Thüre von der Hallig Nordmarsch.]

Die Verhältniszahlen des Bildes sind 34,5:35 cm.

Die Mittelfüllung ist ausgezeichnet durch ein ähnlich zierliches

Rankenornament wie bei A, nur läuft es in gleichbleibender Breite von

4,5 cm. um eine Schrifttafel, die in Schnitzerei die gotische Inschrift

enthält:

Der Ein Und Aus Gang Mein

Laß Dier O herr Befohlen Sein.

Die Größenverhältnisse des Schnitzwerkes sind hier 17,5:66,5 cm.

Die untere Füllung von B ist einigermaßen überraschend, denn der gelbe

Blumenkorb mit steifem, streng symmetrisch geordnetem Bouquet, mit

welchem sie geschmückt ist, erscheint mehr als ein Lückenbüßer, denn als

charakteristische, der ganzen Veranlassung zu den beiden Pendants

entsprechende Verzierung. Da wie um alle übrigen Paneelbilder auch um

dieses eine Umrahmung von Pflanzenornament läuft, so ist hier des

vegetabilischen Motivs etwas zu viel gethan, und man würde an Stelle des

Blumenkorbes lieber irgend eine Scene aus dem Seemannsleben dargestellt

sehen.

Um wieder die Verhältniszahlen anzuführen -- sie betragen 34,5:43,4 cm.

Jeden Thürflügel umschließt ein 17-18 cm. breiter Rahmen mit 10 cm.

breiter Schnitzerei, die sich wesentlich von den übrigen umrahmenden

Ornamenten unterscheidet. In Wellenlinien läuft hier von oben nach unten

eine scharf hervortretende Lianenranke, deren Wellenhöhe bei B

beträchtlicher ist, als bei A, wodurch dann natürlich die Wellenlängen

in umgekehrtem Verhältnis stehen. An die Ranke setzen sich Blätter,

Blüten und Früchte in naturalistischer Ausführung der exotischen Formen,

doch unterscheiden sich beide Rahmen noch dadurch, daß bei A zahlreiche

buntgefiederte Vögel, die bei B ganz fehlen, einen Teil der Blüten und

Früchte ersetzen.

Die Spruchbänder in den oberen Querleisten sind in der Mitte abgeteilt,

bei A durch eine Blüte, aus der ein geflügeltes Engelsköpfchen

herauswächst, bei B durch ein ganzes Figürchen, das mit erhobenen Armen

ein wehendes Band etwa in der Form eines Schiffswimpels hält. Deutlich

hervortretend zieht sich die Lianenranke in organischem Zusammenhange

mit denjenigen der Seitenrahmen bei B auch durch die Querleiste, bei A

verschwindet sie mehr unter üppigerem Blattwerk. Durch das

Auseinanderbersten des Holzwerkes haben sich spätere Besitzer der Thüren

veranlaßt gesehen, geschnitzte Keile in die breit klaffenden Fugen

zwischen Quer- und Seitenleisten einzusetzen, welche der Harmonie des

Ganzen leider in unschöner Weise Abbruch thun.

Die Thürverschlüsse bestehen aus ovalen Messingschilden mit

Bogenausschnitten an den Kanten und mit rechtwinkligen Griffbügeln. Von

wenig geübter Hand sind Anfangsbuchstaben von Namen in der Mitte

eingraviert und die Jahreszahlen 1774. Sie sind ganz augenscheinlich

erst nachträglich aufgenagelt worden, denn die Farbe der Thür war hier

bereits merklich abgegriffen und die Schilde selbst passen der Breite

nach nicht auf die ungeschnitzte Leiste, so daß sie bis auf die

Kehlstöße der Mittelfüllung überragen.

Zu den Thüren gehören Bretterwände, die horizontal mit weißen

akanthusartigen Arabesken auf blauem Grunde bemalt sind. Breite, reich

profilierte Leisten mit buntem Oelfarbenanstrich verbinden je zwei

Bretter und bilden auch oben und unten den Abschluß der Wände.

Die Thüren mit ihrem tiefen, ruhigen Farbenschmuck und die Wandbretter

harmonierten aufs Schönste mit den dunkelblau-weißen Kacheln der übrigen

Wandteile, so daß im Verein mit dem über das gewöhnliche Maß

hervorragenden Mobiliar, das mit den Thüren im Hause alt geworden war,

mit dem reliefgeschmückten Einlegerofen und der Bettnische das ganze

Zimmer ein ungewöhnlich charakteristisches Ensemble bot, dessen

Zerstörung, ehe es ganz in unseren Besitz gelangen konnte, sehr zu

bedauern bleibt.

_Nürnberg._

Dr. _Eugen Traeger_.

Das Bildnis des Hans Perckmeister.

