Arnold schüttelte den Kopf. »Nein, lieber Specht,« sagte er, »nein.«

Maxim Specht nahm langsam den Hut vom Kopf, griff nach seinem seidenen

Taschentuch und wischte die feuchte, runde Stirn. »Sie wollen grausam

sein, Liebster,« flüsterte er mit gezwungenem Lächeln und einem Versuch,

liebenswürdig-beredt zu erscheinen, »aber man straft sich selbst, wenn

man seine Freunde verläßt. Sie sind reich genug, um dieses Sümmchen

durch die Finger zu blasen, ich aber –,« er wollte nach der Uhr sehen,

zog aber die Hand zurück – »wenn ich bis Abend nicht zahle, kann mir nur

noch eine Pistole kaufen.« Er schob den Zeigefinger hinter den Kragen

und fuhr damit um den Hals.

»Das sind nichtswürdige Dinge, die Sie da vorbringen,« antwortete

Arnold. »Es ist so wenig Verstand darin, daß ich gar nicht anfangen mag,

Ihnen Widerspruch zu halten. Wenn man spielt, kann man doch nicht mehr

verspielen, als man hat. Das wäre nicht ehrenhaft und könnte keine

Ehrenschuld sein. Ich, lieber Specht, das sage ich Ihnen, will nicht

Geld an Ihre Stiefelsohlen hängen, damit es auf der Straße liegt. Ich

glaube nämlich, mit Geld muß man Edles beginnen, damit es edel wird.«

»Ach Liebster, machen Sie doch nicht in meiner kleinen Misere den

Reformator,« klagte Specht mit einer müden Kopfbewegung, während seine

Augen halb gehässig, halb verzweifelt blitzten. »Ich muß nun doch für

das Geschehene einstehen. Theorien sind gut für das Kommende. Sie sollen

mir nichts schenken. Ich lasse mir nichts schenken. Warten Sie nur, bis

meine Zeit anbricht; ich habe Wurzel gefaßt, ich werde auch Früchte

tragen.«

Arnold schämte sich für Specht, denn sein praktischer Sinn nahm diese

Reden mit Verachtung auf. Ein spöttisches Lächeln lag um Spechts Lippen,

offenbar nur durch den Wunsch erzeugt, nicht allzu klein zu werden und

nicht gar zu mürbe zu erscheinen.

»Gut,« sagte Arnold endlich mit einer freundlichen, jedoch

nachdenklichen Miene, »ich darf Sie nicht belehren, und wenn Sie auf

mich rechnen, muß ich vielleicht die Rechnung anerkennen. Gut, ich will

Ihnen also das Geld geben.«

Spechts Gesicht wurde erst glühend rot, dann blaß. »Sind Sie nicht ein

wenig ungerecht gegen mich?« fragte er mit einem fast sichtbaren

Aufatmen der Erleichterung. »Hätten wir nicht Grund und Fähigkeit genug,

uns gegenseitig anzuschließen, statt uns abzuwetzen? Wo Süßigkeit sein

sollte, ist immer Schärfe.« Aufstehend und sich verabschiedend, fügte er

hinzu: »Wir beide sind übermorgen abend bei Hankas eingeladen. Hankas

reisen noch in dieser Woche ab. Ich hoffe, wir werden uns draußen

sehen.«

Arnold machte sich wieder an die Arbeit. Er ging bald zu Bett und stand

in der frühesten Frühe auf. Auch dieser Tag ging mit Arbeit hin. Eine

wunderbare Unermüdlichkeit war in ihm entstanden, denn wer täglich

frische Klarheit über das Notwendige erwirbt, muß täglich über seine

frischen Kräfte verfügen.

Am Abend trieb ihn die Begierde nach guter Luft aus dem Haus. Kaum war

er um die nächste Straßenecke gebogen, so sah er vor sich eine große

Ansammlung von Wagen, die sich gestaut hatten, da der Weg durch ein

umgestürztes Frachtfuhrwerk gesperrt war. Plötzlich gewahrte er in einem

der eleganten Fiaker Beate Hanka. Ihr lachendes Gesicht war von der

Abendröte beschienen, und ihre mutwillige Hand hatte den Vorhang des

Wagens zurückgeschoben. Mit aufgeregter Neugier spähte sie nach dem

Hindernis, und Arnold war sehr überrascht, als er an ihrer Seite nicht

Hanka, sondern Maxim Specht gewahrte. Er hatte nicht Zeit, näher

hinzuschauen, denn schnell fiel der Vorhang wieder über das Fenster.

Der Moloch · 第 41 / 84 题