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Anmerkungen zur Transkription.
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Schreibweise und Interpunktion des
Originaltextes wurde übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler
sind stillschweigend korrigiert worden.
Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; gesperrte so: ~gesperrt~
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Paul Landbeck
Kongoerinnerungen
[Illustration]
Einband und Schutzumschlag
zeichnete
~Richard Duscheck~, Berlin
[Illustration: _Landbeck P._]
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten.
=Copyright 1923 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.=
Druck von August Scherl G. m. b. H., Berlin SW68.
Kongoerinnerungen
Zwölf Jahre Arbeit und Abenteuer
im Innern Afrikas
Von
Konsul Paul Landbeck
[Illustration]
August Scherl G. m. b. H., Berlin SW68
+Vorwort.+
Dies Buch widme ich allen Lesern, die die Sehnsucht in die Ferne,
diesen Grundzug deutschen Wesens, in sich fühlen. Möge es insbesondere
mit dazu beitragen, dieses Gefühl im Herzen der deutschen Jugend, denen
die heute verschlossene Welt einst wieder offenstehen wird, zu wecken
und wachzuhalten.
Mich selbst, der ich nun schon seit Jahren jener wilden,
abenteuerlichen Umwelt entrückt bin, die während des besten Teiles
meiner Jugend mir Heimat war, hat bei der Niederschrift meiner
Erinnerung oft so etwas wie Heimweh erfaßt.
Wenn sich auch mein Buch in erster Linie an einen weiteren Leserkreis
wendet, so darf ich mir wohl schmeicheln, daß auch der Kaufmann, ja
auch der Forscher manches Wissenswerte meinen Berichten entnehmen wird.
Ist doch jede Zeile auf eigener Anschauung, eigenem Erleben gegründet.
An dieser Stelle sei auch Herrn =Dr.= Karl Soll, der sich mit
regem Eifer und eingehender Sachkenntnis der Durchsicht meines Werkes
unterzogen hat, mein herzlicher Dank für seine mühevolle Mitarbeit zum
Ausdruck gebracht.
+Der Verfasser.+
Inhalt.
Seite
Vorwort 7
Einleitung 11
An Bord des Dampfers »Albertville« 13
Auf hoher See. Die Kanarischen Inseln 15
Freetown. Äquatortaufe 21
Ankunft in Banana 27
Meine erste Beschäftigung. Ein Jagdausflug 30
Die Fahrt nach Fuca-Fuca. Faktoreibeamter 33
In Boma. Eine Nilpferdjagd 51
Produktenhandel mit den Eingeborenen 57
Die Fahrt zum Stanley-Pool. Leopoldville. Brazzaville 65
Die Fahrt zum oberen Kongo. Die Faktorei Stanleyville 77
Erste Besuche bei den Araberhäuptlingen 95
Das Leben auf der Faktorei. Zwei Leopardenbesuche 108
Eine Fahrt zum ersten Stanleyfall. Fieberkrank 128
Faktoreichef. Reisen ins Innere des Landes 138
Einiges über die Gewinnung des Kautschuks 174
Faktoreichef. Tausend gefährliche Seuchen. Heimreise 179
Abergläubische Vorstellungen der Neger 186
Negermärchen 191
Nachwort 195
Einleitung.
Es wird manche Leser, insbesondere solche, die selbst eine koloniale
Laufbahn anstreben, interessieren, welche Vorbildung der Verfasser
dieser Erinnerungen genossen hat.
In Wien im Jahre 1877 geboren, absolvierte ich dort die Volks- und
ersten Realschulklassen. Da ich von Kind auf ein äußerst lebhaftes
Temperament hatte und viel mehr zu allen möglichen tollen Streichen
als zum ernsten Studium aufgelegt war, wurde ich als Unruhestifter
von zwei Realschulen weggewiesen, was meinen Vater veranlaßte, mich
im Alter von zwölf Jahren in stramme »deutsche Zucht«nach Deutschland
zu einem Professor in Pension zu geben. Unter strenger Aufsicht
absolvierte ich in Halle meine Einjährigen-Prüfung, ging von dort
für eineinhalb Jahre in die französische Schweiz, um mich in der
französischen und englischen Sprache gründlich auszubilden, und
kehrte dann nach Wien zurück, wo ich meine kaufmännische Laufbahn
bei einer großen Kaffee-Importfirma begann. Lange hielt es mich
hier nicht. Der Trieb nach Übersee war stärker als das Gefühl des
Wohlbehagens im Familienkreise. Nach kaum einjähriger Lehrzeit bot
sich mir Gelegenheit, unter günstigen Bedingungen meine Laufbahn bei
einer großen Firma der gleichen Branche in Amsterdam mit der Aussicht
fortzusetzen, nach ein- bis zweijähriger Vorbereitung auf eine der
Kaffeeplantagen, die mein Chef in Holländisch-Indien besaß, als
Verwalter hinauszukommen. Doch das Schicksal wollte es anders.
Im Jahre 1896/97 trat eine große Kaffeekrise ein, bei welcher viele
bedeutende Unternehmen -- darunter auch die Firma, bei der ich in
Stellung war -- binnen wenigen Monaten zugrunde gerichtet wurden.
Die Kaffeeplantagen auf Java gingen in andere Hände über oder wurden
ganz aufgelassen und zu anderen Kulturen, z. B. Kautschukplantagen,
umgearbeitet. Eine Annonce der holländischen Gesellschaft N. A. H. V.
(=Nieuwe Afrikaansche Handels Vennootschap=) und die zufällige
persönliche Bekanntschaft mit einem ihrer früheren Direktoren, dessen
Erzählungen meine jugendliche Phantasie gefangennahmen, brachten mich
auf den Gedanken, mein Glück im Innern Afrikas zu versuchen und mich um
die ausgeschriebene Stelle zu bewerben.
Meine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, und nun begann für mich
ein Leben voll von harten Prüfungen, von Entsagungen jeglicher Art,
von Kämpfen gegen heimtückische Seuchen, Gefahren des Urwaldes, aber
auch von Stunden der höchsten Befriedigung. Kann es etwas Schöneres
geben als den Gedanken, Vorkämpfer und Träger der Zivilisation in
Gegenden gewesen zu sein, in welchen bis zum heutigen Tage der
Kannibalismus herrscht, als Pionier der friedlichen Arbeit und des
Fortschritts aufklärend gewirkt zu haben unter Völkern, die -- auf der
tiefsten Kulturstufe stehend -- von ihren Medizinmännern zu Tausenden
hingemordet und im Schreckenswahn der Abhängigkeit von bösen Geistern
gehalten werden?
An Bord des Dampfers »Albertville«.
Der Hafen von Antwerpen feierte am 5. Juli 1897 einen Festtag. Die
schmalen, zumeist nur zwei Stock hohen charakteristisch flandrischen
Giebelhäuschen entlang der Schelde prangten in herrlichstem
Flaggenschmuck. Lustig flatterten die Fahnen sämtlicher Nationen der
Welt aus den Dachluken der Häuser und von den Masten der an den Kais
verankerten Ozeanriesen und verliehen dem Hafen durch ihre leuchtenden
Farben ein anmutiges Gepräge.
