IV. Schweiz[50].

Die Verhältnisse in der Schweiz sind in mannigfacher Beziehung

abweichend von denen anderer Länder, und gerade diese Abweichungen

bieten hinsichtlich der Entwickelung, welche die Arbeiterbewegung hier

genommen hat, ein besonderes Interesse. In erster Linie gilt dies von

dem Umstande, daß es in der Schweiz an dem Hindernisse, das anderwärts

der freien Entfaltung der eignen Leistungsfähigkeit der Arbeiterklasse

sich in den Weg gestellt hat, nämlich dem Widerstande der staatlichen

Gewalt, fast völlig fehlt. Die Verfassung sowohl der Eidgenossenschaft

wie der einzelnen Kantone ist die denkbar freieste, das Wahlrecht

durchaus demokratisch; die Regierung wird von dem Volke selbst gewählt,

der Arbeiterklasse ist deshalb die Möglichkeit gewährt, alle ihre

Bestrebungen insoweit durchzusetzen, wie sie im stande ist, die aus

den Gesamtinteressen der Bevölkerung sich ergebenden natürlichen

Beschränkungen zu überwinden, vor allem aber die Arbeiterschaft selbst

zu gemeinsamer Stellungnahme zu veranlassen. Insbesondere die Bildung

von Gewerkvereinen ist in keiner Weise beschränkt, dieselben bedürfen

sogar, um juristische Persönlichkeit zu erlangen, lediglich der

Anmeldung zum Handelsregister.

[50] Die wertvollste Quelle für die Schweiz bildet das Buch von

Dr. $Berghoff-Ising$: Die sozialistische Arbeiterbewegung in

der Schweiz. Leipzig 1895, Duncker & Humblot. Vgl. außerdem

$Bechtle$: Die Gewerkvereine in der Schweiz, Jena, 1888 und

$Bücher$: Die schweizerischen Arbeiterorganisationen in der

Zeitschrift für die gesamt. Staatswissenschaft. Bd. XLIV (1888),

S. 609-674. Das neuere Material ist mir von dem schweizerischen

Arbeitersekretariate zur Verfügung gestellt.

Ergeben sich hieraus für die soziale Entwickelung besonders günstige

Verhältnisse, so liegen allerdings hindernde Umstände einerseits in

der niedrigen Stufe, auf der sich die Industrie des Landes bisher

im allgemeinen befindet und der hiermit zusammenhängenden Kleinheit

und Enge der Verhältnisse, sowie andererseits in der staatlichen und

sprachlichen Zerrissenheit.

Eine letzte Eigentümlichkeit, die man in Betracht ziehen muß, um

die Entwicklung der Arbeiterbewegung in der Schweiz zu verstehen,

liegt endlich in der eigentümlichen nationalen Abgeschlossenheit und

Ablehnung aller fremden Einflüsse. Dies ist besonders aus dem Grunde

von Bedeutung, weil die Schweiz seit Jahrhunderten ein Zufluchtsort

solcher Elemente gewesen ist, die aus andern Ländern wegen ihres

Widerstandes gegen die herrschenden Gewalten sich entfernen mußten,

von denen also ein erheblicher Einfluß auf die Schweizer Verhältnisse

hätte erwartet werden dürfen. Thatsächlich hat ein solcher nicht

stattgefunden; man hat freilich die fremden Elemente, solange sie

gewisse Grenzen nicht überschritten, gewähren lassen, aber ihnen eine

Herrschaft nicht gestattet.

Dies gilt insbesondere von der $Sozialdemokratie$, mit deren

Entwicklung hier wie in den meisten übrigen Ländern diejenige der

Gewerkschaftsbewegung so eng verknüpft ist, daß beide bei der

Darstellung nicht getrennt werden können. Nachdem die Propaganda

$Lassalle$'s im Anfange der sechziger Jahre Schiffbruch gelitten

hatte, wurde ein neuer Versuch seitens der »Internationale« von

dem begeisterten Schüler $Karl Marx$', $Johann Philipp Becker$,

unternommen, der schon 1864 in Genf eine »$Sektionsgruppe deutscher

Sprache der internationalen Arbeiterassoziation$« mit einem eigenen

Organe, dem »Vorboten«, begründete, der ersten regelmäßigen Zeitung der

Internationale.

Das neue Unternehmen fand bereits zwei ältere Arbeiterorganisationen

vor, auf die der geübte Einfluß wesentlich verschieden war. Die

$erste$ derselben waren die $deutschen Arbeiterbildungsvereine$,

die bereits in den dreißiger und vierziger Jahren entstanden waren.

