Außer diesen $materiellen Zwecken$ suchen die G.-V. auch auf das
$sittliche Leben$ der Mitglieder günstig einzuwirken und sie $geistig$
zu $heben$. Um dem Spirituosengenusse entgegenzuwirken und den
Einzelstehenden einen Halt zu gewähren, wird das Klubleben gefördert;
es werden Lesezimmer mit Zeitungen und guten Büchern gehalten, wobei
insbesondere die Naturwissenschaften bevorzugt werden. Vorlesungen, zum
Teil von Universitätslehrern und Disputierübungen dienen der geistigen
Anregung.
Um diese großen Aufgaben erfüllen zu können, bedürfen die Gewerkvereine
erheblicher $Beiträge$ ihrer Mitglieder, die aber sehr verschieden sind
und sich von wöchentlich 10 Pf. bis zu 1 Mk. 40 Pf. belaufen; während
langdauernder Streiks ist sogar schon bis zu täglich 1 Mk. erhoben.
Wie schon erwähnt, sind die G.-V., um ihre Einzelkraft zu steigern,
zu $Verbindungen$ zusammengetreten, und zwar nicht allein so, daß
die Vereine desselben Gewerbes sich untereinander mehr oder weniger
eng (_federation-amalgamation_) zusammengeschlossen haben, sondern
auch durch die Schaffung von Gewerkschaftsräten (_trade councils_),
welche für einen bestimmten Bezirk alle G.-V. ohne Unterschied des
Berufes vereinigen. Aber dieselben üben keinen erheblichen Einfluß auf
die Bewegung aus, da sie einerseits nicht über Geldmittel verfügen
und im Falle des Bedarfes auf freiwillige Beiträge angewiesen sind,
andererseits auch keine beschließende, sondern nur eine beratende
Stimme haben. So kommt es denn auch, daß gerade die bedeutenderen
Kräfte der Bewegung sich von ihnen fernhalten; daß es zur Zeit der
Junta anders war, lag an den damaligen besonderen Verhältnissen und
Personen.
Auch die Gewerkschaftsräte größerer Bezirke, insbesondere der
verschiedenen Provinzen, vereinigen sich zuweilen untereinander zu
$Kartellen$, deren Befugnisse sehr mannigfaltig bestimmt sind.
Ihre oberste Zusammenfassung erhalten die G.-V. in den
$Gewerkschaftskongressen$, die seit 1868 jährlich stattfinden[19].
Aber obgleich in denselben bis auf verschwindende Ausnahmen alle
G.-V. vertreten sind, so ist der Kongreß doch »mehr ein Aufmarsch
der Gewerkvereinskräfte als ein echtes Arbeiterparlament«. »Alle
Nebenumstände drängen dazu hin, den Karakter des Kongresses
als eine Schaustellung auf Kosten der Eigenschaft desselben
als gesetzgeberisches Organ zu verstärken. Der Mayor und die
Gemeindevertretung des Ortes, wo er abgehalten wird, heißen die
Delegierten in öffentlicher Ansprache willkommen und veranstalten
ihnen zu Ehren eine prächtige Empfangsfeier. Die Gallerie der Besucher
ist voll von interessierten Beobachtern. Ausländer von hervorragender
Stellung, Vertreter von Regierungsabteilungen, Deputationen von
dem Verbande der Genossenschaften und anderen einflußreichen
Organisationen, wißbegierige Politiker und Minister auf der Jagd nach
Popularität wohnen den Sitzungen von Anfang bis zu Ende bei. Der
für die Presse bestimmte Tisch ist von Reportern aller bedeutenden
Zeitungen des Königreichs dicht besetzt, während die Lokalblätter
einander in Extraausgaben überbieten, die wortgetreue Berichte über die
Verhandlungen bringen. Aber mehr als alles andere macht der gänzliche
Mangel gesetzgebender Macht den Kongreß zu einer Feiertagsdemonstration
statt zu einer verantwortlichen, beratschlagenden Versammlung. Die
Delegierten wissen genau, daß die Resolutionen keine bindende Kraft
für ihre Mandatgeber haben und nehmen sich deshalb nicht die Mühe, sie
in ausführbarer Form oder auch nur miteinander in Uebereinstimmung zu
bringen[20]«.
[19] Die bisher abgehaltenen Kongresse sind folgende: 1. Manchester,
2. Juni 1868, 118367 Mitglieder mit 34 Vertretern; 2.
Birmingham, 23. August 1869, 250000 M. mit 48 V.; 3. London,
6. Mai 1871, 287430 M. mit 50 V. Hier wurde zum erstenmale ein
parlamentarisches Komitee gewählt. 4. Nottingham, 8. Januar 1872,
255710 M. mit 77 V. Hier wurden die Abgesandten politischer
Vereinigungen, die erschienen waren, zurückgewiesen. 5. Leeds,
13. Januar 1873, 730074 M. mit 130 V.; 6. Sheffield, 12. Januar
1874, angeblich 1191922 M. mit 169 V., doch ist man einig, daß
diese hohe Ziffer durch Doppelzählungen herbeigeführt ist. 7.
Liverpool, 18. Januar 1875, 818032 M. mit 151 V.; 8. Glasgow,
11. Oktober 1875, 539823 M. mit 139 V.; 9. Newcastle _on Tyne_,
18. September 1876, 556488 M. mit 140 V.; 10. Leicester, 17.
September 1877, 691089 M. mit 114 V.; 11. Bristol, 9. September
1878, 623927 M mit 136 V.; 12. Edinburg 1879, 541892 M. mit 115
V.; 13. Dublin, 16. September 1880, 494222 M. mit 105 V.; 14.
London, 12. September 1881, 463899 M. mit 157 V.; 15. Manchester,
13. September 1882, 509337 M. mit 153 V.; 16. Nottingham 1883,
471651 M. mit 163 V.; 17. Aberdeen, 8. September 1884, 569033
M. mit 141 V.; 18. Southport, 7. September 1885, 580976 M. mit
141 V.; 19. Hull, 6. September 1886, 633088 M. mit 143 V.; 20.
Swansea, 5. September 1887, 674034 M. 156 V.; 21. Bradford, 3.
September 1888, 674634 M. 150 V.; 22. Dundee, 2. September 1889,
885055 M. mit 211 V.; 23. Liverpool, 1. September 1890, 1470191
M. 457 V.; 24. Newcastle _on Tyne_, 7. September 1891, 1302855
M. mit 552 V.; 25. Glasgow, 5. September 1892, 1219934 M. mit
418 V.; 26. Belfast, 4. September 1893, 900000 M. mit 380 V.; 27.
Norwich, 3. September 1894, 1080545 M. mit 372 V.; 28. Cardiff,
2.-6. September 1895, 951000 M. mit 345 V.; 29. Edinburg, 7.-12.
September 1896, 1035341 M. mit 346 V.; 30. Birmingham, 6.-11.
September 1897, 1093191 M. mit 381 V.; 31. Bristol, 29. August
bis 3. September 1898, 1176896 M. mit 406 V.
