AN MESSER GIORGIO, DEN VORTREFFLICHEN MALER, IN FLORENZ.

_Rom_, den 15. Mai 1555.

Ich wurde mit Gewalt zur Leitung des Baues von Sankt Peter gezwungen und

habe nun schon ungefähr acht Jahre ohne Entgelt, ja mit grossem Schaden und

viel Ärger der Aufgabe geopfert. Nun geht die Arbeit voran, wir haben Geld

und ich bin im Begriff, die Kuppel zu wölben; wollte ich jetzt abreisen, so

würde das den Bau zugrunde richten. Das müsste mir in der ganzen

Christenheit die grösste Schande bringen und würde eine schwere Schuld für

meine Seele sein. Darum bitte ich Euch, mein lieber Herr Giorgio, dankt dem

Herzog in meinem Namen für die grossen Anerbietungen, von denen Ihr mir

schreibt und bittet ihn, er möge mich in Gnaden noch so lange hier arbeiten

lassen, bis ich in gutem Ruf und mit Ehren und ohne Sünde von hier abreisen

kann.

Euer Michelangelo Buonarroti.

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Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 156 / 231 题