Unter dem Einflusse der Bewegung von 1848 waren sie stark in das

revolutionäre Fahrwasser geraten, und als es $Liebknecht$ und anderen

deutschen Flüchtlingen gelang, 1850 eine »Vereinigung der deutschen

Arbeitervereine in der Schweiz« ins Leben zu rufen, bildete dieselbe

einige Zeit lang den Sammelpunkt der revolutionären Elemente, bis der

Bundesrat auf Drängen der deutschen Regierungen alle diese Vereine

auflöste und ihre Mitglieder auswies. Im geheimen bestanden sie jedoch

fort und konnten sogar 1858 in Horgen ein Zentralfest der deutschen

Arbeitervereine abhalten; doch hatte sich die verfolgte Richtung

wesentlich geändert, indem neben den eigentlichen Bildungszwecken auch

die genossenschaftlichen Bestrebungen $Schulze-Delitzsch$'s weite

Verbreitung fanden. In diesem Sinne wurde auch das 1862 begründete

Organ »Das Felleisen« geleitet. Aber bald wechselte die Stimmung, wobei

sich insbesondere der Einfluß der deutschen Sozialdemokratie geltend

machte, und auf der Zentralversammlung in Neuenburg am 9./10. August

1868 wurde offiziell der Anschluß der Vereinigung an die internationale

Arbeiterassoziation beschlossen, wodurch derselben über 50 Lokalvereine

mit 1500 bis 1600 Mitgliedern zugeführt wurden. Nachdem dann auch auf

dem V. deutschen Arbeitertage in Nürnberg am 6. September 1868 eine

Mehrheit von 61 Vereinen gegen eine Minderheit von 32 sich für den

Anschluß erklärt hatte, stand die Internationale auf der Höhe ihrer

Macht.

Die $zweite$ Organisation war der »$Grütliverein$«, der im Mai

1838 in Genf begründet war und sich im bürgerlich-demokratischen

Fahrwasser bewegte, auch seit Oktober 1851 ein eigenes Organ: »Der

Grütlianer« herausgab. Der Verein beschränkte sich streng auf Schweizer

Bürger und schloß alle Ausländer aus. Obgleich von den anfangs bunt

gemischten Elementen allmählich alle anderen bis auf die Arbeiter

und kleinen Handwerker ausgeschieden waren, bot doch die Mischung

dieser beiden Klassen ein Hemmnis gegen sozialdemokratischen Einfluß,

das insbesondere dadurch verstärkt wurde, daß der Sozialismus in

internationalem Gewande auftrat und deshalb das oben bezeichnete

nationale Selbstgefühl verletzte. Die Folge dieser Umstände war, daß

der Grütliverein gegenüber der Internationale eine wesentlich andere

Haltung einnahm, als die deutschen Arbeitervereine. Fanden auch deren

Bestrebungen in einzelnen Sektionen des Vereins Beifall, so verhielt

sich doch die Mehrheit durchaus ablehnend und setzte es durch, daß

auf dem Grütli-Zentralfest am 14./15. Juni 1868 ein Anschlußantrag

abgelehnt und lediglich eine wohlwollende Neutralität beschlossen wurde.

Auch die $Gewerkschaftsbewegung$ wurde von der Internationale in die

Hand genommen. Die erste und einflußreichste Verbindung dieser Art

war der im Jahre 1858 entstandene schweizerische Typographenbund;

1867 folgten die Schuhmacher und 1868 die Uhrmacher. Im allgemeinen

freilich hatte man sich bis dahin auf lokale oder kantonale Unionen

beschränkt, in denen Arbeiter der verschiedensten Berufe nebeneinander

zusammengefaßt waren. Die Internationale hatte auf ihrem Kongreß in

Brüssel im September 1868 den Arbeitern den fachgenossenschaftlichen

Zusammenschluß empfohlen und den Bemühungen $Becker$'s war es bereits

Anfang 1869 gelungen, einen Genfer Arbeiterbund mit 23, einen Baseler

mit 11 und einen Züricher mit 5 Fachvereinen ins Leben zu rufen.

Aber der Grundgedanke war die internationale Zusammenfassung und

an ihm scheiterte der groß angelegte Plan, ja es gaben sogar die

neu entstehenden Gewerkschaften, die sich regelmäßig auf nationale

Abgrenzung beschränkten, den ersten Anstoß, daß die internationale

Bewegung $Becker$'s zurückging und ihren Ersatz fand in einer auf die

Schweiz beschränkten sozialdemokratischen Partei.

Einer der Ersten, der die Notwendigkeit einer solchen Schwenkung

erkannte, war der frühere Buchbinder, spätere Arbeitersekretär Hermann

$Greulich$, der schon 1865 Vizepräsident des Verbandes der deutschen

Arbeiterbildungsvereine war und seit 1. Januar 1870 ein neues Organ

derselben, die »Tagwacht« herausgab, in der er für die Gründung einer

sozialdemokratischen Partei der Schweiz eintrat. Auf Grund eines von

ihm entworfenen Programms wurde eine solche auf dem am 13./14. März

1870 in Zürich abgehaltenen allgemeinen sozialdemokratischen Kongreß

beschlossen. Allerdings hielt man hier noch an der Notwendigkeit

internationaler Berufsorganisationen fest, aber es war doch gegen die

$Becker$sche Richtung ein Gegengewicht geschaffen, und nachdem auf

dem Kongresse des romanischen Bundes der Internationale in Chaux de

Fonds (4.-6. April 1870) unter $Bakunin$ die Anarchisten, die ihre

Thätigkeit ebenfalls auf die Schaffung von Berufsorganisationen (_corps

de métier_) richteten aber jede politische Thätigkeit verwarfen, mit

21 gegen 18 Stimmen den Sieg davon getragen hatten, ging der Einfluß

$Beckers$ mit raschen Schritten zurück und der »Vorbote« erschien im

Dezember 1871 zum letztenmal.

