Folgen wir von hier aus weiter über das nun verödete oder entstellte

Land hinüber jenen zurechtweisenden Fäden, die uns, vor allem

in ~Strabo's~ Beschreibung den Umriß des alten Alexandria

bezeichnen. Nach jener ersten Grundlage, welche auf Alexanders Geheiß

~Dinochares~ der Stadt gegeben, erstreckte sich dieselbe ihrer

Länge nach 1½ Stunden weit von West gegen Ost[160], während die

Breite an den schmalsten Stellen nur ein Viertel der Länge, der Umfang

der ganzen Stadt über 3 Stunden Weges betrug. Wenn in der blühendsten

Zeit des innern Wohlstandes Alexandria 300,000 freie Einwohner,

zusammen aber mit den Sklaven und den Bewohnern der Judenvorstadt

wahrscheinlich über 600,000 zählte, da mochte wohl der Anbau der Häuser

in den Vorstädten so bedeutend geworden seyn, daß jene Hauptstraße,

welche die Stadt ihrer Länge nach durchzog, nach Diodors Zeugniß 40

Stadien oder eine geographische Meile weit zwischen den Reihen der

Häuser dahinlief. Die Richtung und Gränze der beiden Dimensionen wird

uns auf eine genügende Weise durch das hier zusammentretende Land und

Gewässer gegeben. Das felsige Vorgebirge ~Lochias~ mit der Insel

Farillon, auf welcher in den Zeiten der Ptolemäer ein königliches

Schloß stund, ist noch dasselbe geblieben; es ist jene Felsenreihe, die

man beim Einfahren in den neuen (äußern) Hafen zur Linken (nach Osten)

siehet. Eben so ist der Felsengrund der Insel Pharos noch vorhanden.

Hier stund der nahe 400 Fuß hohe, aus mehreren Etagen bestehende

Leuchtthurm, dessen prachtvolle Gallerieen von Marmorsäulen getragen

wurden, auf dessen Gipfel bei Nacht die angezündete Leuchte auf 300

Stadien weit den Schiffen sichtbar war, am Tage aber die Schiffe in

einem später hier angebrachten stählernen Spiegel schon aus großer

Ferne bemerkbar wurden. Statt dieses bewundernswürdigen Gebäudes, das

Sostratus unter dem Zweiten der Ptolemäer (dem Philadelphus) in der

Mitte des dritten Jahrhunderts vor Christo vollendete, stehet jetzt auf

der Felseninsel des Pharos jenes Kastell, das beim Einfahren in den

neuen Hafen rechts (westwärts) sich zeigt. Von der Stadt aus führte ein

mächtiger Damm, welcher 7 Stadien, oder eine Viertelstunde Weges lang

war und deshalb Heptastadion hieß, hinaus ins Meer zu der Insel Pharos

und theilte den Hafen in zwei Theile, deren einer der jetzt sogenannte

neue, der andre der alte Hafen (vormals Eunoste genannt) war. Während

wir bei unsrer Ausfahrt aus dem neuen oder äußern Hafen zuerst weit

hinaus ins Meer fahren mußten, um den zur Einfahrt in den alten Hafen

günstigen Wind zu erfassen und deshalb mehrere Stunden zu diesem Weg

gebrauchten, fand sich in alter Zeit eine unmittelbare Verbindung

beider Häfen durch zwei, im Heptastadion offen gelassene Zwischenräume,

über welche die von mächtigen Säulen getragenen Brücken so hoch sich

hinüberspannten, daß den Schiffen hinreichender Raum zur Durchfahrt

blieb.

Die beiden Häfen des alten sind, wie wir oben erwähnten, auch noch die

des neuen, jetzigen Alexandria's geblieben; sie sind noch denselben

Winden ausgesetzt, denen sie dies, nach der Klage der Alten ehemals

gewesen; die Umgränzung der Klippen und höheren Felsen ist noch die

gleiche; was aber ist aus dem tief und fest im Meere begründeten

Heptastadion geworden? Nichts andres als jene zum Theil nur fünf- bis

sechshundert Schritte breite Landzunge, die sich nordwestlich vom

Frankenquartier in gerader Linie etwa eine Viertelstunde lang ins Meer

hineinzieht, rechts (nach Osten) von dem neuen, links vom alten Hafen

begränzt ist und auf welcher sich die jetzige Stadt der Türken angebaut

hat. Das Meer hat zu beiden Seiten, von Osten wie von Westen her,

seine Gerölle und Schuttmassen an dem festgegründeten Damm angelegt;

die alten Oeffnungen, über welche die Brücke führte, sind von diesen

Auswürfen der Fluth schon längst verstopft und angefüllt, eben so

jener, welcher die kleine Insel ~Antirhode~ von dem Meere schied; diese

Insel wie die nachbarliche Stätte des Theaters sind nun selber mit

ihren Schutthaufen in die Landzunge eingeschlossen; das anfangs lose

Gerölle ist zum Theil durch den feineren Absatz des Meeres zu einer

breccienartigen Festigkeit gelangt und in bedeutender Mächtigkeit von

Sand und Erde bedeckt. So hat das merkwürdige Volk der Türken, welches

in seinem Wesen selber einer Anschwemmung des großen Völkerstromes auf

den Boden der alten Weltenreiche gleicht, auch hier seine Wohnstätte

auf dem Schutt und Graus der von den Elementen wie von ihm selber

angerichteten Verheerungen aufgeschlagen; es wohnet auf einem Lande,

das kein Land war; hier wo nun der türkische Bazar hinläuft, war der

Molo; die Kaffeehäuser am Saume des neuen Hafens stehen da wo vormals

das Meer fluthete und gegen den Molo anbrandete.

Wenden wir uns nun weiter zu der westlichen und südwestlichen Gränze

der alten Stadt. In Westen beschränkte die weitre Ausdehnung der

Eunostische oder jetzt sogenannte alte Hafen, in dessen südöstlichster

Ecke der kleine, nun ganz mit Sand und Gerölle ausgefüllte Hafen

~Kibotos~ abgedämmt war. Nach Südwesten hin setzte die Natur keine

solche Gränzen. Hier zog sich die Gräberstraße zwischen dem Meere und

dem Mareotissee bis zu dem öfters sogenannten Bad der Kleopatra und den

hier angränzenden Gräbergewölben, welche fast eine halbe Stunde weit

von der jetzigen Stadt, an einem Punkte des Meeresufers liegen, den man

bei der Einfahrt in den alten Hafen zur Rechten hat. Es gleichen die

einzelnen Systeme jener Grabeskammern, welche anjetzt der genaueren

Betrachtung allmählig zugänglicher werden, einer unterirdischen Stadt,

zum Theil mit domartigen in den Felsen ausgehauenen Wölbungen, getragen

von Säulen, verwandt mit jenen einfachen der älteren dorischen Ordnung,

welche jenen ähnlich sind, die in einigen später zu erwähnenden Gräbern

bei Jerusalem gefunden werden. Das sogenannte Bad der Kleopatra scheint

mehr zur Abwaschung der todten menschlichen Körper als der lebenden

bestimmt gewesen zu seyn.

Die ganze Vorstadt der Gräber oder Nekropolis, deren Höhlengebäude

weithin am Meeresufer sich verbreiteten, war gegen Süden von dem

Mareotissee begränzt, welcher, als wir ihn sahen, abermals in den

widerwärtigen Zustand eines weit ausgedehnten, mächtigen Sumpfes

zurückgesunken war, dessen tiefste Stellen etliche Fuß hoch ein

brackiges Wasser anfüllt, aus welchem weißliche Schlammhügel

hervorragen. Zu Strabo's Zeiten mündeten vier Canäle in diesen damals

von Papyrusschilf grünenden See; an seinem Ufer verbreiteten sich die

reichen Pflanzungen der Oliven und der Reben, deren Wein selbst nach

Rom ausgeführt und dort hoch geschätzt ward; noch im Mittelalter,

bis zu dem tiefen Verfall und Elend, welches diese Gegend bei der

Besitznahme durch die Türken traf, sahe man hier nach allen Richtungen

hin eine üppig grünende, von Palmenhainen durchzogene Landschaft.

Später war der einst so lieblich umgürtete See mit den verschlämmten

Betten seiner Canäle zu einer sumpfigen Wüste geworden, aus deren

stehenden Lachen die Sonnenhitze fast beständige Seuchen ausbrütete,

bis die Engländer im Frühling des Jahres 1801, während ihres Kampfes

mit der französischen Macht bei Aboukir jenen Uferdamm durchstachen,

auf dem der Canal hinläuft, welcher vom Nil aus der Stadt Alexandria

ihr trinkbares Wasser zuführt. Damals drang das Gewässer des Meeres

in solcher Fülle durch den Aboukirsee in das alte, seichte Becken des

Mareotissees herein, daß eine Menge Meierhöfe und (meist sehr kleine)

arabische Ortschaften der Nachbargegend von ihm überschwemmt wurden

und erst nach einem Monat hörte das Anwachsen des Wassers auf. Auf die

gesündere Stimmung der Luft schien dieser Einbruch der Fluth von so

wohlthätigem Einfluß, daß hierdurch der momentane Nachtheil desselben

fast aufgewogen wurde. Seit der Wiederherstellung des Uferdammes,

welcher den Zufluß des Nilwassers vermittelt ist dem Einströmen des

Meeres Einhalt geschehen und zugleich hat nun auch die allmälige

Wiederaustrocknung des Mareotissees begonnen. Immerhin dienet jedoch

der Umriß jenes Brackenwassers und seiner schlammigen Ufer noch zu

einem wichtigen Anhaltspunkt für die Umgränzung der alten Stadt.

Wir betrachten nun, von dem »Bad der Kleopatra« fast in gerader

Richtung nach Osten gehend die südliche Umgränzung Alexandrias. Hier

fällt uns schon aus weiter Ferne die außerhalb des Sedrathores der

(Araber-) Stadt stehende imposante »~Pompejussäule~« ins Auge,

deren riesenhaften Schaft bei einem Durchmesser von acht Fuß und

acht und sechzig Fuß Höhe dennoch aus einem einzigen Stück rothen,

ägyptischen Granites gehauen ist. Die Säule gehört zur corinthischen

Ordnung; der Schaft, und sein Fußgestell das auf Steinen ruhet, welche

mit Hieroglyphen beschrieben sind, scheint aus älterer Zeit als das

zierlich gearbeitete Capital; die Gesammthöhe des Werkes, von der

Basis des Fußgestelles bis zum obern Ende des Knaufes misset 98½

pariser Fuß. Wir gaben uns, da wir an einem späteren Tage unsres

hiesigen Aufenthaltes die Pompejussäule besuchten ganz jenem Eindruck

hin, den dieser vereinsamt in der Wüste stehende, mächtige Ueberrest

der alten Herrlichkeit auf die Sinnen macht, ohne für diesmal jener

verschiedenartigen Meinungen zu gedenken, welche die europäischen

Gelehrten über den Begründer und die Bestimmung jenes Kunstwerkes

aufgestellt haben. Der gelehrte Araber Abulfeda nennt sie die Säule

des Severus; eine erst in neuer Zeit wieder erkannte griechische

Inschrift am Piedestal führte zu der Vermuthung, daß Diocletian der

Begründer gewesen; Clarke macht es wahrscheinlich, daß Julius Cäsar

wirklich einmal dieser wahrscheinlich schon lange vor seiner Zeit

errichteten Säule die Bestimmung gegeben habe, oben, in einer noch

jetzt sichtbaren beckenartigen Eintiefung des damals neu zu dem alten

Schaft hinzugefügten Capitals jene Urne zu tragen, in welcher das Haupt

des Pompejus beigesetzt war. Obgleich dann Hadrian und vielleicht noch

manche andre römische Kaiser sich um die Wiedererneuerung der Säule

Verdienste erwarben, würde sie dann noch immer mit mehrerem Rechte

ihren gewöhnlichen Namen als »Pompejussäule« führen. Fragen wir nun, an

welcher Stelle der großen ägyptischen Herrscherstadt der Ptolemäer und

Römer diese Pompejussäule stund, so erscheint es wahrscheinlich, daß

ihre Stätte westwärts von dem südlichen Ende jener Straße war, welche

von Nord nach Süden gehend die große, von Ost gen West streichende

Hauptstraße durchkreuzte[161].

