=ackermome,= _Ackermuhme, d. i. die Frau, die in einer gröss

Umschließungen mit ~ zeigen "gesperrt" gedruckten Text an, solche mit =

fett gedruckten Text, Umschließungen mit _ kursiv gedruckten Text, und

Umschließungen mit * Text, der im Original innerhalb eines Eintrags nicht

kursiv gedruckt war.

Anmerkungen zur Transkription, insbesondere zur Behandlung von Wörtern,

die am Zeilenende getrennt wurden, und vorgenommene Änderungen, finden

Sie am Ende des Buchs.

WÖRTERBÜCHER.

HERAUSGEGEBEN

VOM

VEREIN FÜR NIEDERDEUTSCHE SPRACHFORSCHUNG.

BAND II.

NORDEN und LEIPZIG.

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG.

1888.

MITTELNIEDERDEUTSCHES

HANDWÖRTERBUCH

VON

AUGUST LÜBBEN.

NACH DEM TODE DES VERFASSERS VOLLENDET VON

CHRISTOPH WALTHER.

NORDEN und LEIPZIG.

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG.

1888.

Druck von Diedr. Soltau in Norden.

Vorwort zur ersten Hälfte (A -- nagellôs).

Als das grosse Mittelniederdeutsche Wörterbuch von Schiller und Lübben

bereits bald nach seiner Vollendung (1881) vergriffen war, wurde

aus den Kreisen des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung der

Wunsch laut, vorerst statt einer neuen Ausgabe ein Handwörterbuch

ohne Belegstellen zu veröffentlichen, um möglichst rasch dem Mangel

abzuhelfen und um auch solchen, denen das sechsbändige Wörterbuch

zu teuer sein möchte, das Studium des Mittelniederdeutschen zu

erleichtern. Mit derselben Energie, welche Lübben nach Schiller's

Tode (4. Aug. 1873) den grössten Teil des Hauptwerkes (vom Artikel

gân ab) in verhältnismässig kurzer Zeit vollenden liess, begann und

verfolgte er die neue Aufgabe. Es war ihm aber nicht beschieden, den

vollständigen Druck seiner Arbeit beschaffen zu können: als das Werk

bis zum dreizehnten Bogen gedruckt vorlag, starb er am 15. März 1884.

Der zeitige Verleger hat dann auf Wunsch des Vereinsvorstandes die

weitere Herausgabe des Werkes mir anvertraut. Im Nachlasse Lübben's

fand sich dasselbe, bis zum Schlusse des Buchstabens U ausgearbeitet,

vor. Ich habe versucht, die Ausgabe nach den Grundsätzen, wie ich sie

aus den ersten zwölf Bögen zu entnehmen vermochte, fortzuführen. Als

wichtigste Abweichung vom Hauptwerk stellte sich die Bezeichnung des

langen e, einerlei welches Ursprungs, und zwar sowohl in offenen wie

geschlossenen Silben, durch ê heraus. Aus dieser Wahl des Zeichens

ergab sich mir die Notwendigkeit, tonlanges e in geschlossener Silbe

durch ein anderes Merkmal zu unterscheiden: ich habe, nach Nerger's

Vorgang in seiner auf diesem Gebiete epochemachenden Grammatik des

meklenburgischen Dialektes, ē gewählt. Dieselbe Art der Bezeichnung

habe ich einige Male verwandt, um o, ô und ō aus einander zu halten.

Das Handwörterbuch ist im ganzen freilich ein Auszug aus dem grossen

Wörterbuche; wer beide vergleicht, wird aber bald erkennen, dass

die neue Arbeit vielfältig vermehrt und berichtigt ist. Lübben hat

nämlich mit unausgesetztem Fleisse und, wie manche Artikel kundtun,

bis zuletzt die Sprachquellen excerpiert und sein Handexemplar des

Mittelniederdeutschen Wörterbuches so mit zahlreichen Nachträgen und

Verbesserungen versehen. Diese Arbeit ist dem neuen Werke zu gute

gekommen. Ich glaubte nicht gegen die dem Meister schuldige Pietät zu

verstossen, wenn ich in Bezug auf meine lexikalischen Sammlungen ein

gleiches Verfahren und auch dann beobachtete, wann sich dabei für ein

bereits aufgenommenes Wort eine Berichtigung, wenigstens nach meiner

Ueberzeugung, ergab, da ein etwaiger Irrtum durch Vergleichung eines

solchen Artikels mit dem entsprechenden im grossen Wörterbuche auch als

mein alleiniges Eigentum erkannt werden muss; und andererseits glaubte

ich, im Interesse der mittelniederdeutschen Philologie und im Sinne des

verstorbenen Freundes zu handeln, wenn ich nach meinen Kräften mich

bestrebte, den gewaltigen lexikalischen Bau, den er aufgeführt hat, zu

bauen und zu bessern, wo es mir Not schien. Allerdings hat sich auf

diese Weise der Abschluss des ersten Halbbandes weit länger hingezogen,

als ursprünglich beabsichtigt war. Ich hoffe, dass es mir gelingen

wird, den zweiten im Laufe dieses Jahres rascher fertigzustellen.

HAMBURG, Februar 1885.

Vorwort zur zweiten Hälfte (nagelmâch -- Z).

Die Herausgabe des Mittelniederdeutschen Handwörterbuches hat mehr

Zeit erfordert, als ich anfänglich erwartet hatte. Die Nachprüfung

der Artikel desselben führte zu erneuter Einsicht der Quellen. Es

ergab sich bald, dass aus einigen bereits, aber nicht erschöpfend

ausgezogenen, aus anderen Schiller und Lübben teilweise oder gänzlich

unzugänglichen, zumal den jüngst veröffentlichten Sprachdenkmälern

sich noch manches neue Wort und für die schon verzeichneten oft

Gewisseres über Form, Flexion und Bedeutung gewinnen liess. Da der

Druck des Buches seinen stetigen Fortgang nehmen musste, so war

weder eine vollständige, noch eine gleichmässige Durchsicht und

Excerpierung möglich. Gar vieles fand sich erst, wenn es zu spät und

der betreffende Artikel bereits durch den Druck abgeschlossen war. Je

mehr die Herausgabe vorrückte, desto mehr wuchs die Zahl der Excerpte

an. Gute Dienste leisteten, besonders auch durch Zeitersparung, die

mit Glossar versehenen Ausgaben. Ausserdem bin ich Herrn Dr. F. Jostes

zu Dank verpflichtet für die Hülfe, welche er durch Mitteilung seiner

neueren Publicationen und eines von ihm angelegten Glossars zu mehreren

noch unedierten Schriften der erbaulichen Litteratur freiwillig

leistete. Mittelalterliche Glossen habe ich in etwas grösserer

Anzahl aufgenommen, als der Verfasser des Wörterbuchs ursprünglich

beabsichtigt hatte. Manchen Nachtrag boten noch Diefenbach's Glossaria

latino-germanica; ein ziemlich umfangreiches, durch Interpretation

und seltene Ausdrücke ausgezeichnetes deutsch-lateinisches Vocabular

des fünfzehnten Jahrhunderts, welches im Besitze der Hamburger

Stadtbibliothek ist, habe ich von M an vollständig verwertet.

Die auf diese Weise möglich und nötig gewordenen Zusätze und

Veränderungen haben auf Plan und Einrichtung des Wörterbuchs

keinen Einfluss geübt; höchstens den, dass ich, um den Band die zu

einer bequemen Handhabung unumgängliche Grenze des Umfanges nicht

überschreiten zu lassen, auf Raumersparnis bedacht sein musste.