Eine Fahne vor allem fesselte sofort die Aufmerksamkeit des Fremden:
ein leuchtend gelber fünfzackiger Stern auf himmelblauem Untergrund,
die Fahne des belgischen Kongostaates. Sie war neben den belgischen
Nationalfarben am häufigsten vertreten, und ihr zu Ehren galt auch
die heutige Festtagsstimmung, veranlaßt durch die Abreise des
Passagierdampfers »Albertville« nach dem zweiten Belgien am Äquator,
dem Kongostaate, dieser Perle Zentralafrikas.
Auf der breiten Straße entlang den Kais, die sonst, von Lastfuhrwerken
und der Hafenbevölkerung abgesehen, ziemlich vereinsamt und abseits
vom großen Verkehr liegt, herrschte ein lebhaftes Treiben. Automobile,
Straßenbahnen und Droschken, vollgepfropft mit Menschen und beladen mit
Gepäckstücken aller Art, füllten den Straßendamm und kamen infolge des
großen Verkehrsandranges und der sorglos dem gleichen Ziel zustrebenden
Menschenmassen nur langsam vorwärts.
Vor dem Schiff, das am Kai Plantin vertaut lag, nahm das Gedränge
und Gestoße der unübersehbaren Menge geradezu bedrohliche Formen an.
Ein Trupp berittener Polizei hielt den Zugang zum Schiff besetzt und
bildete Spalier zu beiden Seiten einer Gasse, die nur von Leuten mit
ordnungsmäßigem Passagierschein betreten werden durfte.
Auch an Bord des Dampfers »Albertville« herrschte dichtes
Menschengewühl. Männer, Frauen und Kinder aller Gesellschaftsklassen,
dazwischen bunte Uniformen, stürzten und hasteten durcheinander, große
Gepäckstücke wurden unter dem Kettengerassel der Winden in den Bauch
des zur Abfahrt bereiten, unter Dampf zitternden schwimmenden Kolosses
gebracht.
Während am Kai die Menge dem Treiben, Hasten und Jagen bei den
Klängen einer Regimentskapelle zusah, fanden an Bord herzzerreißende
Abschiedsszenen statt. Hier umarmte eine Mutter, ganz in Tränen
aufgelöst, ihren Sohn, dort, in einer Ecke, weinte ein Greis am Halse
seines einzigen Kindes, weiter drüben, in Trauergewändern, sah man eine
tiefgebeugte Witwe mit zwei Kindern und ihrem Ältesten, der Familie
Hoffnungsstrahl und Ernährer, der seine bescheidene Beamtenstelle in
Belgien mit einem gutdotierten Überseeposten eingetauscht hatte, um
seine Lieben daheim vor Armut und Not zu bewahren.
Die Dampfpfeife ließ in dem Chaos ihre tiefe Baßstimme ertönen und
mahnte zum Aufbruch. Kurze Kommandoworte erklangen; die Laufbrücke
wurde eingezogen, nachdem die letzten Nachzügler, die sich von den
davonreisenden Söhnen, Enkeln oder Neffen absolut nicht trennen
konnten, von den diensthabenden Offizieren höflich, aber bestimmt von
Bord geleitet waren.
Einige schrille Pfiffe, ein leichtes Zittern und Beben unter den
Füßen -- der Herzschlag des schwimmenden Riesen --, und unter dem
Hurrageschrei und Tücherwinken der vieltausendköpfigen Menge, die
das ganze Ufer, die Kais und Hafenanlagen wie eine Ameisenschar
bevölkerten, ging es langsam die Schelde hinab. An der Stelle, an der
der Dampfer gelegen, schwammen Hüte, Kappen und Taschentücher, die
beim stürmischen Abschiednehmen verlorengegangen waren, friedlich
nebeneinander.
Lange noch stand ich, in tiefes Sinnen versunken, an der Bordbrüstung
und blickte hinab auf den träge dahinfließenden Strom. Das Bewußtsein
dessen, was um mich vorging, schwand. Allein, völlig allein, fern von
Familie und jeglichem Schutz, ging ich einem ungewissen Schicksal
entgegen. Grau in grau, gleich jenen Nebelschwaden, die bei Einbrechen
der Dunkelheit sich über den Fluten ausbreiten, lag die Zukunft vor mir.
Während ich, in trübe Gedanken versunken, vor mich hinstarrte, trat
mein Reisegefährte, Herr Lukas, ein alter erfahrener Afrikaner, zu
mir. Gemeinsames Leid bringt die Menschen merkwürdig rasch einander
näher. Auch er kam, wie ich, ohne Eltern an Bord, da er aus dem Norden
Hollands stammte und seine beiden Eltern die weite Reise nicht mehr
machen konnten. Auch ihm waren die Abschiedsszenen, deren Augenzeuge
er gewesen, nahegegangen, und ganz in sich versunken, meinte er: »Wie
viele werden die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen, wie viele gesund
zurückkehren? -- Kaum zehn Prozent!«
Dieser Ausspruch des ernsten, erfahrenen Mannes ließ mich erschauern.
Die Zukunft sollte mich lehren, daß dieser Prozentsatz sogar noch zu
hoch gegriffen war.
Auf hoher See. Die Kanarischen Inseln.
Wir waren nachmittags 2 Uhr abgefahren. Abends 9 Uhr fuhren wir an
Vlissingen vorbei, und bald darauf war an der scharfen Brise und an dem
Schaukeln des Schiffes zu merken, daß wir uns auf hoher See befanden
und in den Ärmelkanal eingefahren waren.
Die ersten Symptome der Seekrankheit stellten sich ein: Schwindel, ein
unsagbar elendes Gefühl der Verlassenheit, schließlich vollständiges
Erschlaffen jeder Widerstandskraft und das stille Ergeben in das
Schicksal. Auf Anraten meines Reisekollegen hatte ich mich beizeiten
mittschiffs auf dem Promenadendeck in meinen Streckstuhl gelegt und
verbrachte da den größten Teil des Tages mit geschlossenen Augen.
Es war übrigens herrliches Wetter, und eine steife Brise wehte von
Norden her. In der Ferne, zur Rechten, die von der Brandung umspülten
Küsten Englands, zur Linken eine unermeßliche Wasserwüste, von Zeit zu
Zeit von Seglern, Fischerkuttern und Dampfern belebt. Wir passierten
Brighton und liefen in den Golf von Biscaya ein.
Hier begann nun der eigentliche Neptunsreigen. Dieser Teil des Meeres
ist unter den Seeleuten ganz besonders berüchtigt. Lange Wogen
brachen sich am Bug des Dampfers, das ganze Vorderdeck mit Gischt und
Sprühregen überschüttend. Tief tauchte der Bug des Schiffes in die
gähnende Wasserfurche, um von der nächsten Woge haushoch emporgehoben
zu werden. »Stille See« nennen die Seeleute, was wir in den nächsten
acht Stunden durchzuhalten hatten. Eine bleierne Schwere lastete auf
meinem Kopf, und im Innern verspürte ich das Gefühl, als ob sämtliche
Eingeweide durcheinandergeworfen und verdreht worden wären.
