868 | -- | -- | --
1869 | -- | -- | --
1870 | -- | -- | --
1871 | -- | -- | --
1872 | -- | -- | --
1873 | -- | -- | --
1874 | -- | -- | --
1875 | 28737 | -- | --
1876 | 120250 | -- | --
1877 | 44017 | -- | --
1878 | 47871 | -- | --
1879 | 62005 | -- | --
1880 | 52500 | 102 | --
1881 | 64974 | 829 | 13351
1882 | 114651 | 2314 | 147932
1883 | 132191 | 8882 | 226947
1884 | 125584 | 15404 | 239145
1885 | 107081 | 22231 | 271813
1886 | 92237 | 50670 | 320942
1887 | 147418 | 75349 | 329396
1888 | 83496 | 68954 | 305399
1889 | 62421 | 78648 | 300377
1890 | 86190 | 83661 | 347424
1891 | 90482 | 97285 | 377574
1892 | 121164 | 116330 | 455303[111]
1893 | 100712 | 124232 | 316820[112]
1894 | 114914 | 131123 | 318484
1895 | 110843 | 127260 | 326447
1896 | 138491[113] | 129529 | 327918
1897 | 137388 | 138942 | 365152
1898 | 115177 | 67949 | 391336[115]
[111] Die Höhe der Ziffern erklärt sich durch den großen Streik und die
nach demselben verbliebenen Opfer.
[112] Die auffällige Abnahme erklärt sich daraus, daß vom 1. Januar
1893 ab das Krankengeld von 2 Mk. auf 1 Mk. 50 Pf. herabgesetzt
wurde.
[113] Die Erhöhung gegen das Jahr 1895 hat ihren Grund fast
ausschließlich darin, daß nach den Beschlüssen der Breslauer
Generalversammlung die Karenzzeit von 150 auf 100 Wochen
herabgesetzt und die Reiseunterstützung um täglich 5 Pf. erhöht
ist.
[114] Die Mitgliederzahl am 31. Dezember 1898 betrug 26877.
[115] In den hier aufgeführten Beträgen sind auch die Leistungen der in
Liquidation befindlichen Zentralinvalidenkasse enthalten.
Um die Bedeutung der mitgeteilten Mitgliederzahlen zu würdigen, bedarf
es einer Vergleichung mit der Gesamtzahl der im Buchdruckgewerbe
beschäftigten Personen, da sich hieraus das Verhältnis der in dem
Verbande organisierten Gehülfen zu den übrigen und die Berechtigung des
Anspruches auf Vertretung der gesamten Gehülfenschaft ergiebt. Dies
ist dadurch erschwert, daß die bisherigen Berufszählungen von 1875,
1882 und 1895 zwar die Anzahl der Betriebe sowie der Geschäftsleiter
und der Hülfspersonen angeben, nicht aber die einzelnen Klassen der
letzteren ersehen lassen. Nach der Zählung vom 14. Juni 1895 waren in
Deutschland in 6303 Buchdruckereibetrieben 80942 Personen beschäftigt.
Davon waren Geschäftsleiter 6034, Verwaltungspersonal 4946, technisches
Aufsichtspersonal 1820, 43183 männliche und 10249 weibliche Gehülfen
und 14512 Lehrlinge. Die Ende 1897 vorhandenen 22854 Verbandsmitglieder
entsprechen mithin 53% aller Gehülfen[116].
[116] = 0,84% aller Erwerbsthätigen.
Im Jahre 1887 hat die Buchdruckerberufsgenossenschaft eine Statistik
veranstaltet, nach der in 3863 versicherungspflichtigen Betrieben 58000
Hülfspersonen beschäftigt waren, doch beschränkt sich diese Zählung
auf den Umfang der Berufsgenossenschaft, der die Stein-, Metall- und
Farbdruckereien und alle die nicht unfallversicherungspflichtigen
Betriebe nicht angehören.
