Viel Mühe schaffte uns das Einbringen des Heues. Auf der
höchstgelegenen Stelle der Fennen muß es geschichtet werden, damit
die See es niemals erreichen kann. In langen Streifen wurde es
zusammengerecht und in großen Laken von den Frauen und Mädchen zur
Dieme getragen. Da dachte ich wieder an dich, Nomine Holgers, du
Schöne! Hätte ich dich sehen dürfen als echte Halligtochter, das
schmucke Bündel auf deinem Haupte tragend, mit deinen weißen, vollen
Armen der Last das Gleichgewicht gebend ...
O Nomine! Wie eine Königin wärst du geschritten, ich weiß es. Und ein
glückseliger Mann hätte einige Tage später seine Ernte eingefahren.
In seinem Hause hätte er sie zum festen Klampe aufgeschichtet. Und du
hättest ihn am Hause empfangen. Du! Seine Königin -- die ihm die Ruhe
brachte und den Feierabend ...
Es war harte und hilde Zeit bis alle Schifften gemäht waren. Und
viel Schweiß kostete noch das »Schwählen«, das »Diemensetzen« und
»Einfahren«.
Und wir haben einen Bittgottesdienst gehalten, daß unser Herrgott die
salzen See bändigen möge, auf daß keine Sturmflut uns um den Lohn
unserer Mühe bringe. --
* * * * *
Die »Eintagsfliegen« von Sylt, Föhr und Amrum waren wieder sehr lästig
diesen Sommer. Nicht einer war darunter, um dessen Wiederkehr man
gebeten hätte. Gottlob, es wird auch hie und da Verständnis und Liebe
zu uns getragen. Aber die, so es tun, bleiben dann auch wirklich bei
uns auf längere Zeit. Und fragen nicht viel, sondern öffnen ihre
eigenen Augen und empfangen all unsern Reichtum mit wachem Herzen. So
geben und nehmen wir wechselseitig unvergängliche Werte. Mit dem Strom
von Hamburger Fremden kam im August auch Akke Bahn, geborene Luersen,
zu uns. Ein seltsames Weib. Wunderschön hat die Natur sie gebildet, und
jeder wendet sich um nach ihr, so sehr fällt sie auf. Aber auf ihrem
Gesicht liegt jetzt ein Zug verbissenen Trotzes. Der pflegt sonst auf
dem Antlitz der werdenden Mütter zu fehlen. Sie kümmert sich nicht viel
um ihren Zustand, sondern schafft tüchtig im Hause der Eltern, bei
denen viel schwere Arbeit zu tun ist. Oft höre ich ihr lautes Lachen
über den Nachbarzaun herüber. Neulich kam Edlef zu mir, und ich ging
ihm entgegen. Da stand die Akke am Zaun, und ich fing einen Blick auf,
den sie ihm zuwarf. Der war so heiß und auffordernd, daß er früher
wohl gezündet hätte bei ihm. Aber Edlef ist ein sehr fester, sehr
glücklicher Halligbauer geworden. -- Er zog die Mütze wie vor einer
Fremden und schaute mir entgegen mit freien, guten Augen. -- Abends
sitze ich hie und da mit Vadder Luersen auf meiner Hausbank. Er tut
dann alles ab von seiner Seele, was ihm das Leben draufgepackt hat,
und ich höre gern die Philosophie seines trocknen Humors. Dabei sagte
er mir einmal: »Ich mag mein klein Akke zu gern um mich leiden, is ’ne
fixe Deern und schafft für Zwei, trotz ihres reichen Mannes. Aber mich
dünkt, sie verfolgt einen Zweck hier. Und dazu gebe ich mich nicht her.
Und wenn sie meint, ich behalte sie wieder ganz auf der Schulwarf und
setz’ mich bei dem Herrn Schwiegersohn in die Nesseln, dann hat sie
vorbeigedacht. Das sechste Gebot ist kein Kinderspielzeug. Und ihr Kind
soll in seines Vaters Wiege liegen, wo es hingehört.« Ich bedeutete dem
Alten, daß es wohl nicht gerade die passendste Ehe für seine Tochter
gewesen sei, aber das wies er weit zurück.
»Der Schwiegersohn hat sie rechtschaffen lieb,« sagte er, »aber seine
Hand is büschen fest. Das braucht die Deern auch. Ich hab mir den Kram
in Hamburg mal angesehen, das hat alles seinen rechten Schick. Und der
Schwiegersohn ist fleißig und angesehen. Und daß er kein heuriger Has’
mehr ist, ist _auch_ gut.«