L., Ührchen und Manschettenknöpfe sind richtig und gesund angekommen.
Ich habe eine wahre Freude dran, wieder so anständige Dinge in der Hand
zu halten und zu tragen; deshalb laß ich mir auch den silbernen
Reitstock machen, -- ich hab es zu lange entbehrt, mich anständig tragen
zu können. Mein Urlaub scheint mir ziemlich sicher; das Regiment hat ihn
befürwortet, was, wenn nicht irgendwelche Befehle höheren Ortes kommen,
wie z. B. Sperre, für die Divisionsentscheidung maßgebend ist. Ich fahre
dann wohl entweder morgen abend ab Metz oder übermorgen, -- ich glaube
nicht, daß es länger dauert. Treffpunkt natürlich bei Maman, wenn ich
Dir keinen genauen Zug telegraphiere. Zum Schreiben fehlt mir jetzt
natürlich jede Stimmung, nachdem ich hoffen darf, Dir in ein paar Tagen
meine Liebe mündlich zu sagen!
Es ist nicht verwunderlich, daß Ihr mein »sehen der Musik und Literatur«
nicht ganz verstehen könnt; es ist vollkommen die einseitige
Eigentümlichkeit meiner malerischen Begabung, musikalisch und
literarisch natürlich ein Manko; ich halte es für ausgeschlossen
(jedenfalls für einen unglücklichen Fall), wenn jemand für alle
Kunstarten ein gleich _reines Art_verständnis hätte. Ich habe
literarisch lange daran gelitten, weil ich so oft meinte, Dichtung eben
als Dichter und literarisch werten und genießen zu können. Dabei blieb
ich immer Dilettant (wie Goethe großen Angedenkens in der Malerei!).
Erst jetzt beginne ich mich vor Literatur ebenso frei zu machen, als ich
es seit langem vor Musik bin. Ich _sehe_ alles, alles ist in meiner
Auffassung bildnerisch figuriert. Auch ethische Gedanken wie die Bibel
z. B. setzen sich bei mir nicht als Sozialismus oder Pantheismus ab,
sondern gehen in rein bildnerische, malerische Gedanken auf. Ich werde
daher z. B. Tolstoi nie ganz folgen können.
Nun, diesmal nicht _addio_, sondern auf baldiges Wiedersehen.
Nach dem letzten Urlaub.