VIII.

In einem großartigen Tonstück scheinen die Tonarten in ihrem Kampfe mit

einander gleich sich entwickelnden Naturkräften zum Licht empor zu

dringen, endlich Gestalten anzunehmen und ihr Stück Weltgeschichte mit

zu erleben. Doch ergötzt uns auch schon im Kleinen die humoristische

Intrigue, die in der gewöhnlichsten Sonate von der Familie der Tonarten

in immer wechselnder Scene aufgeführt wird.

Da tritt zum Eingange der Dreiklang der Tonica gleich dem Hausherrn im

vollen Gefühl seiner Würde auf und beginnt ein Gespräch mit seiner

Hausfrau Dominante, und ermahnt den Sohn Subdominant und die beiden

Medianten, seine holden Töchter, zu allem Guten. Er geht auf Reisen und

es gefällt der Frau Dominante, in seiner Abwesenheit auch einmal die

Hosen anzuziehen, oder mit andern Worten, =sich= das Subsemitonium zu

vindiciren, wodurch am Ende des ersten Abschnittes die Täuschung so

vollkommen wird, daß jeder meint, jetzt sei die Dominante der Herr im

Hause.

Aber die vermeintliche Tonica versteht es schlecht, sich in ihrer

Herrschaft zu behaupten. Die Kinder rebelliren gleich zu Anfang des

zweiten Theils: der Subdominant lädt keck seine befreundeten Nachbarn

ein und kehrt mit ihnen im tollen Gelage das Haus um. Allerhand

verbuhlte Septimenakkorde kommen von nah und fern und umschwärmen die

Medianten. Die Dominante strebt vergebens, Ordnung zu stiften; endlich

mit lang aushaltendem Ruf mahnt sie den Vater zur Heimkehr. Wußte man im

Mittelsatz nicht mehr, wer Herr noch wer Diener sei, so schwinden alle

Zweifel, wenn der ächte Dreiklang der Tonica in seiner angestammten

Legitimität das Haus wieder betritt. Alle die übrigen Dreiklänge

scheinen nur Entschuldigungen wegen des Vorhergegangenen zu den Füßen

ihres Herrschers zu legen, der ihnen freundlich vergiebt, sie auf die

ihnen gebührenden Stufen zurückweist und in einem Schlußakkord, dem auch

der Böswilligste nichts mehr entgegen zu setzen hat, seine thatenreiche

Laufbahn glänzend beendet.

* * * * *

Um einige Jahrzehnte hinter uns liegt eine Epoche der Claviercomposition,

deren Vertreter ihre beste Kraft an Nebendingen verschwendeten. Der Kern

eines Musikstücks, oft von bedeutender Schönheit, war in einen Wust von

arabeskenhaften Flitterpassagen eingehüllt, der wie ein Reifrock die

natürliche Form entstellte. Ein Normal-Clavier-Concert jener Zeit

dauert etwa drei Viertelstunden; es enthält, wenn man die üblichen

Cantilene-Stellen im ersten Theil, dem Adagio und Rondo zusammenzählt,

fünf Melodien, jede etwa sechzehn Takte lang; alles Uebrige sind

Läufe und Sprünge, wobei die Durchführung jener wenigen Melodien den

begleitenden Instrumenten überlassen bleibt. Der größte Werth ward auf

die Mannigfaltigkeit der schwierigen Kunststücke für die Finger gelegt,

welche im raschesten Tempo aufgeführt werden mußten, auch wurden diese

von den Zuhörern immer mit rauschendem Applaus belohnt.

Die Virtuosen bildeten nun die Finger auf Kosten des Geistes aus,

opferten ihrer Eitelkeit das künstlerische Gewissen, und traten nur mit

solchen Stücken öffentlich auf, deren Einstudiren auch dem Geübtesten

viele Monate Lebenszeit kostete. Der Kunstfreund, wenn er auch ein

augenblickliches Vergnügen beim Anhören eines solchen mit Anmuth und

Geschicklichkeit vorgetragenen Stücks empfand, konnte sich nicht

verhehlen, daß nichts wahrhaft Schönes durch dessen Schwierigkeiten

erreicht wurde, daß sie vielmehr nur dazu da waren, das Publikum in ein

dummes Erstaunen zu setzen.