Den Hauptanstoß zu einer wesentlichen Umgestaltung der Verhältnisse

gab der $deutsch-französische Krieg$, und zwar nach zwei Richtungen.

Ergriff die Begeisterung über die deutschen Siege die Mehrzahl der

Mitglieder der deutschen Arbeiterbildungsvereine, so mußte das

zunächst eine Spaltung innerhalb derselben, insbesondere zwischen

der durch das »Felleisen« vertretenen demokratischen und der

sozialistischen Richtung, deren Organ die »Tagwacht« war, hervorrufen,

indem die letztere ihrem internationalen Karakter gemäß für die

Revolution Partei ergriff. Andererseits begeisterte sich auch der

sonst gemäßigte »Grütliverein« für die Schwesterrepublik und trat in

einen scharfen Gegensatz gegen die deutschen »fremden« Elemente. Ein

Umschwung trat erst ein, als die »Tagwacht« soweit ging, selbst die

Schreckensherrschaft der Kommune zu verherrlichen. Jetzt erhob sich

gegen die Internationale ein Sturm der Entrüstung ohne Unterschied der

Parteien, und der Grütliverein beschloß in seiner Generalversammlung in

Langenthal am 26./27. Mai 1872 die völlige Lossagung von ihr. Dieser

Beschluß bildete zugleich den Anfang für einen neuen Aufschwung des

Vereins, der jetzt wieder entschieden die Führung der Arbeiterbewegung

übernahm.

Die Sozialdemokratie hatte demgegenüber einen schweren Stand.

Ihr Versuch, einen allgemeinen schweizerischen Arbeiterkongreß

zusammenzubringen, scheiterte an der Abneigung gegen die »Fremden«.

Mehr Erfolg hatte sie auf gewerkschaftlichem Gebiete. Man suchte

zunächst die vielen bestehenden Krankenkassen zu Invalidenkassen

zu erweitern und stellte als Ziel auf, für die gesamte Schweiz

einen Gewerkschaftsverband zu gründen, für den man zunächst

einen Zentralausschuß aller Krankenkassen, Gewerkschaften,

Produktivgenossenschaften und gemischten Arbeitervereine einsetzte.

Da man jedoch auf diese Weise das Politische stark in den Hintergrund

drängte, so stieß man auf heftigen Widerstand bei den Anhängern

der Internationale. Diese benutzten jetzt ihrerseits die Abneigung

gegen die Fremden als Hebel für ihre Bestrebungen, indem sie dem

Plane der Gründung einer schweizerischen sozialdemokratischen Partei

entgegenhielten, daß die Schweizer den Fremden niemals die Einmischung

in schweizerische Angelegenheiten politischer Art gestatten würden. Sie

empfahlen demgegenüber in einem Rundschreiben vom 19. Februar 1873 eine

rein gewerkschaftliche Organisation, indem es erst durch diese möglich

werden würde, das Klassenbewußtsein der Arbeiter soweit zu stärken,

um demnächst den nationalen Gegensatz zu überwinden und zur Grundlage

einer sozialdemokratischen Landespartei zu gelangen.

Der Schachzug hatte Erfolg, und indem man bei den

nichtsozialdemokratischen Gruppen, insbesondere auch bei dem

Grütlivereine Beifall fand, gelang es, Pfingsten 1873 in Olten den

$ersten schweizerischen Arbeiterkongreß$ zustande zu bringen, der zum

Markstein einer neuen Periode der schweizerischen Arbeiterbewegung

wurde.

Vertreten waren außer dem Grütlivereine, der mit 4000 Mitglieder die

stärkste Organisation darstellte, 13 Arbeiterbildungsvereine mit etwa

1000 Mitgliedern und 35 gewerkschaftliche Vereine mit 3400 Mitgliedern

sowie die Reste der Internationalen. Insgesamt waren 9900 Arbeiter

durch 82 Abgeordnete vertreten, doch erscheint die Zahl infolge der

Doppelzählungen zu hoch. Abgelehnt hatte die Beteiligung lediglich der

schweizerische Typographenbund. Die fünf Mitglieder der $Bakunin$schen

_Fédération Jurassienne_ verließen nach kurzer Verhandlung den

Kongreß mit der Erklärung, daß sie zwar mit den gewerkschaftlichen

Zielen einverstanden seien, aber die Schaffung eines Zentralkomitees

ablehnten, da ein solches die Gefahr einer Diktatur begründe.

