3) Falkenbeize. K. P. 900. Katal. 536.

Links im Vordergrunde steht ein von rückwärts gesehener Jäger,

der auf seiner linken Hand einen Falken trägt: neben ihm zwei Hunde.

Rechts ein Reiter, der einen Falken steigen läßt, außerdem zwei

Jäger, deren einer einen Hasen in der Linken trägt. In der Mitte

ein Falke, der einen Hasen ergriffen hat. Dahinter ein nach rechts

galoppierender Reiter mit Schwert in der Rechten. Drei fliegende

Falken. Kornfeld.

III. Susanna. K. P. 462. Katal. 611. Oval, H. 0,045 m., Br. 0,039 m.

Bleiguß. Tafel II.

Die nackte Susanna sitzt unter einem Baume in einem Bassin, die

Füße im Wasser. Sie hat den Kopf nach rechts gewandt, den gekrümmten

linken Arm zur Abwehr erhoben. Von rechts und links wird sie von

den beiden Alten angegriffen. Links im Vordergrunde ein kleiner

Hund. An dem Bassinsteine rechts die Jahreszahl 1580. Gezahnter

Rand.

Während der Meister der Jagdscenen wenigstens in Bezug auf Komposition

Selbständigkeit sich wahrt, begibt sich der Monogrammist L+D in

sklavische Abhängigkeit von seinem Vorbilde. Auch er gehört der jüngeren

Nürnberger Richtung an. Nagler (Monogr. Bd. IV, S. 332, Nr. 1015) deutet

das Monogramm auf Leonhard Danner, einen Nürnberger Mechaniker, der von

1497-1585 lebte, und die Art der bei den Plaketten von L+D angewandten

Technik scheint diese Deutung zu unterstützen. Das übertrieben hohe

Relief, die kräftige harte, aber außerordentlich sichere Formengebung

weist entschieden auf eine schwere Hand, die in sprödem Material zu

arbeiten gewohnt ist. Zur Sicherheit würde diese Vermutung, wenn es sich

bestätigt hätte, daß eine im Berliner Kunstgewerbemuseum befindliche Uhr

(cf. R. Fischer, historisch-kritische Beschreibung der Kunstkammer in

dem Neuen Museum zu Berlin. 1859. S. 15, Nr. 1440), die mit Plaketten

von L+D geziert ist, auch wirklich von L. D. angefertigt wäre. Das

scheint indessen nicht der Fall zu sein, denn nach brieflicher

Mitteilung des Herrn Geheimrat Lessing sind die Plaketten auf der

Tafeluhr nicht völlig identisch mit den Bleigüssen. »Sie sind sehr

energisch ziseliert und hierbei können die an sich kleinen Abweichungen

entstanden sein. Sie sind viel gröber als die Bleigüsse und haben keine

Marke.«

Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kopf gewesen zu sein, der große

technische Probleme in seinem Hirne wälzte, ohne es zu verstehen, seine

Fähigkeiten zur Verbesserung seiner äußeren Lage zu verwenden. Erst im

letzten Drittel seines Lebens wurde er bekannt und berühmt durch seine

Maschinen. So wenigstens ist wohl der Vers, der auf seinem Grabe sich

fand, zu verstehen (s. Neudörffer, ed. Lochner S. 54):

»Seht an die einfältig Gestalt,

Doch sinnreichs Verstand und ward alt

Acht und achtzig Jahr hatt sein Alter,

Seine Bekannten hießen ihn Bettler,

War allzeit dienstwillig Jedermann

Durch sein Werk ward bekannt der Mann,

Darnach verlangt ihn zu sterben,

In Hoffnung das ewig Leben zu erben.«

Gulden, Neudörffers Fortsetzer (s. Ausg. Lochner S. 213, Nr. 14)

berichtet über ihn: »Hat das Schraubwerk, wie auch den Druckzeug in

Holz, allerlei Figuren künstlich zu drucken, erfunden,« Doppelmayr S.

294: »Ein Mechanicus, war ebener massen, wie sein Bruder Hanns Danner,

wegen geschickter Zubereitung groser Hebzeuge und starcker

Schrauben-Wercke, wozu ihme seine ordentliche Profession des

Schrauben-machens Anlaß gabe, wohl bekandt und berühmt. Er erfande um A.

1550 eine Maschine, die er die Brech-Schraube (davon die 4. und 5. Figur

in der XIII. Kupffer-Tabellen zweyerley Gattungen, und zwar die letzte

eine geringere, zeiget) benennte, und zur Ausübung übermässigen Forcen

brauchte, da er mit Beyhülffe derselben die dicksten Mauren von Thürnen

und andern Gebäuen zu brechen und über einen Hauffen zu werffen vermögt,

gleichwie er so wohl in Nürnberg A. 1558 an einer starcken Thurn-Mauren,

als ausserwärts an denen dicksten Mauren alter Gebäue, seine Proben

rühmlichst erwiesen. Erst bemeldte Invention gabe ihm auch Anlaß, daß er

die messinge Spindeln zu mehrerer Beförderung der Buchdruckerey, dabey

ein Drucker alsdann nur seine halbe Stärke anzuwenden hatte, am ersten

bey dergleichen Pressen gantz glücklich angebracht. Starb A. 1585 in dem

88. Jahr seines Alters.«

Eine auf ihn geprägte Medaille ist bei Doppelmayr Taf. XIV abgebildet.

Sie zeigt ein kurzes breites Gesicht mit starker Nase, in dem nur die

großen Augen den sinnenden Geist verraten. Die Umschrift: »Leonhart

Danner. Æ. S. 54. A. 1561« enthält einen Irrtum, der wahrscheinlich auf

den Stecher zurückzuführen ist. Statt 54 muß es heißen 64, wie auch in

der darunter befindlichen Abbildung der Jamnitzer-Medaille aus 1563 1503

gemacht wurde. Daß der Mechaniker und Maschinenbauer auch Plaketten

gearbeitet habe, kann bei der außerordentlichen Vielseitigkeit, durch

die die meisten Nürnberger Künstler sich auszeichnen, nicht auffallen.

Vielleicht gehört diese Art der Thätigkeit vor die Zeit, die ihn mit

großen Maschinenplänen beschäftigte. Ob unser L. D. identisch ist mit

dem Künstler, dessen Monogramm auf dem Holzmodell zu der Medaille eines

Anthonius Sanftl vom Jahre 1545 (s. Erman, Deutsche Medaill. S. 48) in

der k. Sammlung zu Berlin sich befindet, muß ich dahingestellt sein

lassen, da ich das Stück nicht gesehen habe.

[Illustration]

Das germanische Museum besitzt von L+D 4 Plaketten, die nach

Kupferstichen H. S. Behams, und 3, die nach Stichen Aldegrevers

gearbeitet sind. Charakteristisch sind die kräftig hervortretenden,

stark verästeten Bäume deren Stämme meist eine wagerechte Riefelung

zeigen. Die Arbeiten nach Beham weichen nur in geringen Kleinigkeiten

von dem Stiche ab, die nach Aldegrever sind stark verkleinert und rund;

der Hintergrund ist bei den letzteren selbständig behandelt: er ist mit

der bekannten Phantasielandschaft ausgestattet. Das Monogramm des

Stechers fehlt auf den Plaketten stets. Da die Stiche sämtlich dem Jahre

1540 angehören, so haben wir in diesem Jahre den terminus a quo für die

Entstehungszeit der Plaketten.

[Illustration: Taf. III.

Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896 · 第 31 / 37 题