Als ich am nächsten Morgen nach langem, tiefem Schlafe erwachte,
hatte ich das unangenehme Gefühl der Seekrankheit völlig abgestreift,
und nach einem erfrischenden Bad genoß ich bei herrlich strahlender
Sonne das vielgepriesene, wonnige Gefühl einer Seereise. Um uns
her nichts als das weite, in Sonne getauchte Weltmeer, über uns
südlicher, wolkenloser Himmel. Auch das störende Schaukeln schien etwas
nachgelassen zu haben, oder wir hatten uns derart daran gewöhnt, daß
wir es nicht mehr merkten. Nach dem Frühstück hielt ich Umschau unter
meinen Mitpassagieren und ließ mich von meinem Reisebegleiter Lukas,
der bereits die Bekanntschaft des Kapitäns, sämtlicher Offiziere und
Notabilitäten gemacht hatte, den Mitreisenden vorstellen. Der Vormittag
verging mit »=Shevel board=«, einer Art Krocketspiel, welches an
Bord von Schiffen allgemein getrieben wird, sowie mit dem »=Jeu de
palais=«[1] um den Cocktail zur Aperitifstunde[2], in welchem Spiel
besonders die Offiziere eine erstaunliche Gewandtheit besitzen.
Nachmittags kamen die Küsten Spaniens in Sicht. Wir passierten das
Kap Ortegal und das Kap Finisterre, und unsere Augen weideten sich
an den majestätischen Felsen, an deren Fuße die wilde Brandung tobt.
Reizende Schlößchen, wie aus Gold ziseliert, von den Sonnenstrahlen
überflutet, stehen trotzig und zugleich zierlich auf ihren Hängen --
=véritables chateaux d'Espagne=. -- Unwillkürlich tauchten Bilder
aus vergangener Zeit vor meinen geistigen Augen auf, wo stolze Ritter
und Knappen diese Burgen belebten und Spaniens Macht sich über die
ganze Welt erstreckte. Bald schwanden auch Spanien und Portugal -- mit
Cap da Roca -- aus unserem Gesichtskreis.
Da, mit einem Male, große Bewegung an Bord! Alles stürzte nach vorne an
die Reling. Eine muntere Schar von Delphinen umtummelte in weitem Bogen
unser Schiff. Wie Pfeile schossen die gewandten, fünf bis sechs Meter
langen Walzen bis zu Meterhöhe über die Wasserfläche, knapp am Bug des
in voller Fahrt befindlichen Schiffes vorbei, gleichsam eine Probe
ihrer Geschicklichkeit und Schnelligkeit abgebend.
Am ersten Sonntag, den wir an Bord feierten, hatte sich sämtlicher
Passagiere eine merkwürdige, weihevolle Stimmung bemächtigt. Um 10
Uhr fand eine Messe statt, an der ich, obgleich ich für gewöhnlich
kein Kirchenbesucher bin, aus Neugierde teilnahm. Alle Passagiere
und Offiziere des Schiffes sowie ein Teil der Mannschaft, soweit sie
der Dienst nicht in Anspruch nahm, waren anwesend, und unter einer
feierlichen Stimmung, wie ich sie am Festlande nie empfunden, ging
die gottesdienstliche Handlung vorüber. Auch nach der Messe gehobene
Sonntagsstimmung. Die Spielplätze für das =Shevel board= und
das =Jeu de palais=, welche bisher stets eine übermütig lustige
Gesellschaft vereinigten, blieben vollständig verwaist; die sonst so
frohsinnigen, lebenslustigen Gesichter zeigten ernste Mienen; man
plauderte im Flüsterton, um diejenigen nicht zu stören, die mit dem
Prayerbook oder Brevier in der Hand, in Gedanken versunken, auf und
ab schritten. Mich als Fremden, der mit den englischen Sitten und
Gebräuchen völlig unbekannt war, mutete all dies sonderbar an. Ich
benutze die Gelegenheit, einiges über unser Schiff zu sagen.
Belgien besitzt keine eigentliche Handelsmarine. Ein großer Teil der
unter belgischer Flagge laufenden Schiffe ist englischen Ursprunges und
von belgischen Reedereien gechartert. Dies traf auch auf unser Schiff
»Albertville« zu. Es war ein modern ausgestattetes Passagierschiff
der »Compagnie Belge Maritime du Congo« für den regelmäßigen Dienst
Antwerpen-Kongo, mit etwa 6700 Tonnen Laderaum. Der Kapitän, sämtliche
Offiziere und ein Teil der Mannschaft waren Engländer, während der
Rest, in Antwerpen angeheuert, zumeist aus Flamen bestand. Der Dampfer
lief durchschnittlich zwölf Seemeilen, besaß zwei übereinandergebaute
Promenadendecks mittschiffs und faßte 48 Kabinen erster und 36 Kabinen
zweiter Klasse. Wenn er auch mit den in der neueren Zeit konstruierten
Ozeanriesen im Verkehr mit Amerika keinen Vergleich aufnehmen konnte,
so enthielt er doch an Komfort alles, was man durchschnittlich bei
nicht allzu unbescheidenen Ansprüchen verlangen konnte.
Nach drei langen Tagen und Nächten, in denen wir nichts als das
unermeßliche Weltmeer um uns und einen wolkenlosen Himmel mit seinem
tiefen, reinen Blau über uns gesehen hatten, näherten wir uns den
Kanarischen Inseln. O Insel der Seligen, Oase in dieser Wasserwüste,
wie schlugen dir alle unsere Gedanken, all unser Sehnen entgegen!
Wir sollten in der Nacht eintreffen; die Aufregung an Bord gegen Abend
wuchs von Minute zu Minute. Das Diner, sonst eine Stunde üppigen
Wohlbehagens, wurde in aller Eile eingenommen, und alles stürmte an
Deck. Die Nacht war inzwischen hereingebrochen, eine milde, tropische
Nacht, der Himmel mit strahlenden Sternen übersät, eine Nacht so recht
geeignet zum Träumen. Ich schob meinen Lehnstuhl ganz nach vorne an
die Brüstung, und mein vereinsamtes Herz hielt Zwiesprache mit den
Gestirnen. Langsam stieg aus dem Meeresspiegel der Vollmond hervor, mit
seinen silbernen Strahlen eine leuchtende Bahn über die Wasserfläche
zu uns herwerfend, und in seinem zarten Schimmer erglänzten die
Mastspitzen unseres Schiffes in mildverklärtem Licht. Allmählich
erschienen am Horizont kleine Wolkengebilde, die langsam sich immer
mehr zu einem Ganzen ballten. Bald unterschied das Auge auf diesen
Lichter, und mit einmal kam die Erkenntnis: dies ungewisse Etwas
sind nicht Wolken, sondern gigantische Felsmassen, die aus dem Meer
emporragen. Wir nahten uns unserem Bestimmungsort; bald kamen wir ganz
nahe heran und konnten die gewaltigen Massive genau unterscheiden, die
sich vor unserem Bug etwas verflachten. Zur Linken, auf einem Abhang,
der sich wie eine Landzunge weit hinaus ins Meer erstreckt, konnten wir
viele Tausende kleiner Lichter wie Leuchtkäfer wahrnehmen.
