AN VITTORIA COLONNA IN ROM.

[_Rom_ 1545.]

Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade mir schon oft zugedacht

hatte, nicht annehmen, bevor ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten

könnte, um so ihrer weniger unwürdig zu sein. Aber ich sah ein und

erkannte, dass man die Gnade Gottes nicht kaufen kann, und dass es grosse

Sünde ist, ihr Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine Schuld und

nehme Eure Gaben freudig an. Und wenn sie mein sind, werde ich mich im

Paradies fühlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben werde, sondern

weil ich in ihrem Hause wohnen darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch

mehr in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies überhaupt möglich

ist.

Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino bringen. Ihm werdet Ihr sagen

können, wann ich nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu sehen, den

Ihr mir zu zeigen versprachet.

Ich empfehle mich Eurer Gnade.

Michelangelo Buonarroti.

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Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 145 / 231 题