L., beiliegend die Sturmnummer, die den Tod von August Stramm meldet.
Ich zweifle nicht, daß, wenn wir Stramm persönlich gekannt hätten, uns
sein Tod auch tief berührte. Die hier abgedruckten Gedichte machen mir
wohl wieder den Eindruck einer _sehr_ begrenzten Begabung; aber
innerhalb dieser Grenzen des Unvermögens eine großartige
Leidenschaftlichkeit des Empfindens; die Sprache war ihm nicht Form oder
Gefäß, in dem Gedanken kredenzt werden wie z. B. für Rilke oder Stephan
George, sondern Material, aus dem er Feuer schlug, oder: toter Marmor,
den er zum Leben wecken wollte, wie ein wahrer Bildhauer. Er _war schon
am richtigen Wege_. Aber diesen Weg wirklich zu gehen, bedarf es noch
eines Größeren.
Als ich heute Stramm wieder las, erkannte ich ganz deutlich, wie sehr
Rilke und George und Mombert einer vergangenen Gefühlswelt angehören,
als letzte sehr reife übersüße Früchte. Mombert ist herber und naiver,
weniger abgeschlossen. Ich könnte mir denken, daß Mombert noch einmal
und Besseres schafft; und daß es um so urwüchsige und ehrliche Naturen
wie Stramm sehr schade ist, wenn auch sein zeitiger Tod wohl _Schicksal_
ist. -- -- -- -- --
Und nun für heute Schluß! Mir geht's famos. Gruß an Deine Mutter,
Niedmanns, K. und meine Tierlein.
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Dein Frz.