Gegen das Ende des Jahres 1894 gelangte durch Ankauf ein interessantes

Porträt, in Öl auf Holz gemalt, h. 51 cm, br. 41,5 cm in die

Gemäldesammlung des germanischen Museums. Am obern Rande trägt das Bild,

dessen nähere Beschreibung unten folgt, auf dem olivgrünen Grund in

gelben lateinischen Majuskeln die Inschrift: ALS · MAN · M · CCCC ·

LXXXXVI · IAR · ZALT · WAS PERCKMEISTER · LX · IAR · IN · DER · GE ·

STALT · Am Rande der linken Seite in der Mitte das Monogramm W aus zwei

sich überschreitenden V gebildet. Der Dargestellte (Brustbild) blickt

dem Beschauer dreiviertel en face etwas nach rechts gewandt entgegen,

die beiden nicht mehr ganz sichtbaren Hände sind gekreuzt, in der

Rechten hält er einen Rosenkranz mit roten Perlen. Er trägt schwarze

Schaube und schwarze Mütze mit hinten herabhängendem Ende. Das Gesicht

ist schmal, mit kräftiger, ein wenig gebogener Nase, vielfach von Falten

durchfurcht, das Haar graumeliert, der Ausdruck der eines klugen, dabei

etwas gutmütigen Mannes.

Über die Persönlichkeit des Dargestellten hat Hermann Peters in seinen

geschichtlichen Notizen über die Mohrenapotheke das Wissenswerte

zusammengestellt. Darnach war er der Sohn des Meisters Conrad

Berkmeister, Besitzers der an Stelle des jetzigen Rathauses an der Ecke

der heutigen Theresienstraße dem seinerzeitigen Predigerkloster

gegenüberliegenden Apotheke. Nach der mitgeteilten Inschrift ist Hanns

1436 geboren; 1470-1512 in welchem Jahre er starb, war er Genannter des

größeren Rates. Die Apotheke am Predigerkloster, die er jedenfalls nach

seinem Vater übernommen, befand sich schon vor seinem Tode in andern

Händen (1511) und es ist wahrscheinlich, daß er, der mit seiner Frau

eine Stiftung für die neue Spitalapotheke gemacht hatte, diese selbst in

seinen letzten Lebensjahren geleitet habe.

Das Bild ist gewiß kein hochbedeutendes Kunstwerk, aber nach mehr als

einer Richtung von kunstgeschichtlichem Interesse. In der reichen

Litteratur über Wolgemut ist es bisher nicht erwähnt, insbesondere auch

Thode unbekannt geblieben. Gehört es wirklich Wolgemut an, so wäre es

dessen bisher einzig existierendes bezeichnetes Gemälde. Daß das

Monogramm W alt und echt ist, unterliegt nach Angabe von Geheimrat v.

Reber und Professor Hauser, die gelegentlich der Restauration

Gelegenheit hatten genau zu prüfen, keinem Zweifel. Fraglich bleibt

zunächst nur, ob es Wolgemut bedeutet. Sind die verschiedenen W auf

Illustrationen des Schatzbehalters Hinweise auf den Künstler Michael

Wolgemut, so ist es das W auf dem vorliegenden Bilde sicher auch. Noch

mehr aber dürfte für Wolgemut die künstlerische Art und Weise sprechen.

