ich benutze die Gelegenheit eines Krankheitsurlaubes, um Dir auf diesem
Wege sichere Nachricht von mir zu geben. Ich vermute natürlich
Postsperre. Wir stehen natürlich mit in der Riesengeschichte im Westen,
schauerlich und ungeheuerlich wie es Worte nie werden schildern können.
Ich führe mit Lt. M. zusammen unsre Kolonne unter schwierigsten
Umständen; aber es geht alles. Und gottlob geht es bis jetzt auch gut.
Wir sind 10 Kilom. durch die französische Front durch. Wir hausen nachts
in den französischen Unterständen. Die Pferde sind seit unserm Abmarsch
(25.) nicht mehr aus dem Geschirr gekommen.
Ich selbst fühle mich wohl und frisch, -- meine Nerven sind unberührt,
daß ich oft selbst staunen muß; Dinge, die mein eigentliches wahres
Wesen nichts angehen, berühren mich überhaupt nicht mehr. Jetzt ist
übrigens der Moment gekommen, in dem ab und zu ein gutes Päckchen
(Schokol. Gilka, Stück Hartwurst u. dergl.) hochwillkommen sein wird.
Wie mag nur diese Riesensache hinausgehen?! Ich zweifle nicht, daß
Verdun fallen wird, -- aber ob es dann gelingt, den grausamen Stoß in's
Herz des armen Frankreich zu führen! Seit Tagen sehe ich nichts als das
Entsetzlichste, was sich Menschenhirne ausmalen können.
Ich freute mich gestern über eine Karte von Dir und Lisbeth's Brief, in
dem Du auch was geschrieben; es ist so beruhigend für mich, Euch jetzt
beisammen zu wissen und zu hören, daß Ihr Beide Euch Menschliches und
Künstlerisches zu sagen habt. Bleib nur ruhig und sorg Dich nicht; ich
komme Dir wieder. -- Der Krieg geht in diesem Jahr zu Ende.
Ich muß schließen, der Krankentransport, der diesen Brief mitnimmt, geht
fort. Bleib auch Du gesund und ruhig wie ich und laß Dich küssen und laß
uns in Gedanken immer beisammen sein. Grüß Lisbeth und die Kinder.