Links im Vordergrunde steht ein von rückwärts gesehener Jäger,
der auf seiner linken Hand einen Falken trägt: neben ihm zwei Hunde.
Rechts ein Reiter, der einen Falken steigen läßt, außerdem zwei
Jäger, deren einer einen Hasen in der Linken trägt. In der Mitte
ein Falke, der einen Hasen ergriffen hat. Dahinter ein nach rechts
galoppierender Reiter mit Schwert in der Rechten. Drei fliegende
Falken. Kornfeld.
III. Susanna. K. P. 462. Katal. 611. Oval, H. 0,045 m., Br. 0,039 m.
Bleiguß. Tafel II.
Die nackte Susanna sitzt unter einem Baume in einem Bassin, die
Füße im Wasser. Sie hat den Kopf nach rechts gewandt, den gekrümmten
linken Arm zur Abwehr erhoben. Von rechts und links wird sie von
den beiden Alten angegriffen. Links im Vordergrunde ein kleiner
Hund. An dem Bassinsteine rechts die Jahreszahl 1580. Gezahnter
Rand.
Während der Meister der Jagdscenen wenigstens in Bezug auf Komposition
Selbständigkeit sich wahrt, begibt sich der Monogrammist L+D in
sklavische Abhängigkeit von seinem Vorbilde. Auch er gehört der jüngeren
Nürnberger Richtung an. Nagler (Monogr. Bd. IV, S. 332, Nr. 1015) deutet
das Monogramm auf Leonhard Danner, einen Nürnberger Mechaniker, der von
1497-1585 lebte, und die Art der bei den Plaketten von L+D angewandten
Technik scheint diese Deutung zu unterstützen. Das übertrieben hohe
Relief, die kräftige harte, aber außerordentlich sichere Formengebung
weist entschieden auf eine schwere Hand, die in sprödem Material zu
arbeiten gewohnt ist. Zur Sicherheit würde diese Vermutung, wenn es sich
bestätigt hätte, daß eine im Berliner Kunstgewerbemuseum befindliche Uhr
(cf. R. Fischer, historisch-kritische Beschreibung der Kunstkammer in
dem Neuen Museum zu Berlin. 1859. S. 15, Nr. 1440), die mit Plaketten
von L+D geziert ist, auch wirklich von L. D. angefertigt wäre. Das
scheint indessen nicht der Fall zu sein, denn nach brieflicher
Mitteilung des Herrn Geheimrat Lessing sind die Plaketten auf der
Tafeluhr nicht völlig identisch mit den Bleigüssen. »Sie sind sehr
energisch ziseliert und hierbei können die an sich kleinen Abweichungen
entstanden sein. Sie sind viel gröber als die Bleigüsse und haben keine
Marke.«
Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kopf gewesen zu sein, der große
technische Probleme in seinem Hirne wälzte, ohne es zu verstehen, seine
Fähigkeiten zur Verbesserung seiner äußeren Lage zu verwenden. Erst im
letzten Drittel seines Lebens wurde er bekannt und berühmt durch seine
Maschinen. So wenigstens ist wohl der Vers, der auf seinem Grabe sich
fand, zu verstehen (s. Neudörffer, ed. Lochner S. 54):
»Seht an die einfältig Gestalt,
Doch sinnreichs Verstand und ward alt
Acht und achtzig Jahr hatt sein Alter,
Seine Bekannten hießen ihn Bettler,
War allzeit dienstwillig Jedermann
Durch sein Werk ward bekannt der Mann,
Darnach verlangt ihn zu sterben,
In Hoffnung das ewig Leben zu erben.«
Gulden, Neudörffers Fortsetzer (s. Ausg. Lochner S. 213, Nr. 14)
berichtet über ihn: »Hat das Schraubwerk, wie auch den Druckzeug in
Holz, allerlei Figuren künstlich zu drucken, erfunden,« Doppelmayr S.
294: »Ein Mechanicus, war ebener massen, wie sein Bruder Hanns Danner,
wegen geschickter Zubereitung groser Hebzeuge und starcker
Schrauben-Wercke, wozu ihme seine ordentliche Profession des
Schrauben-machens Anlaß gabe, wohl bekandt und berühmt. Er erfande um A.
1550 eine Maschine, die er die Brech-Schraube (davon die 4. und 5. Figur
in der XIII. Kupffer-Tabellen zweyerley Gattungen, und zwar die letzte
eine geringere, zeiget) benennte, und zur Ausübung übermässigen Forcen
brauchte, da er mit Beyhülffe derselben die dicksten Mauren von Thürnen
und andern Gebäuen zu brechen und über einen Hauffen zu werffen vermögt,
gleichwie er so wohl in Nürnberg A. 1558 an einer starcken Thurn-Mauren,
als ausserwärts an denen dicksten Mauren alter Gebäue, seine Proben
rühmlichst erwiesen. Erst bemeldte Invention gabe ihm auch Anlaß, daß er
die messinge Spindeln zu mehrerer Beförderung der Buchdruckerey, dabey
ein Drucker alsdann nur seine halbe Stärke anzuwenden hatte, am ersten
bey dergleichen Pressen gantz glücklich angebracht. Starb A. 1585 in dem
88. Jahr seines Alters.«
Eine auf ihn geprägte Medaille ist bei Doppelmayr Taf. XIV abgebildet.
Sie zeigt ein kurzes breites Gesicht mit starker Nase, in dem nur die
großen Augen den sinnenden Geist verraten. Die Umschrift: »Leonhart
Danner. Æ. S. 54. A. 1561« enthält einen Irrtum, der wahrscheinlich auf
den Stecher zurückzuführen ist. Statt 54 muß es heißen 64, wie auch in
der darunter befindlichen Abbildung der Jamnitzer-Medaille aus 1563 1503
gemacht wurde. Daß der Mechaniker und Maschinenbauer auch Plaketten
gearbeitet habe, kann bei der außerordentlichen Vielseitigkeit, durch
die die meisten Nürnberger Künstler sich auszeichnen, nicht auffallen.
Vielleicht gehört diese Art der Thätigkeit vor die Zeit, die ihn mit
großen Maschinenplänen beschäftigte. Ob unser L. D. identisch ist mit
dem Künstler, dessen Monogramm auf dem Holzmodell zu der Medaille eines
Anthonius Sanftl vom Jahre 1545 (s. Erman, Deutsche Medaill. S. 48) in
der k. Sammlung zu Berlin sich befindet, muß ich dahingestellt sein
lassen, da ich das Stück nicht gesehen habe.
[Illustration]
Das germanische Museum besitzt von L+D 4 Plaketten, die nach
Kupferstichen H. S. Behams, und 3, die nach Stichen Aldegrevers
gearbeitet sind. Charakteristisch sind die kräftig hervortretenden,
stark verästeten Bäume deren Stämme meist eine wagerechte Riefelung
zeigen. Die Arbeiten nach Beham weichen nur in geringen Kleinigkeiten
von dem Stiche ab, die nach Aldegrever sind stark verkleinert und rund;
der Hintergrund ist bei den letzteren selbständig behandelt: er ist mit
der bekannten Phantasielandschaft ausgestattet. Das Monogramm des
Stechers fehlt auf den Plaketten stets. Da die Stiche sämtlich dem Jahre
1540 angehören, so haben wir in diesem Jahre den terminus a quo für die
Entstehungszeit der Plaketten.
[Illustration: Taf. III.