Es war zu überlegen, daß sich feindliche Truppen nur dann fe

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1920 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr

verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;

fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert. Wortvarianten,

insbesondere bei Ortsnamen, wurden nicht vereinheitlicht.

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dieses Buches.

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Deutsche Denkwürdigkeiten

[Illustration: von Lettow-Vorbeck.

K. F. Koehler, Verlag, Leipzig. Druck Meissner & Buch, Leipzig]

Meine Erinnerungen

aus Ostafrika

von

General von Lettow-Vorbeck

[Illustration]

Leipzig

Verlag von K. F. Koehler

1920

Copyright by K. F. Koehler, Verlag. 1920

Spamersche Buchdruckerei in Leipzig

[Illustration]

Vorwort

Überall regte sich in den erst wenige Jahrzehnte alten deutschen

Kolonien verheißungsvolles Leben. Wir fingen an, den Wert unseres

kolonialen Besitzes für unser Volk zu begreifen; Ansiedler und Kapital

wagten sich herbei, Eisenbahnen entwickelten die weiten Gebiete,

Industrien und Fabriken blühten empor. Im Vergleich zu anderen Völkern

hat sich die deutsche Kolonisation friedlich und stetig vollzogen, und

die Eingeborenen hatten Vertrauen zu der Gerechtigkeit der deutschen

Verwaltung. Kaum begonnen ist diese Entwicklung durch den Weltkrieg

vernichtet worden. Trotz aller handgreiflichen Gegenbeweise will ein

unberechtigter Lügenfeldzug der Welt vorspiegeln, daß die Deutschen

ohne koloniale Begabung und grausam gegen die Eingeborenen gewesen

wären.

Eine kleine, wesentlich aus diesen Eingeborenen gebildete Truppe hat

sich dem Verlust entgegengestemmt. Fast ohne äußere Zwangsmittel,

sogar ohne sofortige Bezahlung hielt sie mit ihrem zahlreichen

Eingeborenentroß treu zu ihren deutschen Führern während des

ganzen langen Krieges gegen mehr als hundertfache Übermacht. Als

der Waffenstillstand kam, stand sie schlagfertig da, von bestem

soldatischem Geiste beseelt. Das ist eine Tatsache, an der sich nicht

rütteln läßt und die allein schon die Unhaltbarkeit der feindlichen

Entstellungen beweist.

Den Kampf der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika erschöpfend zu

schildern, war mir nicht möglich. Das vorhandene Material läßt es

nicht zu, vieles ist verloren gegangen, und noch jetzt fehlt mir die

Kenntnis mancher Ereignisse, deren Träger noch nicht in die Heimat

zurückgekehrt sind. Meine eigenen Aufzeichnungen sind zum großen Teil

verloren, und es fehlte mir die Muße, neben meiner sonstigen Tätigkeit

den Feldzug in Ostafrika eingehend zu bearbeiten. So kann ich nur

Unvollkommenes liefern. Im wesentlichen bin ich auf mein Gedächtnis

angewiesen und auf das, was ich selbst erlebt habe. Irrtümer im

einzelnen sind unvermeidlich.

Aber trotzdem dürften die folgenden Schilderungen nicht wertlos sein,

und vielleicht auch nicht ohne Interesse. Zeigen sie doch, wie sich

unser bisher größtes koloniales Ereignis im Kopfe dessen abgespielt

hat, der zu der militärischen Führung berufen war. Ich habe mich

bemüht, meine Erinnerungen aus Ostafrika so wiederzugeben, wie sie

wirklich sind, und so wenigstens subjektiv Richtiges zu bieten.

[Illustration]

[Illustration]

Inhaltsverzeichnis

Erstes Buch

Die Ereignisse bis zum Eintreffen der Südwest-Afrikaner

Erster Abschnitt: +Vor Kriegsbeginn+ 3

Gedanken über Aufgaben und Zweck der Schutztruppe. Die

Verteidigungsmöglichkeiten der Kolonie in ihren Einzelheiten.

Verteilung, Bewaffnung und Ausbildung der Truppe. Militärische

Verwendung und Gesinnung der Eingeborenen. Wirtschaftlicher Wert

des Landes und Wirtschaftspflege der Eingeborenen. Pferdezucht und

Jagd. Mehrere Besichtigungsreisen. Nationale Propaganda der späteren

feindlichen Missionen in den angrenzenden Gebieten.

Zweiter Abschnitt: +Der Beginn des Krieges+ 16

Eintreffen der Nachricht der Mobilmachung. Teilnahme am Kriege

oder Neutralität? Die Stärke der Schutztruppe und die englischen

Kriegsverluste. Der englische Konsul und seine Tätigkeit. Der

Gouverneur der Kolonie, die oberste militärische Gewalt und die

Verteidigung der Küstenplätze. Vorbereitungen der Mobilisation.

Etappenwesen, Nachschub und Verpflegung. Sanitätswesen und Malaria.

Dritter Abschnitt: +Die ersten Kämpfe+ 24

Beschießung des Funkenturmes in Daressalam. Übergabeverhandlungen

von seiten der Zivilbehörden. „Königsberg“ und „Möve“. Einnahme

von Taveta. Die Verschiebung der Hauptmacht nach der Nordbahn.

Neue Telegraphenverbindungen. Beschießung von Bagamojo. Gegen die

britische Ugandabahn. Angriffe auf Britisch-Karunga am Nyassasee.

Kleinkrieg im Norden.

Vierter Abschnitt: +Die Novemberkämpfe bei Tanga+ 31

Erkundungen bei Tanga. Ein englisches Landungskorps erscheint.

Konzentration aller verfügbaren Truppen. Erste Gefechte bei

Ras Kasone. Aufklärung im verlassenen Tanga. Die Umgebung des

voraussichtlichen Gefechtsfeldes. Die Aufstellung der Kompagnien. Die

feindliche Landung. Der Angriff. Die ungünstige Lage der Verteidiger.

Der Gegenstoß der Verstärkungstruppe. Kopflose Flucht des Feindes.

Mißglücken der Verfolgung. Störung des Feindes am Landungsplatz.

Die ungeheueren englischen Verluste. „Die dressierten Bienen.“

Verhandlung über Auslieferung der Verwundeten. Die große Beute. Die

eigenen Verluste. In den Lazaretten. Die gleichzeitigen Ereignisse am

Longidoberge.

Fünfter Abschnitt: +In der Erwartung weiterer Ereignisse+ 43

Rückverlegung der Truppen nach Neu-Moschi. Der Dienstbetrieb beim

Kommando. Auto und Träger im Wettbewerb. Erkundungsfahrten im Auto.

Die Verpflegung und der Nachschub. Die Etappenstraßen. Arbeitslast

und Arbeitsfreudigkeit. Die reichliche Verpflegung. Der ausgehungerte

Oberleutnant. Sonntagsjägervergnügen. Die Fleischversorgung der

Truppe.