Ein Klingeln »Stop« von der Kommandobrücke, die Schraube hielt für
einen Augenblick inne; ein Lotse kletterte an Bord, und unter sicherer
Führung fuhren wir in die kleine Bucht ein und warfen Anker. Wir waren
in Las Palmas. Es war inzwischen 12 Uhr nachts geworden, und da keine
Dampfbarkassen zum Ausbooten vorhanden waren, suchten wir unsere
Ruhestätten auf.
Morgens 1/2-5 Uhr erwachte ich vom Lärm und Getrappel an Bord. Ich
begab mich sofort an Deck, und das Panorama, das sich vor meinen
staunenden Augen entrollte, war ein geradezu überwältigendes. Hinter
den ersten Felspartien, deren Umrisse bereits in der Nacht sichtbar
waren, erhob sich Spitze auf Spitze, Gebirge auf Gebirge, die höchsten
Spitzen teils noch von Wolken eingehüllt. Arenenartig sind auf den
verschiedenen Kuppen und Höhen kleine Forts errichtet, deren Kanonen
in der aufgehenden Sonne blinkten. Bald erschien eine Unmenge kleiner
Boote, deren braune Insassen wie Affen zu uns an Bord kletterten; und
nun begann ein Schnattern und Feilschen dieser kleinen Gesellen, um
uns in ihren Nußschalen an Land zu bringen. Da wir bis 1 Uhr mittags
hier liegenblieben, um Kohlen einzunehmen, begab ich mich mit drei
Reisegefährten, einem schwedischen Hauptmann, meinem holländischen
Afrikaner Lukas und Baron Misco, einem Italiener -- in späteren Jahren
Staatsprokurator des Kongostaates -- in einem dieser kleinen Boote an
Land.
[Illustration: Las Palmas.]
Am Hafen erwartete uns bereits ein vierspänniger Wagen, der uns in
die Stadt hineinbringen wollte. Mißtrauisch musterten meine Gefährten
das Vehikel, dem wir unser Leben anvertrauen sollten: eine elende,
wacklige Kutsche, aus dem vorigen Jahrhundert stammend, vernachlässigt
und zusammengeflickt, gezogen von vier staubigen, verhungert
aussehenden Rosinanten und geführt von einem fortwährend fluchenden,
verlotterten Spanier mit einem riesigen Manilahut, unter dem der Kopf
fast vollständig verschwand. So ungefähr sah die Equipage aus, in der
wir scharf an den Klippen und Felsen entlang wie vom Teufel besessen
dahinsausten, bei jedem Anprall an einen größeren Stein uns gegenseitig
um den Hals fallend.
Bald erreichten wir die Stadt, ein winkeliges Gewirr von Straßen und
niederen, nach orientalischer Art in hellen Farbentönen gehaltenen
Häusern. Wir passierten ein bis zwei verlassene »Plazzas«, ein
ausgetrocknetes Flußbett, an dem gearbeitet wurde, und landeten
schließlich in einem der englischen Hotels. Nach kurzem Imbiß bummelten
wir in Begleitung des belgischen Konsuls durch die Stadt.
Diese besteht aus der sogenannten Altstadt und dem Fremden- und
Geschäftsviertel. Die Altstadt ist entschieden der interessantere Teil,
und diesem wandten sich unsere Schritte zu. Die in amphitheatralischer
Anordnung in die Felsen gehauenen Wohnstätten der Ureinwohner haben
sich als solche bis heute erhalten. Als einzige Errungenschaft der
Neuzeit ist eine Art Vorbau aus Lehm und Erde, mit grellen Farben
angetüncht, hinzugekommen, um zu verhüten, daß Wind und Regen direkt
in die Behausung hineinschlagen. In diesen Höhlen, die aus einem oder
höchstens zwei Räumen bestehen, wohnen ganze Familien. Die Kinder,
zum Teil völlig unbekleidet, spielen vor den Eingängen oder laufen
bettelnd auf den Straßen den Fremden nach. Diese terrassenförmig
übereinanderliegenden Höhlen sehen aus der Ferne höchst pittoresk aus;
wenn man sie aus der Nähe betrachtet, bemerkt man, das sie von Schmutz
und Unrat starren und von Ungeziefer wimmeln.
Das Geschäfts- und Fremdenviertel ist ein Gewirr von kleinen, flachen,
anspruchslosen Häuschen, die sich um die Kathedrale, das Rathaus
und die Garnisonkaserne planlos herumgruppieren und ohne jegliches
Interesse sind. Als Sehenswürdigkeit hervorzuheben ist einzig und
allein die Kathedrale, ein aus dem Mittelalter stammender Bau mit
reichgeschnitzter Kanzel und alten Meisterwerken im Innern.
Wir besuchten den Fruchtmarkt, wo tausende Bushels Bananen, Ananas,
grüne Feigen, Kürbisse, Melonen und Mangos, die die Landbevölkerung aus
dem Innern auf Mauleseln und Tragtieren herangebracht, von europäischen
Händlern aufgekauft werden, um mit dem nächsten Dampfer über England
nach dem Kontinent weiterzuwandern. Hinter den zu Bergen aufgehäuften
Früchten stehen die Verkäuferinnen, ganz nach orientalischer Art
in wallende weiße Tücher gehüllt, und bieten ihre Waren mit lautem
Geschrei aus.
Wenn auch im allgemeinen die Züge, vor allem der Frauen, sehr rasch
verblühen und verrohen, findet man doch auch mitunter Mädchen
darunter, die geradezu ein Schönheitsideal darstellen. Üppiges
schwarzes Haar, feurige dunkle Augensterne mit blendend weißem
Augapfel, stolz und edel geformte Gesichtszüge, zierlich kleine
Hände und Füße und eine leicht gebräunte Haut sind die Kennzeichen
des Schönheits-Typus der Inselbewohner, ganz im Gegensatz zu den
eingewanderten Spanierinnen, welche sich durch die auffallend weiße
Gesichtsfarbe von ihnen unterscheiden.
Ehe wir an Bord zurückkehrten, besorgten wir noch einige Einkäufe,
und ich hatte dabei oftmals Gelegenheit zu bemerken, daß die Leute,
die trotz des großen Fremdenverkehrs in bezug auf Sprachkenntnisse
geistesfaul sind, doch ganz genau verstehen, ihren Vorteil zum Schaden
der Fremden zu wahren und sie tüchtig übers Ohr zu hauen.
Unser Dampfer war bis zum Augenblick der Abfahrt von einem Schwarm
kleiner Boote belagert, deren Insassen verzweifelte Anstrengungen
machten, uns Passagieren Tabak und Zigarren, Kanarienvögel und
Madeirahündchen aufzuschwatzen oder nach den ihnen zugeworfenen
Münzen zu tauchen. Ganz erstaunlich war die Gewandtheit und Ausdauer,
mit welcher diese kleinen, braunen Gesellen aus beträchtlicher Höhe
kopfüber ins Wasser sprangen und die blitzenden Geldstücke aus
ansehnlicher Tiefe herausholten.
