7. Sophie Hasenclever.

Genöss' ich mindre Gnade,

Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft,

Nun aber ist erschlafft

Durch Zähren, die in Doppelbächen fliessen,

Mein Herz und krank vom Tränenbade.

So muss das hohe Glück die Schwäche büssen!

Kein Weiser will geniessen,

Wozu die Kraft ihm fehlet,

Denn Wonne ohne Mass erdrückt hienieden.

Ein stilles Glück wird spriessen,

Vom Friedenshauch beseelet,

Dem Herzen, das in Demut sich beschieden.

Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden;

Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten,

Das Höchste du, so wird das Glück ihn töten.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 19 / 231 题