Sechster Abschnitt: +Weitere schwere Kämpfe im Nordosten+ 50

Vorrücken feindlicher Kräfte bei Jassini. Erkundung des Geländes

für einen möglichen Kampf. Vormarsch deutscher Kompagnien gegen die

englischen Stellungen. Überraschung und Umzinglung des verschanzten

Feindes. Das schlechtkämpfende Araberkorps. Tapfere Verteidigung des

Feindes. Schwierige Lage der Angreifer. Der Feind zeigt die weiße

Fahne. Abmarsch zur Nordbahn.

Siebenter Abschnitt: +Kleinkrieg und neue Zurüstungen+ 56

Notwendigkeit der Schonung von Menschen und Material. Die

Fürsorge für die Verwundeten. Ein Funkspruch aus der Heimat.

Streifen in der Longidogegend. „~A damned good piece of work.~“

Bahnzerstörungspatrouillen. Leiden und Tod in der Steppe. Ankunft

eines Hilfsschiffes. Fieberhafte Herstellung von Munition.

Ein Vorstoß am Oldoroboberge. Rohstoffüberfluß und Mangel an

Fertigfabrikaten. Neue Industrien zum Ersatz des Fehlenden. Wegebau.

Ausbau der Truppe an Größe und Gefechtswert.

Achter Abschnitt: +In Erwartung der großen Offensive; energische

Ausnutzung der noch zur Verfügung stehenden Zeit+ 65

Feindliche Massai greifen am Viktoriasee an. Die „Königsberg“ im

Rufiji. Ihr rühmliches Ende. Ein neuer Erfolg am Kilimandjaro.

Hartnäckige Angriffe gegen die englische Bahn. Vorstoß gegen das

englische Lager am Kasigao und seine Besetzung. Schutzmaßregeln

des Feindes gegen unsere Bahnzerstörungen. Gefechte im Busch. Gedanken

über die Möglichkeit des Widerstandes bei Angriff großer feindlicher

Truppenmassen. Vorbereitungen für einen Rückzug nach Süden.

Abtransport von Material. Zähes Halten der Stellung am Oldorobo.

Der neue „Mungu“.

Neunter Abschnitt: +Kleinkrieg zu Wasser und zu Lande bis zur

Jahreswende+ 1915-16 74

Die eigenen und die feindlichen Streitkräfte an den Grenzen

der Kolonie. Schwierigkeit der Truppenbewegungen innerhalb des

Schutzgebietes. Die Ereignisse an der Küste. Kleine Gefechte im

Ssonjogebiet. Dauernde Kämpfe östlich und westlich des Viktoriasees.

Die Ereignisse in Ruanda, am Kiwusee. An der Russissigrenze. Land-

und Wassergefechte im Gebiet des Tanganjikasees. Das Gebiet um

Bismarckburg. Am Nyassasee.

Zweites Buch

Der konzentrische Angriff der Übermacht

(Vom Eintreffen der südafrikanischen Truppen bis zum Übertritt über

die Grenzen)

Erster Abschnitt: +Feindlicher Vorstoß am Oldoroboberge+ 89

Mehrfaches Vordrücken des Feindes. Die phantastischen

Panzerautomobile. Der Artilleriekampf. Die südafrikanischen Truppen.

Angebliche feindliche Grausamkeitsbefehle. Verstärkung des Feindes am

Longido. Im Kampf gegen eine Inderpatrouille. Die vornehme Gesinnung

der weißen Offiziere. Unsere braven Askari und die Irreführung der

Engländer.

Zweiter Abschnitt: +Vorrücken des Feindes und Kampf

bei Reata+ 92

Spione an der Arbeit. Die Wege des feindlichen Vormarsches.

Abwehrmöglichkeiten. Der Feind greift am Kitovo an. Die feste

Stellung in der Linie Reata–Kitovo. Das „Königsberggeschütz“.

Erkundung feindlicher Kavallerie. Feindlicher Angriff und

Umzinglungsversuch. Einnahme neuer Verteidigungsstellungen. Rückzug

des Feindes nach Taveta. Nach dem Kampf. Neues Vorfühlen des Feindes.

Beim Kommando in Neu-Steglitz. Ein zweites Hilfsschiff.

Dritter Abschnitt: +Zurückweichen vor übermächtiger feindlicher

Bedrängung+ 102

Pläne und Erwägungen. Eifrige feindliche Erkundungsversuche.

Vorbereitungen zum Kampf. Vorstoß auf den feindlichen

Patrouillenschleier. Schwere Verluste. Neue starke Angriffe

des Feindes (am 21. März). Mißlingen des Gegenangriffes. Eine

Alarmmeldung: der Feind im Rücken. Rückzug nach Kissangire. Die

Alarmmeldung erweist sich als falsch. Die gute Stimmung der Truppe.

Die Lage der Zivilbevölkerung. Kampf und Kapitulation der 28.

Kompagnie bei Lokisale (5. April). Heranschaffen von Hilfstruppen.

Konzentration der Truppen zur Zentralbahn.

Vierter Abschnitt. +Das Vorgehen des Feindes im Gebiete

der Nordbahn+ 111

Abfahrt nach Korogwe. In Handeni. Nachrichten aus Deutschland.

Die Hindernisse des Weitermarsches. Der angeschwollene Fluß. Zu

Pferde und mit der Feldbahn nach Kimamba. Erkundung südlich von

Kondoa. Etappenwesen und Intendantur. Fühlung mit dem Feinde.

In Stellung. Der Feind scheint seine Stellungen zu räumen. Ein

unerwartetes Nachtgefecht. Schwere eigene Verluste. Günstige

Patrouillenunternehmungen. Artillerieduelle. Die Beschaffung von

Verpflegung aus dem Lande. Ein mißlungener feindlicher Vorstoß.

Fünfter Abschnitt: +Zwischen Nordbahn und Zentralbahn+ 121

Vordringen des Feindes an der gesamten Nordfront. Gleichzeitige

Angriffe von Südwesten her. Ausweichen und Umklammern. Auf der

Suche nach der schwächsten Stelle des Gegners. Der schneidige

englische Patrouillenführer. Erhöhte Fliegertätigkeit beim Feinde.

Weiteres Vorrücken des Generals van Deventer nach Süden. Widerstand

schwacher deutscher Kräfte auf langer Linie. Kämpfe in der Nähe der

Zentralbahn. Erkundungen. Heftige Gefechte mit dem vordringenden

Gegner. Am Wamifluß.

Sechster Abschnitt. +Dauernde Kämpfe in der Nähe des Rufiji+ 129

Feindliche Angriffe aus dem Südwesten. Was wird der Feind tun? Ein

feindlicher Umzinglungsversuch. Das Gefecht bei Mlali. Rückzug nach

Kissaki. Die moralischen Wirkungen unseres Rückzuges. Die „Boma“ von

Kissaki. Sicherung unserer Rindviehbestände. Feindliche Niederlage

am 7. September. Vernichtung einer zweiten feindlichen Abteilung.

Deutsche Menschlichkeit -- englischer Dank. Ein überraschender

Vorstoß bei Dutumi (9. September). Dutumi muß aufgegeben werden.