Fußnoten:
[1] Ein Wurfspiel mit Bleischeiben.
[2] Eine halbe Stunde vor der Mahlzeit wird ein Appetit anregendes
Getränk verabfolgt.
Freetown. Äquatortaufe.
In den nächsten Tagen umfing uns tropische Hitze, die die meisten
Passagiere zwang, ihr europäisches Kostüm gegen die schmucke weiße
Tropentracht zu vertauschen. Fliegende Fische kamen nunmehr in ganzen
Scharen vor. Sie flohen entsetzt vor unserem Dampfer und strichen
tänzelnd über die Wasserfläche. Des Nachts wurden sie durch unsere
Lichter angelockt und fielen dann an Deck. Am 16. Juli früh erschien
zum ersten Male die Küste Afrikas, das felsige Kap Verde und in der
Ferne eine der Kapverdischen Inseln. Die Gegend schien trostlos öde
und sandig zu sein und war nur mit spärlichen Kokos- und Dattelpalmen
bedeckt.
Am 18. Juli betraten wir -- in der Sierra Leone -- zum ersten Male
afrikanischen Boden, und mein Herz hüpfte und jauchzte im Vorgefühl
herrlicher Stunden. Doch das afrikanische Klima, die feuchte, heiße
Luft, die ungewohnte Ausdünstung der vielen nackten Negerleiber hatten
eine derart erschlaffende Wirkung auf mich Neuling, daß es schwer
hielt, die Unmasse neuer Eindrücke festzuhalten.
Während in Las Palmas ungeheure Felsenmassen unbewaldet gen Himmel
ragen, scheint hier die Natur ihr möglichstes in der Vegetation getan
zu haben. Stufenweise ragen mächtige Berge mit üppigem Grün in allen
Schattierungen aus dem in der Sonne leuchtenden Meeresspiegel empor.
Unser Auge labte sich nach dem Anblick der glitzernden Wasserflächen an
dem saftigen Grün der Palmen und des Urwaldes. Einen echt tropischen
Anblick gewährt das an einer Berglehne im Schatten schlanker Dattel-
und Kokospalmen liegende Freetown, dessen Häuser mit den weißen, unter
dem Grün hervorleuchtenden Dächern einzelner Faktoreien untermischt
sind. Mein erster Eindruck beim Betreten dieses Landes war: Hier ist
das Paradies auf Erden -- hier laßt uns Hütten bauen. Die Flora steht
auf höchster Stufe. Aus dem saftigen Grün der schattigen Mangos,
Goyaven und Alven schießen, gleich mächtigen Feuergarben »Flamboyants«,
Jasmin, Goldregen und Lilas sowie eine Menge mir unbekannter exotischer
Pflanzen in leuchtenden Farben empor. Die Luft ist erfüllt von dem Duft
tropischer Blüten, die, von Menschenhand aus dem Urwald herbeigeholt,
in verschwenderischer Pracht, sowohl im Park des Regierungsgebäudes
als in den vielen kleinen Gärten und Anlagen angepflanzt sind. Auf den
Häusern und im Schatten der Palmen sitzen melancholisch große Adler
und eine kleine Art Kondor mit braunem Gefieder, weißer Halskrause und
weißem Hals und Kopf, die -- wie die Hunde Konstantinopels -- für die
Reinlichkeit der Straßen sorgen. Sie gehören dort ebenso wie zahme
Affen und Papageien, die sich auf den Palmen und den Schlingpflanzen
schaukeln und klettern, zu den Haustieren.
Doch bald nach Betreten des Landes, vor allem, wenn um die Mittagszeit
die sengenden Sonnenstrahlen die Glieder erschlaffen, und die
feuchtheiße, von fremdartigen Gerüchen durchschwängerte Luft einem den
Atem benimmt, merkt man, daß dieses von der Natur so herrlich bedachte
Land giftige Keime für den Fremden in sich birgt.
Die Stadt besteht aus einem Kunterbunt von kleinen ebenerdigen
Lehmhäuschen in allen möglichen Stilarten, vorwiegend »=à la
marocaine=« gebaut, sowie Hütten, aus alten Kisten errichtet, an
deren Außenseite noch die Bestimmungsadresse ersichtlich ist, mit
Dächern aus getrockneten Palmblättern. Ich bemerkte außerdem noch das
Garnisongebäude, drei kleine Forts und eine Anzahl Kirchen, in denen
gesungen und gepredigt wurde. Das Volk spricht durchweg außer der
Eingeborenensprache ein fürchterliches »Pidgin-Englisch«.
[Illustration: Freetown.]
Der Tag unserer Ankunft war ein Sonntag, und der Anblick der in
Festtagsgewänder gehüllten Bevölkerung war ein unbeschreiblich
komischer -- der reinste Fastnachtstaumel. Was da an Phantasietoiletten
in den schreiendsten, grellsten Farben geboten wurde -- vom
Talmi-Gentleman in Frack, grauem Zylinder, roter Krawatte und
hellgelben Schuhen, bis zum halbnackten Baby mit überhängendem Bauch
und grellen Strümpfen und Schuhen -- davon läßt sich eine Beschreibung
überhaupt nicht geben. Die Neger dieser Küste, sowohl Männer wie
Frauen, sind überaus putzsüchtig und eitel; sie geben den letzten
Groschen ihres Verdienstes hin, um sich gegenseitig auszustechen. Bei
ihrer Vorliebe für leuchtende Farben kommen dabei die unmöglichsten
Toiletten heraus. Derart in Festtagsgewänder gehüllt, tragen sie eine
gemessene Miene zur Schau und sind tiefgekränkt, wenn sie nicht
vollwertig als Gentleman und Lady genommen werden.
Wir nahmen hier etwa 70 dieser Gentlemen als Arbeiter zum Aus- und
Einladen des Dampfers bei der Ankunft im Kongostaate an Bord. In den
modernsten nagelneuen Kostümen, mit Lackschuhen, weißer Weste, weißen
oder feuerroten Glacéhandschuhen kamen sie an Bord, hinter sich einen
Boy mit leerem Schiffskoffer. In diesen wanderten eine halbe Stunde
nach ihrer Ankunft all die Herrlichkeiten des äußeren Menschen,
mit ihnen aber auch der Gentleman, und an seine Stelle trat, teils
halbnackt, teils in alte zerrissene Fetzen gehüllt, der Neger.
Doch zurück nach Freetown. In unseren neuen Tropenkostümen wanderten
wir durch das Gewirr von Gäßchen. Es ist geradezu unglaublich, in
welchem Elend, Schmutz und Unrat diese Talmi-Gentlemen leben. Vor
den Häusern, auf den Straßen, überall liegen die Abfälle, und wären
nicht die »Charognards« (Aasgeier), die morgens und abends darunter
aufräumen, so würden unbedingt Seuchen entstehen.
Nur allzubald ertönte die Schiffskanone als Zeichen der Abfahrt, und
wir mußten an Bord zurück. Hier fanden wir das ganze Zwischendeck von
den Gentlemen in Beschlag genommen, die, wilde Grimassen schneidend,
zankten und quakten, wie ein Heer schnatternder Gänse. Gegen 7 Uhr
abends, kurz nach Sonnenuntergang, legte sich der allgemeine Lärm, und
beim Klang von Gitarren und Ziehharmonikas begann ein aus der Mitte der
Neger entstandener Chor allerhand schwermütige Weisen zu singen, die
mir bei diesen herrlichen Tropennächten sehr zu Herzen gingen.