Seit 1874 veranstalten die irischen Gewerkvereine jährliche
Sonderkongresse, da die meist kleineren Vereine nicht imstande
sind, die Kosten eines Abgesandten für die englischen Kongresse
zu tragen. Der dritte irische Kongreß wurde im Mai 1896 in
Limerick abgehalten; es waren auf ihm 50000 Mitglieder vertreten
(Vgl. _Labour Gazette_, Juni 1896, S. 177). Auch die schottischen
Gewerkvereine sind jetzt diesem Beispiele gefolgt, indem sie den
ersten schottischen Kongreß im März 1897 in Glasgow abgehalten
haben; auf demselben waren 38 Vereine mit 41000 Mitgliedern
vertreten (Vgl. _Report of the first annual Scottish trade unions
congress. Glasgow, March 1897_).
[20] $Webb$, a. a. O. S. 420.
Das $Verhältnis zu den Unternehmern$ ist das der gegenseitigen Achtung
und Höflichkeit; häufig werden von den Delegierten größere industrielle
Werke besichtigt, von den Pferdebahnen wird ihnen freie Fahrt bewilligt
und in jeder Weise wird ihnen äußere Auszeichnung entgegengebracht.
Der Kongreß wählt seit 1871 aus seiner Mitte für das folgende Jahr
den »$parlamentarischen Ausschuß$«, der aus 10 Mitgliedern und einem
Sekretär besteht. Derselbe ist gewissermaßen die oberste Leitung des
ganzen Gewerkschaftswesens, zumal seine Befugnisse in keiner Weise
scharf bezeichnet und abgegrenzt sind. Aber um eine solche Stellung
auszufüllen, bedürfte man einer Organisation, deren Mitglieder sich
ganz dieser Aufgabe widmen könnten, während man vielmehr regelmäßig in
den Ausschuß die Sekretäre der großen Verbände wählt, die schon durch
ihre sonstigen Arbeiten vollständig in Anspruch genommen sind. »Es
ist daher nicht verwunderlich, wenn man erfährt, daß das dem Komitee
unterbreitete Arbeitsprogramm, statt das durch die Kongreßbeschlüsse
angezeigte weite Feld zu umfassen, gewöhnlich auf das armseligste
Minimum herabgeschraubt ist. Die Jahresleistung des Komitees hat
sich in den letzten Jahren in der That je auf ein paar Deputationen
an die Regierung, zwei oder drei Rundschreiben an die Vereine, eine
kleine Beratung mit befreundeten Politikern und die Zusammenstellung
eines ausführlichen Berichtes an den Kongreß beschränkt, der
nicht ihre eigenen Leistungen, sondern die im Laufe der Session
zustande gekommenen Gesetze und anderen parlamentarischen Vorgänge
schildert[21]«. So ist die Bedeutung des parlamentarischen Ausschusses
in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen und es hat eine immer
größere Unzufriedenheit mit seinen Leistungen um sich gegriffen, aber
der Mangel liegt nicht an den Personen, sondern an deren
Ueberlastung. --
[21] $Webb$, a. a. O. S. 423.
Das bisher Gesagte bezieht sich großenteils nicht auf alle G.-V.,
sondern nur auf diejenigen der $gelernten Arbeiter$ (_skilled men_).
Die Unionen der $ungelernten Arbeiter$ (_unskilled men_) unterscheiden
sich von den ersteren, abgesehen von der bereits erwähnten anderen
Grundanschauung, auch im einzelnen in wesentlichen Punkten.
Zunächst sind sie überwiegend Streikvereine, beschränken sich
hauptsächlich auf Unterstützung bei Arbeitslosigkeit und schließen
andere Zwecke, wie Kranken-, Unfall- und Altersfürsorge grundsätzlich
aus. Der eigentliche Grund hierfür ist wohl, daß die jungen
Organisationen der zum Teil sehr gering gelohnten ungelernten
Arbeiter nicht annähernd über solche Mittel verfügen, wie die bereits
befestigten Verbindungen ihrer besser gestellten Kollegen. Oeffentlich
freilich begründen sie ihre Ablehnung der Unterstützungspolitik mit dem
prinzipiellen Gesichtspunkte, daß diese die Vereine allzu bedächtig
und vorsichtig gegenüber Arbeitseinstellungen mache. Immerhin ist es
wahrscheinlich, daß die neuen G.-V. dieselbe Entwickelung durchmachen
werden, wie die älteren, und bereits jetzt läßt sich ein besänftigender
Einfluß der ungünstigeren wirtschaftlichen Lage auf die überschäumende
Streiklust beobachten.
Ebenso beginnen schon einzelne Vereine mit den
Hülfskasseneinrichtungen. So zahlt die Dock-, Werft- und
Uferarbeiter-Union Sterbegeld, während viele Filialen derselben
Krankenunterstützungsfonds ins Leben gerufen haben. Einige Ortsvereine
der »_National Union of Gasworkers and General Labourers_« haben
örtliche Unterstützungsfonds, und die Unfallunterstützung seitens des
Gesamtvereins wird eifrig erörtert.
Eine weitere Verschiedenheit beider Organisationen besteht in ihrer
Stellung zu der $Regelung von Arbeitsstreitigkeiten$, insbesondere
bei $Lohnfragen$. Nachdem es eine Zeit lang üblich gewesen war, in
solchen Fällen, sofern eine unmittelbare Verständigung nicht zum
Ziele geführt hatte, gemeinsam einen Schiedsrichter zu ernennen und
hierzu eine Person zu wählen, die weniger gewerbliches Verständnis,
als vor allem das allgemeine Vertrauen der Unparteilichkeit besaß,
gingen die $älteren$ G.-V. immer mehr dazu über, an Stelle dieses
$schiedsrichterlichen$ das oben näher beschriebene $Einigungsverfahren$
zu setzen. In diesem wird die Streitfrage fast ausschließlich nach der
Richtung erörtert, ob der erhobene Anspruch in der allgemeinen Lage
des Gewerbes seine Begründung findet, ob also z. B. eine Lohnerhöhung
oder -herabsetzung durch die Preislage des Marktes und die Verhältnisse
in den Konkurrenzländern gerechtfertigt wird. Um dies festzustellen,
werden häufig sehr umfassende Erhebungen veranstaltet. Läßt man sich
auf ein schiedsrichterliches Verfahren überhaupt ein, so schließt
man durchaus $gewerbsfremde Personen$ aus, man wählt jemand, der die
einschlagenden gewerblichen Verhältnisse völlig übersieht und dessen
Aufgabe darin besteht, nicht sowohl nach $Billigkeitsrücksichten$
über die Berechtigung des beiderseitigen Standpunktes zu entscheiden,
sondern lediglich zu beurteilen, ob nach Lage des augenblicklichen
$wirtschaftlichen Machtverhältnisses$ bei einem etwaigen Streik die
eine oder die andere Partei den Sieg davon tragen werde, um so das
gleiche Ergebnis, welches nach Wahrscheinlichkeitserwägungen ohnehin
zu erwarten ist, anstatt durch den Kampf lieber durch freiwilliges
Nachgeben der schwächeren Partei herbeizuführen. Es ist begreiflich,
weshalb die $neuen$ G.-V. hier das entgegengesetzte Verfahren befolgen.