Von den übrigen Mitgliedern wurde die Gründung eines $schweizerischen

Arbeiterbundes$ einstimmig beschlossen, dessen Mitgliedschaft allen

Gewerkschaften und Arbeitervereinen offen stehen sollte, die die

Statuten anerkennen würden.

In diesen Statuten vermied man sorgfältig jeden Uebergriff auf das

politische Gebiet und beschränkte sich lediglich auf gewerkschaftliche

Forderungen; und zwar auf solche, die auf dem Boden der bestehenden

Ordnung erreichbar waren, indem man allerdings in der Einleitung

betonte, daß es sich nur eine $einstweilige$ Besserung des Loses

der Arbeiter und deshalb um »Uebergangsforderungen« handele, wobei

die Erringung des vollen Arbeitsertrages das Ziel bleiben müsse.

Solche Forderungen waren: Verminderung der Arbeitszeit, insbesondere

ein Normalarbeitstag von 10 Stunden, Feststellung der Löhne nach

dem Erfordernisse einer auskömmlichen Existenz, Einschränkung der

Kinderarbeit, gleiche Bezahlung von Männer- und Frauenarbeit,

Gründung der Produktivgenossenschaften seitens der Gewerkschaften,

Einrichtung von Arbeitsnachweisen seitens der Arbeiter, Gründung

einer Arbeiter-, Kranken-, Invaliden- und Sterbekasse u. s. w. Die

lokale Organisation sollte den beteiligten Arbeitern überlassen

bleiben, doch wurde empfohlen, für jeden Beruf eine eigene Sektion

zu bilden; aushülfsweise sollten gemischte Sektionen eintreten. Das

aus neun Personen bestehende Bundeskomitee wurde durch die Sektionen

des Vorortes gewählt. Seine Aufgabe bestand in Ueberwachung und

Ausführung der Kongreßbeschlüsse und Verwaltung der Bundeskasse sowie

Veranstaltung statistischer Erhebungen und Betreibung der Propaganda.

Jedes Mitglied hatte jährlich 20 Cent. Beitrag an die Bundeskasse zu

zahlen. Oberstes Organ war der jährlich zusammentretende Kongreß, zu

dem die Sektionen auf je 50 Mitglieder einen Vertreter wählten, doch

sollten alle das Programm und die Statuten berührenden Beschlüsse der

Urabstimmung unterbreitet werden. Die Ordnung der Streiks war den

einzelnen Gewerkschaftsverbänden überlassen, das Bundeskomitee war

auf Sammlung freiwilliger Unterstützungen beschränkt. Zum Bundesorgan

wurde die »Tagwacht« bestimmt, die von Juni 1873 ab mit dem Zusatze:

»Sozialdemokratische Zeitung« wöchentlich zweimal erschien.

Durch die Gründung des Arbeiterbundes hatte die sozialdemokratische

Richtung infolge weiser Mäßigung einen erheblichen Sieg erfochten.

Immerhin konnten die Reibereien nicht ausbleiben, und zwar um so

weniger, als man bald versuchte, den Sieg in dem Sinn auszunutzen,

daß man die politische Thätigkeit und die letzten Endziele stärker

betonte und mit der Internationale festere Fühlung zu gewinnen

suchte. Dies führte insbesondere zu lebhaften Kämpfen zwischen der

»Tagwacht« und dem »Felleisen«, das die Traditionen der nationalen

Richtung aufrecht erhielt. Doch siegte auch hier die schärfere Tonart,

und nachdem auf dem II. $Kongresse$ in $Winterthur$ im Mai 1874 die

Züricher »Eintracht« wegen ihrer Feindseligkeit gegen die »Tagwacht«

aus dem Bunde ausgeschlossen war, mußte auch das »Felleisen« nach

13jähriger Wirksamkeit sein Erscheinen einstellen, ja der Verband der

Arbeiterbildungsvereine selbst nebst der von ihnen eingerichteten

Wanderunterstützungskasse wurde aufgelöst.

Auch im $Grütliverein$ war die sozialdemokratische Richtung erstarkt,

und obgleich der Antrag, den Gesamtverein als solchen an den

Arbeiterbund anzuschließen, mit 1479 gegen 676 Stimmen abgelehnt wurde,

so richtete sich doch die Thätigkeit des Vereins immer mehr auf das

soziale und gewerkschaftliche Gebiet.

Der Aufschwung des $Arbeiterbundes$ dauerte in den Jahren bis 1876 und

1877 fort. Auf dem $zweiten$ Kongresse in $Winterthur$ Mai 1874 waren

62 Vereine mit 4439, auf dem $dritten$ in $Basel$ Mai 1875 76 Vereine

mit 4953 und auf dem $vierten$ in $Bern$ Juni 1876 71 Vereine mit 5815

Mitgliedern vertreten. Von diesen 71 Vereinen waren 38 Gewerkschaften

mit 3342 Mitgliedern. Die nächststärkste Gruppe waren die 17

Arbeiterbildungsvereine mit 1113 Mitgliedern. Von dem Grütliverein

hatten sich nur 5 Sektionen mit 524 Mitgliedern angeschlossen.