Hierzu ward ich auch durch eine anderweitige Vermehrung der Artikel

genötigt. Um die Brauchbarkeit des Buches zu steigern, habe ich

nämlich häufiger, als der Verfasser, Nebenformen eines Wortes als

eigene Artikel, mit Verweisung auf die Hauptform, angesetzt. So suchte

ich mir denn Platz zu schaffen dadurch, dass ich Zusammensetzungen

desselben Bestimmungswortes entweder zu einem Artikel (diesem ersten

Compositionsgliede) oder (mit Berücksichtigung der Grundwörter) zu

wenigen Artikeln vereinigte, wo nur der bequemen Auffindbarkeit der

Wörter kein Eintrag zu geschehen schien, und dass ich manche bloss im

speciellen Niederländischen gangbare, dem eigentlichen Niederdeutschen

aber fremde Ausdrücke, welchen Lübben Aufnahme gegönnt hatte, ausschied.

Abweichend vom Grossen Wörterbuche, hat der Verfasser Zusammensetzung

eines Wortes durch einen Bindestrich zwischen den Bestandteilen

angedeutet, dies jedoch nicht auf die suffixartigen Compositionsglieder

dôm, heit, schap, bar, haftich, lîk, sam etc. ausgedehnt und es

gleichfalls unterlassen, wenn die Teile durch Contraction oder

Assimilation enger verwachsen sind. Bei den Präfixen ist er nicht

einheitlich verfahren. Während er die unbetonten (be, ent, er, ge) mit

Bindestrich versieht, hat er bei anderen, wie es scheint, diesen nur

setzen wollen, wenn sie den Ton haben und in Verbalcompositionen vom

Grundworte trennbar sind. Ich habe diese Weise durchzuführen versucht,

bin aber nicht selten über die Richtigkeit meiner Entscheidung unsicher

geblieben, teils weil dies Gebiet der Grammatik überhaupt noch sehr

der Untersuchung bedarf, teils weil sich nicht immer beweisende

Textstellen auffinden liessen. Auch wird ein Unterschied nach der Zeit

zu machen sein: in der älteren ist die Bindung lockerer, der jüngeren

dient losere und festere Verbindung zur Entwickelung verschiedener

Bedeutungen. Bei einigen Verbalzusammensetzungen, z. B. mit over

und under, galt wohl, wie zum Teil noch heutzutage, Trenn- und

Untrennbarkeit ohne Begriffsunterscheidung neben einander.

Die Ordnung der Artikel ist alphabetisch, jedoch mit der Einschränkung,

dass die Wörter, welche mit F anlauten, unter V, die mit C und Tz (hd.

Z) unter S gebracht sind. Bei in- und auslautendem f ist der Verfasser

nicht consequent verfahren, weshalb ich mich berechtigt erachtet habe,

hier zur Bequemlichkeit des Publicums für die zweite Hälfte des Werkes

die alphabetische Trennung von f und v durchzuführen. Doppelconsonanz

im Auslaut hat der Verfasser, der bessern Orthographie des Mittelalters

folgend, nicht angewendet, allein bei k, wegen der Schreibung ck,

häufig davon eine Ausnahme gemacht, so dass man die Wörter bald unter

--ck, bald unter --k zu suchen hat. Ich habe nach Analogie der übrigen

Consonanten die Vereinfachung zu k festgehalten und danach die in

Betracht kommenden Wörter alphabetisch eingeordnet. Für die Schreibung

der auf Medien oder Spiranten ausgehenden Wörter sind, wie schon im

Grossen Wörterbuche, die aus der mittelniederdeutschen Grammatik

bekannten Auslautsregeln beobachtet worden. Für sc oder sk ist, ausser

wo diese Consonantenverbindung in- oder auslautend durch Contraction

entstanden war, stets sch gesetzt worden. Richtiger wäre vielleicht

gewesen, wenigstens auch mit anlautendem scr eine Ausnahme zu machen.

Die Scheidung von g und gh ist gleichfalls nicht versucht worden. Im

Inlaut sie zu machen, wäre zur Unterscheidung verschieden lautender

Wörter eigentlich notwendig gewesen. Von den Vocalen sind die beiden

ô (got. au und o) und die beiden ê, resp. ei (as. ê und io) nicht

getrennt, sondern orthographisch gleich behandelt worden.

Bei der Ansetzung der Artikel ist durchweg die allgemein-niederdeutsche

Sprachform, wie die Sprache der Hansen oder Osterlinge sie vom

dreizehnten bis sechszehnten Jahrhunderte bot, bevorzugt worden.

Stand die Wahl zwischen mehreren Formen frei, so ward die am längsten

herrschende und am weitesten verbreitete und möglichst eine aus der

mittleren Zeit vorangestellt. Dialektische Formen hat der Verfasser

meist beigefügt, sind von mir jedoch oft wegen Raumersparung im

Hauptartikel ausgelassen worden, wenn ihnen aus dem oben angegebenen

Grunde ein eigener Platz in der alphabetischen Reihenfolge zuteil

ward. Solche mundartliche Abweichungen, deren Kenntnis aus der mndd.

Lautlehre vorausgesetzt werden konnte, wie z. B. wenn û statt ô (mhd.

uo), î statt ê (mhd. ie) und a statt o in offener Silbe steht, sind

nicht immer verzeichnet worden. Seltenere Nebenformen sind hinter die

gewöhnlicheren Formen und in Klammer gesetzt. Steht aber die erste

Form eines Artikels in Klammer, so ist diese als gemein-niederdeutsch

anzusetzen, nur nicht zu belegen.

In der Bezeichnung der Vokallänge ist Lübben im grossen Wörterbuche dem

Vorschlage von Jacob Grimm, Grammatik I³, 252, gefolgt, sich derselben

nur in geschlossenen Silben und vor Consonantverbindung in offenen

Silben zu bedienen. Im Handwörterbuche ist er für e von dieser Regel

abgewichen und hat jedes lange e, auch in offener Silbe, mit Circumflex

oder Dach versehen. Darin hat er recht gethan. Es ist zu bedauern,

dass er nicht weiter gegangen und dasselbe Verfahren ebenfalls bei

den übrigen Vocalen oder mindestens bei a und o angewandt hat. Denn

die kurzen und langen Vocale sind im Niederdeutschen, wie noch im

modernen, so schon im mittelalterlichen nicht bloss quantitativ,

sondern auch qualitativ verschieden. Ich habe ein paar Male auch in

offener Silbe die langen Vocale a und o mit Circumflex versehen,

um zwei gleichgeschriebene Wörter zu unterscheiden. Und ebenso habe

ich bisweilen die Tonlängung in geschlossener Silbe durch ā, ē, ō

angedeutet. Zuweilen bin ich unsicher gewesen, ob ich e, ē oder ê

ansetzen sollte, und nicht immer mag ich das Richtige getroffen haben.

Die Endung el in Fremdwörtern, wie padderel, tassel, fardel etc., habe

ich nach des Verfassers Vorgang (s. z. B. kordêl) êl geschrieben,

doch ist mir nachträglich wahrscheinlicher geworden, dass man ēl zu

schreiben und zu sprechen hat. Ebenso habe ich nach seinem Beispiele

die fremdländischen Endungen ie (z. B. olie, passie, familie, vitalie)

und îe (z. B. ogelie, paperie, faselerie) nicht geschieden.