Von dem Herausgeber des $Klimsch$'schen Adreßbuches sind 1886 und
1890 ebenfalls Zählungen veranstaltet[117]. Diejenige von 1886 giebt
folgende Zahlen:
I. Setzerei: 1480 Faktoren, 841 Korrektoren, 19872 Setzer,
184 Setzerinnen, 7118 Lehrlinge.
II. Buchdruckerei: 3645 Maschinenmeister, 1031 Schweizerdegen,
667 Handpressendrucker, 1681 Druckerlehrlinge, 1518 Einleger,
3454 Einlegerinnen.
III. Lithographie: 3507 Lithographen, 1559 Lehrlinge.
IV. Steindruckerei: 1429 Maschinenmeister, 5079 Handpressendrucker,
2168 Lehrlinge, 680 Einleger, 1451 Einlegerinnen.
V. 299 Präger, 4126 Comptoiristen, 370 Materialienverwalter.
Dieses Personal war beschäftigt in 3453 Buchdruckereien, 1295
Steindruckereien, 834 Buch- und Steindruckereien.
[117] In der neuesten Ausgabe von 1895 erklärt der Herausgeber, für
die Zukunft auf die statistischen Mitteilungen verzichten
zu müssen, giebt aber an, daß zur Zeit in Deutschland 4859
Buchdruckereien, 1242 Buch- und Steindruckereien, 1165
Steindruckereien und 75 Licht- und Kupferdruckereien beständen.
Die Zählung von 1889 erstreckt sich auf 5300 Druckereien und giebt an:
1647 Faktoren, 1028 Korrektoren, 21922 Setzer, 4382 Drucker und
Maschinenmeister, 1056 Schweizerdegen, 10253 Setzerlehrlinge, 2519
Druckerlehrlinge.
Auch die Gehülfen haben Erhebungen veranstaltet. Die $erste$ aus dem
Jahre 1885 umfaßte nur 2408 Druckereien mit 2708 Prinzipalen (1618
gelernten und 1090 Nicht-Buchdruckern) und ergab 923 Faktoren, 485
Korrektoren, 13929 Setzer, 2916 Drucker und Maschinenmeister, 570
Gießer und 6699 Lehrlinge. Die $zweite$ vom 15. Oktober 1894 umfaßte
4152 Druckereien und ergab 1309 Faktoren, 759 Korrektoren, 21922
Setzer, 4382 Drucker und Maschinenmeister, 1056 Schweizerdegen, 548
Stereotypeure, mithin insgesamt 30022 Hülfspersonen, von denen 14517
dem Verbande angehörten, während 14464 demselben fern standen. Diesen
Gehülfen standen 10253 Setzerlehrlinge und 2519 Druckerlehrlinge
gegenüber. Die neueste Zählung vom Dezember 1898 erstreckte sich auf
3826 Druckereien und ergab: 1589 Faktoren, 902 Korrektoren, 26481
Setzer, 5393 Drucker, 1060 Schweizerdegen, 277 Stereotypeure und 168
Maschinensetzer. Von der Gesamtziffer zu 35870 waren 21217 Mitglieder
des Verbandes, während 14653 ihm nicht angehörten. Außerdem gab es 8189
Setzerlehrlinge und 2371 Druckerlehrlinge.
Obgleich der große Streik die Mittel des Verbandes sehr geschwächt
hatte, so daß der Vermögensbestand der Allgemeinen Kasse, der am 31.
