Halb ohnmächtig wurde Salambo von den Priestern, die sich um sie

bemühten, auf ihren Thron zurückgetragen. Man beglückwünschte sie. Das

war ihr Werk! Überall um sie herum klatschte man in die Hände,

stampfte mit den Füßen und heulte ihren Namen.

Ein Mann stürzte auf den Toten. Wiewohl er bartlos war, trug er doch

den Mantel der Molochpriester um die Schultern und am Gürtel ein

eigentümliches Messer, das zum Zerlegen des Opferfleisches diente und

am Ende des Stieles in einen goldnen Spatel auslief. Mit einem

einzigen Schnitt spaltete er Mathos Brust, riß das Herz heraus und

legte es auf den Löffel. Es war Schahabarim. Er hob den Arm hoch und

bot das Herz der Sonne dar.

Glühend stand sie über den Fluten, und ihre letzten Strahlen trafen

wie lange Pfeile das blutrote Herz. Je tiefer ihre Scheibe ins Meer

sank, desto schwächer wurden seine Schläge, und bei dem letzten Zucken

des Muskels schwand auch die Sonne.

Da erscholl vom Golf bis zur Lagune und von der Landenge bis zum

Leuchtturm, in allen Straßen und auf allen Tempeln, ein einziger

Schrei, der bisweilen aufhörte und dann wieder erklang. Die Gebäude

erbebten. Karthago zuckte zusammen wie im Krampfe titanischer Freude

und grenzenloser Hoffnung.

Naravas, von Stolz berauscht, legte zum Zeichen des Besitzes seinen

Arm um Salambos Leib und ergriff mit der Rechten eine goldene Schale,

die er auf Karthagos Glück leerte.

Salambo erhob sich, gleich ihrem Gemahl, mit einer Schale in der Hand,

um ebenfalls zu trinken. Da sank sie mit zurückgebogenem Haupt auf die

Lehne des Thrones nieder, bleich, starr, mit offenen Lippen. Ihr

gelöstes Haar wallte zum Boden herab.

So starb Hamilkars Tochter, weil sie den heiligen Mantel der Tanit

berührt hatte.

Anhang

Anmerkungen des Übersetzers

Salammbô ist 1862 erschienen. Die französische Urhandschrift befindet

sich heute im Besitze der Nichte Flauberts, Madame Franklin-Grout in

Antibes (Villa Tanit), und wird dermaleinst Eigentum der Pariser

Nationalbibliothek. Sie besteht aus 340 Blättern »großen Formats« und

trägt auf dem Pappdeckel des Einbandes die Daten »September 1857-April

1852«. Die Kapitelüberschriften fehlen. Die Kapitel sind nur

numeriert. Flaubert hat sie erst in die Korrektur gefügt. Alle

Verbesserungen, die Flaubert in der Druckkorrektur angebracht hat,

sind von dem gewissenhaften Dichter in Bleistiftschrift auch in das

Manuskript eingetragen worden. Es sei bemerkt, daß die Edition

définitive (Paris, Charpentier) im Druck und stellenweise auch im Text

nicht die Sorgfalt verrät, die einem Flaubert gebührt.

* * * * *

Die erste Idee zu einem antik-orientalischen Roman faßte Flaubert

während seiner Reise durch Ägypten und Syrien, 1849-50. Kurz nach dem

berichtet er von einem Entwurf »Anubis«, in dem die Heldin die Liebe

eines Gottes ersehnt. Das Studium des bekannten Werkes »Die Phönizier«

von Franz Karl Movers (1841-56, zwei Bände) lenkte Flaubert auf

Karthago. Im Jahre 1858 besuchte er die Ruinenstätte. Die

Tagebuchblätter dieser Reise sind neuerdings veröffentlicht worden (Au

Pays de Salammbô, in der Revue de Paris vom 1. Dez. 1911). Es ist

selbstverständlich, daß der Dichter die gesamte Punier-Literatur,

soweit sie bis 1862 erschienen, gekannt hat, auch die fremdländische,

obgleich er als echter Franzose außer dem Latein keine fremde Sprache

beherrschte. Die antiken Autoren, ebenso Movers, benutzte er in

französischen Übersetzungen. Den Engländer Dr. N. Davis, der in der

Zeit von 1856-59 in Karthago und Umgegend Ausgrabungen leitete, hat

Flaubert an Ort und Stelle kennen gelernt. Freilich sprach Davis nicht

französisch und Flaubert--wie schon bemerkt--nicht englisch. Aber »wir

verstehen uns sehr gut« schreibt Flaubert damals an seine Nichte.

