72. Bettina Jacobson.

Ihr meine vielen, irrtumsschweren Träume,

Ihr solltet euch, da sich das Leben neigt,

Zu einem einz'gen formen, der mir reicht

Die Führerhand in lichte Himmelsräume.

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73.

Mir raubten Eitelkeiten dieser Welt

Die mir verlieh'ne Zeit, in Gott zu leben,

Der Gunst vergass ich, die er mir gegeben,

Hab' mehr mit ihr, als ohne sie gefehlt.

Mich machte blind, was andre aufgehellt,

Zu spät erkannt' ich Tor mein irrig' Streben,

Verzagt fleh' ich dich an, den Bann zu heben,

Darin mich noch die Eigenliebe hält.

Den halben Weg, Herr, wolle mir erlassen,

Der aufwärts führt, doch ohne deine Hand

Fürcht' ich, dass ich auch diesen nicht vollende;

Lehr' mich, was diese Welt so hoch hielt, hassen,

Auch das, was ich verehrte, köstlich fand,

Dass ew'ges Heil mir sicher vor dem Ende.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 121 / 231 题