Schwieriger als nach den andren Seiten ist die Abgränzung des alten

Alexandria in Osten nachzuweisen. Im Süden von den Nadeln der

Kleopatra, vor dem Rosettethor der ehemaligen Araberstadt sahen

frühere Reisende noch viele jener Marmorsäulen, deren Reihen in den

Tagen der prachtliebenden Ptolemäer die mehr denn sechshundert Fuß

langen Säulenhallen trugen, welche zum Gebäude des ~Gymnasiums~

gehörten. Auch dem jetzigen Reisenden deuten noch einzelne solcher

mächtigen Ueberreste diese Stätte der Uebungen an, deren Bestimmung

es war mit den Kräften des Leibes zugleich auch die der Seele zu üben

und zu stärken, weil der rechte Gebrauch und die Bewältigung der

Glieder in der Hand des rechten Erziehers ein Mittel werden kann,

die Selbstherrschaft des Willens über die Leiblichkeit zu begründen.

Ostwärts von der Stätte des Gymnasiums, vor dem Canopusthore, gegen

die damalige stattliche Vorstadt Nikopolis hin war auch der große, zum

Wettrennen bestimmte Circus, dessen Stätte anjetzt einige armselige

Hütten der Araber einnehmen.

Forschen wir nun auch nach der gewesenen Stellung und Anordnung der

innren Theile des alten Alexandria. Jene Hauptstraße, welche sich in

einer Breite von mehreren hundert geometrischen Schritten durch die

ganze Länge der Stadt, von Ost nach Westen zog, ward, wie schon erwähnt

von einer andren Straße, deren Richtung von Nord in Süden gieng, unter

einem rechten Winkel durchschnitten. Da wo beide Straßen sich kreuzten

bildeten sie einen freien viereckten Platz von mächtigem Umfang, auf

welchem stehend man zu den Thoren hinausblicken und im großen Hafen

wie im Eunostischen die Schiffe sehen konnte. Dieser freie Platz wird

mithin mitten in dem nun verödeten Bezirk der Stadt der Araber in einer

Linie zu suchen seyn, welche ostwärts von der Pompejussäule gegen

Norden nach dem neuen Hafen läuft.

Von der Stelle des Stadtbezirkes, welches die königlichen Palläste

und das Museum in sich faßte, sprachen wir schon oben. Seine Länge

erstreckte sich von den Nadeln der Kleopatra bis an den Molo oder

die jetzige Türkenstadt. Westwärts, mehr gegen den alten Hafen hin,

jedoch diesseits des Kanals, welcher von dem kleinen, Kibotos genannten

Hafenraum nach dem Mareotissee führte, lag der ~Serapistempel~,

der nach Ammians Zeugniß nächst jenem des Capitoliums in Rom das

prachtvollste Gebäude seiner Art in der damals bekannten Welt war.

Von diesem Tempel erhielt der ganze ihn umgränzende Bezirk der Stadt

den Namen ~Serapion~, ein Name, welcher in dem Freunde der

alten Literatur schmerzliche Erinnerungen weckt, denn hier war die

spätere, weltberühmte alexandrinische Bibliothek. Schon zu Julius

Cäsars Zeit war eine andre hiesige Bibliothek, jene welche in den

königlichen Pallästen aufbewahrt stund, ein Raub der Flammen geworden,

die sich von der durch Cäsar in Brand gesteckten ägyptischen Flotte

hieher verbreitet hatten; damals aber hatte sich bereits neben jener

königlichen und aus der Ueberfülle derselben eine andre Bibliothek im

Serapion begründet, welche nachmals, obgleich noch mancher ähnliche

kleinere Unglücksfall sie betroffen, der vereinigende Sammelplatz für

die wissenschaftlichen Werke des Alterthumes geworden. Sie war es,

welche im Jahr 651 auf des Kalifen Omars Befehl als Heizungsmaterial

der Bäder verbrannt wurde. Anjetzt läßt sich kaum noch mit Sicherheit

die Baustelle des Serapistempels so wie jene vom Tempel des Neptun,

am großen Marktplatz bestimmen; ein hochgethürmter Anbau des Schuttes

und Sandes verbirgt die mächtigen Grundgemäuer und so manche

ansehnliche Reste der alten Herrlichkeit tief unter seinen Massen;

mit der Augenlust des alten Alexandria, mit vielen seiner Marmor- und

Granitwerke hat Rom sich ausgestattet und nachmals Byzanz, über andren

fluthet das Meer, nur die hunderte der noch immer vorhandnen Cisternen,

deren Zahl einstmals jener der Tage des Jahres gleichkam, bezeugen es

noch, daß hier die große Stadt, die mächtige Herrscherin der Meere

und Wüsten gestanden, welcher an Reichthum und Pracht, während der

Zeit ihrer höchsten Blüthe keine andre damalige Stadt der Erde zu

vergleichen war[162], und welche selbst später unter der Herrschaft

Roms für die zweite Stadt des Reiches galt.

Selbst in seiner Verstümmelung durch die Araber, welche nach sechszehn

monatlicher Belagerung im Jahr 651 die von ihrem byzantinischen

Herrscher ohne Hülfe gelassene Stadt einnahmen, stund Alexandria

fortwährend als ein herrlicher Koloß da. Zwar hatten die Sieger viele

der noch übrigen Züge der vormaligen Schönheit zerstört, hatten im

Jahr 875 die alten Mauern abgetragen und in einem nur etwa halb so

großen Raume die neue Stadt »mit ihren hundert Thürmen« begründet,

deren sarazenische Mauern namentlich auf der Südseite, gegen die

Pompejussäule hin noch jetzt ziemlich wohlerhalten dastehen, dennoch

blieb auch damals Alexandria die Hauptstadt der afrikanischen

Küste. Denn bis zu Edrisi's Zeit im 12ten Jahrhundert war, außer

dem weltberühmten Leuchtthurm, auch ein großer Theil der alten

Monumente und der Plätze der Stadt bestehen geblieben; bis ins 13te

Jahrhundert blühete Alexandria durch seinen reichen Handelsverkehr

mit drei Welttheilen und selbst bei dem beginnenden Verfall durch

viele innere und äußere Kämpfe, blieb der Stamm, wenn auch der Blüthe

beraubt, noch kräftig genug, bis im Jahr 1517 Selim der Wütherich

mit den Schaaren seiner Henker und Mordbrenner über Aegypten kam.

In diesen neuen Eroberern war für die freilich veraltete Schönheit

des greisen Alexandria weder Sinn noch Schonung; was für Feuer,

Schwert und Hämmer nicht zu fest gewesen, das wurde vernichtet oder

unter Schutt begraben, auch auf die Stadt der Araber, welche durch

ihre sich rechtwinklich durchschneidenden Gassen einem Schachbret

glich, ist damals der zermalmende Felsen gestürzt, welcher mit den

spielenden Figuren zugleich das zierliche Gefüge der zinnenreichen

Gebäude zerstäubte. Wenn man jetzt von der großen Straße südwärts durch

eine der kleinen Seitengassen hinausgeht in das ehemalige Gebiet des

sarazenischen Alexandrias findet man allerdings freie Plätze genug;

Plätze, so weit und geräumig, daß sie die Emporien und Mittelräume

der Herrscherstadt der Ptolemäer bei weitem an Umfang übertreffen.

Statt der Palläste jedoch und Tempel, statt der zum Theil nach Rom

geretteten Obelisken und prachtvollen Säulen findet man neben den

vereinzelten Gebäuderesten aus sarazenischen und einzelnen aus dem

Schutt hervorragenden Trümmern der noch älteren Zeit hier etwa eine

arabische Hütte, dort das zierliche Haus eines Franken oder die im

ummauerten Hofraum gelegne Wohnung eines Türken; anderwärts geräumige

Gärten mit den Pflanzungen der hohen Palmen. Wer in das alte Alexandria

eintrat, der sahe sich in diesem Paris der Vorzeit alsbald unter dem

Gedräng eines Volkes das mit dem Gepräge der feinen äußren Bildung

zugleich jenes der Vielgeschäftigkeit und der unruhigen Neuerungssucht

an sich trug; eines Volkes das hier, im reichsten Lande der Erde mit

dem Reichthum und üppigen Wohlleben einen Bund für immer geschlossen

zu haben schien. Der größte Theil der jenesmaligen Bewohner waren

Griechen, welche zum Theil das Verlangen nach dem geistigen Erwerb des

Wissens, häufiger aber noch die Lust an irdischem Gut hieher gezogen

und zu Bürgern der Stadt gemacht hatte; unter ihnen wohnte jedoch auch

der ernste Aegypter, der Handel treibende Jude und Fremdlinge aus allen

Gegenden der Erde; Sklaven wie Freie. Wenn man aber in unsren Tagen auf

der Spur jener langen Straße wandelt, welcher nach Diodors Zeugniß an

großartiger Pracht keine Gasse irgend einer Stadt der Erde gleichkam,

da sieht man nur ein armes Volk der Araber, neben ihm das wiederkäuende

Cameel, das besser gesättigt scheint, denn seine Treiber; statt der

köstlichen Waaren Indiens und Nubiens werden da Bohnen verkauft und

Datteln.

Nachdem wir uns so über die Schuttmassen des neuen Alexandria ein

beiläufiges Abbild des vormaligen, alten hingezeichnet haben, erwähnen

wir noch mit einigen Worten der einfachen und unbedeutenden Geschichte

unsres dortigen Aufenthaltes.

Die Weihnachtszeit, die wir in Alexandria zubrachten, erscheint ganz

besonders dazu geeignet dem Bewohner des kühleren Europa's, welcher zum

ersten Male nach Aegypten kommt, an das neue Clima zu gewöhnen. Wir

fanden da noch die Kräfte unsres Sommers mit der Fülle des Herbstes

vereint, während an vielen Stellen der neu grünende Boden an die

Tage des Frühlings erinnerte und ein oder etliche Male ein leichter

Nebel ein Schattenbild unsrer winterlich trüben Tage gab. Schwalben

flogen in der Luft; in dem Garten des Bogusbay, dahin ein Freund am

23ten December uns führte, blüheten Nelken, Ipomöen und Rosen während

die Palmenbäume voll reifer Datteln hiengen; die Abende waren so

mild, daß wir, von unsrem freundlichen Landsmann +Dr.+ Koch

geleitet noch spät bei hellem Mondenschein zwischen den Bazars und den

Kaffeehäusern der Türkenstadt herumwandelten, deren Bewohner jetzt, in

der Zeit des Ramadans erst am Abend zu den gewöhnlichen Belustigungen

der Sinnen aufwachen. Am Tage, im Sonnenschein, war die Wärme so

stark und kräftig, daß uns das schön eingerichtete europäische Bad im

arabischen Stadtbezirk außerordentlich wohlthat und daß wir am ersten

Weihnachtstage, selbst noch in einer der späteren Stunden sehr begierig

den Schatten eines Palmengartens aufsuchten, in welchem wir uns mit

frischen, reifen Datteln und Pisangfrüchten, deren Geschmack an eine

süße Mehlspeise erinnert, erquickten.