Siebenter Abschnitt: +Feindliche Angriffe im Südosten der

Kolonie+ 138

Unsere ungünstige Lage bei Kilwa. Vergebliche feindliche Angriffe

bei Kissangire. Flußpferde und Elefanten als Fettlieferanten. In

Mpaganja. Der heimgeleuchtete Miesmacher. Vormarsch auf Kissangire.

Die verirrte Patrouille. Erfolge bei Kissangire. Die Portugiesen bei

Newala geschlagen. Im Lager von Utete. In fester Stellung bei Kibata.

Artilleristische Vorbereitungen. Die Wirkung der schweren Granaten.

Ein mißlungener Infanterieangriff. Die militärische Lage Ende 1916.

Starke feindliche Angriffe bei Dutumi und Kissaki. Ein mißlungener

feindlicher Umgehungsversuch.

Achter Abschnitt. +Sorgen und Bedrängnisse während des

Aufenthaltes im Rufijigebiet+ 151

Der Marsch durch die Kissiberge. Lager bei Ungwara. Die Truppen

auf Irrwegen. Unnütze Esser. Maßnahmen gegen den drohenden

Verpflegungsmangel. Die Verringerung des Trägerpersonals.

Herabsetzung der Rationen. Widerstände. Die Askarifrauen. Der Mais

als Retter in der Not. Eine Intendanturabteilung für Verpflegung.

Kleine Gefechte im Busch bei Ungwara. Das Einsetzen der Regenzeit.

Maßnahmen zum Schutz der Frauen und Kinder. Weiterzug der Truppe nach

Süden.

Neunter Abschnitt: +Das Ende der Grenzenverteidigung

auf den Nebenschauplätzen.+ 160

Am Ruhudje- und Ruahafluß. Ein feindlicher Angriff und plötzliches

Abbrechen desselben. Der Irrtum des Feindes. Kapitulation des

Majors v. Grawert. Teilung der Truppen des Generals Wahle. Der

Marsch auf Tabora. Zurück zum Kilimandjaro. Der Marsch des Majors

Kraut zum Rowuma. Verpflegungsschwierigkeiten und Zukunftspläne.

Auf reichem portugiesischem Gebiet. Patrouillen gegen Kilwa. Eine

schwere Niederlage des Feindes. Versuche mit Brotersatz. Primitive

Stiefelherstellung. Die krähenden Hähne. Salz, Fett und Zucker.

Das Sanitätswesen. „Lettowschnaps.“ Verbandzeug. Operationen mit

primitiven Mitteln.

Zehnter Abschnitt: +Um Lindi und Kilwa+ 167

Umschau nach einer neuen Verpflegungsbasis. Erkundungen im

portugiesischen Gebiet über den Rowuma. Gefechte bei Kilwa. Die

Lage des Sanitätswesens. Um das deutsche Lager bei Lutende. Eiliger

Weitermarsch in die Berge von Ruawa. Die Erlebnisse der Abteilung

Lieberman in der Landschaft von Ndessa. Ein kaiserlicher Gruß aus

der Heimat. Feindliche Parlamentärspione. Ein feindlicher Angriff

bei Narunju. Die Fliegerbombe im Dynamitlager. Sammlung der

Nichtkombattanten in der Mission Ndanda.

Elfter Abschnitt: +In der Südostecke der Kolonie+ 185

Konzentrischer Vormarsch des Feindes. Bei Ruponda und Likangara.

Unsicherheit beim Gegner. Gerüchte. Das Gefecht bei Mahiwa. Ein

glänzender Sieg. Änderung des Angriffsplanes. Die Taktik des

feindlichen Führers. Das Ende des Kampfes. Die Verluste und die

Beute. Ein neues Gefecht bei Lukuledi. Kleinkrieg.

Zwölfter Abschnitt: +Die letzten Wochen auf deutschem Boden+ 193

Rücksprache mit dem Gouverneur. Erwägungen. Abmarsch von Lukuledi.

Kleinere Gefechte im Busch. Der Munitionsmangel und seine Folgen.

Dauerndes Vorrücken des Feindes bis Chiwata. Unser Ausweichen auf

Nambindinga. Pläne zur freiwilligen Beschränkung der Truppenstärke.

Auf dem Makondehochland. Wasser- und Verpflegungsmangel. Wohin?

Neuordnung der Truppe in Newala. Die feindliche Patrouille und ihr

Brief. Außer Sicht des Feindes.

Drittes Buch

Kämpfe auf fremder Erde

(Vom Übertritt nach Portugiesisch-Ostafrika bis zum Waffenstillstand)

Erster Abschnitt. +Über den Rowuma+ 207

Flußübergang. Das feindliche Lager bei Ngomano. Sturm auf die

portugiesische Befestigung. Der „Tag der alten Gewehre“. Reiche

Beute. Weitermarsch den Ludjenda aufwärts. Auf der Suche nach

Verpflegung. Ein durchsichtiges feindliches Angebot. Nachricht von

der Kapitulation des Hauptmanns Tafel. Teilung der Truppe. Reibungen

und Unannehmlichkeiten. Einnahme mehrerer portugiesischer Lager.

Heldentat des Leutnants Kempner. Bei Nangware. Büffelfett und

Waldesfrüchte. Reiche Verpflegung bei Chirumba. Patrouillen. Anmarsch

des Feindes. Plänkeleien. Feindliche Einflüsterungen. Neuer Mut und

neues Vertrauen.

Zweiter Abschnitt: +Östlich des Ludjendaflusses+ 223

Verpflegungsfragen. Im Regen. Tabakversorgung. Bei Nanungu. Der Bau

von Pontonbooten. Patrouillen über den Msalufluß. Nachrichten von

den Ereignissen in Europa. Kampfpause. Patrouillen bis zur Küste.

Das kostbare Porischwein. Neuer feindlicher Aufmarsch. Dauernde

Plänkeleien. Gegen den Feind am Kirekaberge. Ein Buschgefecht. Eine

irrtümliche Meldung und ihre Folgen. Die beiderseitigen Verluste in

den letzten Gefechten. Erfolge des Hauptmanns Koehl. Weitermarsch

zum Koromaberge. Ein Überfall. Der Gouverneur in Gefahr. Unangenehme

Verluste.

Dritter Abschnitt: +Im Gebiet des Lurio- und Likungoflusses+ 237

Auf dem Wege nach Koriwa. Die Kranken und Verwundeten. Lager

am Lurio. Abteilung Müller nimmt die Boma Malema. Anmarsch

feindlicher Truppen von mehreren Seiten. In einem reichen Lande. Die

Vorsichtsmaßregeln des Generals Edwards. Kampf im Busch. Weitermarsch

auf Alto-Moloque. Die Apfelsinenboma. Dauernde Patrouillengefechte.

Die Station Nampepo und andere Niederlassungen. Am Likungofluß.

Reiche Beute. Das Schätzungsvermögen der Eingeborenen.

Vierter Abschnitt: +Weitermarsch in südlicher Richtung+ 247

Wo ist die feindliche Munition gestapelt? Auf der Suche. Das

Hindernis der langen Marschkolonnen. Kokosani-Namakurra. Über

den Likungo. Ein Erfolg bei Namakurra. Der verschanzte Bahnhof.