Da ihre Stärke weniger in der eigenen Kraft als in der Sympathie der
Bevölkerung beruht, und diese sich weniger durch wirtschaftliche
Erwägungen als durch solche der Billigkeit bestimmen läßt, so streben
sie dahin, die Entscheidung einem $gewerbsfremden Schiedsrichter$,
also einer Person zu übertragen, die gewissermaßen als Organ der
öffentlichen Meinung betrachtet werden kann.
Das Bewußtsein der eigenen Schwäche bringt endlich die neuen G.-V. auch
zu der bereits erörterten, grundsätzlich abweichenden Haltung gegenüber
der $Stellung des Staates zu den wirtschaftlichen Verhältnissen$.
Während die alten _trade unions_ den staatlichen Eingriff ablehnen und
sich zutrauen, falls man ihnen nur keine Hindernisse in den Weg legt,
selbst ihre Interessen wirksam vertreten zu können, stehen die neuen
Verbände durchaus auf dem Boden des Staatssozialismus.
Uebrigens hat sich in der Stellung zur $Politik$ in den englischen
Arbeiterkreisen überhaupt ein gewisser Umschwung vollzogen. Während die
_trade unions_ sich früher grundsätzlich mit politischen Fragen als
solchen nicht beschäftigten und die beiden bestehenden großen Parteien
unterstützten, je nachdem sie sich zu den Arbeiterforderungen stellten,
besteht seit 1893 eine $_Independent Labour Party_$, die es sich zur
Aufgabe stellt, die Arbeiter auch auf politischem Boden zu sammeln.
Sie wurde auf einer am 13./14. Januar 1893 in Bradford abgehaltenen
Konferenz gegründet, hielt am 2. Februar 1894 in Manchester ihre
erste Jahresversammlung und zählte im September 1894 350 Zweigvereine
mit 38500 Mitgliedern. Seitdem scheint aber das Wachstum kaum
fortgeschritten zu sein, denn die Angaben aus dem Jahre 1897 lauten nur
auf 40000 Angehörige. Auch bei den ersten allgemeinen Parlamentswahlen
1895, bei denen die neue Partei ihre Kraftprobe machte, hat sie keine
eigenen Kandidaten durchgesetzt, denn die beiden einzigen im Parlamente
befindlichen Arbeiter S. $Woods$ und J. $Mallinson$ gehören ihr nicht
an. Die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen, die damals 27566 betrug,
ist allerdings bei späteren Nachwahlen auf 64480 in 38 Wahlkreisen
gestiegen. Ihr Präsident ist $Keir Hardie$, ihr Sekretär $Tom Mann$.
Im Vorstande, der den Titel »Nationaler Verwaltungsrat« trägt, sitzt
u. a. $Ben Tillet$. Auf dieser Personalunion beruht der Hauptteil ihres
Einflusses.
Eine formelle $sozialdemokratische$ Partei besteht in England erst seit
kurzer Zeit. Allerdings wurde im März 1881 durch angesehene Personen
aus den oberen Klassen unter Führung des Schriftstellers $Hyndman$
eine _democratic federation_ mit dem Programm der Verstaatlichung des
Grund und Bodens gegründet, die sich im Jahre 1883 in _socialdemocratic
federation_ umtaufte und ein eigenes Organ, die »_Justice_«
herausgiebt. Anfangs schlossen sich ihr auch die bedeutendsten
Arbeiterführer an, wie $John Burns$, $Tom Mann$, $Ben Tillet$ und $Keir
Hardie$, von denen aber, wie oben erwähnt, die ersten beiden ihr später
den Rücken kehrten. Ihre Mitgliederzahl wird auf 3500-5000 angegeben.
Wiederholt sind Versuche gemacht, die Bildung einer einheitlichen
sozialdemokratischen Partei, insbesondere eine Verschmelzung der
_Independent $Labour Party$_ mit der _Socialdemocratic Federation_
herbeizuführen und noch auf dem letzten Jahreskongresse der letzteren
am 12. April 1898 ist die Frage eingehend erörtert, doch ist es bisher
nicht gelungen, sie zu lösen, indem insbesondere die Mitglieder der
_I. L. P._ der _S. F._ den Vorwurf machen, revolutionäre Phrasen an
Stelle ernsthafter Arbeit zu kultivieren. Der neueste Versuch dieser
Art ist zugleich in mehrfacher Hinsicht interessant für die Stellung
der Sozialdemokratie in England. Er wurde unternommen von dem bereits
erwähnten rechten Flügel, den Clarionisten unter Führung von $Robert
Blatchford$, indem sie eine Abstimmung durch Umfrage nicht allein über
die Bildung einer einheitlichen sozialdemokratischen Partei, sondern
auch noch über einige der wichtigsten Einzelfragen veranstalteten. An
der Abstimmung haben sich 8885 Personen beteiligt, und da viele von
ihnen nicht wahlberechtigt sind, so ergiebt sich daraus die geringe
politische Bedeutung. Die Notwendigkeit einer Gesamtpartei wurde fast
allgemein bejaht, und so sollen bei den nächsten Wahlen in erster
Linie überall Sozialdemokraten aufgestellt und nur im Notfalle für
andere arbeiterfreundliche Kandidaten gestimmt werden. Im übrigen
stimmten für Referendum und Initiativwahl nach schweizerischem Muster
5995, für Altersversorgung, Beschäftigung der Arbeitslosen, Verbot
der Kinderarbeit bis zum 14. Jahre und gesetzlichen Achtstundentag
zwischen 4763 und 5115, für Nationalisation des Grund und Bodens bezw.
volle Besteuerung, Parlamentsdiäten, Verstaatlichung der Eisenbahnen
3709-4052, das allgemeine Stimmrecht 2856, Befreiung von Schulgeld,
Verstaatlichung des Schankgewerbes und der Bergwerke, Einführung von
Stichwahlen und Erhöhung der Erbschaftssteuer 1423-1976 Personen.
Ist auch im allgemeinen das Verhältnis der Unternehmer zu den
Gewerkvereinen der Arbeiter jetzt ein günstiges und wird im ganzen
in den Kreisen der ersteren das Ziel einer Beseitigung der _trade
unions_ nicht mehr verfolgt, so werden doch naturgemäß Klagen über
ihren »Terrorismus« oft gehört, und so ist denn in neuerer Zeit der
Versuch unternommen, eine Gegenorganisation ins Leben zu rufen. Dies
ist die _national free labour association_. Sie wurde auf einem am
31. Oktober 1893 in London abgehaltenen Kongresse begründet und hat
seitdem jährliche Jahresversammlungen abgehalten, besitzt auch in
der »_Free Labour Gazette_« ein eigenes regelmäßiges Organ. Auf dem
Kongresse in Manchester im Oktober 1896 wurde mitgeteilt, daß die
Mitgliederzahl Ende 1895 131650 betragen habe und Ende Juli 1896
auf 150353 gestiegen sei, im Oktober 1897 soll sie sogar 180000 und
im Juni 1898 200000 betragen haben, doch werden diese Ziffern von
gegnerischer Seite als nackter Schwindel dargestellt. Die Vereinigung,
die sich insbesondere in London und den nördlichen Hafenplätzen des
Mersey und des Clyde sowie des Bristol-Kanals ausbreitet, will nicht
die _trade unions_ als solche, oder die von ihnen geübte Tyrannei
bekämpfen, insbesondere setzt sie mit ihren Angriffen ein bei der
Praxis der _trade unions_, nicht mit _blake legs_ zusammenzuarbeiten
und die Behörden zu zwingen, ausschließlich ihre Angehörigen zu
beschäftigen. Die Vereinigung will für jeden Bezirk aus Arbeitgebern
und Arbeitern in gleicher Zahl zusammengesetzte Schiedsgerichte
(_boards of arbitration_) der verschiedenen Berufszweige errichten,
denen sämtliche Arbeitsstreitigkeiten unterbreitet werden müssen. Falls
sich das Gericht über einen Urteilsspruch nicht einigen kann, soll ein
Unparteiischer mit der Entscheidung betraut werden. Streiks sind nicht
völlig ausgeschlossen, sollen aber nur dann unterstützt werden, wenn
sie zuvor einem Schiedsgerichte unterbreitet sind. Die Einrichtung von
Unterstützungskassen soll den örtlichen Vereinen überlassen bleiben.