Anders ist es nun geworden, wo das Schwere wenigstens einem höhern

künstlerischen Zweck zu dienen strebt, obgleich der alte Mißbrauch

noch nicht unbedingt abgethan ist. Die Mehrzahl der neuesten

Claviercompositionen erfordert vor Allem einen feinen und seelenvollen

Vortrag; die mechanischen Schwierigkeiten sind so ziemlich in den

Hintergrund gedrängt worden; auch wird der herrschende Gedanke darin

nicht durch ewige Wiederholungen und Variationen abgeschwächt: eher

dürfte man ihnen eine zu gedrängte Kürze zum Vorwurf machen.

* * * * *

Den ersten Anstoß hierzu hat Felix Mendelssohn durch seine allbeliebten

Lieder ohne Worte gegeben; sie verhalten sich zu dem frühern

Clavierconcert, wie das einfache Lied zur prätenziösen Bravourarie.

Ihr Inhalt ist wie bei jenem der Seelenerguß, den eine fröhliche

oder wehmüthige Stimmung hervorruft, das Landschaftsbild, Jagd und

Wasserfahrt und so weiter. Einige bestimmte Gattungen findet man, wenn

auch im Gedanken und der Ausführung sehr verschieden, doch in verwandten

Zügen in jedem Hefte wieder. So ist z. B. Nr. I jedesmal eine getragene

Melodie in sehr sanften Modulationen, über einer etwas bewegtern

arpeggirten Begleitung schwebend, welche die leise Sehnsucht

unausgesprochener Liebe, oder die holde Ruhe in der seligsten Erfüllung

ausdrückt. Ein Lied der schmerzlichen Klage folgt, oder ein wildes

Reiterlied, wo wir im dunkeln Wald den Sturm und den Regen brausen

hören, der die Hufschläge des Rosses und den trotzigen Sang des einsamen

Gesellen begleiten. Die leidenschaftlose Melodie religiöser Inbrunst

oder stiller Ergebung in ein höheres Walten ist nicht minder

unverkennbar in mehreren von diesen Liedern ausgedrückt. Es ist nicht

eben Choral oder hergebrachter Kirchenstyl, aber die Heiligkeit und

Würde der Akkorde und Rhythmen ist durch und durch von Gebethauch

umflossen.

Das venetianische Gondellied ist einigemal in gleich gelungener Weise

vertreten. Sehr fein hat Mendelssohn durch die Wahl der Tonarten und die

Lage der Akkorde den Zauber der Sternennacht heraufbeschworen. Wer nur

die beiden ersten Takte beobachtet, der kann nicht mehr zweifeln, daß

hier kein Bild des farbenhellen Tages sich aufrollen wird. Tiefer und

tiefer umhüllen uns dunkle Schatten, ein eigner feuchter Schimmer

entwickelt sich aus den Baßakkorden, als schauten wir hinab in das

grüne Meer; nun kommen im ruhigen Takt die Ruderschläge, von einer

wellenförmigen Begleitung umspielt, kleine abgestoßene Terzengänge

geben täuschend den Klang der Guitarre wieder, die den zweistimmigen

melancholisch langgezogenen Gesang begleiten, der aus dem Innern der

Gondel fernhin über die Laguna schallt.

Das Lied Nr. III im ersten Heft, in der heitern goldgrünen Tonart _A-dur_,

führt der Phantasie ein Jagdbild in frischester Kraft und Anmuth vor.

Hörnerklänge laden in den dunkeln Forst, die Rosse im Galopp, die

wallenden Federbüsche ritterlicher Gestalten fliegen uns vorüber; die

Harmonie malt ein Harren, Suchen, Hin- und Herirren, endlich das

Auffinden der Spur. Nun jubelt Alles auf; durch das Dickicht hindurch

stürzen sie, wo die verschlungenen Zweige sich rauschend öffnen und

schließen. Ein letztes Geraschel im Laub, ein fernes Verhallen, und

wie ein aufwirbelndes Staubwölkchen schließt die zierlichste säuselnde

Roulade, von wenigen Tönen gefolgt, ab, als sei Alles nur ein Traum

gewesen.