Der 23. Juli war einer der heitersten und gemütlichsten Tage, die ich
während dieser Fahrt verbracht habe, und wenn auch der gute Neptun so
manchen Kopf und Magen, darunter auch den meinen, arg zugerichtet hat,
so kam ich doch als einer der ersten ziemlich glimpflich davon und
konnte mit Schadenfreude wahrnehmen, daß es den »Nichtfreiwilligen«
bedeutend schlechter ergangen war. Am Abend vorher, um 8 Uhr -- wir
saßen gerade beim Diner -- erdröhnte plötzlich ein Kanonenschuß. Die
Schiffsschraube hielt für kurze Zeit, und bald darauf erschien ein
Meerungeheuer als Abgesandter Neptuns, ließ sich beim Kapitän melden
und überreichte ihm ein Protokoll, in welchem Neptun seiner Freude
darüber Ausdruck gab, daß wir diese Breiten, die die Weltkugel in 2
Teile zerlegen, besuchten. Zugleich kündete er für den folgenden
Tag seine Ankunft nebst Gattin und Gefolge an und empfahl inzwischen
Fasten und Beichten, damit wir, aller Sünden rein, die Taufe glücklich
bestehen würden. Nach dem ersten Schreck war alles in hellster
Aufregung, denn die meisten Passagiere faßten diese Zeremonie, von der
sie bereits vorher gehört hatten, als eine höchst unangenehme Prozedur
auf. Schaudergeschichten, die dem Neuling die Haare zu Berge stehen
lassen, wurden bei dieser Gelegenheit von den alten Afrikanern erzählt.
Der schicksalsschwere Tag brach an. Gegen 10 Uhr passierten wir San
Thomé. Der Äquator berührt die Insel, die eine der schönsten und
fruchtbarsten Afrikas sein soll. Da der Nebel sie völlig einhüllte, war
leider nur die höchste Spitze, »=La Dent du Chien=«, sichtbar.
Während der Kapitän den Neulingen den Äquator durch ein eigens zu
diesem Zweck eingestelltes Fernrohr zeigte, auf welchen Spaß auch
richtig Verschiedene hineinfielen, traf die Mannschaft heimlich
alle erdenklichen Vorbereitungen zum würdigen Empfange Neptuns. Das
Vorderdeck des Schiffes wurde mittels wasserdichten Segelleinens zu
einem Bassin umgewandelt und angefüllt. Um 3 Uhr nachmittags erdröhnte
wieder ein Kanonenschuß; der feierliche Moment nahte; bang klopften
alle Herzen; Neptun mit dem Dreizink -- ein ehrwürdiger Meergreis --
mit Gemahlin, Doktor, Einseifer und Barbier sowie einem großen Gefolge
von Soldaten erschien am Schiff, besichtigte dasselbe und begrüßte
den Kapitän. Unter ohrenbetäubendem Tamtam aus allen möglichen und
unmöglichen Blechgefäßen und Trommeln wurden sämtliche Passagiere
mit Namen aufgerufen und im Halbkreis um das Bassin aufgestellt.
Mit Ausnahme der Damen, denen man gestattete, sich in ihre Kabinen
einzuschließen, wurde niemand verschont. Die Soldaten durchsuchten
das ganze Schiff und brachten alle Neulinge, die sich angsterfüllt
verkriechen wollten, auf Deck.
Auf Anraten meines afrikanischen Freundes hatte ich mich freiwillig
als erster gemeldet. Nachdem Neptun eine feierliche Anrede an mich
gehalten hatte, deren Sinn ich in der ungeheuren Aufregung, die sich
meiner bemächtigte, nicht begriff, bekam ich vom Doktor, der mich auf
meine Widerstandsfähigkeit untersucht hatte, eine Pechpille in den Mund
geschoben. Als nächste Prozedur schmierte mir der Barbier mit einem
riesigen Pinsel eine übelriechende, klebrige Masse im Gesicht, auf Kopf
und Nacken herum, die er mit einem großen, aus Holz hergestellten
Rasiermesser zum Teil abscheuerte. Im nächsten Moment fühlte ich mich
von kräftigen Händen mit einem Ruck ins Wasser gestürzt, daß mir Hören
und Sehen verging, und ich glaubte, meine letzte Stunde sei gekommen.
Ich wurde 5- bis 6mal untergetaucht, dann hinausgehoben, und ehe ich
noch recht gewahr wurde, wo ich war, steckte ich in einem etwa 6 Meter
langen Schlauch, gerade groß genug, um dem Körper zu gestatten, sich
wie eine Schlange hindurchzuwinden. Hier hineingestopft, wurde ich
mit der Wasserspritze von hinten so lange unerbittlich bespritzt,
bis es mir gelang, zum anderen Ende wieder herauszukommen. Ich begab
mich sofort in eines der Badezimmer, das glücklicherweise noch nicht
besetzt war. Mit großer Mühe nur vermochte ich die pechartige, ölige
Flüssigkeit vom Leibe zu bringen, wobei natürlich mit Seife und Bürste
nicht gespart werden durfte. Sodann begab ich mich wieder an Bord, um
dem Schluß der Feierlichkeiten beizuwohnen.
Es ereignete sich nun ein kleiner Zwischenfall, der viel Spaß
erregte, jedoch von bösen Folgen hätte begleitet werden können.
Einige erbitterte Passagiere näherten sich von rückwärts dem dicken,
ahnungslosen Neptun, und ehe dieser es sich versah, wurde er von
kräftigen Fäusten hochgehoben und kopfüber ins Bassin gestürzt.
Triefend vor Nässe, prustend und nach Atem ringend, tauchte der
Riesenschädel, dem die Krone infolge des Sturzes bis über die Ohren
gesunken war, empor. Der Greisenbart hing wirr in langen Fäden auf
die Brust herunter, und seiner Pracht war ein jämmerliches Ende
bereitet. Ein Glück, daß die Krone umfangreich und über die Ohren
hinuntergerutscht war, da ihm das scharfe Messingblech sonst böse
Verwundungen hätte beibringen können. Dies bildete den Schlußakt der
Taufe der Passagiere. Nun kamen die Neger an die Reihe. Dieselben
wurden zu Dutzenden in das Wasser geworfen und purzelten in höchst
komischer Weise durcheinander.
Am Abend fand zu Ehren der Taufe ein Konzert statt. Die künstlerisch
ausgestatteten Programme wurden versteigert und brachten ein namhaftes
Erträgnis, welches zum Teil der beim Neptunsreigen mitwirkenden
Mannschaft, zum Teil für das »Seemannsheim für verlassene Witwen und
Waisen« gespendet wurde. Der Abend verlief äußerst gemütlich und
artete schließlich, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, in ein
Champagnergelage aus.
Ankunft in Banana.