Artillerievorbereitung und Sturm. Flucht des Feindes über den

Namakurrafluß. Die Verluste hüben und drüben. Willkommene Beute an

Verpflegung und Munition.

Fünfter Abschnitt: +Wieder nach Norden zum Namirruefluß+ 254

Hindernisse für den Weitermarsch nach Süden. Die feindlichen

Operationen und die eigenen Pläne. Zurück über den Likungo. Marsch

in mehreren Parallelkolonnen. Eine merkwürdige Kriegslage. Auf der

Suche nach Beute. Bei Ociva. Die englischen und die portugiesischen

Gefangenen. Einnahme der Boma Tipa. Marsch nach Namirrue. Erkundung

der feindlichen Felsenbergstellung. Ein neuer Feind taucht auf. Ein

siegreiches Nachtgefecht gegen ihn. Das Wirrwarr der feindlichen

Kolonnen. Vergebliche Verfolgung des fliehenden Feindes. Der

Minenwerfer und seine Wirkung. Sturm auf den Felsenberg. Abmarsch

nach Pekera. Ruhepause im Lager von Chalau.

Sechster Abschnitt: +Zurück zum Luriofluß+ 264

Bei Chalau. Ein englischer Parlamentär. Der Anmarsch des Feindes.

Abmarsch über den Ligonja. In Ili. Marsch nach Numarroe.

Brotbereitung für die Gefangenen. Ein Frühstück im Busch. Die Boma

Numarroe. Ein Erfolg der Abteilung Goering. Die Einnahme der Boma.

Die beiderseitigen Verluste. Weiter über die Berge nach Regone.

Plänkeleien. Was wird weiter? Heftige Kämpfe bei Lioma. Schwere

Verluste. Keine Aussicht auf einen größeren Erfolg. Weiter nach

Norden. Durcheinander der Abteilungen. Ein schwieriger Marsch durch

die Berge. Am Lurio. Schlechter Gesundheitszustand der Truppe.

Beiderseitige schwere Verluste. Die Influenzaepidemie.

Siebenter Abschnitt: +Noch einmal auf deutschem Boden+ 278

Schneller Abmarsch nach Norden. Über den Ludjenda. Ein Ruhetag bei

Mwembe. Feindliche Kundschaftung. Aufklärung durch Fernpatrouillen.

Nach Ssongea. Das Heimweh des Samarunga. Die Mission Pangire. Wechsel

der Marschrichtung. Ernste Nachrichten aus Europa. In der Mission

Mbozi. Patrouillenmeldungen.

Achter Abschnitt: +Einmarsch in Britisch-Rhodesien+ 283

Auf dem Marsche nach Fife. Der Feind in seiner verschanzten Stellung.

Erfolglose Beschießung und Weitermarsch. Patrouillengefechte. Reiche

Chininbeute. Kartenstudium. In Eilmärschen nach Rhodesien hinein.

Missionsstation Kajambi und ihre ängstlichen Bewohner. Einnahme von

Kasama. Eingeborene plündern auf englische Anordnung. Weiter auf den

Zambesi zu.

Neunter Abschnitt: +Waffenstillstand und Heimkehr+ 289

Der verirrte englische Motorfahrer. Waffenstillstand. Mit dem

Fahrrad zur Zambesifähre. Die Bedingungen des Waffenstillstandes.

Besprechung mit dem britischen Kommissionar. Die Lage in Deutschland.

Der Waffenstillstand und die Lage unserer Truppe. Entlassung der

Gefangenen. Schwierigkeiten bei der Entlöhnung der Askari. Marsch

nach Abercorn. „Übergabe“ und „Räumung“. Bei General Edwards.

Waffenabgabe. Nutzloser Widerstand gegen die englische Auslegung

der Abmachungen. Zu Schiff nach Kigoma. Belgische Gastfreundschaft.

Mit der Bahn nach Daressalam. Internierung. Die Grippe und ihre

Opfer. Die treuen Askari. Bemühungen zum Schutz des Privateigentums.

Einschiffung zur Heimat. Auf dem „Feldmarschall“. In Rotterdam und

auf heimatlichem Boden. Rückblick und Ausblick.

[Illustration]

Kunstbeilagen

nach Originalen von Hauptmann +W. v. Ruckteschell+

Porträt des Verfassers, farbig (Titelbild)

Askari auf der Rast

Bogenschütze

Affenbrotbaum

Verpflegung bringende Weiber

Kilimandjaro

Verpflegung bringende Eingeborene

Askari (eingeborener Soldat)

Signalschüler (Mustapha bin Mabruf)

Askari (Hamiß)

Askari (Hassan Silal Mohamed)

Askarifrau (Mamatabu)

Träger

Askarifrau (Aidia Binti Abdalla Saidi)

Askarifrau

Verwundet

Gefallen

Operation im Feldlazarett

Trägersafari

Massaiposten

Europäermahlzeit

Inhalt der Kartentasche

1 Übersichtskarte von Afrika (1 : 56000000)

1 Karte mit eingezeichneter Marschroute des Hauptteiles der

Schutztruppe (1 : 8000000)

21 Bewegungs- und Gefechtsskizzen von der Hand des Verfassers

Erstes Buch

Die Ereignisse bis zum Eintreffen

der Südwest-Afrikaner

[Illustration: M.-G. Gruppe]

Erster Abschnitt

Vor Kriegsbeginn

Als ich im Januar 1914 in Daressalam landete, da ahnte ich kaum, welche

Aufgabe an mich nach einigen Monaten herantreten würde. Aber seit einem

Jahrzehnt hatte der Weltkrieg mehr als einmal so nahe gedroht, daß ich

mir ernsthaft die Frage vorlegen mußte, ob die mir unterstellte Truppe

in einem solchen Kriege überhaupt eine Rolle zu spielen berufen wäre

und welches ihre Aufgabe sein könnte. Nach der Lage der Kolonie und

der Stärke der vorhandenen Kräfte -- die Friedenstruppe war nur wenig

über 2000 Mann stark -- konnte uns nur eine Nebenaufgabe zufallen.

Ich wußte, daß das Schicksal der Kolonien, wie das jedes deutschen

Besitzes, auf den europäischen Schlachtfeldern entschieden werden

würde. Zu dieser Entscheidung mußte jeder Deutsche ohne Rücksicht

darauf, wo er sich gerade befand, das Seinige beitragen. Auch in der

Kolonie hatten wir die Pflicht, im Falle eines Weltkrieges für das

Vaterland zu tun, was in unseren Kräften stand. Die Frage war, ob wir

die Möglichkeit hatten, die große heimische Entscheidung von unserem

Nebenkriegsschauplatze aus zu beeinflussen. Konnten wir mit unseren

geringen Kräften erhebliche Teile des Feindes vom Eingreifen in Europa

oder auf anderen, wichtigeren Kriegsschauplätzen abhalten oder den

Feinden eine nennenswerte Einbuße an Personal oder Kriegsgerät zufügen?

