und an der Zentralbahn liegende Privateigentum von Deutschen, die
abwesend waren und sich selbst um das Ihrige nicht kümmern konnten,
nach Deutschland mitzunehmen. Ein Verbleiben desselben ohne deutsche
Aufsicht in Afrika schien mir zu bedenklich. Es machte ziemlich viel
Mühe, dieses Eigentum aufzufinden und zu sammeln. Schließlich ist es
aber doch im allgemeinen durchgeführt worden. Beim Durchstöbern der
verschiedenen Schuppen hatte ich auch die angenehme Überraschung,
mehrere Kisten mit meinen eigenen Sachen, die ich bei Ausbruch des
Krieges der Firma Devers in Daressalam zur Aufbewahrung übergeben
hatte, wieder vorzufinden. Auch von meinen in Morogoro gelassenen
Sachen wurde einiges gerettet. Verschiedene in Morogoro gelassene
Stücke habe ich allerdings nicht wieder bekommen, und die Engländer
fanden immer wieder einen Vorwand, um mir die erbetene Fahrt nach
Morogoro zu verweigern. Ob dieses eine bloße Unhöflichkeit war oder
ob irgendein tiefsinniger, mir unbekannter Grund vorlag, darüber
habe ich keine Klarheit bekommen können. Nur allgemein war mir die
Beobachtung interessant, wie die Gewohnheit, in freundlicher Weise
halbe Versprechungen zu geben und nichts zu halten und dadurch eine
Sache immer weiter und weiter hinauszuzögern, den Engländern allgemein
in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Mein Weg führte mich bei diesen Gelegenheiten auch manchmal zum
~Administration Staff~ (der etwa unserem Chef des Etappenwesens
entspricht); nach manchem Hin- und Herfragen fand ich ihn in
meiner alten Wohnung vor, die ich vor dem Kriege innegehabt hatte.
Bei verständigen Engländern fand ich die Auffassung vertreten,
daß Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen und auch für seinen
Bevölkerungsüberschuß Kolonialbesitz haben müsse. England habe zu viele
Kolonien, und es fehle ihm dafür im Augenblick sogar an ausreichendem
geeignetem Personal.
Wenn die Engländer bei Bekanntgabe des Waffenstillstandes betont
hatten, daß wir schnell nach Daressalam kommen müßten, um noch
rechtzeitig, also bis zum 12. Dezember, abtransportiert werden
zu können, so hatten sie es selbst mit der Erfüllung dieser
Waffenstillstandsbedingung keinesfalls eilig. Unsere Einschiffung wurde
weiter und immer weiter hinausgezögert, fand schließlich aber doch
am 17. Januar 1919, also auf den Tag 5 Jahre nach meiner Landung in
Daressalam statt.
Die Heimreise im einzelnen zu schildern, würde Stoff für ein ganzes
Buch liefern, das in bezug auf tragikomische Ereignisse wohl kaum zu
übertreffen wäre. Außer uns 114 deutschen Soldaten waren 18 Zivilisten,
107 Frauen und 87 Kinder an Bord, dazu eine Eskorte von 200 britischen
Soldaten. Man wird zugeben, daß Stoff zu endlosen Reibungen bei einer
derartig aus Deutschen und Engländern, aus Militär und Zivil, aus
Armee und Marine, aus Erwachsenen und Kindern zusammengewürfelten
Reisegesellschaft sich auf einem eng belegten Schiff, dem von den
Engländern weggenommenen „Feldmarschall“ der Deutsch-Ostafrika-Linie,
reichlich einfand. Jedes Stück des Schiffes, vom Klavier bis zur
Badewanne, weiß von der Menschen Hassen und Lieben zu berichten. Es
ist aber gelungen, alle irgend ernsthaften Zusammenstöße zu vermeiden,
und hierzu haben sowohl der menschenfreundliche Kommandant des
Schiffes, Captain King, wie auch der junge Colonel Gregg, der Führer
der englischen Eskorte, mit musterhaftem Takt das Menschenmögliche
beigetragen.
Auf dem Wege über Kapstadt sind wir Ende Februar in Rotterdam
eingetroffen. Die zahlreichen bei der Landung dort erschienenen
Deutschen zeigten mir zu meiner Überraschung, daß unser
Ostafrikanischer Krieg in der Heimat eine so große Beachtung gefunden
hatte. Auch viele Holländer bewiesen uns ihre wohlwollende Gesinnung.