Genannt seien als von Flaubert benutzte Werke: Ch.E. Beulé, Fouilles à

Carthage (Paris, 1860),--N. Davis, Carthage and her remains (London,

1861),--ferner die Arbeiten von Falbe, Dureau de la Malle, u.a. Von

den beiden erstgenannten existieren übrigens--allerdings nicht ganz

einwandfreie--deutsche Ausgaben. An kartographischem Material stand

Flaubert vor allem die zuverlässige Terrainaufnahme des Kapitäns C.T.

Falbe (1:16000, Paris 1833) zu Gebote. Es existiert noch keine

wissenschaftliche Untersuchung des Verhältnisses des Romans zu den

Quellen und Hilfsmitteln Flauberts.

Wer sich, angeregt durch die Salambo, über den heutigen Stand der

wissenschaftlichen Kenntnis von Karthago belehren lassen möchte, sei

auf das sorgfältige Lebenswerk von Otto Meltzer hingewiesen:

Geschichte der Karthager, Berlin, Weidmann, besonders auf den zweiten

Band (1896). Hinsichtlich der punischen Religion seien genannt die

Studien des Grafen Wolf Baudissin »Esmun-Asklepios« (1906), »Jahve et

Moloch« u.a.m. Das maßgebende Kartenwerk bilden heute die Blätter La

Marsa, El Ariana, La Goulette, Tunis usw. des Service géographique de

l'Armee (1:50000, aufgenommen 1890 ff.) und der sich hierauf stützende

wertvolle Atlas archéologique de la Tunisie ... accompagné d'une text

explicatif, Paris, Leroux, 1892 ff.

* * * * *

Zu einigen wenigen Stellen des Romans seien im folgenden knappe

Erläuterungen erlaubt.

Seite 5. Die Stadt Eryx auf halber Höhe des gleichnamigen Berges (in

Sizilien) wurde von Hamilkar im Jahre 244 v. Chr. genommen. Flauberts

Roman beginnt etwa Anfang September des Jahres 241 v. Chr. Der

Söldnerkrieg währte nach Polybios drei Jahre und vier Monate (241-238

v. Chr.).

Die Lage der Villa Hamilkars in der Vorstadt Megara ist nicht

überliefert. Flaubert nimmt sie auf der Höhe über dem Seetor an.

Seite 6. Der Eschmuntempel stand auf der Akropolis. Eine monumentale

Freitreppe von sechzig Stufen, in drei Absätze gegliedert, führte

hinauf. Um den Tempel waren breite Terrassen, die den Eindruck einer

mächtigen Befestigung erweckten. Der Tempel war das allenthalben

sichtbare Wahrzeichen der Stadt, der Sankt Peter Karthagos.

Seite 10. Die Abgabe des Oberbefehls über die Truppen in Lilybäum an

den General Gisgo--nach dem Friedensschlusse im Hochsommer des Jahres

241 v. Chr.--erfolgte nicht freiwillig. Hamilkar wurde dazu genötigt.

Dieser schwere Fehler in der Kriegsführung gegen Rom fällt den

Umtrieben der inzwischen in der Heimat aus Ruder gekommenen Partei des

Hanno zu.

Seite 12. Über die Syssitien der Hetärien, sowie über die komplizierte

Staatsverfassung der Republik, die von Aristoteles als hervorragend

gepriesen worden ist, vgl. Meltzer, Geschichte der Karthager, II, 34

ff.

Die karthagische Garde: bei Polybios die Heilige Schar.

Seite 17. Polybios nennt den Namen der Tochter Hamilkars nicht. Nach

anderer Überlieferung soll sie Salwamba (d.h. magna mater) geheißen

haben.

Seite 26. Die Via Mapaliensis (Straße der Mappalier, d.h. der

Zeltbewohner = der Numidier) führte von der See quer durch die Stadt

nach den Katakomben. Flaubert rekonstruiert sie als die Via Appia

Karthagos.

Seite 30. Sikka ist das heutige Keff, 180 Kilometer südwestlich von

Karthago. Der dort betriebene zynische Venuskult war berüchtigt.