Ich habe damals diese Frage bejaht. Allerdings ist es nicht gelungen,

alle Instanzen in solchem Maße hierfür zu gewinnen, daß sämtliche für

einen Krieg wünschenswerte Vorbereitungen ausgeführt werden konnten.

Es war zu überlegen, daß sich feindliche Truppen nur dann fesseln

lassen würden, wenn wir den Feind wirklich an einer für ihn

empfindlichen Stelle angriffen oder zum mindesten bedrohten. Es war

ferner zu bedenken, daß durch eine reine Verteidigungstaktik mit den

vorhandenen Mitteln nicht einmal der Schutz der Kolonie zu erreichen

war. Handelte es sich doch um eine Grenz- und Küstenlänge ungefähr so

groß wie die von Deutschland. Von diesem Gesichtspunkt aus ergab sich

die Notwendigkeit, die geringen vorhandenen Kräfte nicht zu lokaler

Verteidigung zu zersplittern, sondern im Gegenteil zusammenzuhalten,

den Feind an der Kehle zu packen und ihn dadurch zu zwingen, seine

Kräfte zu seinem eigenen Schutz zu verwenden. Gelang es, diesen

Gedanken auszuführen, so wurde damit zugleich aufs wirksamste unsere

Küste und unsere unendlich lange Landesgrenze beschützt.

Legte man sich nun die Frage vor, wo ein für den Gegner so

empfindlicher Punkt lag, daß er uns Aussicht auf einen erfolgreichen

Angriff oder wenigstens auf ein Drohen mit einem solchen bot, so kam

man von selbst auf die Grenze zwischen Deutsch- und Britisch-Ostafrika.

Längs derselben führt, auf wenige Tagemärsche entfernt, die Lebensader

des britischen Gebietes, die Uganda-Bahn, also ein Objekt, das bei

seiner Länge von gut 700 Kilometer für den Feind außerordentlich schwer

zu schützen war und deshalb bei wirksamer Bedrohung einen großen Teil

seiner Truppen festlegte.

Meine im Januar 1914 angetretene erste Erkundungs- und

Besichtigungsreise führte mich von Daressalam zu Schiff nach Tanga,

von dort nach Usambara und weiter in die Gegend des Kilimandjaro und

Meru-Berges. In Usambara fand ich in dem mir von der Kriegsschule

her gut bekannten Freund, dem Hauptmann a. D. von Prince, einen

begeisterten Anhänger des Gedankens, daß wir Ostafrikaner bei einem

etwaigen Kriege gegen England nicht stillsitzen dürften, sondern mit

zugreifen müßten, falls sich auch nur die Spur einer Aussicht ergab,

dem Kriege in Europa Entlastung zu verschaffen. Er konnte mich zugleich

darüber orientieren, daß in dem Gebiet von Usambara, am Kilimandjaro

und am Meru-Berge freiwillige Schützenkorps in Bildung waren, die

voraussichtlich bald fast alle waffenfähigen Deutschen dieser

Nordgebiete umfassen würden. Bei der dort dichten Pflanzerbesiedlung

war dies von großer Bedeutung. Wenn wir im Verlaufe des Krieges

im ganzen etwa 3000 Europäer haben bei der Schutztruppe in Dienst

stellen können, so lieferten gerade diese Gebiete der Usambarabahn den

Hauptbestandteil. Allerdings war es schwer, eine haltbare militärische

Organisation dieser Freiwilligenvereinigungen zu finden und den vielen

guten Willen auch wirklich nutzbar zu machen. Immerhin wurde im großen

und ganzen erreicht, daß alle, auch die nicht gesetzlich hierzu

Verpflichteten, bereit waren, sich im Kriegsfalle der Schutztruppe

zu unterstellen. Auch bei den Bezirksämtern fand ich großes

Entgegenkommen, leider aber auch das berechtigte Bedenken, ob solche

Freiwilligenorganisationen in einem Weltkrieg, der uns mit Sicherheit

vollständig von der Heimat abschnitt und auf uns selbst stellte, die

nötige Festigkeit haben würden. Schlecht sah es auch mit der Bewaffnung

aus; wenn auch fast jeder Europäer eine brauchbare Pirschbüchse hatte,

so war doch die Verschiedenartigkeit der Modelle und die entsprechende

Schwierigkeit der Munitionsbeschaffung bisher nicht behoben worden.

Anträge auf gleichmäßige militärische Bewaffnung dieser Schützenvereine

waren noch in der Schwebe und blieben bis zum Ausbruch des Krieges

unerledigt.

In Wilhelmstal traf ich eine schwarze Polizeiabteilung unter ihrem

tüchtigen aus Dithmarschen stammenden Wachtmeister.

Während die eigentliche +Schutztruppe+ dem Kommandeur unterstand,

hingen die einzelnen Abteilungen der +Polizeitruppen+ von den

Verwaltungsinstanzen ab, und so hatte jeder Bezirksamtmann zum Zwecke

der Steuererhebung und um seinen Befehlen die nötige Autorität

zu geben, eine Truppe von etwa 100 bis 200 Mann. Es herrschte

das Bestreben vor, diese Polizeitruppe immer mehr auf Kosten der

Schutztruppe zu vergrößern. Neben der Schutztruppe war eine zweite,

ebenso starke Truppe entstanden, die ihrer ganzen Natur nach eine

Karikatur militärischen Wesens war und kaum etwas Besseres sein konnte.

Der Bezirksamtmann, ein Zivilbeamter, verstand von militärischen

Dingen häufig wenig und legte die Ausbildung und Führung seiner

Polizei-Askari[1] in die Hand eines Polizeiwachtmeisters. Dieser

arbeitete eifrig mit dem Pflichtgefühl eines alten Unteroffiziers; aber

die Anleitung durch einen höheren militärischen Vorgesetzten wurde ihm

selten zuteil, da der Polizei-Inspekteur, ein Offizier, jeden Bezirk

nur ab und an bereisen konnte. Die Polizei-Askari verbummelten daher

vielfach und entbehrten der straffen Zucht, die notwendig war, um sie

für ihre Funktionen, die doch Zuverlässigkeit erforderten, geeignet zu

erhalten. Bedauerlicherweise entzog die Polizei der Schutztruppe oft

die alten schwarzen Chargen und damit die besten Elemente, welche dann

bei der Polizei ihre guten militärischen Eigenschaften verloren. Im

großen und ganzen war es so, daß zugunsten einer Polizeitruppe, aus der

bei den gegebenen Grundlagen nie etwas Brauchbares werden konnte, die

Schutztruppe in ihrer Qualität mehr und mehr verschlechtert wurde.

Von Neu-Moschi, dem Endpunkt der Usambarabahn, begab ich mich über

Marangu, wo ein englischer Pflanzer wohnte, und wo ich den englischen

Konsul King aus Daressalam traf, in die Gegend des Kilimandjaro und

von da nach Aruscha. Mehrere deutsche Pflanzer, zum Teil ehemalige

Offiziere, die ich während des Marsches auf ihren Besitzungen besuchte,

bestätigten mir, daß auch die dortigen deutschen Ansiedler wertvolles

militärisches Material wären.