Das Lied Nr. IV im zweiten Heft zeichnet das stille Wandeln neben einem

plätschernden Bach. Die spielende Figur im Baß gleitet wie krystallklare

Wellen über reinliche Kiesel dahin. Die Schlußpassage, die sich aus

diesem Baß entwickelt und mit lieblichster Grazie aufsteigt, gleicht dem

Abendwind, der im Fluge ein paar Apfelblüthen mit sich emporwirbelt und

dem Wanderer auf den Pfad streut.

Auch ein Duett zwischen Baß und Oberstimme ist diesen Liedern ohne

Worte beigefügt, und wie sich versteht, ein =zärtliches= Duett. Es gilt

für eine der schönsten Nummern der Sammlung, und gewiß mit Recht, wenn

es auch, zufolge seiner bestimmt ausgeprägten Form, nicht so manche

phantastische Deutung zuläßt, wie viele von den andern.

Ein anderes, welches den Charakter des Volksliedes trägt, wird vielfach

von den Dilettanten gepriesen, hat aber für ein verfeinertes Gehör etwas

Verletzendes durch die Verdoppelungen der Oktavengänge, welche allerdings

den Volksgesang in seiner Eigentümlichkeit wiederspiegeln.

Im fünften Hefte findet sich unter Nr. II eine Art Triumphgesang, der

stark wie ein Freiheitslied klingt. Gut, daß für die deutsche Polizei

die reine Tonsprache Sanskrit ist, sonst würde sie solch einen Rhythmus

verbieten. Es ist ein kettenzermalmender Uebermuth darinnen, der den

Hörer begeistert und elektrisirt. Sollte wirklich der Drang der damaligen

Zeit auch in das harmlose Clavier gefahren sein und sich dort einen

Ausweg gesucht haben, als ihm das Wort versperrt war? Doch das ist ja

die Magie der Tonkunst, daß jede Zeit das heraushört oder hineinlegt,

was ihr heißestes Bedürfniß ist.

* * * * *

An der Reform der Claviermusik im Allgemeinen hat einen eben so großen

Antheil als Mendelssohn, Friedrich Chopin, ein Pole von Geburt. Während

Mendelssohns feiner Verstand, sein hochgebildeter Geschmack die Auswüchse

der vorhergegangenen Periode hinweggetilgt oder zurechtgebogen, die

Formen vereinfacht, den Inhalt vergeistigt, im Ganzen aber auf dem

vorhandenen Boden fortgebaut hat, brach Chopins Genialität bisher

unbekannte Bahnen in die romantischen Dämmerungen der wunderbarsten

Harmonien. Seine Musik steht neben der Mendelssohn'schen wie das

Mährchen neben der Geschichte. Sie ist nicht so gesund, noch so wahrhaft

und verständig, hat aber dafür all den schwülen Zauber, die

ahnungsvollen Schauer des Mährchens.

Es wäre gar nicht unmöglich, auch einen Kenner, der zum erstenmal eine

Mendelssohn'sche Melodie hörte, glauben zu machen, es sei eine von

Mozart oder Beethoven, die er noch nicht kenne; so nah verwandt ist

trotz aller Originalität Mendelssohn diesen seinen großen Vorbildern.

Chopins Melodien hingegen sind =unerhört=, keine ähnliche ist vor ihnen

erfunden worden. Daher kömmt es wohl, daß bei seinem ersten Auftreten

fast alle Personen über vierzig Jahr ihn haßten und ihn ganz unfaßlich

fanden, während die Jugend sich leidenschaftlich für ihn begeisterte.

Fragen wir nun, was das ist, das uns bei Chopin so namenlos erschüttert,

mit Grauen und Entzücken erfüllt, so findet sich eine Lösung, die

Manchem erst recht wie eine Fabel erscheinen möchte: Chopin will die

Vierteltöne erlösen, die jetzt nur wie gespenstige Doppelgänger

schattenhaft zwischen den unharmonischen Verwechslungen auftauchen.

