[_Rom_ 1545.]
Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade mir schon oft zugedacht
hatte, nicht annehmen, bevor ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten
könnte, um so ihrer weniger unwürdig zu sein. Aber ich sah ein und
erkannte, dass man die Gnade Gottes nicht kaufen kann, und dass es grosse
Sünde ist, ihr Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine Schuld und
nehme Eure Gaben freudig an. Und wenn sie mein sind, werde ich mich im
Paradies fühlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben werde, sondern
weil ich in ihrem Hause wohnen darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch
mehr in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies überhaupt möglich
ist.
Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino bringen. Ihm werdet Ihr sagen
können, wann ich nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu sehen, den
Ihr mir zu zeigen versprachet.
Ich empfehle mich Eurer Gnade.
Michelangelo Buonarroti.
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