Ich lernte die reizende Besitzung des Kapitänleutnants a. D. Niemeyer

kennen, dessen Gattin uns mit vortrefflichem, selbstgezogenem Kaffee

bewirtete. Später hat sie uns gelegentlich ein bißchen gestört;

als ihr Mann nämlich im Kriege im Lager von Engare-Nairobi war,

nordwestlich des Kilimandjaroberges, hatten wir ihr für ein Gespräch

mit ihrem Gatten vorübergehend einen Telephonanschlußapparat geliehen.

Unmittelbar darauf stockte der gesamte Fernsprechverkehr, und nach

langem, langem Suchen kamen wir endlich dahinter, daß unsere anmutige

Wirtin von früher den Apparat nicht wieder ausgeschaltet hatte und auch

keine Absicht zeigte, dies zu tun.

Auf seiner in der Nähe gelegenen Pflanzung bot uns Korvettenkapitän

a. D. Schoenfeld gastlich ein ausgezeichnetes Glas Moselwein in einem

militärischen Kommandoton, der schon damals auf den energischen

Führer hindeutete, welcher später die Rufijimündung so zähe gegen

feindliche Überlegenheit verteidigte. Kurz vor Aruscha traf ich auf

der Kaffeepflanzung meines alten Kadettenkameraden Freiherrn von

Ledebur bei Tisch auch den liebenswürdigen alten Oberstleutnant a.

D. Freiherrn von Bock. Wir unterhielten uns über die freiwilligen

Schützenvereinigungen, die am Meru-Berge im Entstehen begriffen waren,

und ich ahnte nicht, daß wenige Monate später der über sechzig Jahre

alte Herr einer unserer zähesten Patrouillengänger am Ostrande des

Kilimandjaro sein und oft mit seinen paar Leuten, zum großen Teil

Rekruten, erfolgreich gegen mehrere feindliche Kompagnien fechten

würde. Seine echte Ritterlichkeit und väterliche Fürsorge gewannen ihm

bald die Herzen seiner schwarzen Kameraden in solchem Maße, daß er in

ihren Augen der tapferste aller Deutschen war, und sie mit rührender

Treue an ihm hingen.

In Aruscha fand zum ersten Male die Besichtigung einer Askarikompagnie

statt. Der Geist und die Disziplin der schwarzen Truppe zeigten die

treffliche Erziehung durch meinen Vorgänger, den Oberst Freiherrn

von Schleinitz, aber die Ausbildung im Gefecht gegen einen modern

bewaffneten Gegner war, den bisherigen Verwendungsgrundsätzen

entsprechend, weniger gepflegt worden. Die Kompagnie war -- wie der

größte Teil der Askarikompagnien -- noch mit dem alten rauchstarken

Gewehr Modell 71 bewaffnet. Vielfach war die Ansicht vertreten, daß

diese Bewaffnung für eine schwarze Truppe zweckmäßiger wäre als ein

modernes rauchschwaches Gewehr. Die Truppe war bisher niemals gegen

einen modern bewaffneten Gegner, sondern nur in Eingeborenenkämpfen

verwandt worden, wo das größere Kaliber ein Vorteil ist, die

Nachteile der Rauchentwicklung keine Rolle spielen. Nach Ausbruch

des Krieges freilich lernten auch die begeistertesten Anhänger des

Infanteriegewehrs Modell 71 um. Gegen einen rauchlos-modern bewaffneten

Feind war nicht nur bei den weiten Entfernungen des Gefechts in der

freien Ebene, sondern auch im Buschkrieg, wo die Schützen oft nur

wenige Schritte voneinander entfernt sind, das Modell 71 unbedingt

unterlegen. Der rauchlos schießende Schütze bleibt eben verborgen,

während die Rauchwolke nicht nur dem scharfen Auge des eingeborenen

Askaris, sondern auch dem an Bureauarbeit gewohnten Europäer den Feind

schnell und sicher verrät. So bestand im Anfang des Krieges die größte

Belohnung, die einem Askari zuteil werden konnte, darin, daß man ihm

statt seines alten rauchstarken Gewehres ein modernes Beutegewehr gab.

Bei der Verteilung der Truppe in einzelnen Kompagnien über das

Schutzgebiet hatte der Nachteil mit in Kauf genommen werden müssen,

daß die Verwendung in großen Verbänden und die Schulung der älteren

Offiziere im Führen derselben nicht geübt werden konnte. Es war klar,

daß im Kriege die Bewegung und Gefechtsführung von Truppenkörpern

über Kompagniestärke auf große Schwierigkeiten und Reibungen stoßen

mußte. Entsprechend der nach meiner Auffassung doppelten Aufgabe

der Truppe, sowohl gegen einen äußeren, modernen, wie gegen einen

inneren, eingeborenen Feind zum Kampfe bereit zu sein, fiel die

Gefechtsausbildung in zwei verschiedene Gebiete. Die Gefechtsübungen

im Eingeborenenkriege lieferten hierbei ein Bild, welches von unseren

europäischen Besichtigungen stark abwich. In Aruscha marschierte

bei dieser Gelegenheit die Kompagnie durch dichten Busch, das Pori,

und wurde nach Eingeborenenart auf dem Marsch überfallen. Der Feind

wurde dargestellt durch Merukrieger, die im vollen Kriegsschmuck mit

Lanzen und ihrem Kopfputz aus Straußenfedern sich versteckt hielten

und dann auf wenige Schritte mit ihrem Kriegsgeheul die Safari, die

Marschkolonne, überfielen. In einem solchen Nahkampfe, wie ihm 1891

die Zelewskische Expedition bei Iringa erlegen war, spielt sich die

Entscheidung bei geringer Entfernung und in wenigen Minuten ab. Die

Truppe ballt sich schnell um die Führer zusammen und geht dem Feind zu

Leibe. Diesem ganzen Charakter des Eingeborenenkampfes entsprechend war

eine sorgfältige und gründliche Schießausbildung der Askari im modernen

Sinne bisher nicht notwendig gewesen. Sie stand daher auch auf einer

ziemlich tiefen Stufe, und für den Soldaten dürfte es interessant sein,

daß beim Schießen stehend-freihändig bei 200 Meter nach der Ringscheibe

bei manchen Kompagnien kaum der Ring 3 im Durchschnitt erreicht wurde;

nur ganz wenige Kompagnien brachten es auf etwas über Ring 5. Auch

für eine gründliche Maschinengewehrausbildung war der Charakter des

Eingeborenenkampfes kein ausreichender Antrieb. Erfreulicherweise fand

ich bei allen Europäern der Truppe aber sehr bald vollstes Verständnis

für die Wichtigkeit gerade dieser Waffe im modernen Gefecht. Trotz

dieses nicht gerade hohen Ausbildungsgrades waren im Gefechtsschießen

auch bei großen Entfernungen die Ergebnisse nicht unbefriedigend,

und dem Askari kam hierbei sein scharfes Auge, mit dem er die

Geschoßeinschläge beobachtete und dementsprechend seinen Haltepunkt

verbesserte, in hohem Maße zustatten.