Am Morgen des 25. Juli bemerkten wir auf der sonst dunkelblauen
Wasserfläche allenthalben gelbe Flecken, die auf die Mündung des
Kongoflusses schließen ließen. Gegen 10 Uhr kam dieser selbst in Sicht,
und längs herrlicher Urwälder und Mangroven fuhren wir Mittag in Banana
ein. Der Hafen ist durch die Landzunge, deren größter Teil Besitz der
holländischen Gesellschaft »N. A. H. V.« ist, vom Meere getrennt. Ein
ungemein liebliches Bild bot sich von Bord aus unseren Augen dar. Die
ganze Landzunge bildet eine Art Naturpark, der von Menschenhänden
sorgfältig gepflegt wird. Neben mächtigen Mangobäumen finden sich
überwiegend die mit Nüssen reich beladenen Kokospalmen, unter deren
Schatten die blendend weißen Dächer der Faktoreigebäude und die sie
verbindenden, mit weißem Kies bestreuten und zu beiden Seiten mit
schneeweißen Muscheln eingefaßten Fußwege hervorleuchten. Zur Linken
die Dockanlagen und Schiffsreparaturwerften der Gesellschaft, auf deren
Hellingen gerade verschiedene Dampfer ausgebessert wurden. Trotz der
Mittagshitze herrschte überall, wahrscheinlich infolge der Ankunft
unseres Dampfers, fieberhafte Tätigkeit.
Eine Dampfbarkasse, mit der holländischen Fahne und dem holländischen
Wappen geschmückt -- denn der jeweilige Direktor der »N. A. H. V.« ist
gleichzeitig holländischer Konsul -- löste sich vom Ufer und brachte
diesen sowie einen Sanitäts-Offizier an Bord, der die Schiffspapiere
untersuchte, um zu konstatieren, ob wir keinen verseuchten Hafen
angelaufen waren. Ihnen folgte eine ganze Anzahl kleiner, schmaler, von
den Eingeborenen gelenkter Kanus, die ich hier zum ersten Male in ihrem
schlanken Bau und in ihrer einfachen Konstruktion bewundern konnte.
Diese aus einem ausgehöhlten Baumstamme bestehenden Boote sind schon so
oft beschrieben, daß ich hier nicht weiter darauf eingehe. Mehr noch
als die Boote bewundere ich die außerordentliche Geschicklichkeit der
Neger im Rudern, denn diese schwankenden Kanus stehend im Gleichgewicht
zu halten, ist wahrhaftig keine Kleinigkeit. Hier wiederholt sich
ungefähr das gleiche Bild wie in Las Palmas, mit dem Unterschied, daß
die Eingeborenen in ihren Nußschalen an Stelle von Tabak und Zigarren
graue Kongopapageien, rote, reich ornamentierte Tongefäße, die als
Wasserkaraffen verwendbar sind, Kürbisflaschen, in allen möglichen
Größen und Formen und mit weißen Ornamenten versehen, sowie Ananas,
Mangos und Papaifrüchte in schlechtem Portugiesisch zum Kaufe anbieten.
Ich verabschiedete mich hier von meinem Reisegefährten, Herrn Lukas,
welchem als altem Afrikaner die Ehre zuteil wurde, von unserem
Generaldirektor persönlich bewillkommt und an Bord seiner Dampfbarkasse
an Land gebracht zu werden. Ich dagegen erhielt Order, an Bord des
Dampfers meine Instruktionen abzuwarten.
An Bord herrschte Tag und Nacht fieberhafte Tätigkeit. Leichterboote
zu beiden Seiten des Schiffes, die leer ankamen und vollbeladen mit
Waren an Land zurückkehrten; ein ständiges Gerassel und Fauchen der
Maschinen, die die großen Dampfwinden bedienten und schwere Lasten aus
den Eingeweiden unseres schwimmenden Riesen auf den Dampfer »Prins
Hendrik« überluden.
Da der Wasserstand des Kongoflusses 8 Stunden stromaufwärts an der
großen Sandbank ziemlich niedrig ist, mußte ein großer Teil der
zu befördernden Waren ausgeladen werden, um den Dampfer derart zu
entlasten, daß er die Barriere passieren konnte. Drei Tage lang harrte
ich an Bord der in Aussicht gestellten Instruktionen, während meine
Mitpassagiere vergnügt an Land gingen und mir immer wieder Neues von
den Herrlichkeiten und Wundern dieses Kontinents berichteten.
Wie ganz anders hatte ich mir in meiner jugendlichen Phantasie meine
Ankunft und meinen Empfang auf afrikanischem Boden vorgestellt. Ich
hatte erwartet, mit offenen Armen aufgenommen zu werden, und mußte
nun das Gegenteil erleben. Dies war die erste einer ganzen Reihe von
Enttäuschungen und Lehren, die meiner harrten, und sie war vielleicht
gerade als erste die allerschwerste. Von Hause aus verwöhnt, waren
mir meine früheren Chefs in Holland mit der größten Liebenswürdigkeit
entgegengekommen und hatten mich in ihren Familienkreis eingeführt.
Infolge meines kühnen Entschlusses, nach Afrika zu gehen, war ich
gewissermaßen unter meinen Bekannten als Held gefeiert worden; und nun
diese Ernüchterung!
Endlich erhielt ich ein paar Zeilen mit der Aufforderung, mit meinem
Gepäck an Land zu kommen. Ein junger Faktoreibeamter erwartete mich
hier und wies mir in einem der Gebäude ein luftiges, auf der Seeseite
gelegenes ebenerdiges Zimmer an. Dieses war innen weiß getüncht,
der Lehmboden war von einer Strohmatte teilweise bedeckt und das
ganze Mobiliar bestand aus einem Bett, einem Waschbecken und einem
Stuhl, alles hier an Ort und Stelle von Zimmerleuten roh angefertigt.
Fenster sind hier ein unbekannter Luxus, an deren Stelle einfache
Holzläden treten. Im ersten Augenblick war ich starr vor Erstaunen und
Enttäuschung, da das schlanke Faktoreigebäude, von außen gesehen, den
Eindruck des behaglichen Komforts machte.
[Illustration: Rückentätowierung einer Frau.]
Noch ehe ich mich von meiner Überraschung vollständig erholt hatte,
war der Angestellte verschwunden, und an seiner Stelle verblieb ein
kleiner, schmutziger Negerjunge, mein »Boy«, in weißem Hemd und
farbigem Lendentuch, der in einem Kauderwelsch von Portugiesisch sich
nach meinen Wünschen erkundigte. Da meine Toilette beim Ausbooten etwas
gelitten hatte, bedeutete ich ihm, der Sprache nicht mächtig, durch
Gebärden so gut wie möglich, mir Waschwasser zu bringen und zog mich um.
Um 6 Uhr abends erscholl ein Gongschlag, und von den Hauptgebäuden
begaben sich die verschiedenen Angestellten, die tagsüber darin
beschäftigt waren, in ihre Wohnhäuser. In den Zimmern nebenan wurde es
lebendig. Ich stellte mich selbst meinen Nachbarn vor und erfuhr, daß
dies das Passagiergebäude und sie, gerade so wie ich, nur Passagiere
seien -- allerdings Passagiere, die bereits drei Jahre in Afrika
zugebracht hatten und nun auf der Rückkehr in die Heimat den Dampfer
hier erwarteten.