Tatsächlich hatte ja unsere kleine Schar, deren Höchstzahl rund 3000
Europäer und rund 11000 Askari betrug, einen gewaltig überlegenen Feind
während der ganzen Kriegsdauer gefesselt. Wie ich einleitend (S. 18)
bereits bemerkt habe, standen mit Tausenden von Automobilen und vielen
Zehntausenden von Reit- und Tragetieren etwa 300000 Mann gegen uns,
ausgerüstet mit allem, was die gegen Deutschland vereinigte Welt mit
ihren unerschöpflichen Hilfsmitteln gewähren konnte, und trotz dieser
für unsere Verhältnisse überwältigenden Zahlen auf feindlicher Seite
hat unsere kleine Truppe, die bei Abschluß des Waffenstillstandes nur
etwa 1400 Waffentragende betrug, voll kampfbereit und mit größter
Unternehmungslust im Felde gestanden. Ich glaube, daß die Klarheit
unserer Ziele, die Vaterlandsliebe, das starke Pflichtgefühl und die
Opferfreudigkeit, die jeden der wenigen Europäer beseelten und die sich
bewußt und unbewußt auch auf unsere braven schwarzen Soldaten übertrug,
der kriegerischen Gesamthandlung jenen Schwung verliehen haben, der
bis zum Ende durchhielt. Dazu kam ein Soldatenstolz, ein Gefühl des
festen gegenseitigen Zusammenhaltens und eine Unternehmungslust,
ohne welche kriegerische Erfolge auf die Dauer nicht möglich sind.
Wir Ostafrikaner sind uns sicherlich bewußt, daß unsere Leistungen
nicht auf gleiche Stufe zu stellen sind mit dem, was die Heimat an
Kriegstaten und an Opferfreudigkeit vollbracht hat. Kein Volk hat in
der Geschichte jemals Höheres geleistet. Und wenn wir Ostafrikaner
in der Heimat einen so erhebenden Empfang gefunden haben, so liegt
dies daran, daß bei unserem Eintreffen bei jedermann verwandte
Seiten angeschlagen wurden, daß wir ein Stück deutschen Soldatentums
bewahrt und unbeschmutzt in die Heimat zurückgeführt haben, und daß
die uns Deutschen eigentümliche germanische Mannentreue auch unter
den Verhältnissen eines Tropenkrieges aufrecht erhalten worden ist.
Sicherlich sind unter dem Drucke der augenblicklichen Not unseres
Vaterlandes diese Empfindungen bei manchen unserer Volksgenossen
verdunkelt, vorhanden aber sind sie im Grunde der Seele bei jedem, und
gerade die begeisterte Aufnahme, die uns von Hunderttausenden bereitet
worden ist, stärkt auch in uns Ostafrikanern die Überzeugung, daß trotz
der augenblicklichen Verwirrung der Gemüter der gesunde Sinn unseres
deutschen Volkes sich emporringen und wieder den Weg finden wird zur
Höhe.
[Illustration]
[Illustration: Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika I
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration: Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika II III IV
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration: Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika V VI
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration: Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika VIII IX X
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration: Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XI XII
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration: Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XIII XIV
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XV
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XVI XVII
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XVIII XIX
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XX
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika XXI
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig Geogr. Anst. v. Wagner & Debes,
Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika
K. F. Koehler, Verlag, Leipzig]
[Illustration:
Zu Lettow-Vorbeck, Ostafrika
Marsch des Hauptteils der Schutztruppe vom April 1916 bis November 1918
(Waffenstillstand)]
Tirpitz
Erinnerungen
Ein stattlicher Band von 526 Seiten mit Bild des Verfassers
Preis geh. M. 20.--, in vornehmem Einband, Titelzeichnung von Prof.
Tiemann, M. 25.--
Die Lektüre dieses Buches wird für jeden folgerichtig denkenden
Deutschen ein erschütterndes Ereignis bedeuten. Der gefürchtetste
Gegner unserer Feinde spricht zu uns. Der Einzige, der mit genialem
Blick den Weg zum Siege erkannte, enthüllt, wie man ihn kaltstellte.
Tiefster Schmerz um alles Große, das uns verloren ging, spricht aus
diesen Blättern, aber auch ein fester, stolzer Wille zum ehrenvollen
Weiterleben.
„Vom Deutschtum zu retten, was noch zu retten ist, bleibt des
Schweißes der Edlen wert. Unsere Hoffnung aber sei das kommende
Geschlecht. Ein Sklavenvolk sind wir noch nie gewesen. Seit
zweitausend Jahren hat unser Volk nach jähem Sturz immer wieder sich
emporgehoben.“
Mögen diese Worte, in denen die „Erinnerungen“ ausklingen, im ganzen
deutschen Volke Widerhall finden.