Aber bald begann der Rückschlag. Der Gegensatz zwischen den

politischen und den gewerkschaftlichen Elementen machte sich in

steten Streitigkeiten geltend. Der Plan einer Unterstützungskasse für

Arbeitseinstellungen mußte wegen mangelnder Beteiligung fallen gelassen

werden, auch die ins Leben gerufene Kranken- und Sterbekasse kam nicht

zu einer befriedigenden Entwicklung. Das Bundesorgan, die »Tagwacht«

arbeitete bei 1200-1400 Abonnenten mit einem steten Defizit.

So mußte dann endlich auf dem $siebenten Kongresse in Olten$, 6. bis

8. November 1880, die $Auflösung des Bundes$ beschlossen werden,

nachdem die Beteiligung bereits auf 20 Sektionen mit 1400 Mitgliedern

zurückgegangen war. Man hatte einsehen müssen, daß die Verschmelzung

der schweizerischen und der ausländischen Elemente auf politischem

Boden ebenso unmöglich war, wie die Gewinnung der ersteren für die

sozialdemokratischen Grundanschauungen. So gründeten denn die Deutschen

in Anlehnung an das Mutterland den »$Landesausschuß der organisierten

deutschen Sozialisten in der Schweiz$«, während die Schweizer

Sozialisten sich in der »$sozialdemokratischen Partei der Schweiz$«

zusammenfinden wollten. Endlich schuf man für die unpolitischen Zwecke

den »$allgemeinen schweizerischen Gewerkschaftsbund$«, der allen

Arbeitern ohne Unterschied der Nationalität offen stehen sollte. Zum

Vororte wurde Genf bestimmt. An Stelle der »Tagwacht« wurde als Organ

der sozialdemokratischen Partei der Schweiz und des Gewerkschaftsbundes

die »Arbeiterstimme« ins Leben gerufen, die versuchen sollte, die auch

im Gewerkschaftsbunde herrschenden sozialdemokratischen Traditionen

fortzusetzen.

Alle diese Gründungen hatten wenig Lebenskraft. Dem Gewerkschaftsbunde

gehörten zur Zeit seiner am 9./10. September 1882 in Olten

abgehaltenen, von 16 Vertretern beschickten Konferenz nur 17 Sektionen

mit 450 Mitgliedern an; die sozialdemokratische Partei der Schweiz

erhob sich nicht über eine Anhängerzahl von 400.

Im Gegensatze hierzu hielt sich der $Grütliverein$ auf seiner früheren

Höhe; er zählte Ende September 1882 185 Sektionen mit mehr als 7000

Mitgliedern. Allerdings hatte er gewisse sozialreformerische Gedanken

in sich aufgenommen, ja auf der Delegiertenversammlung in Luzern,

Pfingsten 1878, war sogar das von einem Ausschusse entworfene »Programm

der sozialdemokratischen Partei der Schweiz« mit 114 gegen 2 Stimmen

angenommen, zugleich aber ein »Allianzvertrag« mit dem Arbeiterbunde

mit 119 gegen 28 Stimmen abgelehnt. »Grütlianer« und »Arbeiterstimme«

lebten fortwährend in lebhaftester Fehde. An der Schaffung des

allgemeinen Gewerkschaftsbundes hatte sich der Verein beteiligt, doch

trat er schon 1887 mit der Begründung zurück, daß er »als nationaler

Verein mit den internationalen Bestrebungen des Gewerkschaftsbundes und

der Sozialisten sich nicht befreunden könne«.

Ein neuer Versuch, zu einer Einigung zu gelangen, wurde

unternommen durch den »$Allgemeinen schweizerischen Arbeitertag$«,

der von einflußreichen Personen im Grütliverein und in der

sozialdemokratischen Partei einberufen wurde und vom 8. bis 10.