Am 10. Oktober 1898 hat die Association ihren Jahreskongreß gehalten,
auf dem erwähnt wurde, daß die Vereinigung im Laufe des Jahres an
Fabriken, in denen gestreikt wurde, 13000 Arbeitskräfte gesandt habe,
darunter 900 während des Maschinenbauerstreiks. Von einzelnen Rednern
wurde das neue Haftpflichtgesetz als die englische Industrie schädigend
verurteilt, andere wollten das Postenstehen bei Streiks unter Strafe
gestellt wissen.
Auch auf diesem Kongresse sollen 250000 Mitglieder durch 100 Abgesandte
vertreten gewesen sein, aber unparteiische Blätter, wie der »_Daily
Chronicle_«, behaupten, die ganze Association bestehe aus drei
oder vier Leuten, die in London ein Bureau für den Zweck errichtet
hätten, bei Ausständen den Unternehmern Arbeit zu verschaffen und
deren Angestellte die Kongresse bildeten. Ein gewiß klassischer
Zeuge, der jetzige Vorsitzende der _Federated Engineering Employers_,
$Alexander Siemens$ schreibt mir: »Die _F. L. A._ besteht zum Teil
aus zweifelhaften Elementen. Während des _Engineering_-Streiks
unternahm sie, unabhängige Arbeiter zu finden, um die Ausständigen
zu ersetzen. Soviel mir bekannt ist, war der Erfolg so gering,
daß die Association jetzt ignoriert wird, nachdem sie während des
Ausstandes eine Menge Anhänger gefunden hatte.« Danach darf man davon
ausgehen, daß Herr v. $Stumm$ sehr unrichtig berichtet war, wenn er
in der Reichstagssitzung vom 9. März 1898 der Vereinigung eine große
Bedeutung beimessen wollte, es scheint sich im Gegenteil um ein völlig
verunglücktes Unternehmen zu handeln.
$Statistische Angaben$ über die _trade unions_ giebt es erst
seit der im Jahre 1886 erfolgten Ernennung $John Burnetts$ zum
Arbeitsberichterstatter (_chief labour correspondent_) im Handelsamte.
Seit dieser Zeit werden jährliche Berichte herausgegeben, doch waren
dieselben anfangs unvollständig, indem nur ein kleiner Teil der Vereine
die ihnen zugesandten Fragebogen ausfüllte. Erst der im November 1898
veröffentlichte Bericht für 1897[22] giebt eine Uebersicht, die den
Anspruch auf annähernde Vollständigkeit erhebt. Danach gab es:
1892 1203 Vereine mit 1500451 Mitgliedern
1893 1259 " " 1478474 "
1894 1299 " " 1437765 "
1895 1303 " " 1404898 "
1896 1308 " " 1491007 "
1897 1287 " " 1609909 "
[22] _Report of the chief labour correspondent of the board of trade on
trade unions in 1897 with comparative statistics for 1892-1896.
London 1898, Darling & Son._
Die Gesamtzunahme von 109458 Mitgliedern entspricht 7,3%, doch verteilt
sie sich nicht gleichmäßig, indem die 100 größten Vereine einen Zuwachs
von 17,2% haben, während die kleineren 7,7% abgenommen haben. Die
Verminderung der Vereine um 21 von 1896 auf 1897 bei gleichzeitiger
Vermehrung der Mitglieder erklärt sich aus den in dieser Zeit erfolgten
Verschmelzungen von Vereinen. _Trade councils_ gab es 1894 148 mit
698550, 1895 151 mit 696270, 1896 148 mit 694701 und 1897 151 mit
693390 Mitgliedern.
Die Verteilung der _trade unions_ auf die $einzelnen Gewerbegruppen$
zeigt folgende Tabelle:
=======================================================================
| Zahl der |
Gewerbegruppen |_trade |Prozentsatz
|unions_| Zweigvereine | Mitglieder |
======================+=======+==============+============+============
Metallindustrie, | | | |
Maschinen- und | | | |
Schiffbau | 272 | 2433 | 317518 | 20
Bergbau und | | | |
Hüttenwesen| | 64 | 1543 | 282432 | 17
Bauwesen | 138 | 3034 | 219072 | 14
Textilindustrie | 244 | 499 | 217217 | 14
Transportwesen | | | |
(Eisenbahnen, | | | |
Docks u. s. w.) | 65 | 1268 | 183418 | 11
Ungelernte Arbeiter | 16 | 744 | 92858 | 6
Bekleidungsindustrie | 48 | 652 | 75617 | 5
Buchdruckerei u. | | | | 3
Buchbinderei | 54 | 350 | 52527 |
Oeffentlicher Dienst | 37 | 873 | 45157 | 3
Holzbearbeitung | 115 | 559 | 38401 | 2
Sonstige Gewerbe | 234 | 1380 | 85692 | 5
======================+=======+==============+============+============
Zusammen | 1287 | 13335 | 1609909 | 100
Das Alter und die Entwickelung der Vereine zeigt folgende Aufstellung:
======================================================================
Gründungszeit| Anzahl der |Prozentsatz|Mitgliederzahl|Prozentsatz
|_trade unions_| | |
==============+==============+===========+==============+=============
Vor 1825 | 48 | 4 | 54264 | 3
1825-1829 | 12 | 1 | 9436 | 1
1830-1839 | 32 | 2 | 107848 | 7
1840-1849 | 46 | 3 | 66951 | 4
1850-1859 | 72 | 6 | 221106 | 14
1860-1869 | 118 | 9 | 250958 | 16
1870-1879 | 162 | 13 | 286093 | 18
1880-1887 | 152 | 12 | 233008 | 14
1888-1897 | 640 | 50 | 375411 | 23
==============+==============+===========+==============+=============
Zusammen | 1282[23] | 100 | 1605075[23]| 100
[23] Für fünf kleine Vereine mit zusammen 4834 Mitgliedern ist die
Gründungszeit nicht zu ermitteln gewesen.
