MIT ABBILDUNGEN.

NÜRNBERG, 1896.

VERLAGSEIGENTUM DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

Register zum Jahrgang 1896

der

Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum.

Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers, von Dr. Alfred 3

Bauch

Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums, 15 u. 97

von Dr. F. Fuhse. I. II.

Oswald und Kaspar Krell, von Dr. Th. Hampe 23

Zu Baldungs Madonna mit der Meerkatze, von Dr. Edm. Braun 28

Der Meister der Nürnberger Madonna, von Gustav von Bezold 29

Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu 32

Wildenthierbach im Rothenburgischen, von Dr. Th. Hampe

Die letzten Tage des Malers Georg Pentz, von Dr. Alfred 43

Bauch

Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank 49

(um 1600), von Dr. Th. Hampe

Albrecht Dürer und der Rahmen des Allerheiligenbildes, von 53

Karl Schaefer

Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das 61

Reisetagebuch des Sebald Oertel (1521-22), von Dr. Th.

Hampe

Über ein Prosatraktätlein des Hans Folzens von der 83

Pestilenz, v. Dr. Th. Hampe

Eine Nürnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des 91

16. Jahrhunderts, von Dr. Edmund Braun. I.

Notiz über Dürer aus den Nürnberger Ratsprotokollen, von 96

Dr. Th. Hampe

Das Nürnberger Münzkabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm. 108

von Kreß, von Dr. K. Schaefer

Friesische Häuser auf den Halligen, von Dr. Eugen Traeger 112

Dürer. Kleine Mitteilungen, von Dr. F. Fuhse 120

Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen 121

Museum, von Gustav Brandt

Geschnitzte friesische Thüren im germanischen Museum, von 130

Dr. Eugen Traeger

Das Bildnis des Hans Perckmeister, von Dr. Hans Stegmann 134

Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers[1].

In der Gemäldegallerie des Germanischen Nationalmuseums befindet sich

unter Nr. 273 ein Bildnisdiptychon, das, wie aus dem rückseits

angebrachten Familienwappen zu entnehmen ist, den Nürnberger Bürger Hans

Straub und seine Gattin Barbara Pirkheimer darstellt[2].

[Illustration]

Die Straube waren eine Kaufmannsfamilie, deren Ahnherr Bernhard Straub

im Jahre 1495 in Nürnberg das Bürgerrecht erwarb[3] und später Genannter

des größeren Rats wurde[4], womit seine Familie in den Kreis der

Nürnberger ehrbaren Geschlechter eintrat. Einer seiner Söhne, der

obengenannte Hans Straub vermählte sich am 8. Februar 1518 mit Barbara,

der jüngsten Tochter des Nürnberger Staatsmanns und Gelehrten Wilibald

Pirkheimer und dessen Gemahlin Crescentia Rieter[5]. Die Pirkheimer

führten eine Birke, die Rieter ein Meerweib im Wappenschilde. In der

goldenen Halskette, mit der Barbara auf dem Bildnis geschmückt ist,

wechseln diese Wappenfiguren mit einander ab; die Kette war also sicher

ein Familienerbstück, das Barbara aus dem Nachlasse ihrer (1504)

verstorbenen Mutter zugefallen war.

[Fußnote 1: _Anm. der Redaktion._ Die Urheberschaft des Georg Schlenk an

dem Bilde Germ. Mus. Nr. 273 ist zwar mit den folgenden Ausführungen

nicht zweifellos erwiesen, wir glaubten aber, eine weitere Untersuchung

der Frage durch Aufnahme des Artikels ermöglichen zu sollen, der neben

dem im engeren Sinne kunstgeschichtlichen, auch manichfaches

kulturgeschichtliches Interesse bietet.]

[Fußnote 2: Vorzüglich entworfene Wappen der Familien Straub und

Pirkheimer im Wappenbuch der Nürnberger Geschlechter vom Jahre 1583. M.

S. 144/159 im k. Kreisarchiv Nürnberg.]

[Fußnote 3: Bürgerbuch M. S. 230, Fol. 13r]

[Fußnote 4: Ratsgang M. S. 105, Fol. 64b]

Wie die Aufschriften des Diptychons besagen, wurde es im Jahre 1525

gemalt. Das Monogramm des Künstlers fehlt. Die Porträts rühren aber

zweifellos von einem Maler her, der sich an Dürer gebildet hatte; sie

wurden daher der Schule Dürers und insbesonders dem Maler Georg Pentz

zugewiesen[6].

Von bekannten Nürnberger Malern aus Dürers Schule kämen außer Pentz noch

die beiden Brüder Hans Sebald und Barthel Beham in Frage; allein im

Jahre 1525, wo die Bildnisse entstanden sind, können die drei Maler

überhaupt nur verschwindend kurze Zeit in Nürnberg thätig gewesen sein.

Im Winter 1524 auf 1525 hatte es der Nürnberger Rat mit einer

gefahrdrohenden Bewegung religiöser und sozialistischer Natur zu thun.