Hätten uns übrigens nicht die Palmengärten, die Springhasen und

buntfarbigen Nilenten, welche die Beduinen zum Verkauf brachten, so

wie die unserem Auge noch neuen Formen der Fische des Fischmarktes,

so oft daran erinnert, daß wir in Aegypten seyen, dann möchte sich

leicht in uns der Wahn erzeugt haben, daß wir in einer europäischen

Stadt verweilten, wohin etwa der Handel eine Schaar der Orientalen

gezogen hätte. In unserm Frankenquartier und im Umgang mit so vielen

Landsleuten walteten beständig der Charakter und die Formen der

Heimath vor; in den Kaffeehäusern wie in den Wohnungen, an Kleidung

wie Sprache und Sitte der Menschen, die man da sahe, war fast Alles so

wie man es bei uns findet; Alexandria trug schon in alter Zeit nicht

den eigentlichen Charakter Aegyptens, sondern des Auslandes und noch

jetzt erscheint es vorherrschend als eine Pflanz- und Wohnstätte der

Fremden. Selbst jene armen arabischen Landleute (Fellahs), die man auf

den Feldern und in der Stadt sieht, die Soldaten und ihre in ärmlichen

Hütten wohnenden Frauen und Kinder erscheinen wie vorüberziehende

Fremdlinge; der Gesang der arabischen Mädchen, welche Baumaterial auf

ihrem Haupt durch die Gassen trugen, lautete fast wie die Töne der

Klageweiber, die wir am 22ten December einen Todten zu seinem Grabe,

in der Nähe der Pompejussäule geleiten sahen, zu jenem abgeschiedenen

Räumlein der Erde, das der müde Wandrer zuletzt doch sein eigens nennen

darf.

Den Weihnachtsabend feierten wir still und auf heimathliche Weise in

unsrem Zimmer; Palmenzweige von Wachslichtchen beleuchtet vertraten die

Stelle des deutschen Tannenbäumchens. Am ersten Weihnachtstag sammlete

sich bei uns, nach griechischer Sitte, zum Besuch unser alter Capitän

Angeli mit einem Theile seines stattlich geputzten Schiffsvolkes.

Vor allen Andren hatten wir seinen kleinen Pflegesohn, der auf dem

Schiff uns zur Bedienung gegeben war, mit mancherlei Weihnachtsgaben

bedacht; so war dann auch für uns in der weiten Entfernung von der

theuren Heimath der liebe Tag ein Fest der Kinder geworden. Hat ja

über Alexandria, so tief es auch gesunken war, niemals, in geistiger

Hinsicht aufgehört der Wechsel von Säen und Ernten, Morgen und Abend,

denn seit der ersten Verkündigung der großen Botschaft des Heiles der

Menschen durch den Evangelisten Marcus und den von ihm zum Bischof

geweihten Anicenus, ist diese Stadt immer die Wohnstätte einer

Christengemeinde gewesen und geblieben.

Die Tage nach dem Weihnachtsfeste vergiengen im Umgang der Freunde,

unter denen uns der naturkundige +Dr.+ ~Hedenborg~ ein lehrreicher

Führer und Rathgeber wurde, gar schnell. Noch am letzten Morgen,

Dienstags den 27ten December, machte ich eine einsame Wanderung hinaus

nach Nordost auf dem Wege nach Abukir. Ich wollte wenigstens auf die

Stätte des alten Canopus hinüberblicken, das mir seit langer Zeit

so bedeutend war. Auf einem der Pylonen des dortigen Serapistempels

hat ~Claudius Ptolemäus~, der kenntnißreiche Forscher des Laufes

der Gestirne vierzig Jahre lang gewohnt und den Himmel beobachtet.

Mein Weg gieng, jenseits den Nadeln der Cleopatra an den Hütten der

Soldatenfrauen vorüber, bald nachher über das Schlachtfeld von 1801;

weiterhin bestieg ich eine der Anhöhen bei dem alten Kastellgemäuer,

welches, wie man vermuthet, aus den Zeiten der Römer stammt. Von einem

der Hügel überblickt man die ganze schmale Landzunge, die sich zwischen

dem See von Abukir und dem Mittelmeer hinzieht und auf welcher vormals

die schöngebauten Nachbarstädte des größeren Alexandria: Nikopolis,

Taposiris und Canopus (jetzt Abukir) lagen. In Südost zieht sich die

noch schmälere Landzunge zwischen dem See von Abukir und dem Mareotis

hin, über welche der Nilkanal, der Alexandria mit dem Nil verbindet und

zugleich mit seinem trinkbaren Wasser versorgt, hingeführt ist. Das

feste Gestell dieser Landzungen, so weit nicht die Hand des Menschen

dabei mitbauete, ist ein Kalksandstein mit vielen Muscheltrümmern,

welcher noch fortwährend als Ansatz des Meeres sich zu bilden scheint.

Ziemlich ermüdet kehrte ich, bald nach Mittag zur Stadt zurück, denn

die ägyptische Sonne erschien mir auch in ihrer Winterschwäche noch

überkräftig und stark. Noch einige Stunden verweilten wir in dem

gastlichen Alexandria, dann zogen wir im Geleite der freundlichen,

gütigen Landsleute, v. Dumreicher und Koch, neben dem Kameel, das

all unsre Sachen trug, hinaus zum Canal, wo schon die Nilbarke unsrer

wartete.

Die Nilfahrt nach Cairo.

Eine Nilbarke, wie der treffliche americanische Consul H. Gliddon ihrer

mehrere erbauen ließ, gewährt freilich ganz andre Bequemlichkeiten

als etwa ein solches Segelschiff wie unser bisheriges türkisches war.

Man hat einige wohleingerichtete Kajütenzimmer zur Wohnung, unten im

Schiffsraum kühle Verwahrungsorte für die Speisen und Getränke, auf

dem Verdeck eine Art von Küchenherd. Ein arabischer Diener, Ibrahim

genannt, den uns Freund Dumreicher empfohlen, begleitete uns als Koch;

auch der Reis oder Capitän der Barke so wie sein Schiffsvolk waren

Araber.

Erst gegen Abend fuhren wir ab; die Baumanlagen und Landhäuser zu

beiden Seiten des Machmut-Kanals beleuchtete uns, mit unsicherem

Schimmer, nur die Dämmerung; die enge Landzunge zwischen dem Abukirsee

und der sumpfigen Tiefe des Mareotissees durchfuhren wir bei Nacht.

Bald nach Anbruch des Morgens am 28ten December hielt unsre Barke

bei ~Birket Gitas~ still, bei welchem unmittelbar am Canal eine Art

von Markt gehalten wurde, zu dem aus der ganzen Umgegend Käufer und

Verkäufer herbeigekommen waren. Das Dorf selber liegt etwas tiefer

landeinwärts; bei ihm das Gebäude eines Telegraphen; zum ersten Male

sahen wir hier die sonderbare kegelförmige Bauart der ägyptischen

Bauernhäuser, deren Hauptmasse ein getrockneter Nilschlamm ist. Von der

Höhe des Dammes aus war eine weite, herrliche Aussicht über die üppig

grünende, zum Theil noch vom Wasser des Nils bedeckte Ebene. Es ward

Mittag, ehe es unsern Schiffern, welche vergeblich auf günstigen Wind

warteten, weiter zu fahren gefiel, diese Fahrt war indeß für sie auch

keinesweges eine vergnügliche, denn die Barke mußte von den Matrosen an

Seilen gezogen werden. Bei solchem Lauf der Dinge schien es uns besser

und anmuthiger auf dem Lande, wo jeder Schritt etwas Neues uns zeigen

konnte, zu gehen, als in der Barke zu stehen oder zu sitzen: wir ließen

uns aussetzen. Als ich da in einer der späteren Nachmittagsstunden

zwischen den Heerden der fröhlich springenden Lämmer durch die Wiesen

des blühenden Trigonellenklees und des alexandrinischen Dreiblattes

hingieng, singende Lerchen und Bachstelzen neben mir emporschwirrten,

da glaubte ich mich in einen Maitag des Vaterlandes und zwischen die

grünenden Ebenen und Felder der fruchtbaren Ebenen von Thüringen

versetzt; ich fühlte mich in dieser milden, balsamischen Luft so

leicht und wohl, wie in der Zeit meiner Jünglingsjahre. Von der Höhe

des Dammes, in der Nähe eines ägyptischen Wachthauses sahe ich noch

einmal die Sonne, die in der unbegränzten Ebene, wie in einem grünenden

Meere untergieng; am Abhang des Dammes glänzten wie kleine Sterne

die Stücken des Salzes, welche hier überall aus dem aufgegrabenen

Erdreich hervorblicken; in Nordost ruhete das Auge auf dem dunklen

Grün der Palmenwälder. Nach Sonnenuntergang kehrten wir in unsre Barke

zurück; gegen neun Uhr am Abend landeten wir bei ~Adfu~, am Ende des

Machmutkanals.

Ein erquickender Schlaf auf dem kühlen, reinlichen Lager der Barke

hatte alle Sinnen kräftig gestärkt und empfänglich gemacht für den

hohen Genuß der ihnen heute bevorstund. So bedeutungsvoll der Kanal,

auf dem wir von Alexandria hieher fuhren, für das jetzige Land ist,

so viel man auch Ursache hat dieses im Jahr 1820 vollendete Werk der

Hände von 25,000 ägyptischen Landleuten (Fellahs) zu bewundern, so weit

steht doch das Alles, was die Fahrt auf dem Machmutskanal gewährt,

hinter dem Genuß einer eigentlichen Nilfahrt zurück. Wir konnten

am Morgen es kaum erwarten den Strom zu sehen, welcher durch sich

selber wie durch sein Land ein Wunder der Welt ist. In Adfu besteigt

man eine größere Barke; die unsrige lag schon bereit, ehe aber die

Waaren, die sie, sammt uns nach Cairo führen sollte, so wie jene die

sie aus Cairo, zur Befrachtung unsrer bisherigen Barke brachte, aus-

und eingeladen waren, vergieng der größere Theil des Vormittages. Wir

brachten dann die müßige Zeit des Wartens zwischen dem Gedränge der

Araber zu, die hier Datteln, Orangen und andre Früchte des Landes feil

boten und dagegen Waaren, aus Alexandria gekommen, einhandelten, und

im Besehen der Umgegend. Endlich war es so weit gekommen, daß wir das

neue, schöne Fahrzeug, dessen Kajütenzimmer ganz zu unsrer Disposition

waren, beziehen und abfahren konnten. Das tacktmäßige Geschrei unsers

arabischen Schiffsvolkes beim Aufziehen des Ankers und dem Aufspannen

der Segel; das Rauschen des Wassers, dessen Lauf wir durchschnitten,

klang uns wie ein Lied des Jubels als wir an dem von Palmenwäldern

beschatteten Fuah und an Salmieh hinfuhren.

Obgleich mir die früher gemachten Wasserfahrten auf der Rhone und

Etsch, auf dem Rhein und der Donau manchen schönen Genuß gewährten,

so stund dieser doch unvergleichbar weit hinter dem Genuß der

Nilfahrt zurück. Man darf ja wohl sagen, daß diese nicht nur zu

den anmuthigsten und herrlichsten gehöre, die man auf Erden machen

kann, sondern daß sie die herrlichste von allen sey, denn welcher

befahrbare Fluß der Erde ist an vielfacher Bedeutendheit mit dem Nil

zu vergleichen? Es sind hier nicht allein die Waldungen der Palmen

und der blühenden Mimosen, nicht die weithin schattenden Stämme der

uralten Sykomoren oder das Smaragdgrün der Saatfelder, das sich am

gelben Saume der Wüste hinziehet; es ist nicht der balsamische Duft den

jeder Windhauch aus den Hainen der Orangen oder aus den Feldern der

blühenden ägyptischen Bohnen und des Klees mit sich bringt; sondern

das was hier wie ein belebender Odem die Seele aufregt, das sind die

riesenhaften Fußtapfen einer Heroënzeit der Wissenschaft, der Kunst und

der gesammten Geschichte unsres Geschlechts, die allenthalben, selbst

dem Sande der Wüste, mit unvergänglicher Kraft eingeprägt erscheinen.

