Es ist frivol von diesem Vaudreuil; wirklich frivol!“

Der Liebestrank.

„Onkel Balsamo!“

„Fortunat, laß mich in Ruhe; wir sind schon an der Treppe. Hier bin ich

der Graf Cagliostro.“

„Onkel Giuseppe! Ich weiß, Sie haben von den Geheimnissen der Natur

nicht mehr erforscht, als die Geheimnisse menschlicher Schwäche.

Gestehen Sie mir das eine, das ich nicht zu ergründen vermag: Welches

ist das Geheimnis Ihres Liebestrankes?“

„Du sollst es gleich erfahren, mein Junge.“

„Wo?“

„Hier, jetzt in der Gesellschaft, beim Grafen Barrées. Ich weiß, daß

sie mir heute eine Falle stellen wollen. Sei still und benimm dich

unverschämt, aber vornehm. Wir sind am Ziel.“

* * * * *

Der Saal ist weiß und gold, die Kerzen flammen, und die ganze

Gesellschaft steht regungslos wie buntes Wachsgebilde in einem

Krippenspiel. Denn der Graf von Cagliostro ist angekündigt und durch

den Salon des Grafen Barrées wehen die Schauer heiliger Erstarrung;

nur die ganz jungen Damen haben den Mut, sich auf die Zehenspitzen zu

stellen und die Hälse zu recken.

Er tritt ein: groß, hager, ernst, von erhaben-kalter Liebenswürdigkeit.

Alle sehen sie ihn schaudernd an: sie sehen ein von Leidenschaften

zerfurchtes Gesicht? Nein. Es sind die Runen der zehn Jahrhunderte, die

dieser Mann erlebte. Tausend Jahre alt .....

Die Herren lächeln, aber es graut ihnen. Den Damen graut, aber sie

lächeln. Für tausend Jahre ist er interessant genug.

Vom sterbenden Rokoko · 第 13 / 25 题