2. XI. 15.

L., ich bin so froh, daß meine Post nun doch richtig angekommen ist.

Vielleicht läßt Du Dir es doch für ein nächstes Mal ein bissel zur Lehre

dienen. Warum die Postsperre stattfand, wissen wir selbst nicht. Daß

mein Antwerpener Kommando auch erst später trifft, hat mit den

Kriegsaussichten etc. gar nichts zu tun. Diese Schießkommandos sind ja

gewissermaßen Friedensübungen, die jetzt auch während des Krieges

abgehalten werden und zu denen eben nach einem gewissen Schema alle

tüchtigen Reserveoffiziere kommandiert werden; ein solches Kommando aus

der Front ist natürlich eine Auszeichnung. Könnte ich Dir doch etwas von

meinem Gleichmut, -- nenne es meinetwegen in der alten (d. h. Deiner

neuen) Sprache: Gottvertrauen geben; ob ich nun bei der Kolonne bin oder

als Batterieoffizier verwendet werde, ist ja ganz gleich. Es _kann_ mir

gar nichts geschehen, was mir nicht notwendig geschehen _muß_. Es gibt

keinen dummen Tod oder ein dummes Unglück oder Glück; ich las wieder

viel im Evangelium, -- _wie kannst Du eigentlich im Evangelium lesen und

doch Angst haben_? Thatsächlich: mir ist das gänzlich unverständlich.

Lies Deinen Nerven aus dem Evangelium vor, da _müssen_ sie doch ruhig

werden und Dein ganzes Wesen muß freudig werden.

Von meinen Urlaubsgedanken hast Du ja inzwischen gehört, ich hoffe sehr,

daß es gelingt. Ich habe um 14 Tage eingegeben. Es wäre zu schön! Also

wenn ich telegraphiere, erschrick nicht. -- -- -- -- --

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 97 / 158 题