September 1883 in $Zürich$ unter Beteiligung von 172 Abgeordneten

zusammentrat, doch waren von den 183 Sektionen des Grütlivereins

nur 60 vertreten. Das Ergebnis war die Einsetzung eines aus je 2

Mitgliedern des Grütlivereins, der schweizerischen sozialdemokratischen

Partei, des Gewerkschaftsbundes, der deutschen sozialdemokratischen

Mitgliedschaften und der deutschen Arbeiterbildungsvereine

zusammengesetzten »$Aktionskomitees des schweizerischen

Arbeitertages$«, dem es gelang, bis Ende 1883 eine Gesamtzahl von

3900 Mitgliedern zusammenzubringen, von denen 1500 dem Grütliverein,

300 der schweizerischen sozialdemokratischen Partei, 650 den

deutschen sozialdemokratischen Mitgliedschaften und 550 den deutschen

Arbeiterbildungsvereinen und kleinen Gruppen angehörten. Der Beitrag

beschränkte sich auf ein Agitationsgeld von vierteljährlich 5 Cts. Auf

eine eigentliche Zentralleitung hatte man ebenso verzichtet, wie auf

größere praktische Aufgaben; es handelte sich lediglich um eine lose

Verbindung zum Zwecke sozialistischer Propaganda. Außerdem versuchte

man durch Eingaben an den Bundesrat und die Staatsregierungen, sowie

Beeinflussung der öffentlichen Meinung für arbeiterfreundliche

Maßregeln zu wirken. Dabei trat jedoch, wie bei der Stellung zum

Branntweinmonopol, das von dem Grütliverein befürwortet, von den

Sozialisten dagegen bekämpft wurde, vielfach der Gegensatz in den

Grundanschauungen deutlich hervor.

Um den sozialistischen Elementen einen stärkeren Einfluß zu

verschaffen, setzte man im Sommer 1887, wo die Mitgliederzahl übrigens

bereits auf 6000 gestiegen war, durch, daß der Sitz des Aktionskomitees

von Zürich nach Bern verlegt wurde. In der That wurde jetzt die Tonart

schärfer und das Ziel der Gründung einer sozialdemokratischen Partei

deutlicher in den Vordergrund gestellt. Insbesondere der Fürsprecher

Stock in Bern und der Bezirksanwalt Otto Lang in Zürich, der seit dem

1. Januar 1888 in seinem Verlage ein neues Blatt, den »Schweizerischen

Sozialdemokraten« erscheinen ließ, waren die Führer der Bewegung, und

obgleich der Grütliverein sich fern hielt, gelang es doch, auf den 21.

Oktober 1888 nach Bern einen $zweiten »schweizerischen Arbeitertag$«

zusammenzuberufen, auf dem die neue »$sozialdemokratische Partei der

Schweiz$« gegründet wurde. Es sollten nicht mehr, wie früher, Vereine

als solche, sondern nur noch einzelne Mitglieder beitreten können. Nur

Schweizer Bürgern war der Beitritt gestattet. Der Beitrag belief sich

auf jährlich 20 Cts. An der Spitze steht das aus 15 Personen bestehende

Parteikomitee. Jährlich findet ein ordentlicher Parteitag statt, dessen

Beschlüsse jedoch auf Verlangen einer Urabstimmung unterworfen werden

müssen.

Der »$schweizerische Gewerkschaftsbund$« hatte sich nach kümmerlichen

Anfängen allmählich eine etwas festere Stellung erworben. Er zählte

1886 1000 Mitglieder; die »Arbeiterstimme« hatte sogar eine Auflage

von 1700 und deckte ihre Ausgaben. Immerhin hatte der Bund wenig

praktische Bedeutung, insbesondere fehlte ihm die Befugnis, bei

Streiks einzugreifen, und so war es ganz naturgemäß, daß man nach

dieser Richtung hin neuen Plänen nachging. In der That wurde auf

dem Zentralfeste des Grütlivereins in Grenchen am 26. Juni 1886 dem

Zentralkomitee des Vereins der Auftrag erteilt, mit anderen Vereinen

zur Gründung einer »$Allgemeinen schweizerischen Reservekasse$« in

Verbindung zu treten, und es gelang, mit dem Gewerkschaftsbunde und

dem Aktionskomitee des Arbeitertages eine Verständigung zu erzielen,

nach der die für die Leitung der Kasse bestimmte Kommission aus 9

Mitgliedern bestehen und von diesen 5 dem Grütliverein und je 2 den

beiden anderen Gruppen angehören sollten. Die Mitgliedschaft an der

Kasse war keine direkte, sondern nur Vereine und Verbände konnten

derselben beitreten. Die Einnahmen der Kasse bestanden aus jährlichen

Beiträgen der beteiligten Verbände, die für den Grütliverein auf 1000,

für das Aktionskomitee auf 800 und für den Gewerkschaftsbund auf 400

Frs. festgesetzt wurden. Doch wurden diese Beiträge von den einzelnen

Verbänden selbständig verwaltet und von der Ablieferung derselben an

eine eigene Kasse abgesehen. Ein fester Fonds von 5000 Frs. sollte

stets unangetastet bleiben und erst bei Ansammlung von 10000 Frs. die

Bewilligung von Unterstützungen eintreten. Diese sollte erst zulässig

sein, wenn alle Mittel einer friedlichen Beilegung des Streites

erschöpft waren.

Der Erfolg des Unternehmens war zunächst sehr erheblich. Allerdings

waren die festen Einnahmen gering, aber es gelang, in einzelnen

Fällen große Summen an freiwilligen Beiträgen zu sammeln, und den

Arbeitern gab der bloße Bestand einer solchen Kasse einen moralischen

Stützpunkt. Immerhin wünschte man mehrfach eine festere Organisation

und die Einführung direkter Mitgliederbeiträge. Aber ein in diesem

Sinne auf dem Delegiertentage in $Aarau$ am 1. April 1888 gefaßter

Beschluß scheiterte an dem Widerspruche des Grütlivereins, und erst

nach langen Verhandlungen einigte man sich im März 1889 dahin, daß die

übrigen Mitglieder direkte Beiträge von monatlich 20 Cts. zu zahlen,

der Grütliverein dagegen eine jährliche Pauschalsumme von 2000 Frs. zu

leisten habe; außerdem wurde eine eigene Kassenverwaltung eingerichtet.