Der Verfasser war, wie er mehrfach kundgegeben hat, davon überzeugt,

dass die mittelniederdeutsche Sprache keinen Umlaut gekannt habe, mit

Ausnahme des von a und â, wo die Schreibung e freilich keinen Zweifel

zulässt. Demgemäss ist er sowohl im Grossen, wie im Hand-Wörterbuch

verfahren. Schiller war, wie wir durch K. Schröder's Mitteilung

in der Germania 19, 120 wissen, entgegengesetzter Ansicht. Obwohl

ich gleich Schiller und Schröder der Meinung bin, dass bereits im

Mittelniederdeutschen der Umlaut auch andere Vocale ausser a ergriffen

hat, so durfte ich doch einmal bei Herausgabe von Lübben's Arbeit

diese Meinung nicht zur Geltung kommen lassen, und andererseits liegt

die Frage noch gar nicht so spruchreif, dass man für jeden einzelnen

Fall sicher den Umlaut zu behaupten oder zu leugnen vermöchte. Ist

doch seit nicht gar langer Zeit überall erst die Untersuchung über

den Umlaut und andere Fragen der mndd. Lautlehre möglich geworden.

Früher hinderte der Mangel an Ausgaben der Sprachquellen, besonders

an genauen, gewissenhaften. Es ist das Verdienst von Juristen und

Historikern, wie Homeyer, Wehrmann u. a., zuerst die Notwendigkeit

getreuer Wiedergabe der handschriftlichen Vorlagen erkannt zu haben.

Ihnen sind jüngere Editoren, wie z. B. Hänselmann, Koppmann und

überhaupt die Waitz'ische historische Schule gefolgt, so dass in ihren

Publicationen jetzt schon ein umfangreiches Material für das Studium

der Sprache vorliegt. Auf der Thätigkeit der Philologen ruhte dagegen

lange wie ein die Entwickelung hemmender Meltau eine aus unzulänglicher

Kenntnis des Mittelniederdeutschen abgezogene Normalorthographie und

eine Geringschätzung der Weise, in welcher das Mittelalter selbst

meinte am füglichsten die Laute des Niederdeutschen darstellen zu

können. Das scheint anders werden zu wollen: es mehren sich die

lauteren Textausgaben von guten Handschriften und alten Drucken auch

aus der schönwissenschaftlichen Litteratur. Meines Bedünkens kann

auf diesem Wege fürs erste nicht leicht zu viel geschehen, selbst

wenn der ästhetische Wert oder der geistige Gehalt der Dichtungen nur

gering sein sollte. Die Folge würde sein, dass die Erforschung der

Lautlehre und Grammatik neuen Aufschwung nehmen kann. Man wird sich

betreffs jener die Frage vorlegen müssen, ob wir mit Recht ferner die

Consonantzeichen f, gh, y, sc, ssch, z, tz und die Vokalbezeichnungen

ø und u̸ (NB. nicht a̸, denn dafür hatte man ein e), ij oder y, die

Haken oben oder unter den Vocalen, die Stapelung von Vocalen über

einander oder ihre Gesellung auf der Linie neben einander einfach

ignorieren dürfen, als wären sie bedeutungslose Variationen oder

Schnörkeleien müssiger Kalligraphen, und ob wir nicht vielmehr darin

den Ausdruck von Lautschattierungen zu erblicken haben. Mit Hülfe der

besseren Handschriften wird man die Bedeutung und die Regel dieser

mittelalterlichen Orthographie wohl entdecken können. Dann wird es

an der Zeit sein, an die Stelle der hergebrachten, zwar bequemen,

aber die Sprache mangelhaft und teilweise unrichtig darstellenden

Normalschreibung eine neue zu setzen, welche möglichst der

mittelalterlichen Schreibweise anzunähern wäre, so dass man z. B. etwa

auf den Circumflex, ausser in grammatischen Untersuchungen, Verzicht

leisten dürfte.

Dass die Texte, wie bisher nach der alten, so nach einer solchen

lautgemässeren Orthographie ohne Rücksicht auf zeitliche und örtliche

und individuelle Dialekteigentümlichkeit dann zurecht gestutzt

und uniformiert würden, ist nicht zu wünschen und auch wohl nicht

zu erwarten. Hingegen ein Wörterbuch kann ohne solche geregelte

Orthographie nicht fertig werden; ohne die jetzt geltende wären auch

das Mittelniederdeutsche Wörterbuch und das Mittelniederdeutsche

Handwörterbuch wahrscheinlich nicht zu Stande gekommen. Daher war

mir auch vorgeschrieben, das letztere Werk in der vom Verfasser

eingeschlagenen Bahn zu Ende zu führen. Trotz aller angewandten Mühe

mag jedoch die Arbeit hie und da Consequenz und Gleichmässigkeit

vermissen lassen, was ich für Lübben mit seiner längeren Krankheit,

welche in seinen Tod endete, für mich mit der Schwierigkeit zu

entschuldigen bitte, welche mit solcher Aufgabe, das Werk eines Andern

herauszugeben und zu vollenden, verknüpft ist.

HAMBURG, August 1888.

*C. H. F. Walther.*

A

=a,= _als Buchstabe fem._

=a,= _interj. ach!_

=â= (aha, ahe), _f. Wasser, Gewässer, Strom, Bach, feuchte

Niederung._

=-â,= _emphatisch bei Ausrufungen an Partikeln etc. angehängt._

=abbadisse, -dische, abdisse,= _Äbtissin._

=abbedie, abdie,= _Abtei._

=abbesate= (= ambasiate). _Abgesandter._

=abbeteke,= _Apotheke;_ =abbeteker,= _Apotheker._

=abbet,= _Abt._

=abebôk,= _Abecedarium._

=abel,= _geschickt, passend, tauglich._

=abêle= (aweele), _Pappel (= *alber, populus alba;*) auch

glossiert als *abies;* als Pflanze:_ hippia major s. rubra.

=abelheit,= _Geschicklichkeit, Tauglichkeit._

=abelike,= _adv. auf geschickte Weise._

=abisse,= _f. Abgrund,_ ἄβυσσος.

=aborge= = ane borge?

=abraham,= _(Mantel)sack; (Geld-beutel; Sackgasse)._

=abûs,= _n. Sache die Befremden, Aufsehen erregt._

=abuwich= _u._ =anbuwich,= _baufällig._

=abuwinge,= _ungebautes Land._

=ach,= _interj._ ach der schande! ach der wedage!

=acht, achte,= _acht; *de achte dach,* die Octave eines Festes;

*de achte dage,* die ganze Woche nach einem Feste._

=acht, achte,= _f. Acht, Verfestung des Königs;_ =achtbrêf,=

_Schreiben, das die Acht öffentlich verkündigt._

=acht, achte,= _f. 1. Acht, Aufmerksamkeit, Sorgfalt. 2. Art u.

Weise, *ratio.* 3. Ansehen, Achtung. 4. Rang, Stand, Stellung

im Leben. 5. die in gleicher Stellung stehenden, Genossenschaft.

*mine acht,* Leute meines Ranges u. Standes. 6. Beratung, bes.

der Genossenschaft, der Urteilsfinder, Freunde; *acht bidden,*

um Beratung (mit Freunden, Rechtsbeiständen) bitten; *an ene

achte gân,* sich mit seinen Freunden etc. beraten; concret. die

Achtsleute. 7. Beschluss der Genossenschaft, Urteil, Weistum. 8.

Gerichtsversammlung, *placitum.* 9. der Bezirk des Gerichtes, der

Genossenschaft. 10. Bedenkzeit, Rechtsfrist, *spatium deliberandi;*

überh. Frist._

=acht(-, ach-, ac)bar,= _ansehnlich, herrlich, bes. als

Titelbezeichnung grosser Herren. -- *acbar maken, autenticare,* eine

Urkunde als authentisch bezeichnen._

=achtbarheit,= _Ansehen; ceremonielle Weise._

=achtbarlik,= _ansehnlich, achtungswert;_ =-liken,= _adv._

honorabiliter.

