DIE ESELIN

Hat der Heiland dich verkannt, du stilles Tier,

und setzte sich auf deinen Rücken, als er einzog.

War es nicht, als wollte er noch mit größerer Zier

strahlen von dir ab, die du so arm bist?

Aber unsäglicher Glanz ging aus von dir,

kahl und voller Dürftigkeit erschienest du auf

und zogst die Blicke nach den ungereinten Hufen,

hinter deinem klaffenden und harten Lauf

sprachloser Magdschaft. Alles auf der Erde hier

färbt ab von deinem langgedrückten Rufen

und erschrickt zu sich und seiner Nüchternheit

und wird ärmlich kahl und schier,

und es grauen die Gefühle an. Auf allen Stufen

stehen Dürftige zu Gott gewandt. Deine Demut schreit

häßlich und geschlagen von der Niedertracht,

während Jesus noch in Lumpen auf dir sitzt und strahlt.

Doch mild und von den Einfalten des Herzens eingeschlossen

sind deine Blicke blind und offen vorgerichtet und es lacht

die Landschaft blitzend erst von weißen Rossen

sanft in seligem Eindummen, während sie schon fahlt.

Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte · 第 19 / 70 题