Unter den Aufwieglern befanden sich auch Pentz und die beiden Beham, die

sogenannten »drei gottlosen Maler«. Sie wurden Anfang Januar 1525

gefänglich eingezogen und dann zur Strafe aus der Stadt gewiesen[7]. Die

Verbannung wurde wahrscheinlich in der üblichen Weise gegen sie

ausgesprochen, daß sie nur in einer Entfernung von einer bestimmten

Anzahl Meilen sich niederlassen durften. Nachdem die drei Maler hierauf

wiederholt vergebens um Erlaß der Strafe gebeten hatten, wurde zunächst

dem Maler Pentz vom Nürnberger Rate gestattet, in der Stadt Windsheim,

die von Nürnberg zwölf Stunden entfernt ist, seinen Wohnsitz zu

nehmen[8]. Schließlich aber erhielten alle drei Maler auf Fürbitte

Melchior Pfinzings, des Probstes von St. Sebald, Verzeihung: es wurde

ihnen durch Ratsbeschluß vom 16. November 1525 erlaubt, wieder

zurückzukehren[9]. Hiernach können also die Maler kaum vor dem 19. oder

20. November nach Nürnberg zurückgekommen sein; und da nach damaliger

Rechnung das Kalenderjahr mit dem 24. Dezember abschloß[10] so ist es an

sich schon wenig wahrscheinlich, daß gerade in dieser kurzen Zeit am

Ende des Jahres 1525 beide Porträts von der Hand eines dieser Maler

geschaffen sind.

[Fußnote 5: Ratsbuch 11, Fol. 121a: Item herrn Wilbolten Birkhaimer sind

vergonnt zu seiner tochter junkfrauen Barbara vorhabenden hochzeit mit

Hans Strauben, Ber(n)hardin Strauben sun, auf montag nach Dorothee

schirst der stat pfeiffer, auch das rathaus zum tantz und schenk. Actum

secunda post Anthonii XVIII (1518). -- Nürnberger Geschlechterbuch M. S.

164, II. Band. Fol. 75a.]

[Fußnote 6: Gemäldekatalog des Germanischen Nationalmuseums vom Jahre

1887 unter Nr. 255 und vom Jahre 1893 unter Nr. 273.]

[Fußnote 7: Die Prozeßakten sind veröffentlicht von Theoder Kolde,

Beiträge zur Reformationsgeschichte. Leipzig 1888. Separatabdruck aus

den Kirchengeschichtlichen Studien, S. 228-250. Vgl. auch Friedrich

Roth, die Einführung der Reformation in Nürnberg, Würzburg 1885, S. 250

ff. -- Die Ausweisung der »drei gottlosen Maler« erfolgte Ende Januar

1525: Der Prozeß begann am 10. Januar 1525, am 12. Januar saßen bereits

alle drei Maler im Gefängnis und blieben darin fünfzehn Tage, wie dies

aus einem Beleg zur Stadtrechnung 1524/25 hervorgeht: »Lochhueter quarta

Brigite (1. Februar) 1525. Barthel Beham hat 15 tag ... 6 [Pfund].

Sebold Peham hat 15 tag ... 6 [Pfund], Jorg Pencz hat 15 tag ... 6

[Pfund].« -- Das Pfund wurde gleich 30 Pfennigen gerechnet.]

[Fußnote 8: Briefbuch Nr. 39, Fol. 239r und 240a. Der Brief ist datiert

von sontags 28. may 1525.]

[Fußnote 9: Über die Zeit, wann es den drei gottlosen Malern gestattet

wurde, wieder nach Nürnberg zurückzukehren, finden sich in der

kunstgeschichtlichen Litteratur nur vage Vermutungen. Vgl. Adolf

Rosenberg, Sebald und Barthel Beham, zwei Maler der deutschen

Renaissance, Leipzig 1875, S. 11, und S. K. Wilhelm Seibt, Hans Sebald

Beham, Maler und Kupferstecher und seine Zeit, Frankfurt a. M. 1882, S.

13. -- Bestimmte Nachricht gibt ein Ratsverlaß: »Quinta Ottmari 16.

novembris 1525. Auf herrn Melchior Pfintzings, brobst, furpeth Sebolt

und Bartholmes den Behaim und Jörg Benntz, maler, ir straf von der stat

begeben mit dem beding, das man ein sonder achtung und aufsehen haben

woll, wie sy sich halten werden; und sover sy sich voriger weis

unschicklich halten werden, woll man sy wider von hinnen weysen. --

Burgermeister.« -- Ratsmanuale 1525/26, Heft 8 Fol. 11a. -- Vgl. hierzu

Th. Kolde, Andreas Althamer der Humanist und Reformator in

Brandenburg-Ansbach, Erlangen 1895, S. 17, Anm. 3.]

Doch noch ein weiterer Umstand spricht gegen die Autorschaft eines der

genannten drei Maler: weder bei Pentz, noch den beiden Beham lassen sich

irgendwelche Beziehungen zu der Familie Straub oder Pirkheimer

feststellen.

Wohl aber ist dies der Fall bei einem anderen Maler, der nicht bloß wie

Pentz und die Brüder Beham wegen der Malweise der Schule Dürers

beizuzählen ist, sondern auch _dokumentarisch_ sich als Schüler Dürers

nachweisen läßt[11]. Wir meinen den Maler, dessen in einem Verlaß des

Nürnberger Rats vom 8. Oktober (sabbato post Francisci) 1524 mit den

Worten Erwähnung geschieht:

»Albrecht Durers Knecht Jergen, der sein Mayd zur Ehe genommen,

um 2 Guldin Werung zu Burger auffnemen.

Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896 · 第 2 / 37 题