Das Gesetz gewährt denjenigen Vereinen, die ihre Eintragung in ein
öffentliches Register bewirken, eine Reihe von Vergünstigungen,
insbesondere das Recht, Grund und Boden bis zu 1 Acre und sonstiges
Eigentum durch ihre Vorstände (_trustee_) zu erwerben, sowie einen
umfassenden Schutz gegen Veruntreuungen. Die Anzahl der Vereine,
die diese Eintragung erlangt haben, sowie die $Abstufung nach der
Mitgliederzahl$ zeigt folgende Tabelle:
========================================================================
| Eingetragene Vereine |Nicht eingetragene Vereine
$Mitgliederzahl$|---------------------------+---------------------------
| $Anzahl$ | $Anzahl$
|der Vereine |der Mitglieder|der Vereine|der Mitglieder
================+============+==============+===========+===============
Ueber 50000 | 5 | 341167 | -- | --
20000-50000 | 6 | 190854 | -- | --
10000-20000 | 14 | 192503 | 5 | 60446
5000-10000 | 54 | 226680 | 26 | 148977
2000- 5000 | 29 | 86812 | 20 | 63019
1000- 2000 | 40 | 51294 | 25 | 36961
500- 1000 | 65 | 45089 | 54 | 37412
300- 500 | 53 | 20163 | 60 | 22065
100- 300 | 154 | 26837 | 213 | 35331
50- 100 | 89 | 6352 | 161 | 11269
Unter 50 | 58 | 1859 | 156 | 4819
================+============+==============+===========+===============
Zusammen | 567 | 1189610 | 720 | 420299
Im allgemeinen zeigen die größeren Vereine eine stärkere Zunahme als
die kleineren, deren Mitgliederzahl sogar nicht selten zurückgeht. Das
hängt damit zusammen, daß sie ihren Mitgliedern freilich geringere
Beiträge abfordern, ihnen dafür aber auch weniger bieten können.
Die amtliche Statistik giebt die Ziffern über Einnahme, Ausgabe und
Vermögensbestand, sowie über die einzelnen Arten der Ausgaben nur für
die 100 größten Vereine, die zusammen 1059609 Mitglieder haben. Sie
zeigen in den Jahren 1892-1897 folgende Entwicklung:
======================================================================
Jahr | Mitgliederzahl | Einnahme | Ausgabe | Vermögensbestand
| | Pfd. St. | Pfd. St. | Pfd. St.
======+================+=============+=============+==================
1892 | 903981 | 1455885 | 1418311 | 1618790
1893 | 910119 | 1614379 | 1848159 | 1385010
1894 | 924584 | 1629550 | 1433867 | 1580693
1895 | 914766 | 1557667 | 1390717 | 1747643
1896 | 961026 | 1673571 | 1233494 | 2187720
1897 | 1059609 | 1981971 | 1896072 | 2273619
Die $Einnahmen$ bestehen neben Zinsen aus belegten Kapitalien,
Eintrittsgeldern, Erträgen aus dem Verkauf von Mitgliedskarten und
Statuten u. s. w. naturgemäß überwiegend aus den Beiträgen, und zwar
sowohl den regelmäßigen Jahreszahlungen wie aus besonderen Umlagen,
zu deren Ausschreibung meist das Exekutivkomitee befugt, zuweilen
aber auch ein Mehrheitsbeschluß der Mitglieder erforderlich ist. Die
Beiträge sind sehr verschieden, und zwar sowohl in den verschiedenen
Vereinen wie nach den Jahren mit Rücksicht auf besondere Bedürfnisse.
Eine Uebersicht der $Beiträge$, und zwar der regelmäßigen wie der
außerordentlichen, für das Jahr 1897 bietet folgende Tabelle:
=======================================================================
Beitrag auf den Kopf: | Zahl
| der Vereine | der Mitglieder
========================================+=============+================
Unter 5 Schilling | 1 | 2300
mindestens 5 aber " 10 " | 17 | 119369
" 10 " " 15 " | 17 | 241842
" 15 " " 20 " | 9 | 49074
" 20 " " 30 " | 19 | 251825
" 30 " " 40 " | 16 | 115077
" 40 " " 60 " | 8 | 81031
" 60 " " 80 " | 10 | 88421
" 80 Schilling und darüber | 3 | 110670
========================================+=============+================
Zusammen: | 100 | 1059609
Der Durchschnittsbeitrag belief sich 1892 auf 28 sh. 9-1/4 d., 1893 auf
31 sh. 2-1/2 d., 1894 auf 32 sh. 1-1/2 d., 1895 auf 31 sh. 11-1/4 d.,
1896 auf 32 sh. 3-3/4 d., 1897 auf 32 sh. 11-1/4 d.
Unter den $Ausgaben$ sind die wichtigsten Posten: 1. Streikgeld
(_dispute pay_); 2. Arbeitslosenunterstützung; 3. Alterspension;
4. Kranken- und Unfallunterstützung; 5. Begräbnisgeld; 6.
Verwaltungskosten. Damit ist nicht gesagt, daß alle Vereine diese
sämtlichen Arten von Unterstützungen gewähren. Der amtliche
Bericht teilt die Ausgaben in drei Klassen, nämlich Streikgeld,
Verwaltungskosten und Unterstützungen, wobei zu den letzteren die unter
2-5 bezeichneten Posten gezählt werden.
Die Gesamtausgabe aller Vereine für die Jahre 1892-1897 beträgt:
für Streikgeld 2171271 Pfd. Sterl. = 23-1/2 Proz.
" Unterstützungen 5466903 " " = 59-1/2 "
" Verwaltungskosten 1582446 " " = 17 "
--------------------------------------------------------------
9220620 " " = 100 "
Eine Verteilung auf die hauptsächlichsten Gewerbegruppen, bei der auch
die einzelnen Unterstützungen getrennt sind, ergiebt folgende Tabelle:
Spaltenüberschriften:
A = Streikgeld
B = Arbeitslose
C = Krankheit und Unfall
D = Alter
E = Begräbnis
F = Zusammen
G = Verwaltungskosten
======================================================================
| Prozentsatz der Ausgaben für: |
|----------------------------------|
Gewerbegruppe | | Unterstützungen für | | Betrag
| A |------------------------| G | in Pfd.
| | B | C | D | E | F | | Sterl.
==========================+====+====+====+====+====+====+====+========
Baugewerbe |12,8|16,6|26,5| 8 |12,3|63,4|23,8|1358292
Bergbau u. Hüttenwesen |44,5|15,7| 9,5| -- |16,9|42,1|13,4|1452284
Metallindustrie, | | | | | | | |
Maschinen- | | | | | | | |
und Schiffbau |11 |40,2|17,2|13,7| 7,1|78,2|10,8|3686798
Textilindustrie |38,1|25,6| 4 | 1,3|13,8|44,7|17,2| 948664
Bekleidungsindustrie |27,2| 4,1|35,1| 9,1| 7,4|55,7|17,1| 422261
Transportgewerbe |10,8| 5,6| 9,5| 3,3|17,8|36,2|53 | 407611
Buchdruckerei und | | | | | | | |
Buchbinderei | 6 |50,2| 5 |10,7| 9,9|75,8|18,2| 325992
Holzverarbeitung |12,1|31,3|11,3|13,8| 9,9|66,3|21,6| 201062
Ungelernte Arbeiter | | | | | | | |
verschiedener Betriebe |19,8|22,2|15,4| 6,2| 9,5|53,3|26,9| 417656
==========================+====+====+====+====+====+====+====+========
| |[24]| | | |[24]| |
Zusammen |20,3|27,5|15,9| 8,3|10,9|62,6|17,1|9220620
[24] Die Abweichung dieser Ziffern mit den oben angegebenen ist
in dem Berichte nicht erläutert, scheint aber auf der schwierigen
Unterscheidung zwischen Streikgeld und Arbeitslosenunterstützung
zu beruhen.