Noch ein andres äußres Element war es, das den Becher der innren Freude

mit seinen Strömen des Wohlgefallens füllte. Der Frühling von Aegypten

war gekommen; die Mimosen entfalteten ihre goldgelben Blüthen; auf

den Feldern grünten und blüheten die Saaten und Kräuter zur Sättigung

des Menschen und seiner Heerden; die strauchartige Baumwolle zeigte

neben den reifen Saamenkapseln zugleich wieder die große, wunderschöne

Blüthe; reife Orangen von ungemeinem Wohlgeschmack bedeckten die Bäume;

die edle Palme sättigte auch das ärmere Volk mit der Fülle ihrer

Datteln. So hätten wir denn keine schönere Zeit des Jahres zu unsrer

Reise durch das Nildelta wählen können als die von den letzten Tagen

des Decembers bis in die erste Woche des Januars; war doch diese Zeit

schon den alten Aegyptern eine besonders festliche, denn jetzt, wo die

Sonne aus den südlichen Sternbildern zurückkehrt in die nördlichen,

ward Horos, der Sohn der Isis und des Osiris, er selber eine liebliche

Blüthe unter Blumen geboren.

Der Nil war zwar wieder in sein Bett zurückgekehrt, floß aber in diesem

noch in voller Strömung und hatte überall in der angränzenden Niederung

von seiner Ueberfülle Wasser zurückgelassen. Unsre Fahrt, aufwärts

auf dem kräftigen Strome gieng gerade nicht mit Dampfschiffseile von

statten, wir brauchten zu ihr von Adfu bis Cairo fast so viele Tage

als etwa ein Dampfschiff Stunden dazu nöthig gehabt hätte; unsre

fortrückende Bewegung glich den Schritten eines Spaziergängers, der

durch einen Lustgarten wandelt und zur Betrachtung wie zum Genuß sich

volle Zeit gönnet. Die Windstille wechslete großenteils nur mit dem

Winde aus Süden, der uns entgegen war, und erst am letzten Tage der

Reise beschleunigte ein wahrhaft günstiger Wind, der fast zum Sturm

ward, unsre Fahrt. Gerade aber diese scheinbare Ungunst der Wittrung

gab uns Gelegenheit das schöne Land am Ufer nicht blos zu sehen,

sondern auch zu durchwandern; denn so oft das Fahrzeug gezogen werden

mußte, oder stille lag, stiegen wir aus und ergiengen uns bald in den

Wäldern der Palmen, bald in den Feldern der Baumwollen-Gesträuche

oder des Indigos, oder zwischen jenen sonderbaren, zuckerhutförmigen

Häusern des ägyptischen Landvolkes, die, aus Lehmen und irdenen Krügen

zusammengesetzt, mehr und besser zu Wohnungen unzähliger Tauben als der

Menschen eingerichtet sind.

Nach dieser allgemeinen Beschreibung unsrer Nilfahrt geben wir auch die

besondre der einzelnen Tagesstationen in einigen wenigen Zügen.

Die erste Tagesfahrt von Adfu aus gieng noch immer ziemlich schnell von

statten. Wir kamen gleich anfangs an der herrlichen, mit Palmenwäldern

bedeckten Insel und Ebene bei ~Fuah~ (Fueh?) vorüber, erreichten

dann nach etwa anderthalb Stunden die Gegend von ~Salmieh~ und die

Palmenhaine des nahe gegenübergelegenen ~Abou Salem~, brauchten von

hier keine ganze Stunde zu dem grünumsäumten ~Mehallet Malek~, kamen

noch in der letzten Neige des Tages an ~Marieh~ vorüber und sahen die

Sonne hinter den Palmen versinken, ehe wir die Nähe von ~Rahmanieh~

gewonnen. Unsre arabischen Schiffsleute sammt ihrem alten Reis oder

Capitän hatten sehnlich auf diesen Augenblick gewartet; ihr heutiges

Tagwerk, das Hinübertragen der Waaren aus der einen Barke in die andre

war ein sehr schweres gewesen und dabei hatten sie wegen des Ramadan,

den sie mit größter Strenge feierten, seit Sonnenaufgang noch mit

keinem Bissen oder Trunk Wassers sich gelabt. So groß aber auch ihr

Verlangen seyn mochte, ihre Hände und den Mund mit den gekochten Bohnen

zu füllen, fragten sie dennoch, auch da die Sonne augenscheinlich

untergegangen war, uns, die wir Uhren hatten, ob jetzt der Tag zu Ende

sey und erst als wir dies bejaht hatten, griffen sie fröhlich nach

ihrem hölzernen Gefäß mit Nilwasser und nach den Bohnen. Wir, bei

unsrem Abendessen bemerkten heute zum ersten Male einen Mangel, der uns

freilich schon nach wenig Tagen nicht mehr fühlbar war. In Alexandria

sammelt man zur Zeit der Stromschwelle das Nilwasser in die seit alter

Zeit zu diesem Zweck bestimmten Cisternen, wo es seinen Schlamm absetzt

und klar wird. Wir hatten deshalb dort immer helles, reines Wasser

getrunken und auch in der Barke die uns nach Adfu brachte, fand sich

ein Faß mit solchem Getränk. In Adfu selber hatten wir ganze Haufen von

jenen wohlfeilen thönernen Gefäßen gesehen, durch deren poröse Wände

man das trübe Nilwasser durchseihen läßt und so dasselbe beständig

klar und zugleich abgekühlt erhalten kann, wir hatten aber versäumt

dergleichen Gefäße zu kaufen und mußten daher bis Cairo mit unsern

Arabern das unklare Flußwasser genießen.

Da der günstige Wind noch anhielt und noch vor Mitternacht der Mond

aufgieng, setzten unsre Schiffer auch bei Nacht die Fahrt fort. Der

Wind war indeß nach Mitternacht immer schwächer geworden und hatte vor

Sonnenaufgang sich ganz gelegt, der Morgenglanz des 30ten Decembers

beleuchtete uns die grünenden Ufer jenseits ~El Goudabi~ (Ghodabbi).

Ein Theil unsres Schiffsvolkes stieg aus, um die Barke zu ziehen;

wir benutzten die Gelegenheit begierig, um hier ans Land zu kommen.

Wie schmerzlich hatten wir es zu beklagen, daß die Windstille nicht

um einige Stunden früher eingetreten war. Denn so wenig auch die

Stätte der ältesten griechischen Niederlassung ~Naukratis~, nahe bei

der jetzigen Ortschaft ~Mahallet Dakhel~ dem Auge dargeboten hätte,

so bedeutungsvoll und erwünscht wäre uns der Anblick der bei ~Sa el

Hadschar~ (Salhadschar) gelegenen ~Ruinen von Sais~ gewesen. Diese

konnten von der Stelle des Ufers bei ~El Goudabi~, an der wir jetzt

ans Land gestiegen waren, kaum anderthalb Stunden Weges entfernt seyn.

Bei der großen Langsamkeit, mit welcher die Fahrt seit Mitternacht vor

sich gegangen war, hätten wir, wäre es am Tage gewesen, gar leicht die

wallartigen, grünbewachsnen Schutthügel und die Felder der Fellahs von

Sa el Hadschar besuchen können, unter deren mit Bohnen besäeten Boden

der nachgrabende Freund des Alterthums gar leicht eine Ernte machen

würde, welche reicher wäre als alle Ernten dieser Landschaft. Zwar

wußten wir wohl, daß jetzt, seitdem auch die letzten über die Erdfläche

hervorragenden Reste der alten Kunstwerke, so weit sie nur tragbar

waren, hinweggenommen sind, fast nichts mehr die Stätte von Sais und

vom Grabmal des Osiris bezeichne als nur die wallartigen Hügel, welche

einen fast viereckten Raum umschließen, dennoch beklagen wir es den

Besuch dieser Höhen verfehlt zu haben, auf welche einst ein so geistig

Hohes seinen Glanz warf, daß der Wiederschein weiter über das Reich des

Erkennens strahlte, als das Licht des Pharos zu Alexandria über Meer

und Land[163].

Die Morgenstunde während welcher wir da, in der Nachbarschaft des alten

Sais im Schatten der eben blühenden Nil-Mimosen (+Mimosa nilotica+),

zwischen den Feldern der großblumigen Baumwolle[164] lustwandelten,

war unbeschreiblich schön. Jenes Lied der sieben Stammlaute, jenes

Lied, in welchem die Priester des alten Aegyptens Ihn, den erhabenen,

ewigen Gott priesen; Ihn den rastlosen Vater der Wesen, den Ordner und

Erhalter des Weltalls, tönte, wie ein Säuseln im Wipfel der Palme aus

dem alten Sais herüber, und weckte tief im Herzen seinen Nachklang.

Wie der ferne Klang der Posaunen lautete dem Ohr das Rauschen des

herrlichen Stromes der hier, zur Linken einer langen waldbewachsnen

Insel, in etwas verengterem Bett geht.

Jenseits ~El Farastagh~, ~Nikleh~ gegenüber kamen wir an einen

Wassergraben, der das Weitergehen hinderte; wir mußten in die Barke

zurück, welche, den schwachen Windhauch benutzend, der sich eben

wieder erhoben hatte, langsam von ~Mahallet Läbben~ gegen ~Mordeh~

auf dem hier kaum sechshundert Fuß breitem Strome hinaufschwamm. Bei

~Kufur Sowali~ bildet der Fluß, in mehrere Arme getheilt, große, mit

Saatfeldern und Lebech-Akazien bepflanzte Inseln. Die Barke wurde hier

von neuem gezogen bis gegen Mit ~Schahaleh~, wo der Lauf des Stromes

eine Krümmung gegen Osten (fast O. N. O.) macht, bei welcher uns der

jetzt aus Südosten wehende Wind hülfreich zu statten kam. Es war schon

in einer späteren Nachmittagsstunde als wir vor ~Schabur~, mit den

Schiffsleuten zugleich, welche dort von neuem die Barke ziehen mußten,

wieder ans Land stiegen. Wie verödet und verbrannt sahe hier das

Erdreich aus, an der Stätte da einst ~Andropolis~ stund, das noch zur

alexandrinischen Synode des Jahres 362 einen eignen Bischof (Zoilus)

sendete. Keine einzige blühende Pflanze ließ sich hier finden, auch

von dem schönen, großen Isiskäfer (+Copris Isidis+) den wir heute

früh zum ersten Male, bei Farastagh gesehen hatten, fanden wir, unten

am Ufer nur etliche verstümmelte Leichname. Der Ort ~Schabur~, der

durch die siegreiche Schlacht der Franzosen am 14ten July 1798 bekannt

ist, nimmt sich von außen ziemlich stattlich aus; sein Innres, durch

welches wir zum Theil hindurchgiengen, zeigte uns meist nur armselige,

halbverfallene Lehmhütten und eine Menge der erblindeten Bettler. Ein

Theil der rüstigsten Jugend, welche dem vereinsamten Orte noch übrig

gelassen ist, begegnete uns jenseits demselben, dies waren die jungen

arabischen Frauen oder Jungfrauen, welche kleine Körbe, gefüllt mit

Banmwollenkapseln und kleinen Limonien auf dem Kopf trugen und von

den letzteren uns zum Verkauf boten. Auf einer Sandbank des Stroms

sahen wir viele Pelikane, nahe bei uns, am Ufer lustwandelte die

sogenannte ägyptische Elster: der spornflügliche Regenpfeifer[165].

