Liebe Lina,
meine Frau schreibt mir von Ihrem Bericht über den Russl und seine ewige
Unreinlichkeit und Ansteckungsgefahr und über die gute Hanni. Zunächst
lassen Sie sich einmal meinen herzlich gemeinten Dank sagen für die
Treue, mit der Sie die Tiere und mein Haus versorgen. Ich weiß sehr gut,
daß das gar nicht so leicht ist und viel Umsicht und Liebe dazu gehört.
Aber die Hauptsache ist natürlich, daß man dabei gesund bleibt und wird.
So gern ich meinen alten weißen Russl habe, so bin ich doch dafür, daß
Sie ihn unter _allen Umständen_ fortgeben, und zwar wenn sich eine
Gelegenheit findet, zu irgend jemand im Dorf, der ihn nehmen will. Ich
will meinem alten Hundekameraden gern sein Gnadenbrot auch bei andern
Leuten bezahlen; sie sollen es einmal einen Monat versuchen und dann
berechnen, was er ihnen kostet. Sie können ihm ja ab und zu einen
Leckerbissen bringen, daß er Sie nicht ganz vergißt; findet sich aber
niemand, der ihn in Kost nehmen kann, bitten Sie Herrn Bauer in meinem
Namen, dem Russl mit einer ehrlichen Kugel den Schritt ins Jenseits zu
erleichtern. Also tun Sie den Russl fort und zwar _sogleich_ auf die
eine oder andere Weise. Wenn er nicht bei irgend jemand einen _guten_
Platz findet, ist es besser, Sie lassen ihn erschießen. Aber _fortgeben_
müssen Sie ihn auf alle Fälle. Und dann kurieren Sie sich selber einmal
ordentlich aus. Der Welf wird ja auch viel leichter zu halten sein, wenn
der Russl nicht mehr im Garten ist. -- Daß jetzt genug Futter für Hanni
da ist, freut mich. Sorgen Sie nur immer hübsch im _voraus_ dafür, damit
es nie ausgeht; und bringen Sie ihr recht oft Haselnuß- und
Eichenzweige, an denen sie kauen kann. Sie enthalten Gerbsäure, die für
die Tiere sehr notwendig ist.
Mir geht es recht gut; denn unsere Division ist seit 2 Monaten in Ruhe,
-- ewig wird sie ja nicht dauern, aber der grauenhafte Krieg hoffentlich
auch nicht. Ich bin fest überzeugt, daß er in diesem Sommer zu Ende
geht. Dann gibt's auch wieder vergnügtere Zeiten in Ried.