Willst du nichts geben. Alter? — — — Und bist doch so reich!“

Der Alte begriff den Sinn der Worte kaum; das dumpfe Gefühl, er dürfe

nichts wegnehmen, nichts hergeben von dem Gelde dort auf dem Tisch,

hielt sein Herz fest wie ein Bann.

Er konnte nicht sprechen, ihm war, als hätte er diese Welt vergessen.

Ein Traumgesicht zog an ihm vorüber. — Er sah die glühende Sonne

Indiens über regungslosen Palmen und schimmernden Pagoden und in der

Ferne die weißen Berge blinken.

Die unbewegliche Gestalt Gautama Buddhas kam wie von weitem heran, und

wie ein Echo hörte er im Herzen die kristallene Stimme des Vollendeten

erklingen, wie sie einst im Walde bei Sumsŭmaragĭram die seltsamen

Worte gesprochen:

„+So seh’ ich dich denn hier, Böser! — Laß die Hoffnung fahren: ‚Er

sieht mich nicht!‘+

+Wohl kenn’ ich dich, Böser, laß die Hoffnung fahren: ‚Er kennt mich

nicht!‘ — Mārō bist du, der Böse.+

+Nicht den Vollendeten plage, nicht des Vollendeten Jünger.+ — —

+Weiche von hinnen aus dem Herzen, Mārō, weiche von hinnen aus dem

Herzen, Mārō.+“

Da fühlte der Alte, als lasse eine Hand von ihm. Er gedachte seines

eigenen Kindes, — das gestorben, weil er in seiner Armut nicht hatte,

es zu pflegen. — Dann nahm er all das Geld, das auf dem Tische lag, und

gab es dem Geiger. — — — — — —

„Der Buddha ist meine Zuflucht.

Der Buddha ist meine Zuflucht.“

— — — — — — — — —

Der Geiger war fort, und der Alte hatte, wie an Feiertagen, —

zuweilen —, wenn die Glocken läuteten, die Glasplatte hervorgeholt und

am Tische befestigt.

Und feine Sandkörner darauf geschüttet.

Als er mit dem Bogen seines Cello an dem Rande des Glases niederstrich,

daß es sang, schwingend und klingend, tanzte der Sand und bildete

kleine, feine, regelmäßige Sterne.

Und wie die Sterne und Formen entstanden, wuchsen und vergingen und

wieder entstanden, gedachte er dumpf der Lehre des Buddha Gautama vom

Leiden, von der Leidensentstehung, von der Leidensvernichtung, von dem

zur Leidensvernichtung führenden Pfad. Da begab es sich, daß durch

das löchrige Dach des Zimmers eine Schneeflocke herab auf den Tisch

fiel, einen Augenblick verweilte und zerging. — Ein kleiner, feiner,

regelmäßiger Stern.

Wie ein Blitz die Finsternis zerreißt, plötzlich — so war da das Licht

der Erkenntnis in das Herz des Alten gefallen:

+Töne+, unerkannte, unhörbare, jenseitsliegende, sind der Ursprung

dieser Flocken, dieser Sterne, sind der Ursprung der Natur, der

Ursprung aller Formen, der Wesen und Dinge, sind der Ursprung +dieser+

Welt.

Nicht ist +diese+ Welt die wirkliche Welt: klar ward er sich dessen

bewußt.

Nicht ist +diese+ Welt die wirkliche, nicht entstehende,

nichtvergehende, nichtwiederumentstehende Welt: — klar ward er sich

dessen bewußt.

Und klaren bewußten Sinnes erkannte er des Weltalls verborgenen

Pulsschlag und das Innere seines Herzens, des Abgeklärten,

Trieberstorbenen, Wahnversiegten, darinnen die Stille des Meeres

herrschte und eine letzte Welle schlafengehend sprang und fiel:

„Der Buddha ist meine Zuflucht ...

Der Buddha ist meine Zuflucht.“

Die heimtückischen Champignons: und andere Geschichten · 第 41 / 149 题