Aber die praktische Notwendigkeit drängte weiter. Es war ein

unnatürlicher Zustand, daß neben den zentralisierten Verbänden der

einzelnen Berufe noch zwei selbständige gewerkschaftliche Organe

bestanden, und man forderte deshalb wiederholt die Verschmelzung der

Reservekasse mit dem Gewerkschaftsbunde, sowie den engeren Anschluß an

die Gewerkschaftsverbände. Trotz des Widerstandes des Grütlivereins

gelang es auf dem am 25. Januar 1891 in $Zürich$ abgehaltenen

$Delegiertentage$, diesen Plan durchzusetzen. $Die Reservekasse wurde

dem Gewerkschaftsbunde überwiesen$ und die Verwaltung dem aus 12

Mitgliedern bestehenden Bundeskomitee unterstellt.

Aber noch immer wurden weitere Umgestaltungen gewünscht, und nachdem

in $Bern$ 1893 beschlossen war, eine Neuregelung hinsichtlich der

Behandlung von Streiks vorzunehmen und zu diesem Zwecke einen

$außerordentlichen Kongreß$ zu berufen, wurde dieser am 5./6. Juni 1895

in $Luzern$ abgehalten unter einer Beteiligung von 9 Zentralverbänden

mit 83 Sektionen durch insgesamt 141 Vertreter.

Die Statuten wurden dahin geändert, daß der Beitritt zum

Gewerkschaftsbunde allen Berufsverbänden offensteht, daß aber der

Anschluß von Einzelmitgliedern nicht statthaft ist, diese vielmehr

ihrem Berufsverbande beizutreten haben. Wo einzelne Berufe zu wenig

Mitglieder für eine eigene Organisation besitzen, sollen gemischte

Gewerkschaften zulässig sein. Alle zwei Jahre soll ein Bundeskongreß

stattfinden; die Gewerkschaften können auf je 50 Mitglieder einen

Vertreter entsenden. Gegen alle Beschlüsse kann von 1/3 der Vertreter

oder 1/10 der Bundesmitglieder Urabstimmung gefordert werden. Um die

durch den großen Uhrenarbeiterstreik erschöpften Mittel des Bundes zu

ergänzen, wurde ein außerordentlicher Beitrag von 2 Frs. auf den Kopf

beschlossen. Den Verbänden wurde empfohlen, Beitragsleistungen an die

sozialdemokratische Partei einstweilen einzustellen. Hinsichtlich des

Verhältnisses des Bundes zu den einzelnen Verbänden fand sowohl die

straffere Organisation als auch die Lockerung derselben Vertreter.

Einerseits wurde den einzelnen Verbänden dadurch ein größerer Einfluß

eingeräumt, daß dem Bundesvorstande Vertreter der Verbände hinzutreten

und mit ihm das erweiterte Bundeskomitee bilden sollen. Andrerseits

wurde angeregt, die Zentralverbände sollten sich zu Gunsten des

Bundes auflösen, doch wurde ein Beschluß hierüber nicht gefaßt. Auch

die Regelung der Stellung des Bundeskomitees gegenüber Streiks wurde

lebhaft erörtert: endlich wurde beschlossen, daß über die Genehmigung

eines Streiks das Bundeskomitee, über dessen Beendigung dagegen

dasselbe in Verbindung mit den beim Streik beteiligten Arbeitern

entscheiden soll.

Auf dem Kongresse ließ der Typographenbund, der früher dem

Gewerkschaftsbund angehört hatte, seinen Austritt anzeigen. Auch das

Zentralkomitee des Grütlivereins hatte erklärt, auf Vertretung im

Bundeskomitee zu verzichten. Trotzdem wurde beschlossen, ihm eine

solche Vertretung gegen Zahlung eines festen jährlichen Beitrages

einzuräumen, worauf der Verein dann später eingegangen ist.

Auf dem am 5. April 1896 im Schwurgerichtssaale in $Zürich$

abgehaltenen Kongresse, auf welchem 11 Zentralverbände mit 142

Sektionen durch 185 Abgeordnete vertreten waren, war als Vertreter der

sozialdemokratischen Partei der Schweiz der Staatsanwalt $Zgraggen$

aus Bern zugegen. Ein Hauptgegenstand der Verhandlungen war das

Verhältnis der bisher als Organ des Bundes benutzten »Arbeiterstimme«

zu der sozialdemokratischen »Tagwacht«. Es wurde beschlossen, die

»Arbeiterstimme« zum wirklichen Gewerkschaftsblatte umzugestalten und

wöchentlich erscheinen zu lassen; politische Angelegenheiten soll

dasselbe nur soweit bringen, wie sie eng mit der Gewerkschaftsbewegung

verknüpft sind. Ferner wurde beschlossen, am 1. Januar 1897 ein

selbständiges Sekretariat in Zürich einzurichten.