Die Reise führte mich weiter über die Mission Ufiome, wo der treffliche

Pater Dürr saß, nach Kondoa-Irangi, Kilimatinde und zurück nach

Daressalam. Der Eindruck dieser ersten Besichtigungsfahrt war der,

daß militärisch noch vielerlei vorzubereiten war, wenn wir für den

Fall eines Krieges der Engländer gegen uns ernsthaft gerüstet sein

wollten. Leider gelang es nicht, die maßgebenden Stellen hierfür

genügend zu erwärmen. Es herrschte die Meinung vor, daß wir mit England

außerordentlich günstig ständen, und daß ein Krieg, wenn er überhaupt

käme, in weiter Ferne läge. So kam es, daß, als der Krieg nun wirklich

nach wenigen Monaten ausbrach, wir unvorbereitet waren.

Die Reise war für mich, der ich neu nach Ostafrika gekommen war,

nicht nur von militärischem Interesse gewesen. In Boma la Ngombe,

einem Ort zwischen Moschi und Aruscha, war eine Menge alter Askari

noch vom verstorbenen Oberstleutnant Johannes angesiedelt worden; sie

trieben dort meistens Viehhandel und waren zu Wohlstand gekommen. Die

Nachricht von meinem Eintreffen war mir vorausgeeilt, und die Leute

erschienen vollzählig, um mich bei meiner Ankunft zu begrüßen. Ich habe

den Eindruck gewonnen, daß diese Loyalität nicht rein äußerlich war;

die Leute erzählten mir begeistert von den Deutschen, unter denen sie

früher gestanden hatten, und stellten auch nach Ausbruch des Krieges

unaufgefordert und ohne den geringsten Druck eine große Summe Geldes

zur Unterstützung der Truppe zur Verfügung. In der dortigen Gegend

sah ich auch die ersten Massai, die im Gegensatz zur Mehrzahl der

ostafrikanischen Stämme reine Hamiten sind und in einem besonderen

Reservat leben. Erwähnt mag werden, daß Merker, der beste Kenner der

Massai[2], in ihnen die Urjuden sieht. Sie haben in ausgesprochenem

Maße die Eigenschaften des reinen Steppenbewohners. Gelegentlich

führte mich einer dieser großen, schlanken und sehr schnellen Leute

auf meinen Jagdausflügen; ihr Sehvermögen, sowie die Fähigkeit,

Spuren zu lesen, ist erstaunlich. Daneben ist der Massai klug und,

wenigstens dem Fremden gegenüber, außerordentlich verlogen. Er lebt in

geschlossenen Dörfern aus Lehmhütten und zieht, wie alle Nomadenvölker,

mit seinen Herden durch die Steppen. Zum Waffendienst bei der Truppe

meldet er sich selten. Ackerbau treibt der Massai so gut wie gar

nicht, während dieser bei den übrigen Stämmen die Hauptbeschäftigung

ist und erst eine dichte Besiedlung ermöglicht. So ernähren die

Bananengebiete am östlichen Abhange des Kilimandjaro eine eingeborene

Wadschaggabevölkerung von rund 25000 Menschen, und diese Zahl könnte

leicht weiter vergrößert werden. Der große Viehreichtum in der Gegend

von Aruscha, in der Massaisteppe und bei Kondoa-Irangi zeigte mir, daß

die Tsetsefliege, dieser Hauptfeind des afrikanischen Viehbestandes,

dort verhältnismäßig selten ist. Vergleichsweise mag angegeben werden,

daß der Rindviehbestand in dem einen Bezirk Aruscha größer geschätzt

wird als derjenige in ganz Südwestafrika. Bei Kondoa-Irangi und bei

Singidda waren die Leute von weit her gekommen und hatten sich zur

Begrüßung am Wege aufgestellt. Kein Reisender, der diese Gebiete

durchmißt, kann sich der Beobachtung entziehen, daß in dem fruchtbaren

und hoch gelegenen Inneren Raum zur Ansiedlung von Hunderttausenden von

Europäern ist.

Einen Eindruck, den ich erst später, während des Krieges, gewonnen

habe, möchte ich hier einfügen. Wir sind manchmal durch fruchtbare

Gebiete gezogen, die von den Eingeborenen ganz verlassen,

bekannterweise aber noch ein Jahr vorher dicht besiedelt waren.

Die Leute waren einfach fortgezogen, hatten sich in dem reichlich

zur Verfügung stehenden, menschenleeren und fruchtbaren Lande

anderswo niedergelassen und dort neue Äcker angelegt. Nutzt man das

bebauungsfähige Gebiet wirklich aus, so könnte in dem bisher nur von

rund 8 Millionen bewohnten Deutsch-Ostafrika wohl eine Bevölkerung

ernährt werden, die hinter der Einwohnerzahl Deutschlands kaum

zurücksteht. Ein in Mahenge während des Krieges gefangener Engländer

äußerte, daß aus Ostafrika wohl ein zweites Indien zu machen wäre,

und ich glaube, daß er mit dieser Auffassung recht hatte. Durch die

Erfahrungen des Krieges bin ich in meiner Meinung bestärkt worden, daß

viele wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, die man vor

dem Kriege kaum geahnt hat.

In Singidda sah ich eines der Gestüte des Landes. Als Zuchtmaterial

befanden sich dort zwei Pferdehengste, keine Pferdestuten, einige

Maskateselhengste und in der Hauptsache eingeborene Eselstuten.

Über die Zuchtziele habe ich keine rechte Klarheit erlangen können;

jedenfalls war es nicht gelungen, von den Pferdehengsten und Eselstuten

Zuchtprodukte zu erzielen. Das Gebiet ist aber für Pferdezucht

außerordentlich günstig, und der dort stationierende Regierungstierarzt

Hoffmeister zeigte große Lust, sich in dieser Gegend als privater

Farmer und Pferdezüchter niederzulassen. Ähnliche Gestüte befanden sich

in Kilimatinde, Iringa und Ubena. Von Singidda nach Kilimatinde zog

ich den Mpondifluß entlang; es wird den Jäger interessieren, zu hören,

daß diese Gegend als dasjenige Gebiet in Ostafrika gilt, wo die besten

Büffel stehen.

