Von =Adolf Lippold.=

Mit Zeichnungen von =Richard Wolff=.

=Heft 1.=

=Leipzig 1893.=

Verlag von Otto Lenz.

Vorrede des Verfassers!

Der außerordentliche Beifall, welchen die »Erinnerungen eines alten

Leipzigers« bei ihrer ersten Veröffentlichung im Leipziger Tageblatt

gefunden haben, veranlassen mich, diese damals meist kurzgefaßten, zum

Theil mehr skizzenhaften Arbeiten, welche dem beschränkten Raum eines

Tagesfeuilletons angepaßt sein mußten, zu vervollständigen und weiter

auszuarbeiten und als einen gewiß wünschenswerthen Beitrag zur Chronik

der Stadt Leipzig, zunächst in Heften, wobei jedes Heft ein in sich

abgeschlossenes Ganze bilden wird, herauszugeben.

Die Geschichte unserer lieben Stadt und mit ihr die Deutschlands,

weist wohl bis an die ältesten Zeiten zurück keinen Zeitraum auf,

der in dem gesammten politischen und volkswirthschaftlichen Leben

der Bevölkerung so bedeutende Veränderungen gebracht hätte, als die

verhältnißmäßig kurze Spanne Zeit von 1840—71. Die Revolution von

1848/49, die Kriege von 1863, 66 und 70/71 brachten in diesem Umfange

nie geahnte, politische Umwälzungen und die Gewerbefreiheit, welche dem

alten Zunftzwang und mancher anderen früheren Einrichtung den Todesstoß

versetzte, ließ im ganzen volkswirthschaftlichen Leben riesige

Veränderungen Platz greifen. Die alte Zeit mit ihrem, trotz Allem,

mannigfachen Guten, sank in Trümmer und eine neue Zeit mit ganz anderen

Lebens- und Existenzbedingungen kam heran. Und doch ist uns so manches

aus jener alten Zeit lieb und werth geblieben, und da bei dem jetzigen

Hasten und Jagen nach des Lebens oft nur eingebildeter Glückseligkeit

die Vergessenheit des Vergangenen viel schneller eintritt, als dies

früher der Fall war, so ist diese »Chronik aus Leipzigs jüngerer

Vergangenheit« dazu bestimmt, auch der jetzigen und den kommenden

Generationen ein Bild der früheren Verhältnisse und Einrichtungen vor

die Augen zu führen und für die Geschichte Leipzigs zu erhalten.

Ich bitte, in diesem Sinne das Ganze ebenso freundlich aufzunehmen und

zu beurtheilen, wie dies mit den einzelnen Skizzen im Feuilleton des

Leipziger Tageblattes der Fall war; zumal dieser Beitrag zur Chronik

von Leipzig nicht in dem gewöhnlichen trocknen Stile der Chronisten

erscheint, sondern auch der Humor in demselben zu seinem Rechte

gelangt, um dem Ganzen die rechte Würze zu verleihen.

Es sollen, gleichsam eingestreut in eine Chronik über Leipzigs

räumliche und sonstige Entwicklung, möglichst genaue Schilderungen aus

und nach dem damaligen Volksleben unserer Stadt hier Platz finden, und

wenn bei denselben hier und da einmal ein Stück Satyre mit unterläuft,

so bitte ich zu berücksichtigen, daß die Satyre die Schwester des

Humors ist und eine Verhöhnung oder Verspottung mancher der jetzt

Vielen unmöglich dünkenden früheren Einrichtungen in keiner Weise in

der Absicht des Verfassers liegt.

Mit diesen Versicherungen schicke ich das kleine Werk hinaus in die so

verschiedenartig urtheilende und denkende Welt, möge ihm sein Lebensweg

nicht allzusehr erschwert werden.

_Leipzig_, im Juli 1893.

=Der Verfasser.=

Erinnerungen eines alten Leipzigers · 第 2 / 71 题