Der letzte Kongreß ist vom 8. bis 10. April 1898 in $Solothurn$

abgehalten unter Beteiligung von 16 Verbänden mit 138 Sektionen, die

durch 187 Abgeordnete vertreten waren. Der Typographenbund hatte

mit einer kleinen Mehrheit gegen den Vorschlag seines Vorstandes

beschlossen, mit dem Gewerkschaftsbunde einen Kartellvertrag

abzuschließen, aber trotz lebhafter Befürwortung seitens derjenigen,

die auf diese Weise die Wiederannäherung anbahnen wollten, wurde dies

abgelehnt mit der Begründung, daß man dadurch auch andere Verbände

bestimmen würde, ein solches loseres Verhältnis mit geringeren

Opfern der eigentlichen Mitgliedschaft vorzuziehen. Das Verhältnis

der Zentralverbände zum Gewerkschaftsbunde wurde wieder einer

eingehenden Erörterung unterzogen, wobei angeregt wurde, einerseits

den Bundesvorstand lediglich aus den Vorständen der Verbände

zusammenzusetzen, andererseits die Verbände zu Gunsten des Bundes

aufzulösen. Schließlich wurde zur Prüfung der Frage eine Kommission

eingesetzt, die davon ausgehen soll, daß das gesamte Kassenwesen an

den Bund abgetreten, hingegen die Berufsorganisation den Verbänden

überlassen werden soll. Besonders interessant waren die Verhandlungen

über die Organisation. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei

hatte den Gewerkschaftsbund benachrichtigt, daß er eine Neuorganisation

anstrebe und anheimgestellt, daß der Bund sich derselben anschließen

möge. Obgleich von mehreren Seiten hiergegen mit dem Bemerken

protestiert wurde, daß keineswegs alle Mitglieder Sozialdemokraten

seien, wurde doch dem Bundesvorstande Vollmacht erteilt, unter

Vorbehalt späterer Genehmigung seitens des Bundes in Verhandlungen

einzutreten. Dagegen wurde der von einem Vertreter geäußerte Wunsch,

es möge auch Nichtschweizern der Eintritt in die sozialdemokratische

Partei gestattet werden, von allen Seiten unter dem Hinweise darauf

abgelehnt, daß dies nach den bisherigen Erfahrungen den Tod der Partei

bedeuten würde.

Diese Verhandlungen zeigen deutlich, daß der Gewerkschaftsbund

stark unter sozialdemokratischem Einflusse steht, eine Thatsache,

die auch durch mancherlei andere Umstände, z. B. dadurch, daß auf

allen Bundeskongressen der sozialdemokratische Parteistand offiziell

vertreten ist, bestätigt wird. Ihr ist auch zweifellos der Austritt

des Typographenbundes zuzuschreiben, denn bei den einschlägigen

Kongreßverhandlungen wurde stets betont, daß derselbe auf konservativem

Standpunkte stehe und seine Mitglieder sich zu gut dünkten, um mit

anderen Arbeitern zusammenzuwirken.

Die äußere Entwickelung und jetzige Bedeutung des Gewerkschaftsbundes

zeigen folgende Zahlen.

Bei seiner Gründung im Jahre 1880 hatte er 13 Sektionen mit 133

Mitgliedern. In Olten (9. September 1882) hatten sich diese auf 17

Sektionen mit 450 Mitgliedern vermehrt. 1886 zählte der Bund 1000

Mitglieder, 1893 gab es bereits 260 Sektionen mit 9495 Mitgliedern.

Durch den Austritt des 1100 Mitglieder zählenden Typographenbundes

trat ein starker Rückschlag ein, doch gab es nach dem auf dem Kongreß

in Zürich (5. April 1896) erstatteten Berichte am 31. Dezember 1895

bereits wieder 9203 Mitglieder, die sich auf folgende Verbände

verteilen: 1. Uhrmacher 3000, 2. Metallarbeiter 1750, 3. Schneider

500, 4. Lithographen 280, 5. Schuhmacher 220, 6. Buchbinder 200, 7.

Glaser 150, 8. Tabakarbeiter 100, 9. Müller 40, 10. Korbmacher 20, 11.

Holzarbeiter 1261, 12. verschiedene andere Gewerkschaften 1468, 13.

politische Vereine 214.

Eine ausführliche Darstellung der äußeren Verhältnisse des Bundes

giebt der von demselben zum Zwecke der Landesausstellung in Genf 1897

zusammengestellte und auf besonderen Erhebungen beruhende Bericht.

Danach gab es folgende Verbände:

Die Gewerkschaftsbewegung Darstellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. · 第 94 / 323 题