Der italienische Text nach Gaetano Milanesi, Le lettere di Michelangelo
Buonarroti, Firenze MDCCCLXXV (Mil. l. = Milanesi, lettera No. ...).
Ebendaher stammt die Datierung der Briefe, die nicht von Michelangelo
selbst herrührt. Leider konnte den Übersetzungen und Anmerkungen die in
Aussicht stehende kritische Gesamtausgabe der Briefe von C. Frey nicht mehr
zugrunde gelegt werden.
1. Mil. l. CCCXLIII. -- Giuliano da San Gallo 1443 (45) bis 1516 (17), aus
Florenz, war Bildhauer und vor allem Architekt. Er baute in Rom für
Lorenzo den Prächtigen, wurde später nach Neapel gerufen und arbeitete
2 Jahre für den Bischof von Ostia, den nachmaligen Papst Julius II.
Unter Julius veranlasste er den Bau einer besonderen Grabkirche für das
Denkmal, mit dessen Ausführung Michelangelo betraut war, unterlag er
aber mit seinem Entwurf gegen Bramante und verliess Rom. Nach kurzer
Zeit ernannte ihn der Papst zum Ingenieur, dann zum Architekten am Bau
der neuen Peterskirche. -- Durch seine Vermittlung war Michelangelo
1505 nach Rom gekommen. Über dessen Flucht folgendes: 1505 hatte er vom
Papste den Auftrag erhalten, ihm ein Grabmonument zu errichten und war
noch im April desselben Jahres nach Carrara gegangen. Dort leitete er
bis zum Januar 1506 die Zurichtung der Blöcke und erwartete dann in Rom
deren Ankunft. Unterdessen hatte aber Julius den Plan des Grabdenkmals
fallen lassen und sich dem Neubau der Peterskirche zugewandt, für die,
wie oben gesagt, Bramantes Pläne gesiegt hatten. Als Michelangelo an
der veränderten Sachlage nicht mehr zweifeln konnte, floh er in seiner
Enttäuschung nach Florenz. Der Papst bemühte sich, ihn zur Rückkehr zu
bewegen, und veranlasste viele Freunde und Gönner des Meisters, ihm
brieflich oder mündlich zuzureden. Auf einen solchen Vermittlungsbrief
antwortet das vorliegende Schreiben.
2. Mil. l. CXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 3. -- Der alte Buonarroti hatte
Michelangelo geschrieben, das Betragen seiner Söhne, besonders
Giovansimones, mache ihm viel Kummer. In seiner Antwort (Mil. l. VII)
verspricht ihm Michelangelo, diesem einen Brief zu schreiben "auf meine
Art" -- eben den vorliegenden.
3. Mil. l. X. -- Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni (1444-1534)
trieb keinerlei Gewerbe, sondern lebte von dem geringen Ertrag seiner
wenigen Güter und dem Gehalt einer Zollschreiberstelle. Michelangelo
sorgte bis an sein Lebensende in aufopfernder Weise für seine Familie.
Von seinen Brüdern werden in den Briefen genannt: Buonarroto, von dem
das bis in unsere Zeit lebende Geschlecht der Buonarroti abstammt,
1477-1528, Giovan Simone 1479-1548, Gismondo 1481-1555. -- Mona
Cassandra, Lodovicos Schwägerin, hatte mit diesem nach dem Tode ihres
Gatten einen Streit wegen ihrer Mitgift. -- Michelangelo malte damals
in der Sixtina.
4. Mil. l. LXXX. -- Lorenzo Strozzi besass in Florenz eine Wollwirkerei,
in der Buonarroto beschäftigt war.
5. Mil. l. XXII. -- Michelangelo pflegte sein Geld der Spitalverwaltung
von Santa Maria Nuova in Florenz anzuvertrauen. Der Spitalverwalter
wird auch noch in späteren Briefen öfter erwähnt.
6. Mil. l. XXXVI. -- Vgl. Anm. zu Ged. No. 2. Als Julius II. mit
kaiserlichen Truppen Giuliano de Medici nach Florenz zurückführte,
wurde in den Tagen vom 29. August bis 19. September die Stadt Prato
besetzt und in furchtbarer Weise geplündert.
7. Mil. l. XCII. -- Im fortgelassenen ersten Teil des Briefes gibt
Michelangelo seinem Bruder den Auftrag, eine gewisse Summe im Namen von
Michele di Piero da Settignano, eines seiner Steinmetzen, in Florenz
auszuzahlen. -- Die Arbeiten, über die er klagt, sind die für das
Juliusdenkmal.
8. Mil. l. XXXIX. -- Michelangelo erhielt von den Erben Julius II. 1516
die Erlaubnis, nach Belieben in Rom, Florenz oder Carrara an dem
Denkmal zu arbeiten. Tatsächlich ging er 1516 nach Carrara, um Material
zu beschaffen, und war auch einige Zeit in Florenz. Von hier aus
schrieb er an seinen Vater, der sich in Settignano, einem kleinen Ort
nahe bei Florenz, aufhielt, den Brief. Siehe auch Br. 9.