=achtede,= _der achte._ de achtede (_oder_ achte-) dach, _die

Octave eines Festes._

=achtegede,= _achtzehnte._

=achtehalve,= _sieben und ein halb._

=achtelink,= _eine kleine Münze, 5½ Pf._ (= kortelink).

=achten,= _sw. v. 1. rechnen, zählen, die Zahl überschlagen,

schätzen, taxieren. 2. berücksichtigen. 3. aufmerksam auf etwas sein,

achten, besorgen. 4. beraten. 5. erachten, glauben._

=achtendêl,= _Achtel einer Tonne._

=achtentich,= _achtzig._

=achter,= _m. Abschätzer, Taxierer._

=achter= (achtere) _u._ =echter,= _m. der in der Acht

befindliche,_ proscriptus.

=achter,= _präp. mit Dat. u. Acc. 1. hinter; -längs, durch-hin,_

achter (den) straten, per vias; achter lande, per terram; de achter

lande lopet, erraticus; _adv._ achter landes. _2. zeitlich:

nach._

=achter,= _adv. 1. hinten; *van achter to,* von hinten her;

*achter af,* hinterwärts, zurück. 2. zeitlich: später, nachher. 3.

modal: *to achter, a retro; to a. bringen,* zurück (nicht vorwärts)

bringen (bildlich); *to a. gân,* zurückgehen (weniger Einnahme,

Gewinn etc. haben); mit Gen. verlustig gehen; *to a. komen,* Abnahme

erleiden, verlieren; *to a. sîn,* im Rückstande sein, frz. *être en

arrière;* mit Gen. oder mit *an:* Forderungen an jemand haben._

=achter,= _adj. hinter; Comp. *achter* u. *echter;* Superl.

*achterste* u. *echterste*._

=achterbakes,= _adv. hinter-rücks._

=achterbliven,= _unterbleiben; *a. laten* sein lassen._

=achter-bort,= _f. Nachgeburt._

=achterdeken,= subdecanus.

=achterdêl,= _Hinterteil; bildlich (Ggs. zu *vordêl*): Nachteil,

Schaden._

=achterdenken,= _Hintergedanke._

=achterebbe,= _die letzte Zeit der Ebbe._

=achtergerede,= _Schwanzriemen der Pferde_ (postela).

=achterhalves,= _hinterrücks (von der Hinterseite her)._

=achterhode,= _f. Nachhut._

=achterhol,= _n. After._

=achterholt,= _m. u. n. Hinterhalt._

=achterhoren,= _verleumdet werden._

=achterklap,= _üble Nachrede, Verleumdung._

=achterklappen,= _afterreden, verleumden._

=achterklapperie= _u._ =achterklappinge,= _Verleumdung._

=achterklapper,= _Verleumder._

=achterkolsen,= _verleumden._

=achterkolser,= _Verleumder._

=achterkopen,= _verleumden._

=achterkoper,= _Verleumder._

=achterkosen,= _afterreden, verleumden._

=achterkoser,= _Verleumder._

=achterkoserie= _u._ =achterkosinge,= _Afterrede, Verleumdung._

=achter-laten,= _hinter-, zurücklassen; versäumen, unterlassen,

übergehen._

=achterlatenisse= _u._ =achterlatinge,= _Versäumung, Sünde._

=achterlogene,= _Verleumdung._

=achtern= _u._ =echtern,= _sw. v. hintansetzen, entfernen; refl.

zurückbleiben._

=achterna,= _adv. hintennach, hinterher._

=achterpart,= _Hinterteil._

=achterport,= _Hinterpforte, After._

=achterrât,= _späterer Rat._

=achter-rêp,= _Hinterseil, Schwanzriemen_ (postela).

=achter-sele,= _Hintersiele, Hinterriemen, *postela;* die

schwerste Stelle im (vierspännigen) Zuge. *in de a. komen,* bildl.:

zurückkommen, in seiner Nahrung Abnahme leiden._

=achterspil,= _Ehebruch._

=achtersprake, -spreke,= _Afterrede, Verleumdung._

=achterspreken,= _afterreden, verleumden._

=achterspreker,= _Verleumder._

=achterstân,= _zurückstehen, rückständig sein._

=achterstedich,= _rückständig._

=achterstellich,= _zurückbleibend; rückständig._

=achterstendich,= _rückständig._

=achter-terden,= _umgesetzt für:_ achtertreden, _zurücktreten._

=achtertow,= _Hintertau (Ggs._ vor-tow).

=achter-ût,= _hinten-aus._

=achtervlôt,= _die letzte Zeit der Flut._

=achtervoget,= _Untervogt._

=achtervolgen,= _nachfolgen, nachkommen; verfolgen, bes. im jurist.

Sinne, eine Sache, Klage etc.; bei versessener Rente den Eigenthümer

eines Hauses zum Verkauf treiben._

=achterwaren,= _bewahren, beschirmen._

=achterwascher,= _Hinterkläffer, Verleumder._

=achterwech,= _Rückzug, Rückweg._

=achterwegen= bliven, _unterbleiben; *a. laten,* unterlassen._

=achterwert, -wart, -wort,= _hinterwärts, zurück._

=achterwort,= _üble Nachrede._

=achtesman,= _Plur. *-lude,* der zur Beratung gezogen wird,

Teilnehmer einer Acht, Schöffe etc._

=..achtich= _und_ =-echtich,= _Adjectivendung, entw. von

*acht* (Art oder Weise) oder_ = (h)aftich.

=achtinge,= _f. (Rechnung) 1. Achtung, Aufmerksamkeit. 2.

Wertschätzung. 3. Stand._

=achtinge,= _Ächtung._

=achtlos= = echtlos.

=achtwort,= _s._ echtwort.

=acker,= _m. auch n. beackertes Land._

=ackeren,= _sw. v. ackern, *ackertlant,* Ackerland._

=ackeren,= _n. Eichel; Eichelmast. s. auch_ eckeren.

=ackerenval,= _Eichelnfall; Eichelmast._

=ackerkrût,= agrimonia.

=ackerman,= _Plur. *-lude,* Ackersmann, Bauer; auch Benennung der

Bachstelze, bes. in der Deminutivform:_ ackermänneken.

=ackermome,= _Ackermuhme, d. i. die Frau, die in einer grösseren

Wirthschaft auf das Vieh und die Mägde achtet. s._ mome.

=ackerpage,= _Ackerpferd._

=ackerrecht,= _Ackerzins._

=ackertrad,= polygonum aviculare?

=ackervent,= _s._ vent.

=ackerwerk,= _n. concr. alle Ländereien, die mit dem Pfluge

bearbeitet werden._

=ackét= (aket), _Nachstellung, Hinterlist,_ insidiae.

=adebar= (_und_ =edebar, edebere=), _m. Storch._

=adebars-brôt,= Geranium Robertianum; Iris Pseudacorus.

=adebars-kasber= _(Storchkirsche),_ Ribes nigrum.

=adebars-snavel,= _Storchschnabel;_ Geranium Robertianum.

=adebars-nibbe,= Delphinium consolida _u._ Geranium cicular.

=adek(e)=, _Attich,_ ebulus.

=adel,= _ags. *adul,* Stollen (im Bergbau)._

=adel= (âl), _m. Geschwulst, Geschwür, bes. Fingergeschwür_,

panaritium.

