L., ich bin so froh, daß meine Post nun doch richtig angekommen ist.
Vielleicht läßt Du Dir es doch für ein nächstes Mal ein bissel zur Lehre
dienen. Warum die Postsperre stattfand, wissen wir selbst nicht. Daß
mein Antwerpener Kommando auch erst später trifft, hat mit den
Kriegsaussichten etc. gar nichts zu tun. Diese Schießkommandos sind ja
gewissermaßen Friedensübungen, die jetzt auch während des Krieges
abgehalten werden und zu denen eben nach einem gewissen Schema alle
tüchtigen Reserveoffiziere kommandiert werden; ein solches Kommando aus
der Front ist natürlich eine Auszeichnung. Könnte ich Dir doch etwas von
meinem Gleichmut, -- nenne es meinetwegen in der alten (d. h. Deiner
neuen) Sprache: Gottvertrauen geben; ob ich nun bei der Kolonne bin oder
als Batterieoffizier verwendet werde, ist ja ganz gleich. Es _kann_ mir
gar nichts geschehen, was mir nicht notwendig geschehen _muß_. Es gibt
keinen dummen Tod oder ein dummes Unglück oder Glück; ich las wieder
viel im Evangelium, -- _wie kannst Du eigentlich im Evangelium lesen und
doch Angst haben_? Thatsächlich: mir ist das gänzlich unverständlich.
Lies Deinen Nerven aus dem Evangelium vor, da _müssen_ sie doch ruhig
werden und Dein ganzes Wesen muß freudig werden.
Von meinen Urlaubsgedanken hast Du ja inzwischen gehört, ich hoffe sehr,
daß es gelingt. Ich habe um 14 Tage eingegeben. Es wäre zu schön! Also
wenn ich telegraphiere, erschrick nicht. -- -- -- -- --