Um diese Ansicht zu rechtfertigen, müssen wir ein paar gute Schritte

rückwärts in die Musikgeschichte blicken. In den frühesten Jahrhunderten

christlicher Zeitrechnung, wo man nicht das Ohr, sondern die

mathematische Berechnung entscheiden ließ, welche Intervalle wohl oder

übel klingen müßten, schritten die mehrstimmigen Sätze in Quinten und

Oktaven neben einander fort, denn Terzen galten für unerträgliche

Dissonanzen. Also gerade das, was wir jetzt als die abscheulichste

Harmoniefolge empfinden, galt damals als die einzig richtige. Das

menschliche Ohr war noch nicht hinreichend gebildet, um näher liegende

Zusammenklänge zu unterscheiden. Die Quinte, allenfalls die Quarte lag

ihm noch weit genug aus einander; wahrscheinlich aber machte die kleine

Terz (diese schmeichlerische, wollüstige Lieblingin =unsers= Gehörs)

damals denselben Eindruck, wie uns jetzt etwa die kleine Sekunde, oder

die übermäßige Prime, _C_ und _Cis_ zusammen angeschlagen.

Denken wir uns nun die Vierteltöne mit in unser Intervallen-System

aufgenommen, so wurde die Sekunde vielleicht dasselbe für die Zukunft,

was uns jetzt die Terz ist. Jeder, der in die Geschichte der Musik

geblickt, wird sich der Revolution erinnern, welche die erste Einführung

der Terz, auf welcher der Sturz des alten und der ganze Bau unsers

jetzigen musikalischen Systems gegründet ist, hervorrief. Welcher

Zeiträume bedurfte es, bis sie als wohlklingend anerkannt war. Nun

verdanken wir ihr die Reihenfolge der herrlichsten Harmonien, die seit

Jahrhunderten, einander immer überbietend, unsere Seele erfrischten.

Aber manchmal will es scheinen, als sei nun doch der Quell beinahe

ausgeschöpft; mehr und mehr klingen die neuern Melodien wie Nachahmungen

oder oberflächliche Veränderungen der oft dagewesenen ältern, und das

Ohr seufzt nach ganz Neuem, Unerhörtem.

Emancipirt die Vierteltöne, so habt ihr eine neue Tonwelt!

Aber uns, die wir an die längst bestandene Einteilung in halbe Töne

gewöhnt sind, wird die Neuerung schauerlich und wie ein bloßes Geräusch

von Dissonanzen klingen: doch vielleicht schon begrüßt die nächst- oder

drittfolgende Generation, wenn sie erst mit der Muttermilch die fremden

Klänge eingesogen hat, in ihnen eine frischerstandene, doppelt reiche

Kunst.

An dieser mysteriösen Pforte scheint Chopin zu rütteln; seine Melodien

schleichen widerstrebend durch die halben Töne, als tasteten sie nach

feinern, vergeistigtern Nüancen, als die vorhandenen seinen Intentionen

bieten. Ist einmal diese Pforte gesprengt, so sind wir abermals um

einen Schritt näher den ewigen Naturlauten: denn warum können wir die

Aeolsharfe, das Waldesrauschen, die zauberischen Laute des Wassers nicht

treu in Töne fassen, nur schwach nachahmen, weil unsere sogenannten

ganzen und halben Töne zu plump und lückenhaft auseinander liegen,

während die Natur nicht bloß Viertel- und Achteltöne, sondern die

unendliche, kaum in Klang-Atome zersetzte Skala besitzt!

Es ist, als ob ein Chopin'sches Notturno darnach ringe, die Stimmung

hervorzurufen, die uns in tiefster, einsamster Mitternacht umweht,

wenn wir auf einer hohen freien Stelle horchend stehen, und alle die

flüsternden Laute wach werden, die sonst das Tagesgeräusch übertönt. Da

fließt es von den Sternen herab, steigt aus den Thalgründen auf, und

klingt zu Einem kaum hörbaren Etwas zusammen. Es ist nicht Schwirren,

es ist nicht Tönen, was die weite Atmosphäre erfüllt: doch sie ist da,

diese Musik der Nacht, für die es keinen Namen giebt -- keiner kann sie

wegläugnen, der sie einmal belauscht.

