L.... M....,

heute versuche ich mal, ein Briefchen zu schreiben;

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Ich denke so viel über diesen Krieg nach und komme zu keinem Resultat;

wahrscheinlich, weil die »Ereignisse« mir den Horizont versperren. Man

kommt nicht über die »Aktion« hinweg, um den Geist der Dinge zu sehen.

Jedenfalls aber macht der Krieg aus mir keinen Naturalisten, -- im

Gegenteil: ich fühle den Geist, der hinter den Schlachten, hinter jeder

Kugel schwebt so stark, daß das Realistische, Materielle ganz

verschwindet. Schlachten, Verwundungen, Bewegungen wirken alle so

mystisch, unwirklich, als ob sie etwas ganz anderes bedeuteten, als ihre

Namen sagen; nur ist alles noch von einer grauenvollen Stummheit,

chiffriert, -- oder meine Ohren sind taub, übertäubt vom Lärm, um die

wahre Sprache dieser Dinge heut schon heraus zu hören. Es ist

unglaublich, daß es Zeiten gab, in denen man den Krieg darstellte, durch

Malen von Lagerfeuern, brennenden Dörfern, jagenden Reitern, stürzenden

Pferden und Patrouillenreitern u. dergl. Dieser Gedanke erscheint mir

direkt komisch, selbst wenn ich an Delacroix denke, der's doch noch am

besten gekonnt hat. Uccello ist schon besser, ägyptische Friese noch

besser, -- aber wir müssen es doch noch ganz anders machen, ganz anders!

Wann werde ich wohl wieder malen dürfen? Ich bin froh, daß ich von den

Kriegsfreiwilligen weg bin, -- ich glaube doch hier in unsrer

Landwehrtruppe mehr Aussicht zu haben, früher heimkehren zu dürfen als

die frischen Kriegsfreiwilligen. Frühjahr wird's wohl werden! Ich glaube

an kein früheres Datum. Aber vielleicht geht's doch noch eher! Wenn

diese Engländer nur nicht alles verschlampen.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 11 / 158 题