Diese Aufstellung zeigt, wie verschieden das Verhältnis zwischen
Streikgeld und Unterstützungen sich bei den einzelnen Vereinen
gestaltet. Der Bericht giebt nähere Nachweisungen für die 100
größten Vereine, die in drei Gruppen geteilt werden. Die $erste$,
bei der das Streikgeld im Vordergrunde steht, obgleich zuweilen auch
Begräbnis-, Kranken- und Unfallunterstützung gezahlt wird, umfaßt
25 Vereine mit 243411 Mitgliedern. Die $zweite$, bei welcher zu
dem Streikgeld die Arbeitslosenunterstützung hinzukommt, umfaßt 34
Vereine mit 264548 Mitgliedern. Die $dritte$, bei der daneben alle
Arten von Unterstützung (Alter, Krankheit, Unfall) bezahlt werden,
ist die größte, denn sie umfaßt 41 Vereine mit 551650 Mitgliedern.
Die Vereine, die sich ausschließlich auf Streikgeld beschränken,
sind die jüngsten, denn das Durchschnittsalter der Vereine beträgt
in der ersten Klasse nur 16, in der zweiten 25, in der dritten 55
Jahre. Aber jedenfalls ergiebt sich aus diesen amtlichen Ziffern, wie
unzutreffend es ist, zu behaupten, daß die _trade unions_ überwiegend
Streikvereine seien; nicht allein sind die Vereine, bei denen die
Streikunterstützung im Vordergrunde steht, stark in der Minderzahl,
sondern selbst bei Berücksichtigung aller Vereine beläuft sich der, auf
die Streikunterstützung entfallende Betrag, wie nachgewiesen, auf 20,8
bezw. 23-1/2%.
Obgleich alle Vereine ihre Mitglieder bei Streiks unterstützen, ist
doch der Betrag in den einzelnen Jahren sehr verschieden; so hatten
von den 100 größten Vereinen im Jahre 1897 14 mit 50070 Mitgliedern
überhaupt keine Ausgaben hierfür gehabt.
Eine Uebersicht über die Jahre 1892-1897 giebt folgende Tabelle, bei
der zu berücksichtigen ist, daß 1892/93 der große Baumwollenstreik,
1893 der große Kohlenstreik und 1897 der Maschinenbauerstreik
stattfand, und daß bei solchen Streiks nicht nur die unmittelbar
beteiligten, sondern infolge der gegenseitigen Unterstützung auch die
übrigen Gewerbe in Mitleidenschaft gezogen werden.
In den 100 größten Vereinen wurden verausgabt in Pfd. St.:
===============================+=======================================
| 1892 | 1893 | 1894 | 1895 | 1896 | 1897
-----------------------+-------+-------+-------+-------+-------+-------
im Baugewerbe | 33286 | 30655 | 25279 | 20110 | 35178 | 20516
im Bergbau und | | | | | |
Hüttenbetriebe |111656 |346361 | 63235 | 41403 | 39478 | 43374
in d. Metallindustrie, | | | | | |
Maschinen- | | | | | |
u. Schiffbau | 28997 | 9265 | 23575 | 30145 | 34855 |280460
Textilindustrie |134610 |132014 | 33432 | 21245 | 17778 | 31941
Bekleidungsindustrie | 12743 | 10086 | 8017 | 60136 | 5666 | 18297
Eisenbahndienst | 2643 | 9286 | 2176 | 2018 | 2753 | 9684
Dockbetrieb | 3789 | 6044 | 995 | 1004 | 2129 | 1234
anderen Gewerben | 26770 | 32089 | 13451 | 10343 | 16070 | 27994
-----------------------+-------+-------+-------+-------+-------+-------
Zusammen |352500 |584800 |160160 |186404 |153907 |433500
$Arbeitslosenunterstützung$ zahlen 75 von den 100 größten
Vereinen ihren Mitgliedern in Höhe von 6 sh. bis 20 sh.
wöchentlich; die häufigsten Beträge sind 10, 12 oder 15 sh.
Die höchsten Ausgaben hierfür werden in der Metallindustrie
sowie dem Maschinen- und Schiffbau gemacht. In der folgenden
Uebersicht ist deshalb diese Gruppe von den übrigen getrennt;
zugleich ist der Prozentsatz der Arbeitslosen angegeben.
=======================================================================
| Ausgabe für Arbeitslosenunterstützung |
|-----------------------------------------------|
Jahr | Metallindustrie, Maschinen- | | Prozentsatz der
| und Schiffbau | Andere Gewerbe | Arbeitslosen
| Pfd. St. | Pfd. St. | in allen
| | | Gewerben
======+=============================+=================+================
1892 | 216688 | 134824 | 6,3
1893 | 253874 | 208627 | 7,5
1894 | 266907 | 194282 | 6,9
1895 | 206822 | 229412 | 5,8
1896 | 131923 | 152483 | 3,4
1897 | 404851 | 137373 | 3,5
Den Betrag der übrigen von den 100 größten Vereinen in den Jahren
1892-97 gezahlten $Unterstützungen$ sowie des $Vermögens$ ergiebt
folgende Tabelle.
Spaltenüberschriften:
A = Alterspension[25]
B = Kranken- und Unfallunterstützung[26]
C = Begräbnisgeld[27]
D = Vermögen
========================================================
| A | B | C | D
Jahr | | | |
| Pfd. St. | Pfd. St. | Pfd. St. | Pfd. St.
========+==========+==========+==========+==============
1892 | 102432 | 210243 | 68589 | 1618790
1893 | 112588 | 241638 | 75343 | 1385010
1894 | 122434 | 230233 | 70104 | 1580693
1895 | 131861 | 263966 | 76443 | 1747643
1896 | 142518 | 246788 | 75858 | 2187720
1897 | 152207 | 269784 | 82156 | 2273619[28]
[25] Diese wird nur von 40 Vereinen gezahlt.
[26] Nur 49 Vereine zahlen Krankengeld, nur 44 zahlen
Unfallunterstützung.
[27] Das Begräbnisgeld ist am allgemeinsten verbreitet; es wird von 87
Vereinen mit 954965 Mitgliedern gezahlt. Der Betrag schwankt
zwischen 2 und 30 Pfd. St., meist ist er 10, 12 oder 15 Pfd. St.
Zuweilen wird es auch beim Tode von Frauen oder Kindern gezahlt.
[28] Die verhältnismäßig geringe Zunahme gegen 1896 erklärt sich
daraus, daß der Maschinenbauerstreik in den betreffenden Vereinen
eine Verminderung des Vermögens im Betrage von 130725 Pfd. St.
verursacht hatte.