Zum Vergleich heranzuziehen ist zunächst das in Größe und Ausführungsart

dem des Hans Perckmeister ganz gleiche Brustbild des Martin Rosenthaler

(Kat. d. Gem. d. Germ. Mus. Nr. 119). Leider ist das Bild schlecht

erhalten, mit Ausnahme des Gesichtes ist alles übermalt. Die

Persönlichkeit des Dargestellten geht aus einer fast verwischten

Inschrift der Rückseite, die bisher nicht beachtet wurde, hervor, und

heißt: MERTEN ROSSENTAHLER IN DIESER GESTALT 72 IAR ALT. Sie ist nach

der Schrift (Weiß auf schwarzem Grund) wohl im sechzehnten Jahrhundert,

vielleicht als das Bild eine Übermalung erhielt, erneuert worden. Die

freie, kecke, an eine schnell gemachte Skizze erinnernde Art des

Porträts Perckmeisters wohnt ihm nicht inne, es ist sorgfältiger

behandelt, wie das Perckmeisters zeigt es aber dieselbe Auffassung und

dieselbe Art den Dargestellten gegen den Hintergrund zu setzen. Der

Dargestellte war nach urkundlichen Nachrichten 1493 gestorben, 1492 von

einer Reise in das gelobte Land zurückgekehrt. Vermutlich ist das Bild

kurz nach 1490 oder 1492-93 entstanden. Von diesem Martin Rosenthaler

existiert ein auch in der Porträtsammlung des Museums vorhandener

Kupferstich von J. F. Leonhardt (Ende des 17. Jahrhunderts). Dieser

enthält auch die Notiz über Rosenthalers Wallfahrt zum heiligen Grab,

welche in der betreffenden Litteratur bis heute nicht Erwähnung gefunden

hat. Es ist eine ebenfalls nach links gewandte Halbfigur in schwarzer

Schaube mit Rosenkranz in der Rechten. Das Haupt deckt ein

pelzverbrämtes Barett. Der Dargestellte trägt hier einen Bart und ist

jugendlicher, etwa als Fünfziger, wiedergegeben, so daß die beiden auf

die Pilgerfahrt bezüglichen Zeichen, Muschel und Stern wohl spätere

Zuthat sind. Die Gesichtszüge sind trotz des Bartes unverkennbar

dieselben wie auf dem Ölgemälde und offenbar liegt dem Stich ein

gleichzeitiges Gemälde zu Grunde. Nicht so groß, aber doch leicht

erkenntlich ist die Verwandtschaft zu den neuerdings Albr. Dürer

zugeschriebenen Tucherbildnissen der Casseler Galerie und des Weimeraner

Museums. In Auffassung und Technik stehen diese 1499 datierten Bilder

entschieden bedeutend höher als das vorliegende Porträt.

Nichtdestoweniger ist die zeichnende, die Konturen hervorhebende Art

beiden gemeinsam, auch die Art die Augen zu behandeln zeigt Verwandtes.

Daß das Bildnis in die der Werkstatt Wolgemuts angehörende Gruppe zu

verweisen ist, wurde auch ohne Monogramm des Weiteren ein Vergleich mit

der Vorderseite der Predella des Peringsdorfferischen Altars

(Brustbilder Cosmas, Damian, Magdalena und Lucia, Kat. Nr. 113 und 114)

ergeben; die technische Behandlung des Haares und des Fleisches, der

Modellierung stimmt genau überein.

Ein erhöhtes Interesse gewinnt das Bild durch den Umstand, daß wir von

einem zweiten und zwar plastischen Bildnis desselben Mannes Kunde haben.

Wäre nicht die ganz ausdrückliche Bemerkung dabei, daß es

Bildhauerarbeit und zwar vermutungsweise eine solche von Veit Stoß sei,

so würde die Annahme, daß wir es mit dem eben besprochenen Gemälde zu

thun haben, wohl kaum fehlgreifen. Joh. Christoph von Murr berichtet

nämlich in seiner Beschreibung der Marienkirche zu Nürnberg (v. J. 1804,

auf S. 15) bei Gelegenheit der Besprechung der Kunstweise von Veit Stoß:

»Ich habe von Veit Stoß eine sehr schöne Büste. Sie ist 12½ Zoll hoch

(das entspricht auch ungefähr der Größe des gemalten Bildnisses), und

hat diese Aufschrift in goldenen Buchstaben:

»ALS MAN M · CCCC · LXXXVI IAR ZALT

WAR HANS PERCKMEISTER IX IAR IN DER GESTALT.«

Das in der Bibliothek des germanischen Museums befindliche Exemplar der

Schrift, stammt aus der Colmarischen Bibliothek und trägt von der Hand

dieses Sammlers wie so viele andere, auch die Bemerkung: Jetzt hat sie

(die Büste) Hr. Fürst Reiß-Lobenstein. Leider waren die Bemühungen den

weiteren Verbleib dieser Skulptur, die als deutsche Porträtbüste des XV.

Jahrh. von größter kunstgeschichtlicher Wichtigkeit wäre, festzustellen,

bis jetzt ohne Erfolg. Eine handschriftliche Bemerkung auf der Rückseite

des Ölgemäldes, der Schrift nach aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts,

weist auf die »alhier« befindliche Praunsche Kunstkammer hin, und

beweist damit, daß das Gemälde sich bis auf unser Jahrhundert in

Nürnberg befand. In den Besitz des Museums gelangte es aus der

nachgelassenen Sammlung des Appellationsgerichtsrates Lippart in

Sulzfeld a. M., wo es wohl wenigstens seit der Mitte des Jahrhunderts

war. Merkwürdig ist immerhin, daß weder Murr, der doch die

Nürnbergischen Kunstbestände sehr genau kannte, noch der Autor der

handschriftlichen Bemerkung von dem Vorhandensein des Bildes etwas

wußten. Vielleicht trägt diese Notiz dazu bei, der Büste des weiteren

nachzuforschen; dann kann auch entschieden werden, ob, wie zu vermuten

ist, beide Arbeiten zusammenhängen, resp. das eine nach dem Vorbild des

andern geschaffen wurde. Die lebenswahre, jedem Beschauer auffallende

Behandlung des Gemäldes spricht vorläufig für die Arbeit desselben nach

dem Leben.

_Nürnberg._

_Hans Stegmann._

Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896 · 第 36 / 37 题