ANMERKUNGEN.

Die Erläuterungen beschränken sich auf die notwendigsten biographischen und

historischen Notizen. Zur leichteren Orientierung ist eine kurze Skizze von

Michelangelos äusserem Leben vorangestellt.

Er wurde am 6. März 1475 im Städtchen Caprese (Toscana) geboren, wo sein

Vater Lodovico das Amt eines Podestà bekleidete. Nach Ablauf seiner

Amtszeit kehrte dieser nach Florenz zurück. Ursprünglich für das Gewerbe

der Seidenweberei bestimmt, setzte Michelangelo seine Neigung durch und kam

in die Werkstatt des Ghirlandajo. 1489 wurde er in Lorenzo des Prächtigen

Bildhauerschule, 1490 in dessen Hausgemeinschaft aufgenommen und genoss den

Verkehr mit dem um den Magnifico versammelten Gelehrten- und Künstlerkreis.

(Madonna an der Treppe, Centaurenkampf.) 1492 starb Lorenzo, 1494 wurde

sein Nachfolger Piero vertrieben. Michelangelo war schon vorher nach

Venedig, darauf nach Bologna gegangen. Er blieb dort ein Jahr, und kehrte

dann nach Florenz zurück, in dem Savonarola an der Spitze des Volkes stand.

(Giovannino, schlafender Amor.) 1496 kam er nach Rom, wo er sich bis 1500

aufhielt. (Bacchus, Pietà.) 1501 war er wieder in Florenz. (1501-04 der

David, 1504 der Karton zur Pisanerschlacht.) 1505 wurde er von Julius II.

nach Rom berufen und mit der Errichtung von dessen Grabdenkmal beauftragt.

Bis Ende 1505 war er in Carrara (Madonna von Brügge) mit der Zurichtung des

Materials beschäftigt und ging dann nach Rom. 1506 entstand ein Konflikt

mit dem Papst, und Michelangelo floh aus Rom auf Florentiner Gebiet. Lange

Bemühungen Julius' vermochten ihn nicht zur Rückkehr zu bewegen. Erst als

dieser 1506 Perugia und Bologna unterworfen hatte und sich in letzterer

Stadt aufhielt, erreichte eine erneuerte Aufforderung an die Regierung von

Florenz ihren Zweck. Michelangelo begab sich nach Bologna und söhnte sich

mit dem Papste aus. 1507-08 schuf er dort die Erzstatue Julius' und ging

dann nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz nach Rom, in der Hoffnung,

jetzt das Juliusgrab ausführen zu können. Der Papst nötigte ihn aber zur

Ausmalung der Sixtinadecke. (1508-12). Nach deren Vollendung durfte er sich

den Arbeiten am Grabmal wieder zuwenden, und Julius beauftragte seinen

Notar und den Kardinal Grossi, für die Ausführung zu sorgen. 1513 wurde

Giovanni de Medici als Leo X. Papst. Noch im gleichen Jahr wurde durch

einen Vertrag das Grabmal sichergestellt. (Die zwei Gefangenen, der Moses.)

1516 musste Michelangelo sich eine Einschränkung des Planes gefallen

lassen; ein neuer Vertrag bestimmte das Jahr 1525 als letzten Termin und

gestattete ihm, auch in Florenz oder Carrara daran zu arbeiten. Aber schon

1516 sah sich der Meister trotz seines energischen Widerstands genötigt,

für Leo X. den Bau der Lorenzofassade in Florenz zu übernehmen. Die Arbeit

kostete ihn vier Jahre und verlief ohne jedes Ergebnis, da besonders

endlose Verordnungen und Intriguen die Lieferung des Materials

verhinderten. 1520 wurde er von dem Auftrag befreit und widmete sich wieder

dem Grabmal, musste aber 1520/21 im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici

mit Vorarbeiten für die Mediceergräber beginnen. Das Schwanken des

Kardinals und Geldschwierigkeiten zogen die Ausführungen hinaus. 1523 wurde

Giulio Papst (Clemens VII.) und nun gingen die Arbeiten besser voran,

obwohl Michelangelo sich fortwährend mit dem Gedanken an das unvollendete

Juliusgrab quälte. Der Papst beruhigte ihn etwas, und die Erben Julius' II.

wagten nicht mit Forderungen aufzutreten. 1525 machten sie ihre Ansprüche

doch wieder geltend und die Verhandlungen zogen sich durch die nächsten

zwei Jahre hin. 1527 wurde Rom geplündert; die Republikaner in Florenz

standen auf und richteten ihre Regierungsform ein. 1529 musste die Stadt

sich gegen Clemens und die Kaiserlichen rüsten, und Michelangelo wurde zum

Leiter der Befestigungsarbeiten ernannt. 1530 ergab sich die Stadt, und

Alexander de Medici wurde als Herzog eingesetzt. Michelangelo erhielt vom

Papst für seine Sicherheit Gewähr und nahm die Arbeit an den

Mediceergräbern wieder auf, aber stets verfolgt durch den Gedanken an das

Juliusgrab. Endlich, 1532, ging er auf Anraten des Papstes nach Rom, um die

Angelegenheit zu ordnen, und es kam ein Vertrag zustande, nach dem das

Denkmal in S. Pietro in Vincoli in sehr bescheidenen Verhältnissen

aufgestellt werden sollte. Michelangelo solle zugleich in Florenz arbeiten

dürfen. Zur selben Zeit erhielt er den Auftrag zur Ausmalung der

Sixtinawände und fertigte den Entwurf zum letzten Gericht. Als er 1534

Florenz verliess, geschah es für immer. Clemens starb; dadurch war ihm der

mächtige Beschützer gegen Alessandro, der ihn hasste, genommen, und er

fühlte sich in seiner Heimatstadt nicht mehr sicher. Die Mediceergräber

blieben unvollendet; der ihm befreundete Vasari sorgte für die Anordnung

der Teile, die fertig geworden waren. Auch jetzt sollte es noch nicht zur

Vollendung des Juliusdenkmals kommen. Paul III. nötigte den Meister zur

Ausführung des letzten Gerichts. 1535-41 arbeitete er daran. Erst 1545,

nach einem letzten Vertrag mit dem Erben Julius' II., konnte Michelangelo

das Werk zu Ende bringen. Unterdessen liefen von 1542-49 die Malereien in

der Capella Paolina, im Auftrag vom Papst Paul. Seine letzte grosse Arbeit

war die Leitung des Baues von St. Peter, die 17 Jahre, von 1547 bis zu

seinem Tode am 15. Februar 1564 in seinen Händen lag.

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Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 171 / 231 题