Schon einige Tage vorher hatte ich auf Büffel mit Erfolg gepirscht,

doch war es mir nicht gelungen, einen starken Bullen zum Abschuß zu

bringen, und so war ich, soweit es meine Zeit irgend zuließ, dem

Büffel auf der Spur. Außer einem eingeborenen Jungen hatte ich als

Spurenleser zwei ausgezeichnete Askari der Kondoakompagnie. Sobald

ich nach Schluß eines Marsches in das Lager kam und vom Maultier

stieg, fragte ich Kadunda, einen dieser Askari, der den Marsch zu Fuß

mitgemacht hatte, ob er bereit sei zur Jagd. Er stimmte jedesmal mit

größter Passion zu, und fort ging es auf der Fährte durch den Busch,

der manchmal so dicht war, daß man unter den Zweigen kriechen mußte,

um überhaupt vorwärts zu kommen. Solch eine Fährtenjagd durch dichten

Busch und das übermannshohe Schilf, stundenlang in der prallen Sonne,

ist für den an afrikanisches Klima zunächst nicht gewohnten Europäer

eine außerordentliche Anstrengung. Der angeschossene Büffel gilt in

Ostafrika als das gefährlichste Jagdtier; er nimmt oft schnell und mit

großer Entschlossenheit an. Am Mpondi hatte einige Zeit vorher ein

angeschossener Büffel einen Jäger so überraschend angegriffen, daß

dieser zwar erfreulicherweise auf dessen Nacken zu sitzen kam, aber

kaum sein Leben gerettet hätte, wenn ihm nicht im kritischen Moment

sein Tropenhut heruntergefallen wäre. Das Untier attackierte nun

diesen Hut, und der Schütze hatte Gelegenheit, ihm die tödliche Kugel

aufs Blatt anzutragen. Aus dieser und ähnlichen Erzählungen wird man

begreifen, daß die Spannung, wenn die Fährte, der man folgt, wärmer und

wärmer wird, außerordentlich wächst und die Sinne sich schärfen. Aber

obgleich ich den Büffel oft auf wenige Schritte neben mir atmen hörte,

war das Dickicht so groß, daß ich nicht zum Schuß kam. Ich hatte die

Erfüllung meines Wunsches schon aufgegeben und mit meiner Karawane den

endgültigen Abmarsch angetreten, als wir morgens um 7 Uhr eine ganz

frische Büffelfährte kreuzten. Der Wald war an dieser Stelle lichter,

und die Führer zeigten Lust, der Fährte zu folgen. So ließen wir die

Karawane weitermarschieren und bekamen nach vierstündiger anstrengender

Pirsche den Büffel zu Gesicht. Als ich in einer Lichtung auf 100 Meter

den Kolben hob, verbot Kabunda es und bestand darauf, daß wir den

Büffel, der im ganz lichten Stangenholz an uns vorüberzog, bis auf

dreißig Schritt anpirschten. Zum Glück durchschoß die Kugel die große

Schlagader; der Büffel lag sofort, und etwaige weitere Stadien dieser

Episode waren damit abgeschnitten. Wie es oft vorkommt, fanden wir

auch hier eine steckengebliebene Kugel aus einem Eingeborenengewehr im

Innern des Tieres bereits vor. Im übrigen bestand die Jagdbeute aus

einer großen Anzahl Antilopen und Gazellen verschiedener Gattungen;

Löwen haben wir oft gehört, aber nicht zu Gesicht bekommen.

Auf diesem Zuge durch das „Pori“ lernte ich zu meiner Verblüffung

die Tatsache kennen, daß ein spurloses Verschwinden selbst im

Inneren Afrikas nicht leicht ist. Ich war losgezogen, ohne zu

hinterlassen, welchen Weg ich nehmen würde. Da erschien plötzlich

während des Marsches mitten im Pori ein Eingeborener und brachte mir

die Überseepost. Die gegenseitigen Mitteilungen der Eingeborenen

geben einander eben Kunde von allem, was in ihrer Nähe vor sich

geht. Zurufe, Feuerzeichen und die Signaltrommel dienen dazu, die

Neuigkeiten auszutauschen und schnell zu verbreiten. Die unglaubliche

Ausbreitungsfähigkeit der zahllosen Gerüchte, die ich späterhin

kennenlernen sollte, ist zum großen Teil auf diese Mitteilsamkeit

zurückzuführen.

Nach der Rückkehr nach Daressalam von der ersten Besichtigungsreise im

März wurde sogleich die Umbewaffnung von drei weiteren Kompagnien -- es

waren bisher erst drei Kompagnien mit modernen Gewehren bewaffnet --

in die Wege geleitet. Es wurde von größter Wichtigkeit, daß wenigstens

diese Waffen, mit der dazugehörigen Munition, noch gerade rechtzeitig

vor Ausbruch des Krieges im Schutzgebiet eintrafen.

Bei einer Besichtigungsreise im April nach Lindi, wo ich die dritte

Feldkompagnie sah, hatte ich mir bei einem Fall in ein Steinloch

Kniewasser zugezogen und konnte daher meine nächste große Reise erst

Ende Mai antreten. Obgleich der öffentliche Verkehr der Zentralbahn

erst bis Tabora freigegeben werden konnte, war der Bau doch so

weit gediehen, daß ich bis Kigoma (am Tanganjika-See) mit der Bahn

gelangte und so schon eine oberflächliche Kenntnis dieses wichtigen

Verkehrsmittels gewann, das unsere Küste in unmittelbare Verbindung mit

dem Tanganjika, seinen reichen angrenzenden Gebieten und weiter mit

dem Stromsystem des Kongo brachte. In Kigoma war der Dampfer „Goetzen“

erst im Bau, und ich fuhr noch mit dem kleinen Dampfer „Hedwig v.

Wißmann“ nach Bismarckburg. In Baudouinville, im Kongogebiet, machte

ich einen kurzen Besuch bei dem dortigen Bischof der Weißen Väter, ohne

eine Ahnung zu haben, wie bald man mit diesem Gebiet im Kriege sein

sollte. Die wundervolle Kirche würde bei uns ein Schmuck für jede Stadt

sein. Sie war von den Vätern selbst erbaut und im Innern mit reichen

Schnitzereien versehen. Geräumige, prachtvolle Obstgärten umgeben die

Station. Die Löwenplage muß dort sehr groß sein; die Väter erzählten

mir, daß vor kurzem ein Löwe des Nachts über die Mauer in das Innere

des Hofes gesetzt war und ein Rind geschlagen hatte. Unsere Aufnahme

war sehr freundlich und ein Glas schönen Algier-Weines der Willkommgruß.

Auch in der Mission Mwasije, auf deutschem Gebiet, wo auch Weiße

Väter, zum größten Teil Belgier, lebten, wurden wir gut aufgenommen.

Während des Krieges erbeutete Korrespondenzen bewiesen aber, daß

die französischen Missionare, die gleichfalls aus Stationen des

Tanganjika-Gebietes leben, keineswegs nur das Christentum zu

verbreiten suchten, sondern auch bewußt nationale Propaganda trieben.

Ein Brief eines Missionars enthält einen Bezeichnungsunterschied

zwischen einem „~missionaire catholique~“ und einem „~missionaire

français~“; der letztere sei verpflichtet, neben dem Christentum auch

französisch-nationale Propaganda zu treiben. Bekanntlich ist diese

nationale Propaganda etwas, von der sich die deutschen Missionare im

allgemeinen fernhielten.

Diese Missionen, die sich naturgemäß in den dicht bevölkerten gut

angebauten Gegenden finden, haben auf die Erziehung der Eingeborenen

einen außerordentlich großen Einfluß. Der Missionar ist meist der

einzige dauernd ansässige Weiße, der Land und Leute gut kennenlernt

und Vertrauen erwirbt. Recht verdient haben sich die Missionen durch

die Einführung der europäischen Handwerke gemacht; Tischlereien,

Schuhmachereien und Ziegeleien findet man überall eingerichtet.

Meine Erinnerungen aus Ostafrika · 第 1 / 30 段