Wir waren unsrer Barke weit vorausgekommen, denn das arme Schiffsvolk,

vom strengen Fasten ermüdet, konnte dieselbe nur langsam nachziehen;

das einbrechende Dunkel und ein breiter Wassergraben nöthigte uns

wieder ins Fahrzeug zu steigen; wir übernachteten im Flusse, unter den

Baumpflanzungen von ~Salamun~.

Als wir am letzten Morgen des Jahres, Sonnabends den 31ten December,

erwachten, lag unser Schifflein noch still. Unsre jungen Freunde

giengen auf die Jagd und der Maler, Herr Bernatz, hatte auf einem Baum

ein Nest mit ganz befiederten Jungen des ägyptischen Weihen erbeutet.

Etwas nach acht Uhr rief unser Ibrahim die jungen Jäger zurück in die

Barke, die nun, bald von einem schwachen Winde bewegt, bald gezogen,

ihren langsamen Lauf antrat, vorüber an ~El Bahgi~ und ~El Dschedid~.

Bei der ruhigen Bewegung des Schiffes benutzten wir den größten Theil

des Tages zum Briefeschreiben, was hier, in der bequem eingerichteten

Barke, freilich viel leichter war als im türkischen Schiffe. Wir kamen

noch am Nachmittag bis nach ~El Zayrah~ (Sahyarah) wo die Fahrt durch

den widrigen Wind gehemmt ward. Unser Schiffskapitän sagte uns, daß

dieser Ort wegen des Raubgesindels, das in ihm hauste, sehr berüchtigt

sey, erbat sich etwas Pulver und Blei, um einige Flinten zu laden und

ersuchte auch uns, wir möchten zur etwa nöthigen Vertheidigung bereit

seyn. Wir schenkten der Warnung wenig Glauben; gingen noch am hohen

Nilufer gegen Tanoub hinab spazieren, lasen dann in der stillen Kajüte

noch Einiges; gedachten all der großen, guten Dinge die in diesem nun

vergangenen Jahre an uns geschehen und tranken zum Schlaftrunk, nach

heimathlicher Gewohnheit, ein Glas Punsch. Unsre Schiffsleute hielten

wirklich abwechselnd Wache, sie hatten auch, bei einbrechender Nacht,

mehrere Male ihre Gewehre abgefeuert, um den Leuten in ~El Zayrah~ es

bemerkbar zu machen, daß wir bewaffnet seyen; die ganze Nacht vergieng

aber so still und ruhig wie in einer sichern Kammer der Heimath.

Der erste Tag des Jahres 1837 war ein Tag der Todesschrecken für

Tausende der Bewohner von Syrien und Palästina; ein furchtbares

Erdbeben hatte Saphet wie Tiberias und eine Menge andrer Ortschaften

niedergestürzt; hatte in Nazareth wie in Sichem Verheerungen

angerichtet; die Höhen der Gebirge vom Sinai bis zum Libanon

erschüttert. Auch im Nilthale, namentlich in Cairo, wo es vier Häuser

umwarf, hatte es sich theils durch Erdstöße, theils aber als heftiger

Sturmwind bemerkbar gemacht; in der letztern Gestalt erschien es auch

uns bei El Zayrah und hielt uns hier, weil seine Richtung der Fahrt

entgegen war, den ganzen Tag festgebannt. Dennoch war diese Verbannung

eine sehr erträgliche. Die Gegend um El Zayrah ist wahrhaft reich

und schön; die Alleen der Mimosen wechslen mit den Pflanzungen der

Orangen- und Zitronenbäume; zwischen den Feldern der Indigopflanzen,

dem Strauchwerk der Baumwolle und der Saat des Sesams, duften die

Gewürzkräuter Arabiens; das benachbarte Tanub, südwärts von Zayrah und

die ostwärts vom Strome gelegenen Ortschaften ~Rabia~ wie ~Mit-Koram~

liegen jedes in einem dichten Haine der Palmen.

Wir begannen das neue Jahr mit dem wohlthuenden Gefühl und Bewußtseyn,

daß es nicht bloß dieselbe Sonne sey, welche hier uns wie dort in der

weit entfernten Heimath die theuern Verwandten und Freunde beleuchte;

sondern daß dieselbe, allumfangende Mutterliebe uns wie diese aus dem

alten Jahre ins neue herübergetragen habe und auch ferner tragen werde,

und wenn sich dann auch manchmal an uns wie an jenen eine Neigung »zum

Weinen« im neuen Jahre einstellen möchte, so werde ja wohl auch das

Sprichwort an uns beiden sich bewähren, daß wenn am Abend das Weinen

walte, bald hernach, am Morgen die Freude komme. Ein lieber Freund in

München lag, nach den letzten Zeitungsnachrichten, welche wir lasen,

an der Cholera krank; wir hofften, er werde uns ja auch fürs neue Jahr

und fernerhin erhalten werden und unsre Hoffnung ist nicht zu schanden

geworden.

Ich hatte, als wäre ich zu Hause, in der Barke einige Briefe

geschrieben; die jungen Freunde waren auf der Jagd oder mit dem

Zubereiten des bereits Erbeuteten für unsre Sammlungen beschäftigt; die

Hausfrau in Gesellschaft der Freundin Elisabeth hatte sich aufgemacht,

die Landschaft von Zayrah zu besehen. Die Briefe waren geschrieben;

ich wollte nun auch wieder hinaus zu den Freunden. Ich hatte mich

zwischen den Indigofeldern hin nach Osten gewendet; da vernahm ich,

die ohnehin laute Stimme der Hausfrau noch lauter als gewöhnlich

sprechend. Ich wendete mich hin nach der Orangenpflanzung, aus welcher

der Ton der Rede kam, und sahe dann die beiden Freundinnen eilig

aufs Feld heraustreten. Sie hatten sich während der wärmeren Zeit

des Mittags im Schatten der Bäume ergangen und sahen sich jenseits

der Alleen der Mimosen auf einmal unter arbeitenden Männern, die mit

scharfen Hackmessern die Orangenbäume beschnitten. Sie wollen schnell

vorbei gehen; die Hausfrau aber, voraustrippelnd, da sie nach der

Freundin sich umsieht, bemerkt zu ihrem Schrecken, daß ein Araber

dieser nachgeht und das scharfe Hackmesser über ihrem Nacken schwingt.

Sie ruft laut auf; der Araber verschwindet zwischen dem Gesträuch,

noch lange aber hatte der Wiederhall des Schreckens in dem kräftigen

Stimmorgane der Hausfrau nachgetönt. Zusammengehalten mit der Aeußerung

unsres arabischen Reis, daß hier ein Raub- und Mordgesindel wohne,

möchte man wohl glauben, daß die Schwingung des Hackmessers gegen das

Haupt unsrer Freundin nicht Scherz, sondern Ernst gewesen sey. Wir

hatten aber ja jetzt wieder des Schutzes im vollen Maaße; zuerst die

Barke, mit dem rüstigen Schiffsvolk, dann den tapfren Maler Bernatz,

der uns mit seiner nicht vergeblich geladnen, sondern für einige

Wiedehopfe des Nilstrandes todtgefährlich gewordnen Flinte hinaus nach

Tanub begleitete, wo wir im Schatten der Palmen noch eine liebliche

Frühlings-Abendstunde genossen.

Heute Abend machten sich die Schiffsleute wie die jungen Freunde noch

mehr denn gestern auf eine etwa nöthige Erwiederung des Begrüßens

der Zayrahner bereit, aber noch vor 10 Uhr erhub sich plötzlich

ein günstiger Wind, den unsre Schiffer benutzten, und zuerst zum

westlichen Ufer bei ~Kum Scherik~ hinübergewendet, dann in der Mitte

des Stromlaufes weitergehend am Morgen bereits ~Nadir~, noch vor

Mittag aber ~Gezaieh~ (Ghisahi) erreichten. Hier fanden wir mehrere

Nilschiffe, die sich, gleich dem unsrigen, an dem wie es scheint

wohlhabenden Orte mit Lebensvorräthen versorgen wollten. Während wir

da die wunderlichen Lehmhütten der Fellahs betrachteten, welches

eigentlich Schläge und Kolonien der Tauben sind, bei denen der Mensch

zur Miethe wohnt, war unser Ibrahim hinein ins Dorf gegangen, um

frische Brote, Eier und Milch für unsern verschwenderischen Haushalt

zu kaufen. Auf einmal entstund bei und in der Barke ein Geschrei;

man wollte im Dorfe unsern Ibrahim behalten und zum Soldatenstand

pressen. Aber die tapfern, mit dem weiten Gewand des fliegenden Hemdes

bekleideten Seemänner unsrer Barke, die jungen, arabischen Helden

der Bohnen und Linsen, ergriffen Stangen und Stöcke und drangen

so kräftig in das Volk der halbblinden und lahmen Männer, welche

das Dorf beherrschten, ein, daß Ibrahim bald wieder mit all seinen

eingekauften Eiern, Broten und Milchkrügen frei war. Wir fuhren,

noch immer mit günstigem Winde, weiter, vorüber an ~Terraneh~ und

seinen nachbarlichen, modernen Ruinen, dann an ~Zaviet Rezin~ und

~Abu Noschabeh~; erst jenseit ~Mit Salameh~ verließ uns der Wind. Im

Ganzen hatten wir seit voriger Nacht einen Weg von fast zehn Stunden

zurückgelegt.

Dafür lagen wir aber auch schon in der Nacht und am Morgen des dritten

Januars unbeweglich still, an der Westseite des Flusses, in einer

Gegend, in welcher das Auge, als wir ans Land stiegen, weiter gegen

Westen hin nichts erblickte als die Hügel des Sandes. Schon vor

Sonnenaufgang verkündete uns einer der jungen Freunde, der vor uns ans

Land gestiegen war, daß man außen auf der sandigen Anhöhe beim Ufer

die Pyramiden sehen könne. Wir stiegen hinan ans hohe Ufer und siehe

die aufgehende Sonne bestrahlte uns jene Wunder der ältesten Baukunst,

welche schon Abraham sahen und Moses, deren Höhen Thales maß, deren

Pracht Herodot bewunderte und in deren Nähe Joseph, der Versorger und

Ernährer seiner Brüder so wie achtzehn Jahrhunderte nach ihm ein andrer

Joseph seine Zufluchtsstätte fand, dem noch ein viel höherer Beruf

des Pflegens und Versorgens geworden war, als Joseph, dem Sohne des

Altvaters Jacob. Jetzt, bei Sonnenaufgang sahen wir außer den beiden

größesten Pyramiden von Ghizeh auch die dritte kleinere; da die Sonne

höher stieg, verschwand uns diese und nur die größeren blieben

sichtbar.