Seite 38. Die Erwähnung der gekreuzigten Löwen stützt sich auf Plinius

c. 18, wo erzählt wird, daß Scipio Aemilianus und Polybios auf einem

gemeinsamen Spazierritt in der Umgebung Karthagos solche gekreuzigte

Tiere sahen.

Seite 43. Über die Kabiren (d.h. die Mächtigen) und die

Kabirenmysterien vgl. L. Preller, Griechische Mythologie, 4. Aufl.,

Berlin, 1894, Bd. I, 847-864.

Seite 61. Über den Kult der Tanit (identisch mit Astarte u.a.) vgl.

Münter, Religion der Karthager, 2. Aufl., S. 79 ff. Über ihren Tempel

vgl. N. Davis, Karthago und seine Überreste, Leipzig, 1863, S. 110 ff.

Seite 63. Der doppelgipflige Berg der Heißen Wasser, von Virgil

gepriesen, jetzt Hammam el Enf, liegt 15 Kilometer südlich von

Karthago.

Seite 65. Die Säulen des Melkarth sind natürlich die Säulen des

Herkules (Gibraltar).

Seite 80. Das vielumstrittene »Ledergeld« entspricht unserm heutigen

Papiergeld.

Seite 92, ebenso Seite 282. »Zügellose Pferde«. Dies stützt sich auf

Livius XXI, c. 44. Wahrscheinlich hatten die Numidier nur leichte

Trensengebisse, was der Römer als »ungezäumt« ansieht.

Seite 98. Flaubert antwortete auf den Angriff eines Gelehrten u.a.:

»Hinsichtlich des Tanittempels bin ich sicher, ihn so rekonstruiert zu

haben, wie er war: an der Hand der Abhandlung über die syrische

Göttin,--der Münzen des Herzogs von Luynes,--dessen, was man vom

Jerusalemer Tempel weiß,--einer Stelle aus dem heiligen Hieronymus,

zitiert von Selden (De diis syriis),--des Planes vom Tempel in Gozzo,

der sicher karthagisch ist,--und vor allem nach den Ruinen des Tempels

von Thugga, den ich mit eigenen Augen gesehen habe ...« (Anhang zur

Edition définitive, p. 356).

Seite 124. Die afrikanischen Phönizier nannten sich noch in der

römischen Kaiserzeit »Kanaaniter«, nach ihrer Heimat Chna (d.h.

Niederung).

Seite 142. Die Lage von Gorza ist nicht überliefert. Wahrscheinlich

lag sie südlich des Unterlaufs des Bagradas.

Seite 146. Flaubert nimmt augenscheinlich den Khamontempel am Markt

(Forum) und westlich der Hafenanlagen gelegen an.

Der Haupttyp der Schlachtschiffe war um 240 v. Chr. bereits die

Pentere, sowohl auf karthagischer wie römischer Seite.

Seite 152. Der Molochtempel hat nördlich der Akropolis gelegen.

Seite 163. Die »Insel der Totenknochen«, ein kleines ödes Eiland,

gehört zu den Liparischen Inseln (nördlich von Sizilien). Der Bericht

Diodors, daß die Karthager auf Befehl der Gerusia dort 6000 Söldner

ausgesetzt hätten, ist eine Legende, wie wohl so mancher uns

überlieferter Zug von punischer Grausamkeit und Perfidie.

Seite 174 ff. Die Legende, daß die Punier Afrika umschifft haben und

nach Indien und Arabien um das Kap der guten Hoffnung gefahren sein

sollen, ist kaum haltbar. Man darf nicht vergessen, daß es auch im

Altertum einen Suezkanal gegeben hat.

Seite 176. Die oringischen Pferde sind aus Oringis in Spanien

eingeführt, wo im Altertume berühmte Gestüte existierten.

Seite 178. Das Talent (damals im Werte von etwa 4200 Mark) hatte 60

Minen zu je 100 Drachmen zu je 6 Obolen. Das punische Talent hieß

Kikar. Es galt 60 Minen zu je 50 Sekel.

Seite 181. Betreffs der punischen Münzen vgl. L. Müller, Numismatique

de l'ancienne Afrique, Kopenhagen, 1860, 3 Bde. und 1 Supplement

(1874).

Seite 183. Flaubert nennt als Hauptquelle seiner Kenntnisse der

antiken Edelsteine: Theophrast, Traktat über die Edelsteine.