März 1891 412411,92 Mk. betragen hatte, am 31. März 1892 auf 3025,25
Mk. gesunken war, ist derselbe doch rasch wieder gestiegen, indem
er betrug: am 31. März 1893 20769,35 Mk., am 31. März 1894 56567,53
Mk., am 31. März 1895 578197,13 Mk., am 31. März 1896 931082,18 Mk.,
am 31. März 1897 1204141,28 Mk., am 31. März 1898 1594201,26 Mk. und
am 31. März 1899 2106822,89 Mk. Allerdings sind die drei zuletzt
genannten Zahlen mit den früheren nicht unmittelbar vergleichbar; wie
erwähnt, sind die beiden früher selbständigen Kassen, die Verbands-,
Kranken- und Begräbniskasse und die Zentralinvalidenkasse 1892 und 1893
aufgelöst; dabei ist das Vermögen der Ersteren, wie oben hervorgehoben,
infolge Verzichts der Berechtigten im Betrage von 276923,51 Mk. ohne
Gegenleistung auf die Verbandskasse übergegangen. Die Invalidenkasse
wird freilich zunächst noch fortgeführt, aber nur zu dem Zwecke, die
bestehenden Verpflichtungen abzuwickeln. Der Vermögensbestand derselben
betrug am 31. März 1896 947835,75 Mk., am 31. März 1897 883423,94 Mk.,
am 31. März 1898 825383,27 Mk. und am 31. März 1899 769365,16 Mk. Die
Gesamtausgabe hatte im Jahre 1895/6 111573,35 Mk., im Jahre 1896/7
97978,01 Mk., im Jahre 1897/8 88742,81 Mk. und 1898/99 82660,60 Mk.
betragen. Die Gesamtzahl der Invaliden war Ende Dezember 1895 auf
262, Ende Dezember 1896 auf 239, Ende Dezember 1897 auf 220 und Ende
Dezember 1898 auf 199 herabgegangen. Seit Auflösung der Invalidenkasse
fließen die Invaliditätsbeiträge in die Verbandskasse.
Schon die Stuttgarter Generalversammlung 1894 hatte den Vorstand
beauftragt, ein $graphisches Kartell$ d. h. eine Verbindung der
Buchdrucker mit den Lithographen, Steindruckern, Buchbindern u. s. w.
herbeizuführen. Die Verhandlungen hatten zunächst Schwierigkeiten
darin gefunden, daß die übrigen Berufe die Zahlung eines Beitrages zu
einer Reservekasse beanstandeten. Am 9. Mai 1896 wurde jedoch von den
betreffenden Bevollmächtigten die Bildung eines Kartells beschlossen.
Zur Bestreitung größerer Kämpfe sollte jedes Mitglied der beteiligten
Organisationen vierteljährlich 30 Pf. in den Reservefonds einzahlen.
Die Verwaltung desselben sollte gemeinsam durch Bevollmächtigte der
einzelnen Berufe besorgt, Unterstützungen aber erst bezahlt werden,
wenn der Fonds auf 30000 Mk. angewachsen ist; die Höhe derselben
wird von der Verwaltung in Verbindung mit den Verbandsvorständen
bestimmt. Bei Streiks einzelner Berufe in einzelnen Anstalten haben
die kartellierten Berufsgenossen, die in derselben Anstalt beschäftigt
sind, nach erfolgter Zustimmung ihrer Verbandsvorstände ebenfalls die
Arbeit niederzulegen, sobald damit voraussichtlich ein Erfolg erzielt
wird. Trotz dieses Beschlusses ist aber das Kartell nicht zustande
gekommen und auch keine Aussicht eines besseren Erfolges für die
Zukunft vorhanden. Der Grund liegt teils darin, daß die Lithographen
und Steindrucker nicht imstande sind, die erforderlichen Beiträge
aufzubringen, teils darin, daß insbesondere die Buchbinder sich der
Auffassung der Buchdrucker, die dem Kartell lediglich praktische
Aufgaben zuweisen wollten, widersetzen.