In der That es war noch eine Gedultsprobe dergleichen unsre

Wasserfahrten mit Segelschiffen uns schon mehrere aufgegeben hatten:

so nahe und bereits im Anblick eines ersehnten Zieles abermals, wir

wußten ja nicht auf wie lange? stillstehen zu müssen. Zwar gab uns

die Natur auch hier, auf den öden Sandhügeln manche Unterhaltung; wir

machten glückliche Jagd auf mehrere Pimelien- und selbst auf den großen

Isiskäfer, sahen zum ersten Male einige vereinsamte Straucharten der

Wüste, dennoch ward uns da in den glühend heißen Strahlen der Sonne

die Zeit des Wartens, bis fast gegen Mittag, sehr lang. Endlich erhub

sich ein Wind aus Westen (W. N. W.), welcher jedoch hier, wo unser

Schiff hinter der Wand des hohen, gähansteigenden Nilufers lag, die

Segel nicht recht fassen konnte; die Schiffsleute ruderten deshalb

in ihrem Boote hinüber an die östliche Seite und zogen die Barke

nach, deren Segel alsbald sich füllten und das Schifflein wie auf

Taubenflügeln von hinnen trugen. Wie im Fluge zogen wir an dem Grabmal

eines türkischen Santo's vorüber, das vor ~Atris~ nahe am Ufer liegt,

dann an ~Wardan~ und ~Abu Awali~. Der Fluß wendet sich hier nach Osten;

der Westwind stund gerade in unser Segel. Als aber jetzt der Stromlauf

wieder mehr nach Süden sich kehrte und der Wind fast zur Stärke des

Sturmes sich steigerte, da hatten sich die sanften Taubenflügel,

die uns vorhin weiter trugen, wenigstens in den Augen der sorgsamen

Hausfrau in Rabenschwingen verkehrt; das Schiff, das den Wind von der

Seite hatte, lag so schief, daß Alles was in unsrer Kajüte nicht fest

gemacht war, in Bewegung gerieth. So flogen wir an ~El Ghatah~ und bei

einer neuen Krümmung an ~El Aksas~ vorüber, erreichten schon um vier

Uhr des Nachmittags vor ~El Akmin~ und noch mehr bei ~Dschaladnieh~

und ~El Machi~ jene Orte der ungetheilten Stärke und jugendlichen

Kraft des Nilstromes, an welchen dieser die Fülle seines Wassers noch

nicht an alle seine Sprößlinge, an jene Arme vererbt hat, welche das

Nildelta bilden. Von den Herrlichkeiten des in dieser Jahreszeit

paradiesischen Schubra sahen wir nur die grüne Schaale der hohen Bäume.

Ein Gedränge der Wetterwolken war an dem vorher so klaren, blauen

Himmel emporgestiegen, gleich als wollte es uns daran erinnern, daß

keine Regel, welche die Sichtbarkeit giebt, ohne Ausnahme sey. Wir

waren kaum, gegenüber von ~Embabeh~, in den Nilhafen von Cairo, in

~Boulak~ eingelaufen und hatten dort den stillen, sichren Landungsplatz

gefunden, an welchem, nach eingezogenen Segeln das Schiff wieder gerade

und still stund, da stürzte der Regen in solchen Strömen herab, daß

unsre, scheinbar so gut gedeckte Kajüte mit ganzen Wasserbächlein

erfüllt ward, die sich weiter hinunter in den Schiffraum, auf

die geladenen Waaren ergossen. So alltäglich und unbedeutend ein

solches Naturereigniß bei uns erscheinen würde, gehörte es dennoch

in früheren Zeiten wenigstens, für diese Gegend von Aegypten zu den

ungewöhnlicheren. Wie man sagt, hat sich, seitdem Ibrahim Pascha der

Umgegend von Cairo durch seine reichen Gartenanlagen eine neue Gestalt

gab, auch die hiesige Witterung anders gestaltet denn sonst; der starke

Regen, welcher in alter Zeit in dem Distrikt von Memphis unter die

seltneren Erfahrungen eines Menschenlebens gerechnet war, ist seitdem

ein öfter wiederkehrender, wohlthätiger Gast des Landes geworden.

So sehr es auch außen wetterte, so still und behaglich war es, die

Nässe, die sich nicht wohl vermeiden ließ, abgerechnet, innen in unsren

Kajütenzimmern. Die gute Hausfrau hatte heute Mittag, als das Schiff so

schief stund und Alles in der Kajüte ins Bewegen gerieth, nicht mehr

da bleiben mögen; hatte von dem vortrefflichen Gerichte der gekochten

Gerste, welches der arabische Knecht mit arabischer Vortrefflichkeit

zur Tafel brachte, nichts genießen können; jetzt da Alles wieder

auf festem Fuße stund, that auch ihr die Erquickung des Thees und

des frischen, arabischen Brodes wohl. Wir Alle aber ruheten, besser

denn auf Polstern, auf dem Bewußtseyn, daß jetzt doch endlich der

~Anfangspunkt~ unsrer eigentlichen Reise in das Morgenland erreicht sey.

Als wir am Morgen des vierten Januars erwachten, da war das gestrige

Ungewitter, mit aller Trübung des Himmels, wie ein Traum verschwunden.

Die Sonne schien wieder hell und heiß; kein Wölklein war mehr zu

sehen; nur die Durchweichung des fruchtbaren Bodens am Ufer und die

Nässe auf den Verdecken und in den Räumen der Nilschiffe erinnerte

noch an die Regenströme der vergangenen Nacht. Das erste, was uns beim

Hinaustreten ans Land, bei dem Obdach der Chans von Boulak in das Auge

fiel, waren unsre türkischen Hadschi's: die beständigen Reisegefährten

von Smyrna nach Alexandrien. Bald aber bewillkommten uns auch, denn

wir hatten durch Ibrahim Botschaft hinein nach Cairo gesendet, mehrere

der lieben Freunde und Landsleute aus der Herrscherstadt des jetzigen

Aegyptens, und machten es uns fühlbar, daß, wenn auch die Heimath des

Leibes auf gewisse Gränzen gewiesen, dennoch die des Geistes an allen

Orten der Erde, und unumschränkt sey.

* * * * *

Das ägyptische Zollamt in Boulak hielt nur wenig auf, bald war unser,

nicht sehr großes Hab und Gut auf den Rücken der Eselein geladen und

auch für uns stunden etliche dieser reitbaren Thiere bereit. Mehrere

von uns, unter denen auch ich, zogen es vor den Weg nach der Stadt zu

Fuße zu machen. Und siehe, da lag denn das große, mächtig ausgedehnte

Cairo mit seiner hochgebauten Burg, seinen dreihundert Moscheen, und,

wie man sagt, mehr denn siebenhundert Thürmen, ganz nahe vor den Augen.

* * * * *

Ein Gedränge der Fußgänger und Reiter, der Lastthiere und ihrer Treiber

zog mit uns zugleich nach der volkreichen Hauptstadt; wie Staub vom

Winde erregt stieg der Lärmen, den das lautstimmige Volk machte,

vom Boden auf. Fast an jedem andern Orte wäre das Getöse überlästig

geworden, hier aber, im Anblick der hehren Pyramiden, gestaltete es

sich für das innre Ohr zu dem Rauschen eines Wasserfalles, welcher,

so tief auch seine zerstäubenden Tropfen auf die Ebene herabstürzen,

dennoch an die Höhe und an den uralten Sitz des Alpenschnees erinnert,

aus welchem sein Strömen herkam.

Verbesserungen.

Neben manchen andren Druck- und Schreibfehlern hat sich in diesem Bande

einer, und zwar doppelt eingeschlichen, den man zu verbessern bittet;

auf S. 31 Z. 3 und 2 v. u. in den Noten steht nämlich Daniel 4 statt

Daniel 9.

Nachricht.

Die auf diese Reise bezüglichen, aber auch ein selbstständiges

Kunstwerk bildenden

»Vierzig ausgewählte Original-=Ansichten aus dem heiligen Lande=,

aufgenommen und gezeichnet von =J. M. Bernatz=, lithographirt

von Emminger und Federer, =mit erläuterndem Texte von G. H. v.

Schubert=«

erscheinen bei Unterzeichneter binnen Jahresfrist in viererlei

Ausgaben:

Nro. 1 auf großem französ. Velinpapier +à+ 3 Rthlr. 8 ggr. Preuß.

" 2 " chinesischem Papier +à+ 2 Rthlr. 12 ggr.

" 3 " weißem Papier in der Größe von Nro. 2 +à+ 2 Rthlr.

" 4 " etwas kleinerem Papier (Allgem. Ausg.) +à+ 1 Rthlr.

16 ggr.

+pro+ Heft mit je zehn Ansichten.

welche Subscriptionspreise nach der Vollendung jedes der vier Hefte

aufhören. Ein Blick auf die fertigen Blätter wird den Werth dieses

Unternehmens außer Zweifel setzen.

~Stuttgart~ im Juli 1838.

=J. F. Steinkopfsche Buchhandlung.=

Fußnoten:

[1] Meine kleine Vaterstadt hatte damals noch Bergbau.

[2] Ps. 25. V. 21.

[3] Neuerdings hat ein verwandter Geist: ~Gustav Schwab~ durch die

Herausgabe von ~Paul Flemings erlesenen Gedichten~ (Stuttgart 1820)

sammt einer kurzen Lebensbeschreibung des Dichters den Freunden der

deutschen, lyrischen Poesie ein werthvolles Geschenk gemacht. Das hier

erwähnte »Reiselied« steht in der Schwab'schen Ausgabe S. 48.

[4] Kleinere, nur im Frühlinge und zwar auf kurze Zeit fließende

Quellen, die von dem in die Bergklüfte eingedrungenen Wasser des

thauenden Schnees und Eises der Höhen ihren Zufluß haben.

[5] Im Jahr 1797.

[6] M. vgl. ~C. v. Raumers~ Abh. in der Hertha 1829 S. 346, so wie

desselben allgem. Geographie.

[7] Genes. 2.

[8] Daniel 4. V. 27.

[9] +Ker-Porter travels II. p.+ 312-317. u. f; m. vgl. auch +Maurice

Rich. Memoir on the ruins of Babylon+, so wie Desselben +Observations

on the ruins of Babyl.+ und +Topographie of anc. Bab.+ in d. +Archeol.

Britt. XVIII.+ 8. 243.; u. ~Hammers~ Fundgruben III.; ~K. O. Müllers~

Handb. d. Archäol. u. Kunst S. 259.

[10] Begünstigt von den jährlichen Stromschwellen, welche nach

~Ker-Porter~ das Ueberschiffen der Steine vom Euphrat bis zum Tigris

möglich machen.

[11] So nennen sie die umwohnenden Araber.

[12] Die hier erwähnte erstreckt sich über mehr als eine halbe Stunde

Weges.

[13] Ps. 1. V. 2. 37. V. 4. Hiob 22. V. 26.

[14] 1809 und 1810.

[15] Es. 3. V. 14.

[16] Matth. 21.

[17] Esaj. 1. V. 5-8.

[18] Dan. 9. V. 4-19.

[19] Dan. 9. V. 18.

[20] Esaj. 1. V. 9.

[21] Ps. 90.

[22] Ps. 121.

[23] M. vgl. ~Ulysses von Salis in Johann von Müllers~ Schriften.

+XII.+ +c.+ 54.

[24] M. vgl. meine ~Geschichte der Natur~. +I.+ S. 255.

[25] M. vgl. mein ~Wanderbüchlein eines reisenden Gelehrten~ durch

Salzburg, Tyrol u. f.

[26] Vorzüglich durch meine Bearbeitung von ~Claudius Angeli de

Martelli~ Errettung in und aus der türkischen Gefangenschaft. Erlangen

1825. Die Einleitung dieses freilich durch eine Masse von Druckfehlern

und durch seine Sprachweise selber entstellten Büchleins giebt eine

kurze Geschichte der Belagerung und Entsetzung Wiens im Jahr 1683.

[27] Gegen 420 Fuß.

[28] ~Engels~ Geschichte des ungarischen Reichs. +III.+ Bd. S. 130.

[29] ~Engel~ a. a. O. +III.+ Bd. S. 295 u. f. +V.+ S. 131.

