Die Leipziger freiwillige Rettungscompagnie, welche neben der
städtischen und der Turnerfeuerwehr bestand, rekrutirte sich aus
Leipziger Bürgern und Einwohnern von den besten Gesellschaftsklassen
herab bis zum Arbeiterstande. Ein sehr großer Theil derselben waren
ebenfalls noch aktive oder doch frühere Turner. Die Compagnie, deren
Zusammensetzung, Ziele u. s. w. so ziemlich dieselben waren, wie
die der Turnerfeuerwehr, wich an der Bekleidung insofern von der
Turnerfeuerwehr ab, als sie dunklere, schwarzgraue Blousen mit dem auf
die Brustseite angestepptem R. C. trug. Obwohl die Mitglieder derselben
ebenfalls zum Spritzen- und Steigerdienst vollständig ausgebildet waren
und ihre eigene vom Rath beschaffte Spritze besaßen, war ihr Augenmerk
doch in erster Linie, wie schon ihr Name sagt, auf das Rettungswerk von
Personen und beweglichem Besitzthum gerichtet. Die Rettungscompagnie,
welche eine Stärke von etwa 100 Mann besaß, wechselte mit der
Turnerfeuerwehr behufs Besetzung der Wache im Brühl dergestalt ab, daß
sie, nachdem die 15 tägigen Wachtposten der Turnerfeuerwehr beendet
waren, ihrerseits nun während 9 Tagen die Wache besetzte, worauf
wieder der Turnus der ersteren begann. Auch die Rettungscompagnie
nahm an der Tilgung aller Brände während der Zeit ihres Bestehens mit
gleicher Bravour und großer Pflichttreue und Erfolg Theil und hielt --
kleine Häkeleien dann und wann ausgenommen -- mit der Turnerfeuerwehr
treue Kameradschaft. Aber dieselben Gründe, welche schon 1871 eine
freiwillige Auflösung der Turnerfeuerwehr herbeiführten, führten auch
obwohl mehr als ein Jahrzehnt später ihre freiwillige Auflösung herbei.
Dieselbe erfolgte am 31. Dezember 1886. Bei dem Abschiedscommers im
alten Schützenhause am Abend des 31. December wurde die gesammte
Mannschaft zur Tilgung eines größeren Feuers nach Reudnitz commandirt.
Commandanten der Rettungscompagnie waren nach einander:
Kaufmann _Rudolf Gruner_ (s. Bericht an den Rath vom 5. August 1842).
Advokat (späterer Stadtrath) _Schilling_ vom 5. April 1851
(ausgetreten am 1. Februar 1862).
Eisengießereibesitzer _Gustav Götz_ vom 12. Februar 1862 (ausgetreten
am 17. Februar 1870).
Kaufmann _Hermann Meister_, vom 23. Februar 1870; (vom 1. Juni 1875
städt. Branddirektor).
Zimmermeister _Aug. Kersten_ (vom 5. Juni 1875, gest. im August 1883).
Baumeister _W. Rob. Rost_ (vom 12. Oktober 1883 bis zur Auflösung der
Compagnie am 31. Dezember 1886).
Beide Corporationen wurden vielen Hunderten freiwilliger Feuerwehren
in ganz Deutschland zum Vorbild, sie nahmen unter allen derselben den
ältesten und berechtigsten Vorrang ein und wenn jetzt noch das --
namentlich für kleinere und mittlere Gemeinden von so außerordentlich
wichtigen, werthvollen und mit verhältnißmäßig geringem Kostenaufwande
verbunden -- freiwillige Feuerlöschwesen in so hoher Blüthe steht, so
fällt ein guter Theil des Bewußtseins, wesentlich hierzu beigetragen zu
haben, auf die ehemalige freiwillige Feuerwehr zu Leipzig.