=adel= (addel, eddel, iddel), _ags. *adele,* zusammengeflossene

garstige Feuchtigkeit, Jauche, Mistjauche._

=adel,= _m. und n. Abstammung, bes. freie, edle Abstammung; coll. die

Adlichen._

=adel-arn,= _edler Aar, Adler._

=adelbrêf,= _Urkunde, welche den freien Stand eines Menschen

bezeugt._

=adelbroder,= _echter Bruder._

=adeldôm,= _adellicher, freier Stand._

=adelik,= _adellich, herrlich, vortrefflich._

=adelkint,= _ein Kind von freier Geburt._

=adel-, (addel)pôl,= _Mistpfuhl, Mistpfütze._

=adelsone,= _ehelicher Sohn, Ggs._ kevessone.

=adem,= _m. Athem._

=ademen,= _athmen._

=ademtocht,= _Athemzug._

=ader, adder= (edder), _Natter, jede (giftige) Schlange._

=ader(e),= _f. 1. Sehne, Flechse des thierischen Leibes, *nervus;*

Peitsche aus Sehnen gemacht; Rippe in den Pflanzen. 2. Blutröhre, Ader.

3. Plur. das Innere, Eingeweide, Mutterleib. Vgl._ inaderen.

=ader(e),= _mhd. *eter,* Staken, Knüppel, woraus man die Zäune

macht. s._ eder.

=aderen,= _sw. v. mit Sehnen (Adern) versehen, den Sattel

*aderen,* beziehen und bepolstern; aus Sehnen machen,_ aderde

repe, funes nervicei.

=aderich,= _1. schlangicht, *viperinus.* 2. sehnicht,_ nervosus.

=aderkouwen, ârkouwen,= _wiederkäuen._

=ader, (adder) -slange,= _(tautol. Zstzg.) Natter._

=aderstrûk,= _Strauch oder Knüppel zu Zäunen._

=ader-tûn,= _Zaun aus Adern, Gehegezaun. s._ edertûn.

=aderen-, aderlater,= _der zur Ader lässt._

=aderensleger,= _der zur Ader lässt, Schröpfer,_ minutor.

=adermonie,= *Agrimonia, Eupatoria.*

=aderwech,= _Schlangenweg, Schleichweg._

=aderwort= _(Natterwurz),_ serpentina.

=adich,= _Attich._

=admâl= = etmâl.

=a-drotich,= _überdrüssig._

=â-ducht= (adoit), _f. Wasserzucht, Abzucht des Wassers,

*aquaeductus, canalis* s. auch_ agetucht.

=advenant,= na advenant, _nach Verhältnis, frz._ à l'advenant.

=advente,= _f. Advent, die Adventszeit._

=af,= _präp. ab, von, von-herunter._

=af, ave,= _adv. ab, herunter, von -- weg. *af (ave) sîn* oder

*wesen,* abwesend sein; abgesetzt sein; abgethan, beendigt sein;

los, ledig sein; *af hebben,* herunter, weg, abgeschafft haben; *af

unde an,* hin und her (räumlich); dann und wann (zeitlich); *af of

an,* ja oder nein (modal); *af unde to,* hin und zurück; ab und

zu; ja oder nein. -- Häufig = *daraf* (wie *mede = darmede*).

Viele Verben werden mit *af* und dem Dativ verbunden, die nicht so

sehr als Composita anzusehen sind, als vielmehr nur bezeichnen sollen,

dass eine Thätigkeit zum Nachteil und Schaden oder Leidwesen der durch

den Dativ angegebenen Person geschah._

=af-asen,= _abfressen, bildl. rupfen, um sein Gut bringen (?)._

=af-baden,= _verlieren, einbüssen? niederlegen (ein Amt)?_

=af-bate,= _Abnutz, Nebennutz, unrechtmässiger Vorteil._

=af-bede,= _Abbitte._

=af-beholden, -halden,= _abgewinnen im Wege Rechtens._

=af-beiden,= _abwarten._

=af-beraden,= _ausberaten, abfinden, (Kinder) aussteuern._

=af-bernen,= _abbrennen._

=af-bersten,= _abbrechen._

=af-bidden,= _ab-, erbitten._

=af-binden,= _abbinden, ablegen._

=af-biten,= _wegbeissen._

=af-bloten,= _ab-blössen, (Holz) weghauen._

=af-bodelen, -bolen,= _jem. wegen seiner Ansprüche abfinden (s._

bodel, bôl).

=af-boren,= _abheben, wegnehmen._

=af-borgen,= _gegen Bürgschaft abnehmen._

=af-borst,= _Abbruch._

=af-bot,= _Abgebot, Abbestellung._

=af-bouwen,= _beim Bebauen eines Landes einen andern

benachteiligen._

=af-breke,= _Abbruch._

=af-breken,= _1. intr. Abbruch erleiden, abnehmen, kleiner werden

(auch unpers. mit Dativ). 2. trans. Abbruch thun, wegreissen, benehmen,

abziehen (in der Bezahlung). Refl. sich zurückziehen, nicht länger

leisten wollen._

=af-breker,= _Wegnehmer, Räuber, der (den Armen etc.) Abbruch thut._

=af-brekicheit,= _Abbruch, Abgang,_ (defectuositas).

=af-brekinge,= _Benehmung, Beraubung._

=af-brennen,= _ab-brennen (der Inf. lautet in guten mnd. Quellen

stets *af-bernen*)._

=af-bringen,= _1. wegnehmen. 2. verbringen, verschwenden._

=af-bringer,= _Verbringer, Verschwender._

=af-brôk,= _Abbruch, Schaden, Nachteil; Mangel (der Zahlung von

Zinsen etc.)_

=afbrokich= _und_ =afbroklich,= _zum Nachteil gereichend,

schädlich._

=af-busemen,= _aus dem *buseme* (s. d. W.) nehmen; aus der

Zugehörigkeit zur Familie, und, auf Leibeigene bezogen, aus der

Hörigkeit entfernen, herausnehmen._

=af-buten,= _ab-tauschen._

=af-buwede,= _Abbau, Bebauung einer Bergwerksgrube._

=af-dank,= _Abdank, Niederlegung einer Stelle, (*afdanken* 1. jem.

seines Amtes entlassen. 2. sein Amt niederlegen)._

=af-degedingen, -dedingen,= _1. durch gerichtliche Entscheidung oder

Vertrag (Verhandlung) von einem gewinnen oder erzwingen. 2. durch

Unterhandlung abwehren, durch Abfindung zufrieden stellen. 3. refl.

durch Vergleich von Feinden sich losmachen, kapitulieren._

=af-dêl,= _Abteil, Anteil am Erbe._

=af-dêlen,= _1. im Wege Rechtens aberkennen. 2. abteilen, als

Abfindung zuteilen. 3. verurteilen._

=af-delinge,= _Abteilung; Entscheidung_ (= schedinge).

=af-delligen, -delgen,= _vertilgen._

=af-dênen,= _durch einen andern Dienst wieder vergelten._

=af-dingen,= _am Preise, an der Schuld etc. etwas abziehen; refl.

sich durch einen Vertrag (Unterhandlung) frei, los machen,_ =

afdegedingen.

=af-dôn,= _entfernen, wegschaffen, aufheben; schlachten, töten: refl.

mit Gen. oder *van.* ablassen wovon; *sik afdôn van den live,*

Selbstmord begehen._

=af-dorschen,= _abdreschen, abprügeln._

=af-dracht,= _1. Entschädigung, Genugthuung. 2. Schaden, Nachteil. 3.

besondere, auszeichnende Tracht._

=af-dragen, -dregen,= _1. ab-, wegtragen; entfernen; abwenden. 2.