[30] Erbaut im Jahr 1433.

[31] An Süßwasser-Conchylien fanden wir übrigens hier die +Neritina

danubialis+ und +transversalis+; die +Paludina neritoides+ und

+achatina+; +Unio tumidus+, +patavus+, +crassus+; +Anodonta

complanata+; +Mytilus Wolgae+.

[32] +Similium reptans.+

[33] M. v. die treffliche Abhandlung des Oberbergrathes +D.+ J.

N. Fuchs: ~über die Theorie der Erde~ im Februarheft der Münchner

gelehrten Anzeigen Nr. 26 bis 30.

[34] In der hoch auf einem Felsen über der Herculesquelle gelegenen

Dampfcaminhöhle, steigen aus den Spalten des Bades heiße Dämpfe hervor,

die sich an den Wänden zu Tropfen verdichten.

[35] Das Streichen der Mergelschieferlagen gehet fast von Süd nach

Nord, ihr Fallen unter einem Winkel von beiläufig 25° von N. O. in

S. W. Unter den aufgelagerten Massen zeigt sich auch stellenweise

eine grauwackenähnliche Felsart, anderwärts Grünstein, flußabwärts

Thonschiefer.

[36] Jene Wasserleitungen liefern täglich 293600 C. F. Wasser, in jeder

Stunde 12233⅓.

[37] Die Quelle des Kaiserbades, welche 44° R. Wärme hat und in

jeder Stunde 89 Cubikfuß Wasser giebt, enthält in 100 Cubikzollen

Wasser: 10,10 Cubikzoll geschwefeltes Wasserstoffgas, 1,15 Stickgas,

2,10 kohlensaures Gas, überdieß 96 Gran salzsaures Natron, 50 Gran

salzsauren Kalk, 5 Gran schwefelsauren Kalk. Die Ludwigsquelle, die

960 Cubikfuß Wasser in einer Stunde giebt und 37° Wärme hat, enthält

in 100 Cubikzoll Wassers 5,15 C. Z. geschwefeltes Wasserstoffgas,

1,10 Stickgas, 1,24 Kohlensäure, fast 55 Gran salzsaures Natron,

23 salzsauren Kalk u. s. w. Die Herculesquelle führt gar kein

geschwefeltes Wasserstoffgas, dagegen die meiste Kohlensäure (3,68 C.

Z.) und eben so viel Stickgas als die Ludwigsquelle.

[38] M. s. die Beschreibung des Bauwerkes bei +Procopius de aedificiis+

+IV+, 5.

[39] a. a. O. +IV+, 6.

[40] +de aedificiis IV+, 5.

[41] 1 Könige 20, V. 11.

[42] +Ils devenoient tout d'un coup moins que des femmes. Mém. de Mad.

de Lussan III.+

[43] ~Schiltberger's~ Reise in den Orient. München 1813. ~J. v.

Hammer's~ Geschichte des osmannischen Reiches. +I.+ S. 241.

[44] +Getarum solitudo.+

[45] M. s. ~J. v. Hammer~ Geschichte des osman. Reiches +II.+ S. 64.

[46] Sie hieß später +Constantia ad Varnam+. Uns Christen könnte sie

billig »~Warnstadt~« heißen, denn hier gab uns am 10ten November 1444

die an Murad +II.+ verlorne, für das spätere Schicksal der christlichen

Reiche so entscheidende Schlacht die Warnung, daß man durch den

Machtspruch keiner menschlichen Willkühr, trüge sie auch das Gewand

eines Engels des Lichtes, zu dem Wahne sich verleiten lassen solle, daß

wir armen Menschen straflos seyen, wenn wir einem Andersglaubigen den

geschwornen Eid und das gegebene Wort brächen, da doch Gott selber das

Wort seiner gegebnen Verheißungen allen Völkern und Heiden so treulich

hält.

[47] M. v. die treffliche Beschreibung aller der hier und weiterhin

erwähnten Küstengegenden in ~J. v. Hammers~ Constantinopel und der

Bosporus, B. +II.+

[48] Dieses Dorf, früher Petra genannt, erhielt den Namen ~Belgrad~,

seitdem durch Suleiman den Großen jene Bulgaren, denen die Türken bei

der Einnahme des serbischen Belgrad im Jahr 1521 das Leben geschenkt

hatten, hieher versetzt wurden. Belgrad liegt in einem Wald von

Platanen, Eichen, Buchen, Ahornen, Ulmen, Pappeln, Pinien und Birken,

welcher gegen 6 Stunden im Umfang hat und der von den Türken sorgfältig

geschont wird, weil auch ihnen die Erfahrung gelehrt hat, daß von dem

Wohlbestand dieses Waldes der Zufluß und Niederschlag des Wassers in

die bei Belgrad befindlichen, wichtigen Wasserbehältnisse abhänge,

aus deren Fülle mehrere Wasserleitungen der nahen Hauptstadt versorgt

werden (m. v. ~J. v. Hammers~ reizend schöne Beschreibung dieses

Lustwald-Ortes in s. Constantinopel und der Bospor. +II.+ S. 252.

[49] Ps. 91.

[50] M. v. J. v. ~Hammers~ Gesch. d. osman. Reiches +IV.+ S. 553-555.

[51] Nach ~J. v. Hammers~ Constant. und der Bospor. +I.+ S. 331.

[52] ~J. v. Hammers~ Gesch. d. osm. Reich. I. S. 64.

[53] Ebendas. S. 50.

[54] Dem Mesdschid, d. h. Ort der Anbetung.

[55] D. h. Leuchtthürme, wegen ihrer Beleuchtung besonders am

Ramasan-Feste.

[56] ~J. v. Hammers~ Gesch. d. osm. Reich. +III.+ S. 341.

[57] Er starb vor Szigeth zehn Jahre nach Vollendung der Suleimanje am

6ten Sept. 1566.

[58] ~Hiob~, 29 v. 4.

[59] M. vergl. ~Jos. v. Hammers~ Gesch. d. Osm. B. +IV.+ S. 442.

[60] M. s. ~Jos. v. Hammers~ Gesch. des Osm. Reich. +IV.+ S. 241.

[61] M. s. über dieses erniedrigende Ceremoniell des türkischen Hofes

~J. v. Hammers~ Constantinopel und der Bospor. +I.+ S. 246 u. f.

[62] Sie stund früher im Portikus des byzantinischen Kaiserpallastes.

[63] M. v. ~J. v. Hammer~ a. a. O.

[64] Bei ~Jos. v. Hammer~ Gesch. d. osm. R. +II.+ S. 378.

[65] ~J. v. Hammers~ Const. u. d. Bosp. +I.+ S. 521.

[66] ~J. v. Hammers~ Const. u. d. Bosp. +I.+ S. 537.

[67] Zweimal durch alte Griechen (Alcibiades und Philipp den

Macedonier), dreimal durch römische Kaiser (Severus, Maximinus und

Constantinus), einmal durch die Perser (im J. 616) und zehn Jahre

nachher (626) durch die Avaren; siebenmal (654, 667, 672, 713, 743,

780, 798) durch die Araber, zweimal durch die Bulgaren (764 und 914),

zweimal durch Rebellen (819 und 1048), einmal durch die Lateiner

(1204), dann durch einen byzantinischen Herrscher selber (1261);

dreimal durch die Osmanen (1393, 1424, 1453). Wenn man die kurzen

Intervalle zwischen den Stürmen von 616 und 1453 vergleicht, so findet

man, daß Constantinopel nur in den ersten 3 Jahrhunderten seines

christlichen Herrscherreiches so wie seit der Einnahme durch die

Osmanen eine etwas längere Ruhezeit genossen habe.

[68] M. s. die schöne Beschreibung des armenischen Gottesdiensts,

dem ich in Constantinopel nicht selber beiwohnte, in ~J. v. Hammers~

Constant. u. d. Bosp. +I.+ S. 470.

[69] +J. v. Hammer+ a. a. O. S. 469.

[70] ~J. v. Hammer~ a. a. O. +II.+ S. 73.

[71] Ihren Namen empfieng sie von dem Pascha Kassim, der unter Suleiman

dem Großen Napoli di Romania eroberte.

[72] Zu Padua in der Justinakirche, zu Venedig im Dogenpallaste, in der

Kapelle des Rosenkranzes, im Arsenal und in der Akademie; zu Rom in der

Kirche +Ara coelis+ u. f.

[73] Nach seinem Tode im Jahr 1596 fand man in dem Schatze dieses

»osmanischen Marius«, über dessen rohe Behandlung alle Botschafter

der christlichen Mächte, wie alle Dichter seines eignen Volkes sich

bitter beklagen, unter anderem 600,000 Ducaten, 61 Maaße Perlen, in

Silber fast drei Millionen Aspern, 20 Kistchen mit Chrysolithen, 20

Mäßchen Goldstaub, 30 diamantne Rosen, 15 Rosenkränze von großen,

30 Pferdedecken mit kleinern Perlen, zwei Halsbänder von Diamanten,

zwanzig mit Edelsteinen besetzte Waschbecken, sieben dergleichen

Tischdecken, 900 Pelze von Grauwerk, 600 dergleichen von Zobel, 30 von

schwarzem Fuchse. M. v. ~Jos. v. Hammers~ Gesch. d. osm. Reiches +IV.+

S. 258.

[74] +A Residence at Constantinople. Lond. 1836. I. p. 265.+

[75] Beide zusammen hießen in ältester Zeit Sykä, Feigengegend, seit

Justinian Justiniana.

[76] M. v. über den Sphärentanz der Mewlewis-Derwische und seine

Bedeutung: ~J. v. Hammers~ Constant. u. d. Bosp. +II.+ S. 112.

[77] ~J. v. Hammer~ Const. u. d. Bosp. +II.+ S. 332 und S. 335 wo

derselbe zugleich den schönen Commentar eines arabischen Philologen

über diesen Koranspruch anführt, der hiermit den Gebrauch der Vorwörter

erläutern will:

Wir beginnen ~mit~ Gott, und vollenden ~in~ Gott;

Wir leben ~durch~ Gott, und streben ~nach~ Gott;

Wir wandeln ~vor~ Gott, und handeln ~für~ Gott;

Wir sprechen ~aus~ Gott, und schwören ~bei~ Gott;

Wir trauen ~auf~ Gott, und bauen ~nächst~ Gott;

Wir kommen ~von~ Gott, und gehen ~zu~ Gott.

[78] +~Andreossy~ voyage p. 35; ~Walsh~ residence at Constantinople I.

p. 284.+

[79] In den Gärten baut man auch +Smilax excelsa+, um die jungen

Schossen als Sallat zu benützen.

[80] Außerdem fanden sich um Pera, meist im Garten der englischen

Gesandtschaft + ~Helix~ vermiculata+, +adspersa+, +carthusianella+,

+conica+, +turrita+, +subrostrata+; +~Bulimus~ Pupa+ u. +ventricosa+;

+~Clausilia~ sulcosa+ u. +similis+; +~Pupa~ tridens+.

[81] M. v. unter andrem +~Walsh~, a residence at Constantinople. II. p.

164+.

[82] M. v. oben S. 7.

[83] +Pancratium maritimum.+

[84] M. v. m. Gesch. der Seele §. 59.

[85] ~Tournefort~ nannte ihn als den besten des Orients.

[86] M. v. Offenb. +II.+ V. 8-11.

[87] +Plin. V+, 29.

[88] Nach dem großen Erdbeben vom Jahr 178 ließ sie Marcus Aurelius

prächtig wieder aufbauen.

