Und ich, der ich zuerst vor den Räubern angstvoll gezittert und nachher
mich ungeduldig nach ihnen gesehnt und meine Hoffnung auf sie gesetzt
hatte--ich fürchtete mich weder vor ihnen, noch erhoffte ich von ihnen
irgend etwas; von Furcht und Hoffnung frei, empfand ich eine große Ruhe.
In dieser Ruhe kostete ich aber einen Vorgeschmack der Wonne, die
denjenigen zu eigen ist, die das Ziel der Pilgerschaft erreicht haben;
denn wie ich den Räubern gegenüberstand, so mögen sie wohl allen Mächten
der Welt gegenüberstehen: weder fürchten sie solche, noch hoffen sie
etwas von ihnen, sondern verharren in Frieden.
Und ich, der ich noch vor vierundzwanzig Stunden mich scheute, eine
kurze Reise anzutreten wegen der Strapazen und der kargen Kost des
Karawanenlebens, ich beschloß jetzt, ohne Zagen und Wanken, bis an das
Ende meiner Tage obdachlos zu Fuß zu wandern, mein Leben fristend "so
wie es eben kommt".
Ohne auch nur noch einmal in das Haus zurückzukehren, ging ich
geradenwegs nach einer zwischen Garten und Hof gelegenen Scheune, wo
allerlei Geräte aufbewahrt wurden. Dort nahm ich den Stock eines
Ochsentreibers und schnitt die Spitze ab, um ihn als Wanderstab zu
benutzen, und eine Kürbisflasche, wie die Gärtner und Feldarbeiter sie
bei sich tragen, hängte ich um.
Am Brunnen im Hofe füllte ich die Flasche.
Da trat der Hausmeier an mich heran.
"Angulimala und seine Räuber kommen wohl jetzt nicht mehr, o Herr?"
"Nein, Kolita, sie kommen nicht mehr."
"Aber wie, o Herr? Gehst du schon aus?"
"So ist es, Kolita, ich gehe aus, und eben davon wollte ich mit dir
sprechen. Denn ich gehe jetzt den Weg, den sie den Weg der höchsten
Zugvögel nennen. Von diesem Weg, Kolita, gibt es aber für einen, der auf
ihm ausharrt, keine Rückkehr. Keine Rückkehr nach dem Tode in diese
Welt, wieviel weniger während des Lebens nach diesem Hause. Dies Haus
aber gebe ich in deine Obhut, denn du hast dich treu bewährt bis in den
Tod. Verwalte Haus und Vermögen, bis mein Sohn das Mannesalter erreicht.
Grüße meinen Vater und meine Frauen, und gehab dich wohl!"
Nachdem ich also gesprochen, und meine Hand, die der gute Kolita mit
Küssen und Tränen bedeckte, frei gemacht hatte, schritt ich dem Tore zu.
Und beim Anblick des Pfostens, an dem die Gestalt des Asketen gelehnt
hatte, dachte ich: wenn ihre Ähnlichkeit mit Angulimala nur eine
Erscheinung war, so habe ich nun diese Erscheinung richtig gedeutet.
Schnell, ohne mich umzusehen, durchschritt ich den Vorort mit seinen
Gärten; und vor mir erstreckte sich, wie in die Unendlichkeit
fortlaufend, im ersten Schimmer des Tagesgrauens, die öde Landstraße.
So bin ich, Ehrwürdiger, in die Heimatlosigkeit gegangen.