Abtrag machen, Entschädigung leisten, büssen wofür. 3. Abbruch thun._

=af-drechtich,= _Abtrag thuend,_ nocivus.

=af-dreger,= _der etwas wegträgt, Ggs._ todreger.

=af-drenken,= _ertränken._

=af-drepen,= _ein Abkommen treffen, sich vergleichen._

=af-dringen,= _abdringen, erzwingen; (vom rechten Wege) abbringen._

=af-driven,= _abtreiben; wegtreiben, wegnehmen; auch im Wege Rechtens

entziehen._

=af-drogen,= _1. abtrocknen. 2. austrocknen, das Wasser ablassen._

=af-drouwen,= _1. durch Drohung nehmen. 2. durch Drohung zum Abzuge

bringen._

=af-druppe,= _der unterste Teil des Daches,_ grunda.

=af-dwagen,= _abwaschen._

=af-dwingen,= _abzwingen, zur Zahlung nötigen._

=afermund= = overmund, _Grosssprecherei, vorlauter Mund (*afer,

affer* häufig_ = over).

=aferwinnen,= _abgewinnen, benehmen._

=af-eten,= _abessen, abfressen._

=affersten= = _abfristen, (gebührende) Frist gewähren?_

=affe,= _Affe. Diese hochd. Form begegnet zuweilen auch mnd._

=affen,= _äffen, höhnen, verspotten, gecken._

=affenie= = affenheit, fatuitas.

=af-entlasten,= _verstärktes_ entlasten.

=af-engen,= _abzwingen._

=af-eren,= _abpflügen, durch Pflügen Land benehmen._

=af-ermanen,= _abmahnen, abfordern,_ exigere.

=af-eschen,= _abfordern, Auslieferung, Übergabe etc. verlangen._

=af-evenen,= _eben, gerade machen, schlichten._

=affetucht= = avetucht, _s. *aducht* u._ ageducht.

=af-frien,= _wegfreien, weg-heiraten._

=af-gân,= _weggehen; aus dem Leben scheiden, sterben; abnehmen

(vom Monde etc.); verloren gehen; abgehen, nicht zu Stande kommen;

loskommen, sich der Anklage entledigen. -- Mit Gen. (u. Acc.)

verlassen, aufgeben, verzichten, sich entäussern. -- Trans. gehend

erreichen (auch bildlich: bekommen)._

=af-gank,= _Abgang, das Abgängig-werden._

=af-gedinge,= _Loskaufung eines Unfreien, Freigebung._

=af-gelden,= _abkaufen, bezahlen; refl. sich loskaufen._

=af-gnagen,= _abnagen._

=af-godesch,= _abgöttisch, Abgötter anbetend._

=af-godie= _und_ =af-goderie,= _Abgötterei._

=af-got,= _Plur. *af-gode,* Abgott; fem,_ af-godinne.

=af-graven,= _weg-graben._

=af-gripen,= _weggreifen, gefangen nehmen._

=af-grunt, -grunde= _(Genus wechselnd), Abgrund._

=af-grundich,= _tief (wie ein Abgrund)._

=af-guden,= _jem. wegen seiner Ansprüche abfinden._

=af-gunst, -gunsticheit,= _Ab-, Misgunst._

=af-hagen,= _durch Setzung eines lebendigen Zaunes Land wegnehmen._

=af-halven,= _abseits, s._ halve.

=af-handelen,= _durch Verhandlung bestimmmen, festsetzen._

=af-handelinge,= _(endliche) Festsetzung, Abschluss der

Unterhandlung._

=af-hansen,= _mit harten Worten jem. schelten._

=af-harden, -herden,= _abmahnen, Ggs._ an-, toherden.

=af-hardich= _(Ggs. *vul-hardich*), nicht ausdauernd,

überdrüssig._

=af-heimisch,= _aus der Heimat abwesend._

=af-heimischeit,= _Abwesenheit aus der Heimat._

=af-heldich,= _geneigt, abschüssig,_ proclivis.

=af-heldicheit,= _Abhängigkeit, Abschüssigkeit,_ proclivitas.

=af-henden,= _abhanden; *van affhenden bringen,* verloren gehen

lassen, beiseite schaffen._

=af-hendich,= _nicht vorhanden, nicht anwesend, verloren. *a.

maken,* wegnehmen (Privilegien, Bullen etc.). *a. werden,*

verloren gehen. Refl. *sik a. maken,* sich entfernen._

=af-hoden,= _abweiden._

=af-holden,= _im gerichtl. Sinn: abwehren, eine Beschuldigung von

sich weisen._

=af-holt,= _besonders aus der allgemeinen Holzmark ausgeschiedenes

Gehölz; Abgang vom Holz, Fallholz._

=af-horen,= _erhorchen._

=afhoste= (afhuste, afhorst, afhoster), _Kleinzehnte, *decima

minuta;* wahrscheinlich ein Blutzehnte (vom Jungvieh), syn. mit_

aftegede.

=af-houw,= _Abhieb._

=af-houwen,= _abhauen; bes. den Kopf abhauen, hinrichten durch

Köpfen; bildl.: einstellen, aufhören mit etwas._

=af-houwer,= _ein Schmiedewerkzeug?_

=af-huden,= _abhäuten._

=af-huren,= _abheuern, abmieten._

=af-jagen,= _abjagen (Raub, gestohlenes Gut etc.)._

=af-jeger,= _der geraubtes oder gestohlenes Gut dem Räuber oder Diebe

abjagt._

=af-kennen,= _sein Amt niederlegen,_ = af-kesen.

=af-keren,= _weg-, abwenden, verhüten._

=af-kerich,= _abwendig, nicht geneigt, feindselig._

=af-keringe= (afkerent, afkêr), _1. Abwendung, Abfall. 2. Widerwille,

Aversion._

=af-kesen,= _(den Dienst) aufsagen, das Amt niederlegen, abdanken;

von Bauern: freiwillig abziehen von einem Hofe._

=af-kesinge,= _Amtsniederlegung._

=af-kiven,= _abstreiten._

=af-klaffen,= _durch Schwatzen wegnehmen._

=af-kleien (-kleigen),= _abkratzen._

=af-klimmen,= _ab-, heruntersteigen._

=af-komen,= _intr. abkommen, abgehen (von einem Amte), loskommen (mit

Gen.); trans. einholen; ersetzen._

=af-kopen,= _abkaufen; von jemand ein Recht, eine Berechtigung

kaufen; Rente einlösen (durch Wiederbezahlung des geliehenen

Capitals)._

=af-korten,= _abkürzen, kürzen._

=af-kortinge,= _Kürzung, Schmälerung._

=af-kottiseren,= _mit einer Quote abfinden._

=af-krigen,= _abstreiten._

=af-kriten,= _(mit Kreide) bezeichnen, abteilen._

=af-kubbinge,= _Anbau (einer Scheune etc.), vgl._ ûtkubbinge.

=af-kummern,= _durch Beschlagnahme entziehen._

=af-kundigen,= _öffentlich bekannt machen (bes. durch Verlesung von

der Kanzel)._

=af-kundiginge, -kundinge,= _öffentliche Bekanntmachung (von der

Kanzel); spec. Aufgebot der Brautleute._

=af-lân= = aflaten.