[89] Das alte Smyrna lag etwa eine Stunde Weges (2500 Schritte) von dem

späteren, dessen Stelle zum Theil das jetzige noch einnimmt, entfernt

und war von Aeoliern aus Thessalia erbaut, vom lydischen Könige

~Sadyattes~ zerstört worden. Vierhundert Jahre nach dem politischen

Untergange des alten Smyrna erbaute ~Antigonus~ der Nachfolger

Alexanders des Großen das neue Smyrna, mit der prächtigen viereckten

Säulenhalle des Homer (dem Homerion).

[90] Apok. 2. V. 11.

[91] M. v. +Arundel discoveries in Asia minor I. p. 208.+ u. f. so wie

+Bochart. Sacr. geograph. I. c. 3.+

[92] +Herodot. VII, 20.+

[93] +Plin. V, 29.+

[94] Ep. an die Coloss. +II+, 4. +IV+, 13. 15.

[95] Apok. +III.+ V. 17.

[96] Ebendas. V. 16.

[97] Ich bin in der Benennung dieser Ruinen ~Arundel~ gefolgt, in

seinem Werk +A visit to the seven Churches of Asia p. 23+.

[98] +Herodot. I. 26.+

[99] M. v. die Inschrift auf den ephesinischen Münzen aus den Zeiten

Vespasians.

[100] Selbst der Name Ajasaluk bedeutet: »kleiner Mond.«

[101] +~Arundel~ discover. in As. min. II. p. 253.+

[102] 1 Ep. an Tim. 1 V. 2; 2 Ep. 1 V. 2.

[103] ~+Arundel+~ a. a. O. +p.+ 264.

[104] Der ältere und neuere Orient nennt ihn immer »den Theologen.«

[105] Sein eigentlicher Name Timur bedeutet Eisen; weil er lahm war,

bekam er den Beinamen »Lenk« (der Lahme) und aus Timurlenk gestaltete

die Sprache der westlichen Völker den Namen Tamerlan.

[106] In Smyrna hatte doch Timur bloß die abgehauenen Köpfe der

Christen durch Wurfgeschosse auf die Schiffe der Christen geschleudert,

in Siwas (Sebaste) bloß die gefangenen Armenier und die Tapferen

der Stadt wie Knäuel zusammenbinden und lebendig in die Gruben

rollen lassen, hier aber in diesen Gegenden selbst die Schaar der

moslimitischen Kinder, welche Sprüche aus dem Koran betend und

um Erbarmen flehend, ihm entgegenzogen, von den Hufen der Rosse

zerstampfen lassen (m. s. ~Jos. v. Hammers~ Gesch. des osm. Reiches

+I.+ 334).

[107] ~J. v. Hammer~ ebendas. S. 378.

[108] M. v. auch +~Arundel~ discoveries I. p. 248+ u. f.

[109] M. v. in den Bildern aus dem heiligen Lande, treu nach der

Natur aufgenommen und gezeichnet von ~J. M. Bernatz~, Stuttgart

bei Steinkopf, im ersten Heft die erste Abbildung, welche eine der

damaligen Arbeiten des genannten Künstlers ist.

[110] Der Magnet hatte vorzüglich von diesem Lydischen Magnesia seinen

Namen.

[111] Der Sage nach war diese angebliche Prophetin das Weib der Jugend

des Engels (Bischofs) der Gemeinde gewesen, das sich jedoch selber von

ihm geschieden hatte.

[112] Jaspisartige Kieselschiefer.

[113] Ps. 78. V. 69.

[114] M. v. ~Jos v. Hammer~ a. a. O. +I.+ 465.

[115] Magnesia zum Brode, Lampsakos zum Weine, Myus zum Gemüse.

[116] Wir überzeugten uns auf unsrer ganzen Reise bei vielen

Gelegenheiten von der vertrauten Bekanntschaft der jetzigen Griechen mit

der Geschichte und den Thaten ihres Volkes.

[117] Dieses ~Nymphi~, ein Lieblingsaufenthalt des byzantinischen

Kaisers ~Michaël Paläologus~ (im J. 1260) soll in seiner Nähe Gold- und

Silbergänge enthalten. Berühmter jedoch als diese sind in jetziger Zeit

seine Kirschgärten, welche von Smyrna aus viel besucht werden.

[118] +Virgil. Georg. II, 97+; +Plin. V, 29+; +VII, 48+.

[119] Ein ganz verheerendes für diese Gegend war, außer den vielen

früheren, das von 1595. Damals war Sardis (Sart) wieder ein Flecken

gewesen, den das Erdbeben ganz in einen Schutthaufen verwandelte.

Zu gleicher Zeit quoll am Wege nach Magnesia pechschwarzes Wasser

hervor; bei Partschinlü klaffte die Erde 10 Joche weit, das Wasser

sprang thurmhoch empor und warf seltsame, noch nie gesehene,

blinde Fische aus. (M. v. ~v. Hammer~ +IV+, 255.) Auch im 17ten

und 18ten Jahrhundert, trafen die Landschaft noch manche schwere

Erderschütterungen, sie fanden jedoch nicht viel mehr zu verheeren

übrig. Doch sahe noch Thomas Smith im 17ten Jahrhundert hier eine

Moschee, die sich mit Trümmern alter Bauwerke, namentlich schöner

Säulen geschmückt hatte.

[120] +Vitruv. II, 8. med.+ m. v. auch +Plin. h. n. XXXV, c. 14. Sect.

49.+

[121] Die Gegend von Sardis, ohne den Cybeletempel, s. m. in den

von ~H. M. Bernatz~ herausgegebnen Steindrücken; die Ansicht des

Cybeletempels wird er bei andrer Gelegenheit mittheilen.

[122] Apok. 3 V. 8-11.

[123] M. v. Apostelgesch. +XIII+, V. 1; Ep. an d. Röm. +XVI+, V. 22.

[124] +Oriens christianus I. p. 868.+

[125] +Herod. I+, 7; +Hom. Il. II+, 865. ~Sickler~, in seinem Handbuche

der alten Geographie, 2te Auflage +II.+ S. 319 erinnert bei dem Worte

Mäon an die des gleichlautenden semitisch-arabischen Wortes, welches

»Wasser« bedeutet.

[126] Herr ~John Lee~ wohnt schon über 50 Jahre (seit 1786) in Smyrna.

[127] Selbst der Haifisch zeigt diese Vorliebe für das menschliche

»Wildpret.«

[128] Wie das System annimmt, stehen die vorher erwähnten und die zwei

hier nachfolgend zu erwähnenden Blüthen gewöhnlich an drei verschiednen

Bäumen.

[129] In einem Aufsatz, den ich in der Quarantäne bei Livorno schrieb,

wo ich meiner Papiere und Landcharten so wie aller wissenschaftlichen

Hilfsmittel beraubt war, und den ich, so wie er geschrieben war, dem

Druck überließ, habe ich leider Karahissar (Celänä) und das drei gute

Tagereisen von diesem nordwestwärts gelegnen Akhissar (Thyatira) mit

einander verwechslet, wofür ich hier um Entschuldigung bitte.

[130] M. s. ~v. Hammer~ Gesch. d. osman. Reichs +I.+ S. 51.

[131] Eine Seebarbe von 4 Pfund Gewicht wurde nach unsrem Gelde mit

eben so vielen 100 Gulden bezahlt (+Senec. epist. 95.+).

[132] Namentlich +Brachycerus barbarus+, +Larinus subcostatus+,

+Tentyria grossa+, +Pimelia alutacea+, so wie +Erodius+ u. f.

[133] In s. +Discoveries in As. min. II. p. 278+.

[134] Um dem Künstler die Arbeit zu erleichtern, ließ Orloff bei

Livorno ein Kriegsschiff in die Luft sprengen.

[135] Bemerkenswert ist es, daß in dem Geburtsort jener uralten

Sibylla, selbst noch zu Alexanders Zeiten eine neue Sibylla aufstund,

welche dieselben (jetzt näher gerückten) Aussichten in die Zukunft

besang, an deren Fernanblick die ältere sich entzückt hatte. (M. v.

+Strabo+ 953.)

[136] +Travels II, 1. p. 192.+

[137] Ein Beiname von Samos war Anthemos.

[138] Genes. +XVI+, 7.

[139] Leros, Kos, Kalymna, Nisyros, Telos, Chalke, Limonia, Symi.

[140] +Clarke travels II, 1. p. 230.+

[141] +v. Egmont and Heyman travels I. p. 266.+, bei +Clarke+ a. a. O.

[142] Jener war unter den Vertheidigern der Stadt bei der Belagerung

durch Mohammed +II.+, dieser bei der durch Suleiman.

[143] Eine noch unbestimmte, schöne +Carocolla+, +Helix melastoma+,

+naticoites+. Von Käfern ein +Helops+ und der in diesen Ländern gemeine

+Trox paniculatus+. Unter den Tangarten am häufigsten die +Ulva

pavonia+.

[144] Unter andern eine Art von Neritine.

[145] +Sinus Glaucus+ der Alten.

[146] +Diodor. Sicul. V.+

[147] +Vitruv. II.+

[148] Nach Plinius +XXXV+, 10.

[149] Lieber, so sagte er, wolle er das Bild seines Vaters als das

weltgepriesne Meisterstück des Protogenes in Flammen aufgehen lassen.

[150] Waffen darstellend, so wie musikalische Instrumente, Delphine und

Embleme der Kaufmannschaft.

[151] M. s. ~Jos. v. Hammers~ Gesch. des osm. Reiches +II.+ S. 278, und

die ganze Geschichte der Gefangenschaft und Hinrichtung Dschems durch

Gift von S. 263 bis 277.

[152] ~Jos. v. Hammer~ a. a. O. +III.+ S. 22 und 627.

[153] ~Jos. v. Hammer~ a. a. O. +III+, S. 30.

[154] +Thevenot Relation d'un voyage fait au Levant. Paris 1665. p.

223.+

[155] +Pindar. Olymp. VII. 25.+

[156] +Plinius II+, 62.

[157] Bei solchen Besuchen führt ein Mann von der Quarantäne, der die

Besuchenden begleitet, die Aufsicht; das Boot muß immer in einiger

Entfernung vom Schiff bleiben.

[158] Die Erbauung der Pyramiden wird nach den neuesten, auf

die Entzifferung der Hieroglyphen begründeten chronologischen

Untersuchungen von ~Bunsen~ auf das Jahr 3150 v. Chr. gesetzt, die von

Theben fiel um anderthalb Jahrtausende später.

[159] Unter Ptolemäus Euergetes (246-224) zum Aufseher der Bibliothek

ernannt.

[160] Genauer fast von W. S. W. nach O. N. O.

[161] Den Lauf dieser Hauptstraße deuten noch jetzt lange Reihen der

Schutthaufen, einzelne Granitsäulen und viele Cisternen an.

[162] Nach Appian hinterließ der zweite der Ptolemäer (Philadelphus),

obgleich ihm nur allein der Bau des Pharos 3½ Million gekostet,

eine baare Summe von nahe 440 Millionen Gulden (740,000 ägyptischer

Talenten). Die Flotte war damals 2000 Segel stark, das besoldete Heer

zählte 240,000 Mann.

[163] Von dem Dienst der Neith zu Sais und der dortigen Tempelweisheit

reden wir noch einmal im nächsten Bande dieses Buches.

[164] Es war das strauchartige +Gossypium hirsutum+.

[165] +Charadrius spinosus.+

Anmerkungen zur Transkription.

Die unterschiedliche Schreibweise des Propheten Mohammed und die des

Generalkonsuls wurden beibehalten.

Die Berichtigungen sind eingearbeitet worden.

Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; gesperrte so: ~gesperrt~.

und =fett gedruckte= so.

Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, Erster Band · 第 12 / 12 题