Der Betrag des $Vermögens$, berechnet auf den Kopf des einzelnen
Mitgliedes, ist sehr verschieden. Er betrug 1897 bei den 100 größten
Vereinen:
Spaltenüberschriften:
(A) = Vereinen
(B) = Mitgliedern
1 Schill. 4 d. bis weniger als 10 Schill. bei 19 (A) mit 148998 (B)
10 " " " " 1 Pfd. St. " 15 " " 97180 "
1 Pfd. St. " " " 2 " " " 31 " " 344472 "
2 " " " " 3 " " " 16 " " 302237 "
3 " " " " 4 " " " 7 " " 64804 "
4 " und darüber 12 " " 101918 "
--------------------------
100 " mit 1059609 ".
Die geringsten Beträge von 1 sh. 4 d. und 1 sh. 5 d. finden sich nur
bei zwei Vereinen; der Höchstbetrag war 13 £. St. 4 sh. 11 d. Bei 57
Vereinen mit 646709 Mitgliedern = 60% belief er sich zwischen 1 und 3
Pfd. St. Am niedrigsten stehen die Vereine, die sich auf Streikgeld
beschränken, am höchsten diejenigen, welche möglichst alle Arten von
Unterstützungen, insbesondere Alterspension, zahlen. Der Durchschnitt
für die 100 Vereine belief sich
1892 auf 1 Pfd. St. 15 Schill. 9-3/4 Doll.
1893 " 1 " " 10 " 5-1/4 "
1894 " 1 " " 14 " 2-1/4 "
1895 " 1 " " 18 " 2-1/2 "
1896 " 2 " " 5 " 6-1/4 "
1897 " 2 " " 2 " 11 "
Die $Organisation der Frauen$ ist naturgemäß noch weit weniger
vorgeschritten, als die der Männer; wo aber die Frauen organisiert
sind, gehören sie überwiegend den von den Männern begründeten Vereinen
an. Vereine, die ausschließlich aus Frauen bestanden, gab es 1897 nur
25 mit 7935 Mitgliedern gegenüber 114 gemischten, denen 161539 Männer
und 111840 Frauen angehörten. In allen 139 Vereinen gab es also 119775
Frauen, so daß sie innerhalb der Gesamtzahl von 1609909 organisierten
Arbeitern nur etwa 7% darstellen. Die genauen Verhältnisse der
Verteilung zeigt folgende Tabelle:
=======================================================================
Prozentsatz der | | Zahl der Mitglieder
weiblichen Mitglieder| Zahl der Vereine |-----------------------------
| | Männer | Frauen | Zusammen
=======================================================================
100 | 25 | -- | 7935 | 7935
50 bis weniger als 100| 63 | 38041 | 101895 | 139936
10 " " " 50| 23 | 10208 | 6143 | 16351
unter 10 | 28 | 113290 | 3802 | 117092
=======================================================================
Zusammen | 139 | 161539 | 119775 | 281314
Weitaus die meisten der organisierten Frauen, nämlich 109180 = 91,1%
in 91 Vereinen, sind in der Textilindustrie beschäftigt, wovon allein
74034 = 61,8% in 48 Vereinen auf die Baumwollweberei und 19996 = 16,7%
in 18 Vereinen auf die Baumwollspinnerei entfallen. Von den 25 Vereinen
mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern bestehen nur zwei länger als
seit 1874, fünf haben ein Alter von 10-18 Jahren, sieben ein solches
von 5-10 Jahren und 11 sind jünger als 5 Jahre. Von den 25 Vereinen
haben 20 weibliche Sekretäre.
Das $Verhältnis der organisierten Arbeiter zu den nicht organisierten$
ist nicht genau zu bestimmen, zumal die letzte Volkszählung von
1891 die verschiedenen Beschäftigungsarten nicht streng sondert und
deshalb nicht genau diejenigen ausscheiden läßt, die überhaupt für
die Organisation in Betracht kommen, indem zu berücksichtigen ist,
daß dies durch mancherlei Gründe, insbesondere jugendliches Alter,
Gebrechlichkeit u. dgl. ausgeschlossen ist. Nach einer oberflächlichen
Schätzung kann man die Anzahl der erwachsenen Männer in den Berufen,
die für die Organisation in Frage kommen, auf etwa 7 Millionen
annehmen, diejenige der Frauen auf 1 Million. Danach bedeutet die
Zahl von 1490134 männlichen und 119775 weiblichen Mitgliedern einen
Prozentsatz von 21 bez. 12%. Scheidet man aber die Landwirtschaft
aus, in der bisher nur 0,8% der Arbeiter organisiert sind, so steigt
der Prozentsatz der männlichen Mitglieder von 21 auf 25%. Am höchsten
steigt er im Bergbau und Hüttenbetriebe, indem hier von den insgesamt
beschäftigten 776267 Arbeitern über 16 Jahren 282432 = 36% organisiert
sind. In der Textilindustrie sind von 403669 beschäftigten Männern über
18 Jahren 108037 = 27% und von den 519915 Frauen gleichen Alters 109180
= 21% organisiert. Von der Gesamtbevölkerung bilden die Mitglieder der
_trade unions_ etwa 4%.
Die _trade unions_ sind übrigens über die verschiedenen Gegenden des
Königreiches sehr ungleichmäßig verteilt, wie folgende von S. und B.
$Webb$ aufgestellte Tabelle ergiebt:
=====================================================================
$Berufszweig$ | England | Schottland | Irland | Insgesamt
| und Wales | | |
=====================================================================
Maschinenbau u. | | | |
Metallindustrie | 233450 | 45300 | 8250 | 287000
Baugewerbe | 114500 | 24950 | 8550 | 148000
Bergbau | 325750 | 21250 | -- | 347000
Textilgewerbe | 184270 | 12330 | 3400 | 200000
Bekleidungs- u. | | | |
Lederindustrie | 78650 | 8400 | 2950 | 90000
Druckgewerbe | 37950 | 5650 | 2400 | 46000
Verschiedene | | | |
kleinere Berufe | 46550 | 7450 | 4000 | 58000
Landarbeit., | | | |
Transportgewerbe &c. | 302880 | 21670 | 10450 | 335000
=====================================================================
Gesamtsummen | 1324000 | 447000 | 40000 | 1511000
Die nördlich vom Humber und Dee gelegenen sieben Grafschaften enthalten
allein 726000 Mitglieder; dann folgen die industriellen Bezirke von
Mittelengland, Leicester, Derby, Nottingham, Warwick, Gloucester,
Northampton und Stafford mit 210000 und Südwales mit 89000, während
London mit seiner nächsten Umgebung nur die verhältnismäßig geringe
Zahl von 194000 Mitgliedern aufweist. Die führenden Bezirke sind
Northumberland, Durham und Lancashire, wo in verschiedenen Berufen 80
bis 100% der Arbeiter Mitglieder ihrer Gewerkschaft sind. In diesen
Gegenden bilden die _trade unions_ in der That die ausschlaggebende
Macht in der Arbeiterschaft; aber in vielen Bezirken gehören ihnen
immerhin 50% der Arbeiter an, und da dies naturgemäß die tüchtigsten
sind, so haben sie auch dort die unbestrittene Führerschaft.