Ein zweites Gongzeichen ertönte, und mit meinen neuen Bekannten
begab ich mich in die Vorhalle des Hauptgebäudes, wo inzwischen die
Aperitif- und Bitter-Tafel gedeckt war. Hier stellte ich mich dem
Bureauchef vor und wurde von diesem allen ankommenden Herren, im ganzen
vielleicht 30 Personen einschließlich des Direktors, vorgestellt. Es
ging bei dieser Bitter-Tafel gewissermaßen kameradschaftlich zu, doch
mit einem Unterton, wie etwa in einer Offiziersmesse, wenn höhere und
höchste Offiziere zugegen sind. Jeder hatte seinen Rang und danach auch
seine Stimme, und nachdem der Direktor sich höflichkeitshalber nach dem
Verlauf meiner Reise erkundigt hatte, war vorläufig die Anteilnahme für
mein Schicksal erloschen.
Ich habe absichtlich den Tag meiner Ankunft etwas ausführlich
geschildert, um meinen Lesern damit ein Beispiel dafür zu geben, wie
wenig Bedeutung das eigene »Ich«, losgelöst von der heimatlichen
Scholle, im Weltgetriebe draußen hat.
Meine erste Beschäftigung. Ein Jagdausflug.
Früh 1/2-6 Uhr erschien mit dem ersten Gongzeichen mein kleiner
Boy, öffnete Tür- und Fensterläden und ermahnte mich durch Gebärden
zum Aufstehen. Die Nacht war kühl, draußen herrschte noch leichte
Dämmerung, als ich mich von meinem harten Lager erhob und von meiner
Veranda aus Umschau hielt. Punkt 6 Uhr waren alle Beamten und
Arbeiter in Reih und Glied vor dem Hauptgebäude aufgestellt, und den
verschiedenen Sektionen wurde ihre Tagesarbeit unter Aufsicht der
Beamten zugeteilt. Ich wurde vorläufig zur Disposition des Bürochefs
gestellt, der mir verschiedene Bureauarbeiten, wie Kontrolle der
Bilanzen der Faktoreien, anvertraute. Zur Abwechslung wurde ich vom
Faktoreichef zuweilen zur Revision der vom Oberkongo hereinkommenden
Transitladungen von Elfenbeinzähnen herangezogen, welche Arbeit mein
Interesse besonders fesselte, da unter den Zähnen solche bis zu 70 und
76 Kilogramm Gewicht vorkamen.
Ich hatte mich in mein neues Leben sehr bald eingewöhnt und mir durch
mein Klavierspiel auch die Zuneigung des Direktors erworben. An Arbeit
und neuen Eindrücken fehlte es nicht, denn von 6 Uhr früh bis 6 Uhr
abends, und an Posttagen sogar oft bis 8 und 10 Uhr nachts wurde mit
einer kurzen Mittagspause von einer Stunde ununterbrochen gearbeitet.
Gegen 6 Uhr abends fanden sich immer einige Bekannte, mit denen ich
gemeinsam an einer seichten Stelle des Meeres ein Bad nahm, während
eine Schildwache mit geladenem Gewehr dabei beständig Ausschau hielt,
um etwa allzu vorwitzige Haifische, die sich zu nahe heranwagen
sollten, sofort anzuschießen. Längs der Küste kommen diese unheimlichen
Gesellen in beträchtlicher Anzahl vor, und die über die Wasserfläche
hinausragenden Schwanz- und Rückenflossen sind mit bloßem Auge bei
einiger Aufmerksamkeit leicht zu erkennen.
Unsere Erholungszeit fiel also hauptsächlich in die Abendstunden
nach dem Abendmahl, welche uns alle im Billard- und Musikzimmer
vereinigte, um die allabendliche Kriegspartie, bei der eine
beliebige Anzahl Spieler teilnehmen kann, auszutragen. Als beliebte
Abwechslung waren die Passagierboote der »Messagerie Maritime« sowie
der »Woerman-Linie« sehr willkommen, bei deren Ankunft wir entweder
Besuche an Bord der Schiffe abstatteten oder an Land Feste zu Ehren
der befreundeten Kapitäne abhielten. Ganz besonders in Erinnerung
ist mir ein Fest anläßlich der Ankunft des Gouverneurs von Kamerun,
Exzellenz von Puttkamer, der uns an Bord des deutschen Kriegsschiffes
»Habicht« besuchte, und bei welcher Gelegenheit olympische Spiele der
Neger-Segelregatta und sogar ein Theaterstück aufgeführt wurden. Da
gerade Vollmondnacht war, veranstalteten die Eingeborenen ihren ganz
eigenartigen Mondtanz, in welchem die Tanzenden als einzige Bekleidung
um die Lenden in der Art unserer Ballettänzerinnen einen Gürtel aus
Strohgeflecht und als Kopfbedeckung eine Maske aus demselben Material
trugen.
Den ersten freien Sonntag benutzte ich zu einem Jagdausflug auf eine
der gegenüberliegenden Inseln. Der Kongo hat an seiner Mündung eine
Breite von mehr als 15 Kilometern und bildet mit seinen unzähligen
toten Armen -- sogenannten Creeks -- eine Unmenge größerer und kleiner
Inseln, die nur zum Teil von einer friedlichen Bevölkerung bewohnt,
im übrigen aber vollkommen unkultiviert und von undurchdringlichem
Mangrovendickicht und Urwald bewachsen sind. Der Zutritt zu einer
solchen Insel ist durchaus keine leichte Sache und nur an solchen
Stellen möglich, wo irgendein Dickhäuter, z. B. ein Nilpferd, sich
einen Weg zum Wasser gebahnt hat. Anderwärts starrt dem Eindringling
aus Morast und Sumpfgelände ein Gewirr von drei bis vier Meter hohen
Luftwurzeln der Mangroven als unüberbrückbarer Wall entgegen.
Es war gegen 3 Uhr nachmittags; die größte Hitze war vorüber, als ich
in Begleitung eines älteren Faktoreibeamten, gefolgt von zwei Dienern,
mit scharfen Haumessern, die dazu dienen sollten, uns nötigenfalls
einen Weg durch das Dickicht zu bahnen, bewaffnet, in einem kleinen
Ruderboot in das Labyrinth von Inseln und totem Wasser eindrang. Eine
leichte Brise von der Seeseite her milderte die drückende Schwüle, die
auf der Wasserfläche lastete. Tiefes, fast übernatürliches Schweigen
der Natur, das unwillkürlich zur Andacht stimmte, herrschte um uns.
Das Lockrufen und Zwitschern der Vögel am frühen Morgen und gegen
Abend, das Kreischen der Papageien und Krächzen der Nashornvögel,
das Zirpen, Pfeifen und Surren der Zikaden, Baumgrillen und Myriaden
anderer Insekten ist um diese Zeit verstummt. Die Natur lag in tiefem
Mittagsschlaf. Fast war man geneigt, das Plätschern unserer Ruder als
brutale Störung dieser Waldandacht zu empfinden.