Den Weltschmerz und die Zerrissenheit der Jugend seiner Zeit hat auch

Chopin wie kein anderer Componist ausgesprochen. Ironisch hat er diese

Empfindungen in seine zahlreichen Mazurken ausgegossen, die aber von

Tänzen nichts als den Namen und den Dreiviertelstakt haben.

* * * * *

Beliebter beim größern Publikum als Chopins Compositionen, sind ihres

Glanzes und ihrer leichtern Faßlichkeit wegen die von Thalberg, welche

mehr den Fingern der Spieler, als dem Begriff der Hörer Anstrengung

zumuthen. Sie sind ohne Geist, aber voller Anmuth, und verrathen weniger

Erfindung als geschickte Bearbeitung. Das leichte, fröhliche Element

süddeutscher, eigentlich Wienerischer Eleganz und Lebenslust spiegelt

sich darin. Es sind treffliche Saloncompositionen, und als solche wohl

kaum bisher überboten.

* * * * *

Zwischen Thalberg und Chopin mitten inne steht Adolf Henselt, gediegener

als der erste, minder genial als der zweite, von jedem aber einen

kleinen Antheil der Vorzüge vereinigend. Gleich Chopin schildert er

Naturbilder, aber nicht ihren schauerlichen Räthselzauber, sondern nur

die schimmernde oberflächliche Erscheinung. Aus der unerschöpften Tiefe

der schmerzlichsten Gefühle nimmt er die vergiftete Pfeilspitze hinweg,

und zeigt uns nur höchstens ein helles Blutströpfchen auf einer

schneeweißen Brust. So gleißend wie Thalbergs Raketenpassagen sind die

seinigen auch nicht, aber sie beruhen auf einer durchdachtern

harmonischen Grundlage.

Eine Eigenheit Henselts, die Viele ihm nachahmen, sind die fremdartigen,

übermäßig mit Kreuzen und Been belasteten Tonarten, die er wählt, und

wodurch (man kann es nicht läugnen) mancher gewöhnlichere Gedanke

origineller scheint, als er wirklich ist. Diese Unart erschwert ohne

Noth den Dilettanten manches populäre Stück. Man sollte wirklich das

heilige _Des-dur_, das tragische _As-_ und _Es-mol_, das in dunkeln

Purpur gehüllte _Fis-dur_ nicht so für jede Lappalie mißbrauchen; dieser

Frevel beraubt die genannten Tonarten nach und nach ihres Nimbus; sie

werden gewöhnlich wie _G_ und _D_, und für Geistererscheinungen und

große Affekte wird den Componisten ihr bequemstes Mittel weggefischt.

Man ist jetzt schon so verwöhnt, daß Einem oft eine wirklich

achtungswürdige Composition, die in einer schlichten Tonart auftritt

und nur durch den innern Gehalt etwas gelten will, neben einer minder

geistvollen, die mit Doppelkreuzen und Been gewürzt ist, auf den

ersten Augenblick flach und arm erscheint. Es (dieß) ist dieß ein

ganz ähnliches Begegniß, wie man es häufig auf den Kunstausstellungen

erfährt. Fast alle Landschaften prangen in rother Abendbeleuchtung oder

empfangen ein zerrissenes Licht durch die Lücke einer Gewitterwolke.

Sieht man daneben eine vortreffliche Composition mit einem natürlichen

Grün im gesunden Tageslicht, so braucht das Auge lange Zeit, bis es

erkennt, daß diese ächte Wahrheit und die früher gesehenen nur Blendung

waren.

* * * * *

Beethovens größere Claviersonaten, die einzig und unvergleichbar

dastehen, keiner Zeit und Moderichtung angehören, sollte das letzte

Studium des ausgebildeten Spielers sein, das er erst dann unternimmt,

wenn er sich selbst Rechenschaft von dem darin wohnenden Geiste geben

kann.

[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei

jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile

steht.

man ihnen ein Vorspiel nebst Fuge aus dem wohltemporirten Clavier

man ihnen ein Vorspiel nebst Fuge aus dem wohltemperirten Clavier

]

Acht Briefe an eine Freundin über Clavier-Unterricht · 第 8 / 8 题