Stein
Generalquartiermeister und Kriegsminister a. D.
Erlebnisse und Betrachtungen aus der Zeit des Weltkrieges
Preis geh. M. 10.--, in vornehmem Einband, Titelzeichnung von Prof.
Tiemann, M. 14.50
Aus einer Zuschrift an den Verlag: Es wird Ihnen als Verleger eine
Freude sein, zu hören, daß ich seit Jahren kein Buch mit solchem Genuß
und solcher Ergriffenheit gelesen habe, als dieses. Zunächst rein
äußerlich, dieser großartige Stil, diese kurzen Sätze, wie gehacktes
Eisen. Das ist die echte deutsche Soldatensprache. Dann aber inhaltlich
dieser Spiegel, der dem deutschen Volke vorgehalten wird.
+Dieses Buch muß die Bibel des deutschen Volkes werden.+
Die Kapitel „Reichstag“, „Regierung“, „Heer“ sind das Beste, was ich
über diese Dinge je gelesen habe.
+K. F. Koehler Verlag Leipzig+
Generaloberst Freiherr von Hausen
Erinnerungen an den Marnefeldzug
Mit Bildnis des Verfassers, verschiedenen Karten und Gefechtsskizzen
und einer einleitenden vortrefflichen historischen Studie von
Friedrich M. Kircheisen
Preis geheftet etwa M. 10.--, gebunden etwa M. 14.50
_Generaloberst von Hausen war zu Beginn des Krieges Führer der 3.
Armee, die dem Gegner an der Marne solche kraftvolle Schläge versetzte,
daß Joffre und Foch jeden Augenblick glaubten, das französische Zentrum
würde durchbrochen werden._
Hausen hat die Operationen seiner Armee musterhaft geleitet, trotzdem
er an Typhus erkrankt war. Seine Erkrankung war tatsächlich der Grund,
daß er vom Kaiser seines Kommandos enthoben wurde, während die Legende
sich bildete, daß Hausen an der nichtgewonnenen Schlacht schuld sei.
Hausens Erinnerungen bedeuten eine
+Ehrenrettung der 3. Armee und ihres Führers.+
Sie basieren auf den Unterlagen des Großen Generalstabes, die ihm
zur Verfügung standen, und sind untermischt mit höchst lebenswarmen
persönlichen Eindrücken, so daß nicht etwa ein militärtechnisches oder
polemisches Buch entstanden ist, sondern +äußerst spannende, fließend
geschriebene Feldaufzeichnungen+.
Die beiden weißen Völker!
(~The two white nations!~)
Deutsch-englische Erinnerungen eines deutschen Seeoffiziers
von
Georg von Hase
Korvettenkapitän a. D.
Preis geheftet etwa M. 10.--, gebunden etwa M. 14.50
Zwei historische Zusammentreffen mit Teilen der englischen Kriegsflotte
bilden den Inhalt dieses Buches, das seine Titel einem Trinkspruch
eines englischen Admirals verdankt. Die Begegnungen fanden zu
ganz verschiedenen Zeiten und unter ganz veränderten Umständen
statt: 1914 zur Kieler Woche und 1916, als die deutsche Flotte vor
dem Skagerrak ihren gefährlichsten Gegner stellte und schlug. /
Korvettenkapitän von Hase nahm an der Seeschlacht vor dem Skagerrak
als Erster Artillerieoffizier unseres größten, stärksten und schönsten
Großkampfschiffes, des Schlachtkreuzers „Derfflinger“ teil. Er ist
in das heißeste Kampfgewühl hineingeraten, hat sämtliche Phasen der
Schlacht miterlebt und dabei zu der Vernichtung der beiden englischen
Schlachtkreuzer „Queen Mary“ und „Invincible“ entscheidend beigetragen.
Es gibt zur Zeit noch keine Darstellung der Schlacht vor dem Skagerrak,
in der ein Mitkämpfer in führender Stellung die Schlacht sowohl
vom militärischen Standpunkt wie vom Standpunkt des persönlichen
Miterlebens, frei von den Fesseln der Zensur, beschrieben und beurteilt
hätte. Das vorliegende Buch berichtet als erstes vom tatsächlichen
Geschehen und wird zu einem Heldensang deutschen Mutes und deutscher
Kraft.
+K. F. Koehler Verlag Leipzig+