Der Panther und der Fuchs gaben dem Raben rückhaltlos recht. — — —

Aufmerksam hörte der Löwe die drei an, und das Wasser lief ihm zu

beiden Seiten aus dem Maul, während sie ihm Vorstellungen machten.

„Töten? — Tschitrakarna?“ — sagte er dann. „Nicht zu machen, gänzlich

ausgeschlossen; Pardon, ich habe doch mein Ehrenwort gegeben!“ Und

erregt ging er auf und nieder.

Aber der Rabe ließ nicht locker: „Auch nicht, wenn es sich von selbst

anbieten würde?“

„Das wäre natürlich was anderes“, meinte der Löwe. „Wozu aber all diese

dummen Luftschlösser!“

Der Rabe warf dem Panther einen heimtückischen Blick des

Einverständnisses zu.

In diesem Augenblick kam das vornehme Kamel nach Hause, hängte

Opernglas und Stock an einen Ast und wollte eben einige verbindliche

Worte sagen, da flatterte der Rabe vor und sprach: „Weshalb sollen

+alle+ darben: — besser drei satt als vier hungrig. Lange habe ich —“

„Verzeihen Sie recht sehr, ich muß aber hier allen Ernstes — schon als

Älterer — auf dem Rechte des Vortritts bestehen.“ Damit schob ihn der

Panther — nach einem kurzen Wortwechsel mit dem Fuchs — höflich aber

bestimmt zur Seite mit den Worten:

„Mich, meine Herrschaften, zur Stillung des allgemeinen Hungers

anzubieten, ist mir nicht nur Bushido, ja sogar Herzenswunsch; ich äh

— — ich äh — —“

„Lieber, lieber Freund, wo denken Sie hin,“ unterbrachen ihn alle, auch

der Löwe (Panther sind bekanntlich ungemein schwierig zu schlachten),

„Sie glauben doch nicht im Ernst, wir würden — — — Ha, ha, ha.“

Verdammte Geschichte, dachte sich das vornehme Kamel, und eine böse

Ahnung stieg in ihm auf. Ekelhafte Situation; — — aber Bushido, —

übrigens — — ach was, einmal ist’s ja schon geglückt, also Bushido!!

Mit lässiger Gebärde ließ es das Monokel fallen und trat vor. „Meine

Herren, äh, ein alter Satz sagt: ~Dulce et decorum est pro patria

mori!~ Wenn ich mir also gestatten darf — — —“

Es kam nicht zu Ende.

Ein Gewirr von Ausrufen ertönte: „Natürlich, Verehrtester, dürfen Sie“,

hörte man den Panther höhnen.

„~Pro patria mori~, juchhu, — dummes Luder, werde dir geben Smoking und

weiße Krawatte“, gellte der Rabe dazwischen.

Dann ein furchtbarer Schlag, das Brechen von Knochen, und Harry S.

Tschitrakarna war nicht mehr.

*

Tja, Bushido ist eben nicht für Kamele.

~TIER-

GESCHICHTEN~

~MAX GEISSLER~

Die heimtückischen Champignons: und andere Geschichten · 第 121 / 149 题