* * * * *
Die Streitigkeiten, welche zum Ausbruche des Streiks von 1891 führten,
gaben zugleich Anlaß zur Gründung einer zweiten Gehülfenorganisation,
die der Erwähnung bedarf, nämlich des »$Gutenbergbundes$«[118]. Schon
längere Zeit hatte unter den nicht zum Verbande gehörigen Gehülfen
eine »Freie Vereinigung« bestanden; ebenso gab es eine Reihe von
örtlichen Unterstützungskassen. Die Einleitung des Streiks hatte zur
Folge, daß auch eine Anzahl Mitglieder des Verbandes, die den Streik
mißbilligten, austraten. Diese Nichtverbändler hatten nun einen Kampf
nach zwei Seiten zu führen, nämlich einerseits gegen die schlecht
zahlenden Prinzipale, andererseits gegen den Verband, von welchem gegen
sie die schärfsten Angriffe gerichtet wurden. Das Bedürfnis, diesen
doppelten Kampf mit Erfolg zu führen, hatte bereits die Schaffung eines
besonderen Blattes für Nichtverbändler, des »$Typograph$« in Stuttgart,
zur Folge gehabt, und ebenso führte er im Herbst 1892 zur Gründung
des »$Berliner Buchdruckervereins$«. Aber die Verhältnisse drängten
dazu, eine feste Organisation für ganz Deutschland ins Leben zu rufen,
und so trat am 3. September 1893 in Erfurt eine Anzahl Gehülfen zu
dem »$Gutenbergbunde$« zusammen, dessen Statuten mit dem 1. April
1894 in Kraft traten. Die Schwierigkeiten, die aus dem Verhältnisse
zu der früheren »Freien Vereinigung« sowie daraus erwuchsen, daß die
bestehenden örtlichen Unterstützungskassen nicht geneigt waren, sich
zu Gunsten des Bundes aufzulösen, hatten zur Folge, daß derselbe eine
eigentliche Wirksamkeit erst seit dem 1. April 1895 entfalten konnte.
[118] Das verwandte Material verdanke ich privaten Mitteilungen;
meine an den Vorstand des Bundes gerichtete Bitte um Auskunft ist
unbeantwortet geblieben.
Die Statuten in der durch die Generalversammlung von 29./31. August
1897 festgesetzten Form bezeichnen die Aufgabe des Bundes in folgender
Weise:
»Der Gutenbergbund bezweckt den Zusammenschluß derjenigen Buchdrucker
Deutschlands, welche dem »Verbande Deutscher Buchdrucker« oder der
»Gewerkschaft Deutscher Buchdrucker und Schriftgießer« $nicht$
angehören.
Dieser Zweck wird erstrebt durch:
a) Gewährung von Unterstützung an arbeitslose und erwerbsunfähige
(kranke) Mitglieder;
b) Gewährung von Unterstützung an dauernd erwerbsunfähige (invalide)
Mitglieder;
c) Gewährung von Umzugskosten;
d) Vertretung der gemeinsamen materiellen und Berufsinteressen;
e) Vermittelung von Arbeitsgelegenheit durch Errichtung von
Arbeitsnachweisen;
f) Herausgabe eines Organs: »Der Typograph«;
g) Pflege der Kollegialität.
Die Kassen des Bundes stehen Lohnkämpfen gegenüber auf völlig
neutralem Boden; es darf die Bezugsberechtigung der Mitglieder von der
Beteiligung oder Nichtbeteiligung an solchen nicht abhängig gemacht
werden.
Der Abschluß der Gegenseitigkeit mit außerdeutschen Vereinen gleicher
Richtung wird angestrebt und werden dementsprechende Abschlüsse durch
den Hauptvorstand bezw. durch die Generalversammlung vollzogen.«
Der Beitritt zu dem Verbande oder der Gewerkschaft hat das Ausscheiden
aus dem Bunde zur Folge. Der Bund gewährt Unterstützungen an
Arbeitslose auf der Reise und am Orte, bei Krankheit (seit 1898) und
Invalidität (seit 1895), sowie einen Zuschuß zu den Umzugskosten,
jedoch haben die Mitglieder kein klagbares Recht auf dieselben, sie
werden vielmehr nach dem jeweiligen Vermögen des Bundes festgesetzt.
Nur für die Invalidenunterstützung wird ein besonderes Entgelt von
wöchentlich 20 Pf. erhoben, die übrigen Unterstützungen werden durch
den Bundesbeitrag gedeckt, der 1894 und 1895 25 Pf., 1896 und 1897 55
Pf. betrug und seit 1898 auf 65 Pf. erhöht ist. Der Sitz des Bundes ist
Berlin; das Organ desselben ist der »Typograph«, der den Mitgliedern
unentgeltlich geliefert wird.
Die bisherige Entwickelung des Bundes ergiebt sich aus folgender
Tabelle.