=af-landich,= _(vom Winde:) vom Lande her wehend._

=af-langen,= _mit ausgestreckten Armen erreichen; überh. erlangen,

erreichen, bekommen; mit dem Geiste erreichen = begreifen._

=af-lât,= _n. Ablass._

=af-laten,= _herunterlassen; das Wasser (eines Teiches) ablassen;

heruntersetzen, von einem Hofe, Gute etc.; ablassen (zu thun);

abstehen, verzichten._

=af-latinge,= _Verzichtleistung._

=af-leden,= _abglieden, abtrennen; *dem doden de hant af-leden,*

die abgelöste Hand eines Erschlagenen vor Gericht bringen statt des

ganzen Körpers._

=af-ledigen,= _ledig machen, ablösen._

=af-leger (-lager),= _Absteigequartier, Einkehr; Recht der Einkehr

und freien Zehrung._

=af-leggen,= _1. niederlegen; bes. Waffen, Gepäck etc., um es

Wegelagerern zu überlassen oder auch um einzukehren, daher: Herberge

nehmen; *afleggen laten,* aufnehmen, bewirten. 2. bei Seite legen,

abstellen, abschaffen, abschlagen, von sich schieben; entlassen,

abfertigen. 3. von Schiffen: auf oder in See gehen, abfahren.

4. bezahlen (die Schuld ablegen), befriedigen (durch Bezahlung

der Schuld), vergüten. -- Refl. sich einer Ansprache rechtlich

entledigen._

=af-legginge,= _Bezahlung, Erstattung._

=af-legich, (-leggich),= _weigerlich, hinderlich._

=af-lenen,= _ableihen._

=af-letich,= _ablassend wovon._

=af-leven,= _erleben._

=af-lever,= _der etwas erlebt._

=af-livich,= a. werden, _mit Tode abgehen, sterben._

=af-lopen,= _intr. 1. weglaufen. 2. trans. laufend einholen._

=af-losen,= _ablösen; von einer Schuld abbezahlen._

=af-losinge,= _Ablösung, Aufhebung._

=af-loven,= _abgeloben, geloben etwas abzustellen._

=af-luren,= _abwarten._

=af-maken,= _abmachen, endigen, eine Sache ins reine bringen; in der

Kochkunst: schliesslich zubereiten, die letzte Hand anlegen._

=af-malen,= _1. mit einem Mal bezeichnen; den Schweinen ein Mal

aufbrennen. 2. abmalen, schildern._

=af-manen,= _abmahnen (Geld etc.), einfordern._

=af-meten,= _ab-, ermessen._

=af-minnen,= _weglieben, d. h. durch Liebe wegnehmen, verführen, vgl.

*af-frien*._

=af-morden,= _durch Mord benehmen._

=af-name,= _Beiname,_ appellatio ignominiosa.

=af-negen,= _abbiegen, vom rechten Wege sich abwenden,_ declinare.

=af-nemen,= _abnehmen; von einer Verpflichtung, Beschuldigung,

Ansprache befreien (bes. durch einen Eid); schliessen, urteilen._

=af-neminge,= _Benehmung; das Sühnegeld für einen Erschlagenen an

dessen Verwandte._

=af-nemer,= _der ab-, wegnimmt; der jem. von einer Beschuldigung

befreit._

=af-nouwen,= _abdrängen, abzwingen._

=af-ogen,= _bemerken, erblicken._

=af-ort,= _abgelegener Ort._

=af-panden,= _ab-pfänden, von jemand ein Pfand nehmen._

=af-persen,= _ab-, herauspressen._

=af-radelse,= _Rätsel._

=af-raden,= _abraten; = *af-verraden,* durch Verrat hingeben,_

prodere.

=af-rede,= _Abrede, Leugnung; *in a. sîn,* leugnen._

=af-rêken,= _abreichen (mit Ausstreckung des Armes berühren),

erreichen (eig. u. bildl.); herunterreichen._

=af-rekenen, -reken,= _abrechnen, kürzen,_ defalcare.

=af-richten,= _1. durch einen Richterspruch erledigen und

entscheiden. 2. durch einen Richterspruch aberkennen, Ggs.

*torichten*. 3. entrichten (eine Schuld). 4. hinrichten. 5.

abfertigen; abweisen, ausschelten. -- Refl. sich versöhnen._

=af-richtinge,= _Entscheidung; Schlichtung._

=af-riden,= _reitend erreichen._

=af-rigen,= _herfliessen,_ derivare.

=af-risinge,= _Einkünfte, Gefälle (*af-risen,* herunter-,

abfallen)._

=af-riten,= _abreissen._

=af-ronnen,= _niederrennen, rennend vom Pferde stechen; refl. sich

den Kopf abrennen._

=af-ronnich (-runnich, -rinnich),= _weggekommen, entlaufen; *a.

werden,* entrinnen._

=af-ropen,= _verkündigen,_ proclamare.

=af-roven,= _weg-rauben._

=af-rucken,= _wegrücken, wegreissen._

=af-rumen,= _den Platz, Ort verlassen, räumen, abziehen._

=af-runstig,= _(wegläufig, weglaufend), *a. werden,* entrinnen,

sich vor Gericht nicht stellen (*contumax*) ungehorsam sein; *a.

maken,* veräussern, in andere Hände bringen._

=af-rute,= abrotanum.

=af-sate,= a. unde upsate, _das Ab- und Aufsetzen der Meier._

=af-schaffen,= _fortschaffen, entlassen._

=af-schatten,= _als Steuer oder Schatzung abnehmen, abpressen._

=af-schedeliken,= _abgeschieden (von der Welt)._

=af-scheden,= _1. trennen, absondern (Part. afgescheden auch:

absonderlich, seltsam). 2. aburteilen; absprechen, aberkennen. 3.

verabschieden._

=af-schedinge,= _Trennung._

=af-schelken,= _zwei Holzteile in einander passen; durch Anstückung

verlängern (?)._

=af-schêt,= _1. Abscheidung, Abfindung. 2. Abschied, (schliessliche)

Verabredung. 3. Vergleich. 4. Bescheid._

=af-scheten,= _abschiessen; intr. herabschiessen, herabstürzen,

-fallen._

=af-scheven= = af-schuven, _ab-, wegschieben._

=af-schillen, -schellen,= _abschälen,_ decorticare.

=af-scholen,= _abspülen, durch das Anschlagen des Wassers

wegspülen._

=af-schoren,= _abreissen._

=af-schrapen,= _abschaben, *abradere* (*af-schrapels,* was

abgeschabt ist)._

=af-schriven,= _durch ein Schreiben aufkündigen._

=af-schulen,= _im Versteck abwarten._

=af-schumen,= _abschäumen,_ defecare.

=af-schuw,= _Abscheu._

=af-schuwelich,= _abscheulich._

=af-schuwen,= _abschrecken._

=af-schuven,= _ab-, wegschieben._

=af-seggen,= _1. entscheiden, ein Urteil etc. aussprechen; und

persönlich: verurteilen. 2. absagen, verzichten; den Frieden

aufkündigen, *renuntiare. afgesechter vient,* der sich öffentlich

als jemandes Feind erklärt hat; *de veide a.,* die Fehde absagen,

erklären, dass sie abgethan ist._

=af-sên,= _visieren (ein Geschütz zum Abfeuern nach dem Ziel)._

=af-settelse,= _Nische zum Aufbewahren (vgl._ afside).