Im wesentlichen liegt diese noch heute in der Hand der gelernten
Arbeiter der Großindustrie; gegen 750000 Mitglieder gehören allein den
drei großen Stapelindustrien an: dem Kohlenbergbau, dem Maschinen- und
Schiffbau und der Baumwollenbearbeitung. Der plötzliche Aufschwung
der ungelernten Arbeiter von 1889/90 hat rasch nachgelassen. Von den
200000 Eisenbahnarbeitern sind nur 48000 organisiert, von denen
noch die größere Zahl auf die höheren Stellungen der Schaffner und
Lokomotivführer entfällt. Der Dockarbeiterverein, der 1890 57000
Mitglieder zählte, war schon 1893 auf 14000, 1894 auf 10000 und 1895
auf 9000 zurückgegangen. Die Nationale Union der Hafenarbeiter, der
1890 30000 Personen angehörten, hatte 1893 nur noch 11000 Mitglieder.
Die Pferdebahn- und Omnibuskutscher, die Lagerhausarbeiter, Lastträger
und städtischen Tagelöhner sind im wesentlichen wieder in den Zustand
mangelnder Organisation zurückgesunken.
Die englische Gewerkschaftsbewegung hat insbesondere in den letzten
Jahren die deutschen sozialistischen Gewerkschaften ebenso wie die
Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine lebhaft angeregt; von beiden
Seiten sind Versuche gemacht mit den englischen trade unions nähere
Beziehungen anzuknüpfen. So war auf dem Kongresse in Edinburg auch
ein Vertreter der deutschen sozialistischen Gewerkschaften, v. $Elm$,
anwesend, dessen Beteiligung zu einer lebhaften Preßfehde zwischen
diesen und den Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereinen Anlaß gegeben hat.
Die »Generalkommission« hat zugeben müssen, daß ihr keine Einladung
zu dem Kongresse zugegangen war und v. $Elm$ sich ohne eine solche
nach Edinburg begeben hat, obgleich die »Generalkommission« die _trade
unions_ zu ihrem II. Gewerkschaftskongresse in Berlin eingeladen
hatte, was mit der Begründung abgelehnt war, daß die Einladung zu
spät eingetroffen sei, um noch eine Sitzung des parlamentarischen
Ausschusses abhalten zu können. Auch der Vorwurf des »Gewerkvereins«
ist als berechtigt anzuerkennen, daß v. $Elm$ das Hauptgewicht
seines in London gehaltenen Vortrages darauf gelegt habe, die
Hirsch-Duncker'schen Vereine anzugreifen und herabzusetzen. Daß beide
gewerkschaftliche Gruppen Deutschlands großen Wert darauf legen,
Fühlung mit den _trade unions_ zu erhalten und deren Autorität für
ihre Sache zu benutzen, ist begreiflich und berechtigt, aber der
Kampf der beiden Konkurrenten soll in Deutschland ausgefochten werden
und nicht auf einem englischen Kongresse, auf dem, sofern überhaupt
deutsche Gewerkschaften zugelassen werden, die eine Partei ebenso
berechtigt ist, wie die andere. Die Haltung der _trade unions_, wie
sie insbesondere durch die beiden Kongresse in Cardiff und Edinburg
festgelegt ist, entspricht weder der Politik der sozialistischen
Gewerkschaften, noch derjenigen der Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine,
sondern bewegt sich auf einer Mittellinie, und es scheint wenig
Aussicht vorhanden, daß sie diese zu Gunsten des einen oder anderen
extremen Standpunktes verlassen werden; dazu sind sie zu sehr Männer
des praktischen Lebens und Gegner aller theoretischen Prinzipien, mögen
sie liegen in der Richtung des Sozialismus oder des Individualismus.
Auch die Gegner der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland haben
versucht, aus den Kongreßbeschlüssen der letzten Jahre Kapital zu
schlagen und insbesondere aus den Beschlüssen in Liverpool und
Norwich den Beweis hergeleitet, daß auch in England die G.-V. sich
auf die Dauer nicht als derjenige Schutz gegen die Sozialdemokratie
bewährt hätten, als welcher sie bis dahin gepriesen wären; man hat
deshalb prophezeit, daß diese staatsgefährliche Bewegung jetzt sehr
bald auch England erobert haben und dann für jeden klar ersichtlich
sein werde, daß jedes Entgegenkommen gegenüber der Arbeiterbewegung
lediglich zur Stärkung der Sozialdemokratie führe. Ich werde auf
diese Frage an anderer Stelle zurückkommen und bemerke hier nur, daß
es sehr viele Leute giebt, die für den Maximalarbeitstag eintreten
und selbst den Achtstundentag für ein erstrebenswertes und im Laufe
der Zeit erreichbares Ziel halten, ja die auch den Bodenwucher und
die Gewinnung ungeheurer Vermögensmassen durch das Steigen des
Grundwertes in den Großstädten ohne irgend welche eigene Arbeit für
verwerflich halten und deshalb Anhänger der Bodenbesitzreform sind
und gewisse Betriebe lieber in der Hand des Staates oder der Gemeinde
als in derjenigen des Privatunternehmers sehen, ohne doch trotz aller
dieser sozialistischen oder halbsozialistischen Neigungen in der
spezifisch sozialdemokratischen Richtung der heutigen Arbeiterbewegung
etwas anderes als eine auf das Tiefste zu beklagende Verwirrung zu
sehen. Schon hier mag auch darauf hingewiesen werden, daß selbst
die sozialistischen G.-V. in England in wichtigen und vielleicht
entscheidenden Fragen eine durchaus entgegengesetzte Haltung einnehmen,
wie die deutsche Sozialdemokratie. Vor allem teilen gerade die
bedeutendsten sozialistischen Führer die geschichtlichen und sittlichen
Ideale der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung: Vaterlandsliebe und
Religion. Begeisterung für die Größe und Macht Englands macht sich auch
bei ihnen in einer den Nichtengländer fast verletzenden Form geltend;
häufig eröffnen sie ihre Versammlungen mit Gebet- und Liederandachten,
und unerschrocken halten sie den Massen Strafpredigten über
Unsittlichkeit und Ausschweifung. Eine große Anzahl von Geistlichen der
englischen Staatskirche sind Mitglieder der _Fabian Society_. Aus der
religiösen Gesinnung der englischen Sozialdemokraten ist im Jahre 1891
die Begründung der »Arbeiterkirche« hervorgegangen, der die meisten
der oben genannten Führer angehören. Sie steht auf einem freien, aber
durchaus religiösen Boden, setzt sich aber das Ziel, »Mitglieder aller
Klassen zu vereinigen, um die gewerbliche Sklaverei abzuschaffen«.
Uebrigens ist schon auf dem Kongresse in Belfast offen von Trennung
der beiden mehrgedachten Richtungen gesprochen, und es liegt nicht
außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, daß hier neben dem vierten
Stande der gelernten Arbeiter demnächst die Bildung eines neuen fünften
Standes der ungelernten Arbeiter in Frage kommt.