Rossi. Jetzt werden Sie den Heuchler sehen.
Amtmann. Ich kenn' ihn schon.
Elfte Szene.
Vorige. Gluthahn.
Gluthahn (fällt auf die Knie). Euer Gnaden, Herr Amtmann, ich bin
unschuldig.
Amtmann. Das wird sich zeigen. Steh auf. Warum bist du hier?
Gluthahn . Weil ich unschuldig bin, Euer Gnaden, Herr Amtmann.
Amtmann. Woher hast du das Weib, das du Herrn von Rossi verkaufen
wolltest? Wenn du lügst, wirst du gezüchtiget.
Gluthahn. Der Himmel ist mein Zeug', ich hab' sie im Wald drauß'
g'funden und hab' s' herflattiert.
Rossi. Das ist Unwahrheit, ich selbst bin Zeuge, wie das Weib mir
sagte, du hättest sie geraubt, gebunden und zu mir geschleppt.
Gluthahn. Mein', mein', Euer Gnaden, wie man das nimmt, mit ein'
jedem Weibsbild ist's eine Schlepperei, weil sie nicht so schnell
kann gehn, als wie ein Mann, und das ganze Weib kann gegen mich
nicht zeugen, die g'hört in' Narrenturm und nicht vors Gericht. Ja,
so viel kenn' ich schon, Euer Gnaden, wenn ich auch kein Juri hab'
und kein Just nicht.
Amtmann. Also im Walde hast du sie gefunden? Um welche Zeit?
Gluthahn. Um neun Uhr, Euer Gnaden.
Amtmann (zu Hans). Hervor!--Wann hast du das Weib in deiner
Hütte verlassen?
Hans. Um neun Uhr, Euer Gnaden.
Amtmann (zu Gluthahn). Also hast du gelogen?--Gerichtsdiener, he!
Gluthahn (mit Angst). Nein, halten Euer Gnaden, ich hab' nicht
g'logen, sie war in der Hütten, aber die Hütten steht ja im Wald,
so hab' ich sie ja g'funden im Wald.
Amtmann. Wart', du abgefeimter Schurke.--Du hast sie also aus
der Hütte geraubt, auf den Wagen gebunden und hierher geführt?
Gluthahn. Euer Gnaden, das brächet ja mein Herz, ich hab' s' nur
auf den Wagen hinauf g'hoben, weil s' all's zu schwach war, das
arme Weib, mir hat s' erbarmt; doch bunden hab' ich's nicht, ich
werd' doch nicht ein solcher Unmensch sein. Da verdienet ich ja,
daß mir Euer Gnaden einen hölzernen Haarzopfen anhängen ließen.
Rossi (zum Amtmann). Was meint er da?
Amtmann. Den Galgen meint er, den er lang verdient. (Läutet.) Den
Kohlenbauer herein.
Zwölfte Szene.
Vorige. Ein Kohlenbauer.
Amtmann. Hast du den Mann gesehen am Ausgange des Waldes, wie er
das alte Weib vom Wagen losgebunden hat?
Kohlenbauer. Ja ja, der ist's, den hab' ich g'sehn, gestrenger
Herr Amtmann, ich hab' ihm noch zug'rufen, was er da macht, da hat
er g'sagt, wenn ich ihn verrat', so schlagt er mich tot. Darauf
kann ich schwören.
Gluthahn. Aber Euer Gnaden, das ist a Verschwärzung, wie man s'
nur von einem Kohlenbrenner erwarten kann. Losbunden hab' ich s',
das ist wahr, doch bunden hab' ich s' nicht.
Amtmann. Wer hat sie denn gebunden?
Gluthahn. Sie hat sich selbst bunden, Euer Gnaden, damit sie nicht
herunter fallt, das arme Weib, ich hab' ihr nur meine Halsbinden
g'liehn dazu.
Amtmann. Aber du hast ihr doch hilfreiche Hand geleistet, denn
selber konnte sie das nicht, das hast du doch getan, nicht wahr?
Gluthahn. Mein, Euer Gnaden, man unterstützt ja doch seinen
Nebenmenschen, wenn er so was vorhat, und mein Herz, Euer Gnaden,
sie hat mir so erbarmt, g'holfen hab' ich ihr, doch bunden hab' ich
s' nicht, das sag' ich gleich im voraus, Euer Gnaden, das wär'
gefehlt, das weiß ich schon.
Amtmann (zu Rossi laut). Es scheint doch, daß er unschuldig ist.
Gluthahn (für sich). Ich lüg' mich schon heraus.
Amtmann. Du hast sie dem Herrn von Rossi verkaufen wollen, billig,
nicht wahr? Du sagst ja, das ließ' schon dein Herz gar nie zu.
Gluthahn. Ich hab' ein einzig Herz, ich hab' das Weib versorgen
wollen, Euer Gnaden, drum hab' ich sie dem gnäd'gen Herrn bracht,
und hab' ihn nur um ein Trinkgeld beten. Nicht wahr, mein lieber
gnäd'ger Herr? (Leise zu Rossi.) Helfen mir Euer Gnaden, ich
schenk' Ihnen meinen besten Acker dafür.
Rossi. Du wagst es, mir solch einen Antrag zu tun, du Schurke?
Hast du die Alte nicht in meiner Gegenwart mißhandelt? nicht mit
mir abgehandelt und mir ihren Schmerz verkauft? Dich soll man so
lange hauen, bis dir Diamanten vor den Augen flimmern.
Gluthahn. So ist denn alles gegen mich verschworn? nun geh's,
wie's will, jetzt sag' ich nimmer nein, ich sieh's, ein
rechtschaffner Mann, wie ich bin, hat kein Glück.
Amtmann. Du bist ein Räuber, bist ein Schurke und wirst im
Gefängnis büßen. Fort mit dir.
(Gerichtsdiener ergreifen ihn.)
Gluthahn. Hans, mein Weib soll auf meine Wirtschaft schaun.
Hans. Dein Weib ist tot. Heut früh ist s' g'storben.
Gluthahn. Das ist ein Leichtsinn ohnegleichen; stirbt das Weib und
ist kein Mensch im Haus. Jetzt tragen sie mir das ganze Geld davon.
Amtmann. Das wird dir das Gericht bewahren. Fort mit ihm!
Gluthahn. Ein jeder Pfennig brennt auf ihrer Seel'. Ich
unglücksel'ger Mensch, hätt' ich nur mit kein' alten Weib was
ang'fangt.
(Wird abgeführt.)
Amtmann. Das ist ein schlechter Kerl, einen solchen gibt's nicht
mehr. (Zum Kohlenbauer.) Du kannst jetzt gehn.
(Kohlenbauer ab.)