AN SEBASTIANO DEL PIOMBO IN ROM.

[_Florenz_, Mai 1525.]

Mein teuerster Sebastiano! -- Gestern abend nahmen mich unser Freund, der

Hauptmann Cujo, und einige Edelleute gütigerweise zum Abendessen mit. Das

machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich für kurze Zeit aus meiner

Melancholie -- wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll -- gerissen. Die

Mahlzeit war sehr ergötzlich. Noch mehr freuten mich die Gespräche, die da

geführt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen hörte,

war ich ganz entzückt. Und wie nun besagter Hauptmann erklärte, Ihr seiet

einzig auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend in Rom

geschätzt, wäre meine Freude noch gewachsen, wenn das nur möglich gewesen

wäre. Auf diese Art wurde mir bestätigt, dass mein Urteil über Euch nicht

falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen

Briefen "einzig" nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier

ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben.

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Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 141 / 231 题