9. Sophie Hasenclever.

Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entzücken

Das blonde Haar mit Blüten rings umfängt,

Es darf die Blume, die am tiefsten hängt,

Den ersten Kuss auf deine Stirne drücken.

Wie freudig das Gewand den langen Tag

Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet

Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet,

Das dir die Wangen gern berühren mag.

Sieh aber hier, wie mit verschränkten Schnüren

Nachgiebig und doch eng das seidne Band

Beglückt ist, deinen Busen zu berühren.

Der Gürtel spricht: Lass mich die Lust geniessen,

Dass ewig meine Haft dich so umspannt --

Wie würden da erst Arme dich umschliessen!

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 21 / 231 题