Seite 186. Sylphium (auch Seite 34 erwähnt), vielleicht identisch mit

Asant, ein bedeutender Handelsartikel im Altertum, ist ein starkes

aromatisches Gewürz, das man den Speisen und Getränken zusetzte,

ähnlich wie wir heute die Zwiebel oder die Zitrone verwenden oder bei

Mischgetränken den Angostura.

Seite 204 ff. Makar ist der punische Name für den Bagradas (heute:

Medscherda). Er mündete damals 18 Kilometer südlicher denn jetzt, so

daß seine Mündungsstelle nur 12 Kilometer von Karthago entfernt war.

Der Golf drang ehedem zwischen Kap Sidi Ali el Mekki und Kap Kamart in

drei großen Ausbuchtungen tief (bis zu mehr denn 10 Kilometer) in das

Land ein, so daß Utika (heute: Bu Schater) am Meere lag.

Polybios gibt zwar im ersten Buche seiner »Geschichte« einen

verhältnismäßig langen Bericht über die Schlacht am Bagradas, indessen

genügt er nicht, den taktischen Verlauf der Schlacht klar zu

rekonstruieren. Hans Delbrück, unsre Autorität in der Kenntnis der

antiken Schlachten, übergeht daher in seiner »Geschichte der

Kriegskunst« (II. Teil: Das Altertum, 2. Aufl., Berlin 1908) den

ersten punischen Krieg gänzlich. Flauberts anschauliche Schilderung

gibt gerade im Charakteristikum eine unmögliche Schlacht. Hamilkar

marschierte mit seinen 10000 Mann nach dem genialen Übergang über den

Fluß stromauf auf dem linken Bagradasufer. Während sich seine Vorhut

gegen die Söldner am verschanzten Brückenkopf entwickelte, verblieb er

mit seinen Kerntruppen in Marschkolonnen. Denn ehe ihm die feindlichen

Kräfte vor Utika ihr Vorhaben nicht durch ihre taktischen Maßnahmen

verraten hatten, konnte er an eine vollständige Entwicklung seiner

numerisch geringeren Truppen gar nicht denken. Nach Polybios lag es in

der Absicht der beiden Söldner-Detachements, die Karthager »in die

Mitte« zu bekommen. Nur in der Übereilung kam es zu der _taktisch

falschen_ Vereinigung beider Abteilungen. Die Scheinentwicklung der

punischen Vorhut hatte somit ihren Zweck überraschend bald erreicht.

Während sie ein sogenanntes hinhaltendes Gefecht führte und die

gesamten gegnerischen Kräfte zur Entwicklung verlockte, verlor sich

die Gefahr, in der Hamilkar zunächst geschwebt hatte: ein gegen seine

rechte Flanke gerichteter Angriff des von Utika herankommenden

Detachements. Nunmehr durfte Hamilkar alle seine Kräfte einsetzen. Er

ließ höchst wahrscheinlich nach rechts aufmarschieren und bildete

seine Phalanx rechts rückwärts der im Gefecht befindlichen Vorhut,

vielleicht im stumpfen Winkel zur Frontlinie des Gefechts vor ihm. Als

die Phalanx dann vorrückte, gingen die Vortruppen langsam zurück, bis

sie in die gleiche Höhe mit ihr kamen. Sodann konnten sie sich wieder

ordnen und von neuem an der Schlacht teilnehmen. Die Idee Flauberts,

daß die längst aufgelösten, bereits im Gefecht gewesenen und dann

zurückbefohlenen Vortruppen (Schützen, Reiterei, Elefanten) durch die

Intervalle der hinter ihnen aufmarschierten und vorrückenden Phalanx

durchgelassen worden seien, ist eine taktische Unmöglichkeit.

Dergleichen wagt kein Feldherr, und es gelänge auch keinem. Es ist

undenkbar, einmal entwickelte und fechtende Truppenteile wieder aus

dem Gefecht loszulösen und sie gar noch auf so gekünstelte Art und

Weise in genau vorgeschriebenen Richtungen zurückzudirigieren. Selbst

wenn eine derartige Rückwärtsbewegung exerzierplatzmäßig halbwegs zu

stande käme, würde sie doch die zum Hauptangriff vorgehenden

Hauptmassen verwirren und ihnen jeden Elan nehmen.

Seite 201 und 205. Nach Polybios standen 10000 Mann am Brückenkopf und

15000 vor Utika. Flaubert wechselt diese Zahlen, absichtlich oder aus

Irrtum.