=af-setten,= _1. ab-, heruntersetzen, auch vom Preise; die

Kaufmannsgüter ins Schiff bringen (mittelst eines Krahnes), (gewaltsam)

vom Wagen abladen. 2. ablegen, entfernen; absetzen, aus dem Amte

entfernen. 3. aussondern, ausstatten (Kinder)._

=af-sichten,= _absondern (durch Sieben), aus dem Wege räumen (?)._

=af-sichtich,= _ersichtlich, aus der Ferne sichtbar._

=afside= _(gr._ ἀψίς, _mlat. *absida),* Seitenschiff (der

Kirche); halbrunder Anbau an den Chören; dann (mit volkstümlicher

Etymologie von *side,* Seite) jeder Seitenraum, auch kleiner Anbau

an der Seite des Haupt-Gebäudes._

=af-sin= = af-sinnicheit, _Wahnsinn._

=af-sinnich,= _von Sinnen, unsinnig._

=af-sinnicheit,= _Wahnsinn._

=af-sitten,= _1. sich heruntersetzen. 2. trans. absitzen, sitzend

etwas thun._

=af-slach,= _1. Werkzeug eines Schmiedes, Schmiedsstock,

*pistillus*. 2. Abnahme, Verminderung; abschlägige Zahlun;

Heruntersinken im Preise. 3. abschlägige Antwort._

=af-slân,= _1. abschlagen, erschlagen; schlachten; zurückschlagen,

zurücktreiben, niederschlagen; abladen, abwerfen; abziehen, abrechnen,

*defalcare;* in Abschlag bezahlen; (in Beschlag nehmen?) 2. intr.

einen Weg zur Seite einschlagen; heruntergehen, sinken im Wert;

misraten; rückgängig werden._

=af-sliken,= _abschleichen, durch Überrumpelung nehmen._

=af-sliten,= _1. abschleissen, abnutzen. 2. niederreissen._

=af-sloten,= _durch einen *slôt* (Graben) abgrenzen._

=af-sluten,= _1. abschliessen. 2. das Schloss wieder abnehmen._

=af-smachten,= _aushungern, durch Hunger zur Ergebung zwingen._

=af-snede,= _Abschnitt (als Teil oder Ende)._

=af-sniden,= _abschneiden; *ein afgesneden* (d. i. kurzes) Kleid.

-- *afgesneden,* von der christlichen Gemeinschaft getrennt,

Ungläubiger, Sectirer, Ketzer; so heissen z. B. die Russen_ de

ungelovigen, afgesneden Russen.

=af-snoien (-sneien),= _als Schnatbaum bezeichnen. Dazu d. Subst._

afgesnoginge.

=af-sogen,= _(Kind) entwöhnen._

=af-son(e),= _Versöhnung, Genugthuung, Abfindung._

=af-sonen,= _versöhnen, abfinden._

=af-spannen,= _abspannen, wegnehmen._

=af-spannen,= _weglocken, abspänstig machen._

=af-spenen, -sponen,= _(Kind) entwöhnen, von der Mutterbrust

(*spene*) entfernen._

=af-spennich= maken, _abspänstig machen._

=af-splêt,= _abgerissenes Stück, Abspliss._

=af-spliten,= _abspleissen, abtrennen._

=af-spreken,= _1. (das Urteil) abgeben, verkünden. 2. lossprechen,

freilassen. 3. die Berechtigung in Abrede stellen, bestreiten._

=af-sproke,= _m. Urteil, Erkenntnis._

=af-spruten,= _absprossen, abstammen._

=af-staken,= _s._ staken.

=af-stân,= _1. sich herunter stellen, absteigen. 2. abstehen von

etwas, abtreten, mit Gen. 3. von etwas oder von jemand sich lossagen,

abfallen, mit Gen., seltener mit Dat. (der Person). 4. sein Amt

niederlegen._

=af-stant= dôn, _Verzicht leisten._

=af-staven (?)= = af-stuven? _abhauen._

=af-steken,= _(im Turnier oder Kampfe) vom Pferde stechen; (vom

Wagen) herunterwerfen, abladen? -- Refl. sich wegschleichen._

=af-stelen,= _refl. sich wegschleichen._

=af-stellen,= _1. wegstellen, entfernen. 2. verweigern._

=af-sterven,= _weg-sterben; ab-, aussterben._

=af-sticht,= _Verzicht._

=af-stichten,= _verzichten, cedieren._

=af-stichtinge,= _Verzicht, Verzichtleistung. *a. dôn,*

verzichten, aufgeben, verlassen._

=af-stigen,= _1. vom Pferde steigen. 2. trans. durch Ersteigung

abgewinnen (Stadt, Festung etc.)._

=af-storrich,= _verdreht (in Sinn und in Sitten), *distortus,*

störrisch. Vgl. *asturich*._

=af-storricheit,= _störrisches, abstossendes Wesen, *distortio*._

=af-storten,= _ab-, herunterstürzen._

=af-stortinge,= _Abstürzung; im Deichwesen: Kamm-, Kappstürzung._

=af-stôt,= _schlechte Wolle, die auf dem Streichbaume abgestossen

ist; Wollabfall._

=af-stoten,= _abstossen._

=af-stoter,= _Gesell der Lederarbeiter, welcher das Haar von den

Fellen abstösst._

=af-strick,= _s._ astrick.

=af-stri(c)ken,= _benehmen, entziehen; (Pferden) den Zaum etc.

abnehmen, abschirren. -- *de hant a.,* die (Eides)-hand benehmen, d.

h. jemand durch einen besseren Beweis am Eide hindern._

=af-stroifen,= _abstreifen._

=af-sturen,= _ablenken._

=af-stuven,= stuf _(d. i. stumpf) machen, abhauen._

=af-sunderen,= _1. absondern, ausscheiden; *afgesundert,* von der

christlichen Gemeinschaft getrennt = *afgesneden, de affgesunderten*

(oder *ungelovigen Russen.*) 2. abfinden._

=af-sweren,= _durch Beschwörung von sich abwenden, *expiare;*

durch einen Eid (resp. Meineid) abgewinnen; den Eid leisten bei

Niederlegung des Amtes. Der neue Rat *swert to,* der alte *af*._

=af-swik= dôn, _mit Gen. von etwas lassen, etwas nicht thun wollen,

in Stich lassen._

=af-swoninge,= _Sühne, Aussöhnung, s. *swone*._

=af-tappen,= _abzapfen, abschöpfen._

=af-tegede,= _der Schmalzehnte;_ decima minuta. = afhoste.

=af-tekenen,= _bezeichnen, festsetzen._

=af-tên,= _abziehen; wegziehen, abreissen; schmälern (mit Dat. d.

S.), *detrahere*. -- Intrans. u. refl. abziehen, weggehen._

=af-ticht,= _Verzicht._

=af-tichten,= _verzichten._

=af-tichtinge,= _Verzichtleistung._

=af-toch,= _Abzug; Entfernung._

=af-toppen,= _die Spitze (*top*) eines Baumes abhauen._

=af-toven,= _abwarten._

=af-trecken,= _abziehen; intr. weggehen._

=af-trede,= _Zurücktreten, Abfall._

=af-treden,= _ab-, zurücktreten; abfallen (mit Dat. d. P.)._

=af-treder,= _Abtrünniger._

=aftrunnich= = afrunnich, -ronnich.

=af-tugen,= _durch Zeugenbeweis nehmen._

=af-tunen,= _abzäunen, durch Setzung eines Zaunes Land benehmen._

=af-tuschen,= _betrügerisch abnehmen._

=af-vallen,= _herunterfallen; ausfallen, einen Ausfall machen; Ggs.

*bi-vallen,* keinen Beifall geben, Unrecht geben._

=af-varen,= _abziehen, weggehen; trans. *varend* erreichen._

=af-vellich= werden, _abfallen; abgängig werden, verloren gehen._

=af-verdigen,= _absenden._

Mittelniederdeutsches Handwörterbuch · 第 1 / 90 段