Seite 210. Im Gegensatz zu der modernen Kavallerie attackierte die

Reiterei der Alten nicht im stärksten Tempo, sondern im Schritt,

höchstens im kurzen Trabe. Wir müssen uns schwergepanzerte Ritter,

nicht behende Reiter vorstellen. Anders vielleicht die Numidier, die

Spahis von damals!

Seite 212. Über die überaus interessante Verwendung der Elefanten als

Gefechtstruppe vgl. H. Delbrück, loc. cit. Wahrscheinlich hatte man im

ersten Punischen Kriege keine Gefechtstürme auf diesen Tieren.

Seite 245. Euergetes, d.h. »Wohltäter«, ist der Beiname des

Ägypterkönigs Ptolemäus III. (247-221 v. Chr.). Seine Gemahlin war die

bekannte Berenike.

Seite 309 ff. Einzelheiten über die Belagerung Karthagos durch die

Söldner sind uns nicht überliefert. Flaubert kam es darauf an, das

typische Bild einer Städtebelagerung jener Zeit zu geben. Über die

Geschütze und Belagerungsmaschinen der Alten vgl. W. Rüstow und H.

Köchly, Geschichte des griechischen Kriegswesens, Aarau, 1852, und

Adolf Bauer, Die griechischen Kriegsaltertümer, 2. Aufl., München,

1892.

Die Hauptquelle der Kenntnisse hierüber ist Vitruv, der aber gerade in

den hier in Frage kommenden Kapiteln verdorben überliefert ist. Dazu hat

Flaubert die häufig irreführende französische Vitruv-Übersetzung von

Perrault benutzt. Dadurch ist er stellenweise ein Opfer ungenügender

Hilfsmittel geworden. In der vorliegenden Salambo-Übersetzung sind

Irrtümer in der Beschreibung nach den antiken Quellen berichtigt worden.

Der gewissenhafte Flaubert würde das selbst getan haben, wenn er in der

Lage gewesen wäre, es tun zu können.

Flaubert rüstet die Söldner mit allem nur erdenklichen

Belagerungsmaterial aus, u.a. mit 173 Geschützen und sogar mit einer

Nachahmung der berühmten »Helepolis« des Demetrios Poliorketes, die

dieser bei der Belagerung von Rhodos (305 v. Chr.) erbaut hat. Einem

ausgesprochenen Feldheer wie dem der Söldner standen derartig

großartige Hilfsmittel zweifellos nicht zu Gebote.

Seite 369. Die Örtlichkeit der »Säge« glaubt Ch. Tissot (Géographie

comparée de la province romaine d'Afrique, Paris, 2 Bde., 1884) in dem

Berglande zwischen dem Wed Nebhan und dem Wed el Kebir unweit westlich

der Ebene von Kairwan wiedergefunden zu haben. Flaubert nimmt den Ort

in der Nähe des Bleiberges an, das ist zwischen dem Berge der Heißen

Wasser und dem Zoghwan.

Seite 397. Hanno »der Große« endete nicht vor Tunis. Der vor dieser

Stadt von den Söldnern gekreuzigte General hieß Hannibal. Hanno war

nicht mit vor Tunis. Nach Appian soll er noch das Ende des zweiten

Punischen Krieges erlebt haben. Flaubert wollte die Nennung eines

»Hannibal« vermeiden, damit nicht etwa irgend ein Leser

irrtümlicherweise an den großen Feldherrn denken könne. Über Hannos

Krankheit vgl. Forbes, Oriental Memoirs, London, 1813, passim.

Seite 403. Die Endkämpfe gegen Matho führten Hamilkar und Hanno

gemeinsam. Die Entscheidungsschlacht fand in der Nähe von Klein-Leptis

statt. Der größte Teil der Söldner fiel. Matho und der letzte Rest

seiner Getreuen schlugen sich nach einer--uns namentlich nicht

bekannten--Stadt durch, wo sie bald kapitulieren mußten.

Die grausame Todesart Mathos ist keine Erfindung Flauberts. Sie ist

historisch und ein charakteristischer Abschluß des greuelvollsten

Krieges, der--vielleicht neben dem dreißigjährigen Kriege--je unter

Mitwirkung von Kulturmenschen geführt worden ist.

Arthur Schurig.

* * * * *

Die Verdeutschung des Romans Salambo ist von Arthur Schurig

Salambo: Ein Roman aus Alt-Karthago · 第 27 / 27 段